Multiple Sklerose und Durst: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Sie ist nicht heilbar, aber es gibt eine Reihe von Medikamenten, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen und schwerwiegenden Folgen vorbeugen können. Die Behandlung wird individuell auf jeden MS-Patienten abgestimmt, wobei MS-Form, Krankheitsverlauf und Lebenssituation berücksichtigt werden. Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Therapieansätze bei Multipler Sklerose

Da Menschen mit Multipler Sklerose unterschiedliche MS-Formen, Verläufe und Anzeichen haben, gibt es keine einheitliche Therapie, die für jeden Betroffenen geeignet ist. MS-Therapien umfassen vielmehr verschiedene Bausteine. Mediziner unterscheiden drei Grundformen der Behandlung:

  • Schubtherapie (Stoßtherapie): Sie kann einen akut auftretenden Schub verkürzen und Symptome mildern. In der Regel setzen Ärzte bei einem Schub Kortison als Stoßtherapie ein, um MS-bedingte, akute Entzündungen in Rückenmark und Gehirn zu hemmen, die die Nervenzellen schädigen. Ziel ist es, Schübe zu verkürzen und die Krankheitsanzeichen zu bekämpfen.
  • Verlaufsmodifizierende Therapie: Die Dauerbehandlung soll das Fortschreiten der MS hemmen. Sie reguliert das Immunsystem, das bei MS aus dem Gleichgewicht gerät und körpereigenes Gewebe angreift. Mediziner unterscheiden sogenannte Immunmodulatoren und Immunsuppressiva. Je früher mit der Langzeit-Therapie begonnen wird, desto milder verläuft in der Regel die Erkrankung.
  • Symptomatische Therapie: Das Ziel ist es, Krankheitsanzeichen und die Lebensqualität langfristig zu verbessern. Sie umfasst sowohl Medikamente als auch nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Logopädie, Psychotherapie, neuropsychologische Therapie und multimodale Rehabilitation.

Bei Bedarf können die Optionen kombiniert werden, wobei die Ärztin oder der Arzt die Behandlung individuell an die Bedürfnisse des Patienten anpasst. Die geeignete Behandlung hängt unter anderem von der Form der MS ab, dem Stadium und Verlauf der Erkrankung, den vorherrschenden Symptomen, Alter, Geschlecht, einem eventuellen Kinderwunsch und weiteren vorhandenen Erkrankungen.

Behandlung des akuten Schubs

Ein Schub ist ein Notfall. Bei MS-typischen Anzeichen oder zunehmenden neurologischen Symptomen sollte umgehend eine Neurologin oder ein Neurologe aufgesucht werden. Ärzte setzen bei einem Schub in der Regel Kortison als Stoßtherapie ein. Die Kortison-Therapie hemmt MS-bedingte, akute Entzündungen in Rückenmark und Gehirn, die die Nervenzellen schädigen. Das Ziel der Therapie ist es, Schübe zu verkürzen und die Krankheitsanzeichen zu bekämpfen. Viele Menschen fürchten die Nebenwirkungen der Kortison-Infusion. Diese fallen jedoch bei einer Schubtherapie eher gering aus, da das Kortison nur für eine kurze Dauer angewendet wird. Da Magenbeschwerden zu den möglichen Therapiefolgen gehören, erhalten Betroffene meistens vorbeugend ein Präparat zum Schutz des Magens. Bilden sich die Symptome nicht zurück, kann die Infusionstherapie wiederholt werden - eventuell mit einer höheren Dosis. Für eine Langzeit-Behandlung eignet sich Kortison jedoch nicht: Es würde auf Dauer nicht den Krankheitsverlauf verbessern und zudem starke Nebenwirkungen verursachen.

Ergänzende Maßnahmen während der Kortisontherapie:

  • Ernährung anpassen: Kortison erhöht den Bedarf an bestimmten Vitaminen und Mineralien - beuge daher am besten mit einer angepassten Ernährung Mangelerscheinungen vor. Als vorteilhaft gilt eine ausgewogene Ernährung, die Antioxidantien, Vollkornprodukte, Vitamin D und Kalzium umfasst und arm an tierischen Fetten ist.
  • Kortison zu Tagesbeginn: Versuche, die tägliche Kortisongabe möglichst früh auf den Morgen zu legen. Denn zu dieser Tageszeit produziert der Körper selbst am meisten Kortison. Außerdem kannst du so Schlafstörungen vorbeugen, da Kortison eine anregende Wirkung hat.
  • Regelmäßig bewegen: Wenn du regelmäßig spazieren gehst oder gelegentlich Sport treibst, kannst du Folgeerkrankungen der MS vorbeugen: Bewegung stärkt die Knochen, verhindert den Abbau von Muskeleiweiß und reguliert den Blutzuckerspiegel.
  • Infekten vorbeugen: Da Kortison das Immunsystem beeinträchtigt, kannst du während der Therapie eventuell besonders anfällig für Infekte sein. Achte daher auf eine gute Hygiene und meide Menschenmengen. Eine gute Mundhygiene hilft, einem Pilzbefall der Mundschleimhaut vorzubeugen.
  • Therapie einhalten: Breche deine Kortison-Therapie auf keinen Fall eigenmächtig ab! Der Erfolg deiner Behandlung hängt unter anderem davon ab, ob du den Anordnungen der Ärztin oder des Arztes folgst. Melde dich sofort bei deinem Arzt, wenn größerer Durst, verstärktes Wasserlassen, Fieber oder andere Hinweise auf einen Infekt auftreten.

