Multiple Sklerose: Behandlung von Muskelverspannungen und Spastik

Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe neurologische Erkrankung, deren Beschwerdebild von Patient zu Patient stark variiert. Aus diesem Grund wird MS oft als "Krankheit mit den 1000 Gesichtern" bezeichnet. Die Symptome hängen von den betroffenen Bereichen des Nervensystems ab, was eine individuelle und umfassende Behandlungsstrategie erforderlich macht.

Einführung

Eines der häufigsten und oft beeinträchtigendsten Symptome der MS sind Muskelverspannungen und Spastiken. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten von Muskelverspannungen und Spastiken bei MS, von medikamentösen bis hin zu nicht-medikamentösen Ansätzen.

Ursachen und Auswirkungen von Muskelverspannungen bei MS

Bei MS kommt es aufgrund von Schädigungen im Gehirn und Rückenmark zu einer fehlerhaften Übertragung von Nervenimpulsen. Dies kann zu einer dauerhaft erhöhten Grundspannung der Muskulatur führen, die als Spastik bezeichnet wird. Die Spastik kann sich in Form von Steifigkeit, Muskelkrämpfen und unwillkürlichen Muskelzuckungen äußern.

Die Folgen von Muskelverspannungen und Spastiken können vielfältig sein:

  • Schmerzen: Spastiken können Schmerzen verursachen, die von leichten Beschwerden bis hin zu starken, unerträglichen Schmerzen reichen.
  • Einschränkungen der Beweglichkeit: Erhöhte Muskelspannung kann die Beweglichkeit einschränken und alltägliche Aktivitäten erschweren.
  • Fehlhaltungen: Lang anhaltende Muskelverspannungen können zu Fehlhaltungen und daraus resultierenden Gelenk- und Muskelschmerzen führen.
  • Erhöhte Sturzgefahr: Spastiken in den Beinen können den Gang unsicher machen und das Risiko von Stürzen erhöhen.
  • Fatigue: Die ständige Muskelanspannung kann zu erhöhter Erschöpfbarkeit (Fatigue) führen, einem häufigen und oft unterschätzten Symptom der MS.
  • Blasenfunktionsstörungen: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der Blasenstörung und dem Ausmaß der Spastik.

Diagnose und Beurteilung

Eine genaue Diagnose und Beurteilung der Muskelverspannungen sind entscheidend für die Wahl der geeigneten Behandlungsstrategie. Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören:

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  • Neurologische Untersuchung: Eine umfassende neurologische Untersuchung hilft, das Ausmaß der Spastik und ihre Auswirkungen auf die motorischen Funktionen zu beurteilen.
  • Anamnese: Eine detaillierte Anamnese der Symptome, einschließlich Art, Dauer, Auslöser und Häufigkeit der Beschwerden, ist wichtig, um die Ursachen der Muskelverspannungen zu identifizieren.
  • Spastik-Skalen: Standardisierte Spastik-Skalen, wie die Ashworth-Skala, können verwendet werden, um den Schweregrad der Spastik zu quantifizieren.
  • Ganganalyse: Eine Ganganalyse kann helfen, Gangstörungen und Bewegungseinschränkungen aufgrund von Spastiken zu erkennen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Elektrophysiologische Untersuchungen, wie z. B. Elektromyographie (EMG), können eingesetzt werden, um die Muskelaktivität zu messen und die Ursachen der Muskelverspannungen zu beurteilen.
  • Schmerzdokumentation: Das Dokumentieren von Schmerzen hilft, herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Tagesablauf gibt.

Therapieziele

Bei der Behandlung von Muskelverspannungen und Spastiken bei MS stehen folgende Therapieziele im Vordergrund:

