Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Betroffene und ihre Angehörigen vor große Herausforderungen stellt. Oftmals stoßen Familien an ihre Grenzen, wenn sie die umfassende Pflege, hauswirtschaftliche Versorgung und administrative Koordination leisten müssen. Hier setzt die Idee der Multiple Sklerose Wohngemeinschaft (MS-WG) in Bamberg an, die seit über drei Jahrzehnten ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft ermöglicht.
Entstehung und Entwicklung der MS-Wohngemeinschaft
Die Initiative zur Gründung der MS-Wohngemeinschaft in Bamberg geht auf Günther HERMANN zurück, der als Sozialarbeiter bei der Bayerischen Multiple Sklerose Gesellschaft (später DMSG) tätig war. Er erkannte, dass jüngere und ältere MS-Patienten besondere kognitive, motorische und soziale Bedürfnisse haben, die in einem geeigneten Umfeld besser erfüllt werden können.
1988 handelte Günther HERMANN mit der GEWOFAG einen Mietvertrag für eine barrierefreie 4-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss eines Hauses in der Taschnerstraße 14 aus. Diese Wohnung, Teil des „Projekt Integriertes Wohnen“, sollte drei Bewohnern ein eigenes Zimmer bieten, während der vierte Raum abwechselnd als Unterstützerraum, Büro und Wohnzimmer dienen sollte.
In den ersten Monaten des Jahres 1988 zogen die ersten Bewohner ein. Anfangs wurden sie von Zivildienstleistenden, Pflegepraktikanten und einem Pfleger unterstützt. Günther HERMANN übernahm die Planung und Organisation des Projektes. Im Laufe der Zeit nahmen die durch MS verursachten Einschränkungen bei den Bewohnern zu, aber die Organisationsform der Wohngemeinschaft erwies sich als sinnvoll und hat sich bis heute bewährt.
Als 1995 die Pflegeversicherung eingeführt wurde, schloss sich das Pflege- und Unterstützerteam dem gemeinnützigen Verein VIF - Vereinigung Integrations-Förderung e.V. an.
Lesen Sie auch: MS-Medikamente im Detail erklärt
Das Konzept der MS-Wohngemeinschaft
Die MS-Wohngemeinschaft in Bamberg bietet ein Zuhause für Menschen mit Multipler Sklerose, die ein Leben in Gemeinschaft und familiärer Atmosphäre suchen. Das Ziel ist es, den Bewohnern ein größtmögliches Maß an Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu ermöglichen.
Selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft
Jeder Bewohner entscheidet selbst, ob die Wohngemeinschaft das richtige Umfeld für ihn ist. In den über dreißig Jahren ihres Bestehens haben sich nur wenige Bewohner für einen Auszug entschieden, weil sie eine andere Wohnform bevorzugten. Die Verweildauer derjenigen, die sich für einen langfristigen Aufenthalt entschieden haben, ist sehr unterschiedlich. Die WG-Bewohner wissen, dass sie solange sie wollen in der WG bleiben können.
Individuelle Pflege und Begleitung
Die Wohngemeinschaft unterstützt die Bewohner in ihrer persönlichen Lebensgestaltung durch individuelle Pflege und Begleitung. In allen Bereichen des täglichen Lebens werden die Gewohnheiten und Erwartungen der Bewohner berücksichtigt. Wer am Leben in der Gemeinschaft teilhaben möchte, wird einbezogen. Wer sich zurückziehen möchte, wird darin respektiert.
Fachübergreifendes Pflege-Team
Ein interdisziplinäres Team aus erfahrenen Pflegekräften, Betreuungsassistenten, Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten steht rund um die Uhr zur Verfügung, um die bestmögliche Pflege und Begleitung sicherzustellen. In einem persönlichen Beratungstermin wird ein individuelles Pflege- und Betreuungspaket erstellt, das den Bedürfnissen und Wünschen des Bewohners entspricht.