Treten schwere Schübe auf oder zeigt das Kortison keine Wirkung, kommt eine sogenannte Blutwäsche (Plasmapherese) als Kurzzeit-Therapie infrage. Vor der Behandlung wird dem Betroffenen Blut entnommen. In speziellen Apparaturen wird es vom Plasma - dem zellfreien Anteil des Bluts - gereinigt und durch neues Plasma ersetzt. Auf diese Weise wird das Blut der Betroffenen von sogenannten Autoantikörpern gereinigt, die bei MS die Nervenzellen im zentralen Nervensystem angreifen.

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Verlaufsmodifizierende Langzeittherapie

MS-Schübe stellen nur einen Teil der Krankheits-Aktivität dar: Sie sind bildlich gesprochen die Spitze eines schwimmenden Eisbergs, der sich zum größten Teil unter Wasser befindet. Denn Multiple Sklerose schreitet „im Verborgenen“ fort, auch wenn kein Schub auftritt. Die verlaufsmodifizierende Langzeit-Therapie setzt bei der Ursache der Erkrankung an und ist die einzige Behandlung, die den Verlauf der Multiplen Sklerose dauerhaft abmildern kann. Die Therapie bremst die Entzündungsaktivität im zentralen Nervensystem und damit das Fortschreiten der MS. Sie trägt auch dazu bei, dass weniger Schübe auftreten.

Die verlaufsmodifizierende Therapie reguliert das Immunsystem, das bei MS aus dem Gleichgewicht gerät und körpereigenes Gewebe angreift. Mediziner unterscheiden sogenannte Immunmodulatoren und Immunsuppressiva:

  • Immunmodulierende Medikamente „verändern“ das Immunsystem, indem sie seine überschießenden Reaktionen dämpfen: Immunstimulierende und immunhemmende Mechanismen gelangen durch die Behandlung wieder ins Gleichgewicht. Immunmodulatoren wirken unterschiedlich: Sie hemmen entweder bestimmte Botenstoffe im Immunsystem oder beeinflussen die Kommunikation der Immunzellen.
  • Immunsupprimierende Arzneimittel hingegen „unterdrücken“ das Immunsystem, um seinen schädigenden Angriff auf das Nervensystem zu verhindern. Sogenannte selektive Immunsuppressiva blockieren gezielt bestimmte Funktionen des Immunsystems und werden in der verlaufsmodifizierenden MS-Therapie häufiger eingesetzt als unspezifische Immunsuppressiva.

Je früher mit der Langzeit-Therapie begonnen wird, desto milder verläuft in der Regel die Erkrankung. Denn gerade in der frühen Phase der MS ist die Entzündungsaktivität oft sehr hoch, und es treten viele Schübe auf. Setzt die Therapie zu spät ein, besteht daher das Risiko von bleibenden Einschränkungen.

Symptomatische Therapie

Aufgrund deiner MS kann es sein, dass du in Alltag und Beruf eventuell eingeschränkt bist. Ziel der symptomatischen Therapie ist es auch, sogenannte sekundäre Symptome zu verhindern - also Krankheitsanzeichen, die infolge von bestehenden MS-Symptomen entstehen. So kann eine heftige Spastik Schmerzen verursachen. Die symptomatische Behandlung ergänzt die Schubtherapie bzw. die verlaufsmodifizierende Therapie und umfasst sowohl Medikamente als auch nicht-medikamentöse Therapien.

Nicht-medikamentöse Therapien:

  • Physiotherapie
  • Logopädie
  • Psychotherapie
  • Neuropsychologische Therapie
  • Multimodale Rehabilitation (=Kombination verschiedener Therapieansätze zur Rehabilitation)
  • Tiergestützte Therapien

Mit der Physiotherapie kannst du deine Muskelkraft stärken. Die Therapie verbessert außerdem deine Ausdauer sowie Koordination und hilft dir so, ein aktives Leben mit Multiple Sklerose zu führen. Ergänze am besten das Training mit deinem Therapeuten und trainiere einzelne Übungen zu Hause.

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Kannst du nur noch eingeschränkt sprechen und / oder schlucken? Dann ist die Logopädie, d. h. heißt die Sprach- und Stimmtherapie Teil der Rehabilitation. Eine Sprachtherapie kann dir helfen, die Muskulatur von Zunge, Wangen, Lippen und Mund zu stärken. Schluckbeschwerden können zusätzlich durch Atemübungen, Haltungstraining und eine angepasste Ernährung behandelt werden.