  • Reduktion der Muskelspannung: Ziel ist es, die Muskelspannung zu reduzieren, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Schmerzlinderung: Die Behandlung soll Schmerzen reduzieren, die durch Muskelverspannungen und Spastiken verursacht werden.
  • Verbesserung der Beweglichkeit: Ziel ist es, die Beweglichkeit zu verbessern, um alltägliche Aktivitäten zu erleichtern und die Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Erhalt der Gehfähigkeit: Bei Spastiken in den Beinen ist es wichtig, die Gehfähigkeit zu erhalten und das Sturzrisiko zu minimieren.
  • Verbesserung der Lebensqualität: Die Behandlung soll die Lebensqualität der Patienten verbessern, indem sie Schmerzen reduziert, die Beweglichkeit verbessert und die Fatigue verringert.
  • Konkrete Therapieziele vereinbaren: In der Behandlungsplanung sollten therapeutische Schwerpunkte formuliert und realistische Behandlungsziele vereinbart werden. Diese sind zu definierten Zeiten gemeinsam mit den Patienten zu bewerten. Da sich die Spastik im Verlauf der Multiplen Sklerose verändert, müssen die Erwartungen und der therapeutische Algorithmus fortwährend überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Nicht-medikamentöse Therapieansätze

Nicht-medikamentöse Therapieansätze bilden die Grundlage der Behandlung von Muskelverspannungen und Spastiken bei MS. Sie umfassen:

  • Physiotherapie: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Spastik-Therapie. Durch gezielte Übungen und Techniken können Physiotherapeuten die Muskelspannung reduzieren, die Beweglichkeit verbessern und Fehlhaltungen korrigieren. Bewährt haben sich dabei Fahrrad- und Laufbandtraining. Teilweise kann das Training auch motorgetrieben ohne Widerstand erfolgen. Auch spezielle neurophysiologische Behandlungen, wie etwa die PNF-, Bobath- oder Vojta-Therapie, wirken unterstützend. Besonders wichtig sind zudem gezielte krankengymnastische Übungen, damit Sie eine Fehlstellung der Gelenke und Schmerzen vermeiden.
  • Ergotherapie: Ergotherapie konzentriert sich auf das Üben von alltagspraktischen Aktivitäten. Ergotherapeuten helfen den Patienten, Techniken zu erlernen, die sie bei der Ausführung alltäglicher Betätigungen unterstützen. Ferner stehen Ergotherapeuten bei der Auswahl erforderlicher Hilfsmittel beratend zur Seite.
  • Physikalische Therapie: Physikalische Therapie umfasst verschiedene Anwendungen, wie z. B. Wärme- und Kälteanwendungen, Elektrotherapie und Massagen. Diese Anwendungen können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu verbessern. Typische Module der physikalischen Therapie bei MS-induzierter Spastik sind: Transkutane elektrophysiologische Nervenstimulation (TENS), elektromagnetische Therapie (gepulste elektromagnetische Therapie), Transkranielle Magnetstimulation: repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) und die Sonderform der Intermittent Theta Burst Stimulation (iTBS), Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) und Ganzkörpervibration.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken, wie z. B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Autogenes Training oder Yoga, können helfen, Stress abzubauen und die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Hilfsmittel: Hilfsmittel, wie z. B. Gehstöcke, Rollatoren, Schienen und Orthesen, können die Beweglichkeit verbessern und die Selbstständigkeit im Alltag erleichtern.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige körperliche Aktivität, wie z. B. Ausdauersportarten wie Radfahren oder Schwimmen, kann helfen, die Muskelkraft und Ausdauer zu verbessern und die Fatigue zu reduzieren.
  • Kälteanwendungen: Kälteanwendungen (eine Minute Kältekompresse oder Eiswasserbad) können die Ataxie der Arme kurzfristig (für ca. 45 Minuten) bessern: hilfreich etwa vor dem Einnehmen einer Mahlzeit oder dem Leisten einer Unterschrift.
  • Verhaltensänderungen: Durch das eigene richtige Verhalten können Blasenfunktionsstörungen vor allem im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Wichtig ist: regelmäßig ausreichend trinken (ca. 2 Liter über den Tag verteilt, sofern Herz und Nieren gesund sind), regelmäßige, auch vorbeugende Toilettengänge und Kontrolle von Trink- und Urinmenge durch ein Tagebuch.
  • Interdisziplinäres Therapieteam: Das ambulante Management von Spastizität sollte in den Händen von Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen liegen. Empfehlenswert ist ein erfahrenes Team aus Neurologen, Neurochirurgen, Rehabilitationsmedizinern, Orthopäden, Physio- und Ergotherapeuten, Orthopädiemechanikern und Pflegekräften. Patient und Angehörige sind selbstverständlich in das Therapiegeschehen einzubeziehen.