Gestaltung des eigenen Lebensraums
Die Bewohner haben die Möglichkeit, ihr Zimmer individuell zu gestalten und persönliche Gegenstände, Erinnerungsstücke, Bilder und Kuscheltiere mitzubringen, um sich in ihrem neuen Lebensbereich wohlzufühlen. Eigene Möbel können im Rahmen der Möglichkeiten mitgebracht werden.
Lesen Sie auch: Wie man MS vorbeugen kann
Eingewöhnung und Kennenlernen
Nach dem Einzug steht die Eingewöhnung im Mittelpunkt der Bemühungen. Diese Phase wird gemeinsam mit dem Bewohner besprochen und sorgfältig nach seinen Wünschen und Bedürfnissen geplant. So ist gewährleistet, dass er alle Informationen erhält, die er benötigt, um sich möglichst schnell in seinem neuen Zuhause zurechtzufinden. Bei Hausführungen und Gesprächen mit den Mitarbeitern des Sozialdienstes und der Betreuung haben die Bewohner auch die Möglichkeit, ihre Mitbewohner und die Mitarbeiter kennenzulernen.
Häufig gestellte Fragen
Gibt es eine Warteliste? Wie frühzeitig muss ich mich anmelden?
Es wird empfohlen, sich frühzeitig mit der Wohngemeinschaft in Verbindung zu setzen, sobald man sich gedanklich mit einem möglichen Aufenthalt auseinandersetzt, um Fragen zu klären und gegebenenfalls einen Heimaufnahmeantrag zu stellen. Eine Platzzusage kann gegeben werden, wenn ein freier Platz zum gewünschten Zeitpunkt zur Verfügung steht. Andernfalls besteht die Möglichkeit, sich auf der Warteliste vormerken zu lassen.
Welche Unterlagen und Dokumente werden beim Einzug benötigt?
Beim Einzug werden folgende Unterlagen benötigt:
- Der Bescheid der Pflegekasse über den Pflegegrad bzw. der Nachweis, dass eine Einstufung beantragt wurde.
- Der Nachweis darüber, wer die Kosten der Zuzahlung übernimmt (privat oder der Bezirk als Sozialhilfeträger).
- Die Kostenübernahme durch die Pflegekasse.
- Ein ärztliches Attest, dass laut Infektionsschutzgesetz § 36 Abs. 4 keine ansteckungsfähige Lungentuberkulose oder andere Infektionskrankheiten vorliegen.
Weitere Informationen
Zielgruppe
Das Angebot der MS-Wohngemeinschaft richtet sich an Menschen mit Multipler Sklerose. Grundsätzlich erfolgt die individuelle Entscheidung zur Aufnahme.
Betreuungsangebot
Die Wohngemeinschaft bietet Unterstützung in den Bereichen Gesundheit (Umgang mit der Erkrankung), Selbstversorgung und Wohnen, Arbeit und arbeitsähnliche Tätigkeit, Freizeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie soziale Beziehungen und Kontakte.
Lesen Sie auch: MS und Rückenschmerzen: Ein Überblick
Gruppenangebote
Es werden verschiedene Gruppenangebote wie DBT (Dialektisch-Behaviorale Therapie), Achtsamkeitstrainings, Kunst- und Freizeitaktivitäten sowie Tagesausflüge (z.B. Segeln, Theaterbesuche) angeboten.
Bauliche Angaben
Die Einrichtung verfügt über drei 2er-Wohngemeinschaften, zwei 4er-Wohngemeinschaften und eine 5er-Wohngemeinschaft. Geplant ist eine Mutter-Kind-Wohngemeinschaft mit 6-8 Bewohnerinnen zzgl. Kindern.
Wohnform
Die Betreuung findet im Einzelwohnen und in Wohngemeinschaften statt.