Der Verlauf der Multiplen Sklerose ist unvorhersehbar - und damit auch die Veränderungen, die die Erkrankung für das Privat- und Berufsleben mit sich bringt. Vielleicht leidest auch du unter Angst, Unsicherheit und Traurigkeit. Dann kann dir eine begleitende psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung helfen.

Ein geeigneter Behandlungsansatz bei MS ist auch die neuropsychologische Therapie. Sie wurde speziell für psychische Störungen entwickelt, die infolge einer Erkrankung oder Verletzung des Gehirns auftreten - so wie es bei Multiple Sklerose der Fall ist. Die Therapie umfasst das intensive Trainieren von Gedächtnis und Aufmerksamkeit, die Unterstützung des Betroffenen bei der Rückkehr in den Alltag und das Erlernen ausgleichender Strategien, um Einschränkungen im Alltag zu bewältigen. Diese Behandlung wird von Psychotherapeuten mit der Zusatzqualifikation „Klinische Neuropsychologie“ angeboten.

Die multimodale Rehabilitation ist eine intensive symptomatische Behandlung, die verschiedene Therapieansätze kombiniert. Das Ziel ist es, körperliche Fähigkeiten zu erhalten und Einschränkungen, die durch die Multiple Sklerose hervorgerufen wurden, aufzuheben.

Vermehrter Durst bei Multipler Sklerose

Vermehrter Durst (Polydipsie) kann bei Multipler Sklerose verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.

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Mögliche Ursachen für vermehrten Durst bei MS:

  • Kortisontherapie: Kortison kann als Nebenwirkung vermehrten Durst und verstärktes Wasserlassen verursachen. Es ist wichtig, dies dem Arzt mitzuteilen und die Therapie nicht eigenmächtig abzubrechen.
  • Diabetes insipidus: In seltenen Fällen kann MS zu einem Diabetes insipidus führen, bei dem der Körper nicht in der Lage ist, ausreichend ADH (antidiuretisches Hormon) zu produzieren. ADH reguliert den Wasserhaushalt des Körpers, indem es die Wasserrückresorption in den Nieren fördert. Ein Mangel an ADH führt zu einer erhöhten Urinausscheidung und starkem Durst.
  • Psychogene Polydipsie: Bei manchen Menschen mit MS kann vermehrter Durst psychisch bedingt sein. Dies kann mit Angst, Depressionen oder anderen psychischen Problemen zusammenhängen.
  • Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH): In seltenen Fällen kann MS zu einer inadäquaten Ausschüttung von ADH führen, was zu einer übermäßigen Wasserrückhaltung und Verdünnungshyponatriämie (Natriummangel) führen kann. Dies kann paradoxerweise zu Durstgefühl führen.
  • Zerebrales Salzverlust-Syndrom: Dieses Syndrom kann nach neurologischen Erkrankungen wie MS auftreten und zu einem Natriumverlust über die Nieren führen, was wiederum zu Durstgefühl führen kann.
  • Austrocknung: Da MS die Nervenfunktion beeinträchtigen kann, kann es für Betroffene schwieriger sein, ihren Flüssigkeitshaushalt zu regulieren und Anzeichen von Austrocknung zu erkennen. Dies kann zu vermehrtem Durst führen.
  • Medikamente: Abgesehen von Kortison können auch andere Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, wie z. B. Antidepressiva oder Antiepileptika, als Nebenwirkung Durst verursachen.
  • Flammer-Syndrom: Eine Studie hat gezeigt, dass MS-Patienten häufiger Symptome des Flammer-Syndroms aufweisen, darunter ein reduziertes Durstempfinden. Dies kann dazu führen, dass Betroffene erst spät Durst verspüren und dann größere Mengen trinken.
  • Andere Ursachen: Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für vermehrten Durst auszuschließen, wie z. B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Nierenerkrankungen oder hormonelle Störungen.

Was tun bei vermehrtem Durst?

  • Arzt konsultieren: Bei anhaltendem oder starkem Durst sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
  • Flüssigkeitszufuhr anpassen: Die Trinkmenge sollte an die individuellen Bedürfnisse und die Ursache des Durstes angepasst werden. Bei Kortisontherapie oder Diabetes insipidus kann eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr erforderlich sein. Bei SIADH oder zerebralem Salzverlust-Syndrom kann eine eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr notwendig sein.
  • Regelmäßig trinken: Es ist wichtig, regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken, um den Körper ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen.
  • Geeignete Getränke wählen: Geeignet sind Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsaftschorlen. Zuckerhaltige Getränke sollten vermieden werden, da sie den Durst verstärken können.
  • Begleitende Symptome beachten: Achten Sie auf weitere Symptome wie häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen. Diese können dem Arzt bei der Diagnose helfen.
  • Ernährung anpassen: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Salz kann bei zerebralem Salzverlust-Syndrom hilfreich sein.
  • Medikamente überprüfen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Medikamente und mögliche Nebenwirkungen.

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