Medikamentöse Therapieansätze

Wenn nicht-medikamentöse Therapieansätze nicht ausreichend wirksam sind, können Medikamente eingesetzt werden, um Muskelverspannungen und Spastiken zu reduzieren. Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Art und dem Schweregrad der Spastik sowie den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören:

  • Orale Antispastika:
    • Baclofen: Baclofen wirkt im Rückenmark und reduziert die Muskelspannung, indem es die Freisetzung von Neurotransmittern hemmt. Die tolerable Einzel- und Gesamtdosis ist individuell verschieden und sehr variabel. Baclofen sollte entsprechend vorsichtig eindosiert werden, zum Beispiel mit 3 x 5 mg täglich. Eine Dosiserhöhung wird frühestens nach drei Tagen empfohlen. Häufige Nebenwirkungen sind Sedierung, Müdigkeit, Vertigo, Ataxie, Muskelschwäche, gastrointestinale Störungen und Hypotonie. Weitere mögliche Komplikationen sind eine erhöhte Anfallsbereitschaft und Anfallsereignisse nach abrupter Dosisreduktion.
    • Tizanidin: Tizanidin ist ein zentraler Alpha2-Agonist, der ebenfalls im Rückenmark wirkt und die Muskelspannung reduziert. Die antispastische Wirkung von Tizanidin ist vergleichbar mit der von Baclofen und Diazepam; sein antispastischer Effekt wirkt sich jedoch nicht negativ auf eine bestehende Muskelschwäche aus. Einige Interaktionen erschweren den Einsatz von Tizanidin. Besondere Vorsicht ist bei gleichzeitiger Gabe von Antihypertensiva geboten, da dies in einer arteriellen Hypotonie münden kann. Die gleichzeitige Anwendung mit Fluvoxamin und Ciprofloxacin ist kontraindiziert, da hierbei die Serumkonzentration von Tizanidin auf das bis zu 33-Fache ansteigen kann. Zur Eindosierung werden 3 x 2 mg pro Tag empfohlen. Ähnlich wie bei Baclofen sollte die Dosis nur vorsichtig und frühestens nach dreitägigem Intervall erhöht werden.
  • Muskelrelaxanzien:
    • Dantrolen: Dantrolen hemmt die Ca2+-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum der Skelettmuskelzelle und blockiert so die elektromechanische Kopplung. Aufgrund seiner potenziellen Hepatotoxizität und einer Verstärkung von Paresen sollte Dantrolen aber nur bei strenger Indikationsstellung eingesetzt werden.
    • Tolperison: Seitdem die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) im Juni 2012 vor möglichen Hypersensitivitätsreaktionen warnte, ist Tolperison in Deutschland nur noch für die Behandlung von Spastizität nach Schlaganfall zugelassen.
  • Cannabinoide: Im Juli 2011 erhielt Nabiximols (Sativex) als fixes Kombinationspräparat aus Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) eine Zulassung als Add-on-Therapie für die Behandlung von Spastik bei Multipler Sklerose, wenn durch die übliche antispastische Therapie keine zufriedenstellende Wirksamkeit erzielt werden kann. Studiendaten belegen, dass nach einmonatiger Behandlung mit dem Oromukosalspray mäßige bis schwere MS-induzierte Spastiken bei etwa 70 Prozent der Patienten, die auf herkömmliche Therapien nicht angesprochen haben, um mindestens 20 Prozent und nach dreimonatiger Anwendung um mindestens 30 Prozent reduziert wurden.
  • Benzodiazepine: Benzodiazepine wie Diazepam oder Clonazepam werden als GABA-a-Agonisten trotz fehlender Zulassung seit Jahren bei spastischen Muskeltonuserhöhungen im Rahmen von Multipler Sklerose verordnet. Aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils gehören Benzodiazepine nicht zu den empfohlenen Medikamenten bei MS-induzierter Spastik.
  • Gabapentin: Seit Januar 2014 darf Gabapentin zur Behandlung der Spastik und schmerzhaften Muskelspasmen im Rahmen der Multiplen Sklerose off-label verordnet werden, wenn zugelassene Arzneimittel wegen Unverträglichkeit, unerwünschter Wirkungen oder fehlender Wirksamkeit nicht angewendet werden können.
  • Fampridin: Im Herbst 2011 erhielt Fampridin (Fampyra) eine bedingte Zulassung für erwachsene Patienten mit Multipler Sklerose, die ohne Hilfe nicht weiter als 500 Meter gehen können, aber noch nicht komplett auf den Rollstuhl angewiesen sind (Behinderungsgrad auf der EDSS-Skala von 4 bis 7). Eine Zulassung für MS-induzierte Spastik besteht indes nicht.
  • Botulinumtoxin A (BoNT A): Bei einer fokalen Spastik sollte eine lokale Injektion mit Botulinumtoxin A (BoNT A) - soweit umsetzbar - vor der Gabe oraler Antispastika eingesetzt werden. Die intramuskuläre Injektionsbehandlung mit BoNT A hemmt die neuromuskuläre Reizübertragung. Die BoNT A induzierte Muskeltonussenkung wird etwa zehn Tage nach Injektion erreicht und hält etwa drei bis sechs Monate an. Nebenwirkungen sind in den empfohlenen Dosisbereichen pro Muskel und Injektionssitzung selten. Zur Verstärkung der tonussenkenden Wirkung empfiehlt die aktuelle Leitlinie eine individuell angepasste adjuvante Therapie, zum Beispiel neuromuskuläre Elektrostimulation selektierter behandelter Muskeln an den Tagen nach der Behandlung sowie aktiv-motorische Übungsbehandlungen, physiotherapeutische Dehnungen, Lagerungsschienen/Casting, Taping und TENS.