Stiftungsfonds und Unterstützungsangebote in Nürnberg und Umgebung
Neben der MS-Wohngemeinschaft in Bamberg gibt es in Nürnberg und Umgebung eine Vielzahl von Stiftungsfonds und Organisationen, die Menschen mit Behinderung, chronischen Erkrankungen und deren Angehörige unterstützen. Hier eine Auswahl:
- Stiftungsfonds der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Nürnberg: Fördert verschiedene soziale Projekte, darunter auch solche für Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen.
- Kinder- und Jugendhilfezentrum Reutersbrunnenstraße: Betreut, unterstützt und fördert Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben können.
- Jugendamt der Stadt Nürnberg: Fördert junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung, schützt Kinder und Jugendliche, berät und unterstützt Eltern und Erziehungsberechtigte und trägt zu positiven Lebensbedingungen für junge Menschen und Familien bei.
- Noris Inklusion gGmbH: Bietet Menschen mit Behinderung individuelle Plätze bei der Arbeit, beim Wohnen, in der Weiterbildung und Qualifizierung sowie in der Freizeit.
- Lebenshilfe e.V.: Setzt sich für Menschen mit geistiger Behinderung ein und unterstützt sie und ihre Familienangehörigen und Freunde beim Mitmachen, Mitgestalten und Mitbestimmen.
- Stadtmission Nürnberg: Bietet in drei Pflegeheimen ein Zuhause im Alter für Menschen mit Pflegebedarf und berät ältere Menschen und ihre Angehörigen in allen Fragen rund um das Älterwerden.
- DMSG Bayern: Klärt über Multiple Sklerose auf und trägt dazu bei, das Verständnis für Menschen mit dieser unheilbaren Krankheit in der Öffentlichkeit zu verbessern.
- Diakonie NAH e.V.: Unterstützt und begleitet Hilfesuchende in verschiedenen Lebenslagen und eröffnet Perspektiven, um Hoffnung und Sinn zu vermitteln.
- Angehörigenberatung Nürnberg e.V.: Bietet Beratung und Unterstützung für Angehörige von Menschen mit Pflegebedarf oder psychischen Erkrankungen.
Positive Erfahrungen im Klinikum Bamberg und der Tagesklinik Forchheim
Viele Patienten berichten von positiven Erfahrungen im Klinikum Bamberg und der zugehörigen Tagesklinik Forchheim. Besonders hervorgehoben werden die professionelle und empathische Betreuung durch das Personal, die gute Organisation und die vielfältigen Therapieangebote.
Ein Patient mit Achalasie (einer seltenen Erkrankung der Speiseröhre) wurde nach einer Überweisung aus dem Klinikum Fürth im Klinikum Bamberg erfolgreich mit der POEM-Methode behandelt. Er lobt die umfassende Information und die einfühlsame Betreuung durch das Team der Gastroenterologie.
Auch Patienten der Psychiatrischen Tagesklinik Forchheim berichten von positiven Erfahrungen. Sie loben die Kompetenz, Freundlichkeit und Empathie der Mitarbeiter sowie die abwechslungsreichen und durchdachten Therapieangebote. Besonders die Kunst- und Musiktherapie haben bei vielen Patienten einen positiven Einfluss auf ihre Gesundung.
Im Bereich der Geburtshilfe wird das Klinikum Bamberg ebenfalls sehr positiv bewertet. Eine Mutter, die bei ihrem ersten Kind in einem anderen Klinikum eine traumatische Geburt erlebt hatte, wurde in Bamberg bei der Spontangeburt ihres zweiten Kindes umfassend unterstützt und betreut. Sie lobt die Höflichkeit, Wertschätzung und den Respekt, mit dem sie behandelt wurde.
Auch Patienten, die sich einer roboterassistierten Prostatektomie im Klinikum Bamberg unterzogen haben, berichten von positiven Erfahrungen. Sie loben das ausführliche Vorgespräch, die professionelle Durchführung der Operation und die aufmerksame Betreuung durch das Pflegepersonal.
tags: #multiple #sklerose #wohngruppe #bamberg