Invasive Therapieansätze

In einigen Fällen, wenn konservative und medikamentöse Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind, können invasive Therapieansätze in Betracht gezogen werden:

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  • Intrathekale Baclofen-Therapie (ITB): Bei der intrathekalen Baclofen-Behandlung (ITB) wird der Wirkstoff mittels einer implantierten, computergesteuerten Pumpe direkt in den Liquorraum injiziert. Aufgrund eines hohen Nebenwirkungs- und Komplikationsrisikos sollte die Indikationsstellung erst nach nicht zufriedenstellendem physikalischem, physiotherapeutischem und oral-medikamentösem Behandlungsversuch erfolgen. Die ITB wird zur Behandlung der schweren Spastizität eingesetzt, wenn eine alltagsrelevante behindernde spastische Tonuserhöhung vorliegt oder die Muskeltonuserhöhung sehr wahrscheinlich zu Sekundärkomplikationen wie Kontrakturen und Dekubitus führen wird, die durch physikalische und therapeutische Maßnahmen in Kombination mit oralen Antispastika und einem vertretbaren Nebenwirkungsprofil nicht ausreichend behandelt werden können.
  • Stereotaktische Operation mit Stimulation der Stammganglien: Bei erheblichem Tremor bleibt als letzte Möglichkeit die stereotaktische Operation mit Stimulation der Stammganglien an spezialisierten Zentren: Eine sehr dünne Sonde wird in einem bestimmten Gehirnareal (Thalamus) platziert, gleichzeitig ein Schrittmacher am Schlüsselbein unter der Haut eingesetzt und mit der Sonde verbunden. Vom Schrittmacher aus kann über die Sonde ein sehr schwacher elektrischer Strom verabreicht werden, der das Zittern verringert oder unterbindet. Die Einstellung des Schrittmachers lässt sich von außen ohne Operation verändern.

Paroxysmale Symptome

Paroxysmale Symptome sind Beschwerden, die überfallartig, kurz (maximal wenige Minuten), aber wiederkehrend auftreten. Meist handelt es sich um einschießende Schmerzen in einer bestimmten Körperregion, es kann sich aber auch um plötzliche Gefühls-, Sprech- oder Bewegungsstörungen handeln, seltener auch Juckreiz. Das häufigste paroxysmale Symptom ist die MS-bedingte Trigeminusneuralgie, die im Gegensatz zur „normalen Trigeminusneuralgie“ oft beidseitig auftritt. Außerdem werden das Lhermitte-Zeichen und das Uhthoff-Phänomen zu den paroxysmalen Symptomen gerechnet.

  • Nicht-medikamentöse Therapie: Es kann hilfreich sein, ein Tagebuch zu führen, um zu erkennen, in welchen Situationen paroxysmale Symptome auftreten. Unter Umständen lassen sich solche Situationen, wenn nicht vermeiden, so doch reduzieren. Bei einem Uhthoff-Phänomen sollten Patienten Wärme meiden und kalte Duschen, kalte Getränke oder kühlende Kleidung (Westen, Stirnbänder etc.) einsetzen.
  • Medikamentöse Therapie: Die meisten paroxsymalen Symptome lassen sich gut mit Medikamenten behandeln. Eingesetzt werden Antiepileptika wie Carbamazepin, Gabapentin, Lamotrigin, bei ausgeprägter Wärmeempfindlichkeit (Uhthoff-Phänomen) auch 4-Aminopyridin.

Blasenfunktionsstörungen

Neurogene, d. h. auf der fehlerhaften Funktion wichtiger Nervenbahnen beruhende, Blasenstörungen gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen der MS. Im Verlauf der Erkrankung sind 50 bis 80 Prozent der Patienten davon betroffen.

  • Nicht-medikamentöse Therapie: Durch das eigene richtige Verhalten können Blasenfunktionsstörungen vor allem im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Wichtig ist: regelmäßig ausreichend trinken (ca. 2 Liter über den Tag verteilt, sofern Herz und Nieren gesund sind), regelmäßige, auch vorbeugende Toilettengänge und Kontrolle von Trink- und Urinmenge durch ein Tagebuch.
  • Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Behandlung umfasst - je nach Art der Funktionsstörung - verschiedene Substanzen: Anticholinergika zur Dämpfung eines überaktiven Blasenmuskels, Alphablocker zur Entspannung des Blasenschließmuskels, Antispastika (Baclofen) und Desmopressin, um die Urinproduktion und -ausscheidung vorübergehend zu verringern. Bei häufigem Harndrang mit kleinen Urinmengen und Inkontinenz kann Botulinumtoxin direkt in den Detrusormuskel gespritzt werden. Akute Harnwegsinfekte werden mit Antibiotika behandelt. Wiederholte Blaseninfekte können zur Verschlechterung der MS beitragen. Ihnen wird am besten durch eine restharnfreie Entleerung der Blase vorgebeugt. Wichtig ist darüber hinaus eine ausreichende Trinkmenge (2 Liter täglich). Zusätzlich kann es hilfreich sein, den Urin anzusäuern, um das Bakterienwachstum zu hemmen. Dies kann durch Trinken von Preiselbeer- oder Cranberrysaft oder durch Medikamente wie Methionin (zum Beispiel Acimethin®, Methiotrans®) geschehen.

Schmerzbehandlung

Schmerzen sind mitunter das häufigste Symptom bei Multiple Sklerose und treten bei ca. 86 % der Patientinnen und Patienten auf. Schmerzen bei MS werden in neuropathische und nozizeptive Schmerzen eingeteilt.

  • Verhaltenstherapie: Verhaltenstherapie zur Behandlung von Schmerzen bei MS kann eine geeignete Alternative für MS-Patienten darstellen.
  • Physiotherapie: Krankengymnastik oder Kälte-/Wärmebehandlungen sowie moderate Sportübungen etc. können dazu beitragen, Muskelprobleme zu verbessern.

Fatigue

Die Fatigue, also eine erhöhte Erschöpfbarkeit, ist ein unterschätztes Symptom der MS. Die zunehmende Schwäche kann im Tagesverlauf stärker werden oder ein dauerhaft vorhandenes Müdigkeitsgefühl bewirken. Das kann sich sowohl auf die körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit auswirken. Bei Wärme können sich Beschwerden, wie die Fatigue, weiter verschlechtern („Uhthoff-Phänomen“). Die Kühlung des Körpers kann den Beschwerden entgegenwirken. Hilfreich sind kalte Getränke oder kalte Duschen. Außerdem hilft ein regelmäßiger Schlafrhythmus. Wenn es möglich ist, machen Sie Ausdauersport wie Radfahren oder Schwimmen. Medikamentöser Therapieversuch: unterschiedliche Optionen, die wenige Nebenwirkungen haben, aber nicht immer wirken.

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