Muskelkrämpfe: Ursachen, Behandlung und Prävention

Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das durch plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Kontraktionen eines Muskels oder einer Muskelgruppe gekennzeichnet ist. Diese Kontraktionen können von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten andauern und sind oft mit einer tastbaren Verhärtung des betroffenen Muskels verbunden. Obwohl Muskelkrämpfe in der Regel harmlos sind, können sie sehr unangenehm sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, insbesondere wenn sie häufig auftreten.

Was passiert im Körper bei einem Muskelkrampf?

Entgegen der landläufigen Meinung geht ein Muskelkrampf nicht vom Muskel selbst aus, sondern vom Nerv, der den Muskel steuert. Nervenzellen senden elektrische Impulse vom Gehirn an den Muskel, was zu dessen Anspannung führt. Normalerweise folgt auf die Anspannung eine Entspannung. Wenn Nervenzellen jedoch unkontrolliert Signale zur Kontraktion an den Muskel senden, gerät dieser natürliche Vorgang aus dem Gleichgewicht.

Bei einem Muskelkrampf überfluten diese unkontrollierten Impulse den Muskel regelrecht und regen gleichzeitig die Schmerzrezeptoren in diesem Bereich an. Die Folge ist eine plötzliche, schmerzhafte Kontraktion, die für Betroffene sehr unangenehm sein kann.

Formen von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe können grundsätzlich in jedem Bereich des Körpers auftreten, sowohl in der quergestreiften (Skelett- und Herzmuskulatur) als auch in der glatten Muskulatur (Muskelgewebe der Hohlorgane). Es gibt jedoch verschiedene Formen von Muskelkrämpfen:

  • Gewöhnlicher Krampf: Kurze, schmerzhafte Anspannung, wie z.B. nächtliche Wadenkrämpfe.
  • Klonischer Krampf: Zuckungsartige Krämpfe durch rhythmische, krampfartige Kontraktionen von Muskelgruppen in kurzen Abständen, wobei der Muskel zwischendurch erschlafft.
  • Tonischer Krampf: Langanhaltende Muskelanspannung ohne Zuckungen.

Welche Muskeln können betroffen sein?

Besonders häufig treten Muskelkrämpfe in der Wade oder im Oberschenkel auf, da es sich um Krämpfe der Skelettmuskulatur handelt. Spasmen können jedoch auch in der Gallenblase, im Darm oder in der Harnblase entstehen. Ist die glatte Muskulatur eines Hohlorgans betroffen und es entsteht ein Anfall krampfartiger Leibschmerzen, spricht man auch von einer Kolik. Handelt es sich um einen Muskelkrampf der Blutgefäße, bezeichnet man das als Vasospasmus. Ein Krampf in den Bronchien wird hingegen als Branchospasmus bezeichnet und ein Krampf im Kehlkopf als Laryngospasmus. Treten Muskelkrämpfe in Form von Zuckungen am ganzen Körper auf, spricht man von zerebralen Krampfanfällen.

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Häufigste Ursachen von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe haben keine einheitliche Ursache. Den gewöhnlichen nächtlichen Wadenkrämpfen liegt meist keine spezifische Erkrankung zu Grunde und sind in den allermeisten Fällen harmlos. Meist handelt es sich hierbei um nervlich bedingte Muskelkrämpfe, bedingt durch eine nervale Übererregbarkeit motorischer Nerven. Es wird angenommen, dass eine Übererregbarkeit der Alpha-Motoneurone durch Beteiligung afferenter Nervenfasern von Dehnungsrezeptoren in Sehnen und Muskeln eine Rolle spielt. Dieses würde auch erklären, dass Dehnen des betroffenen Muskels zu einer raschen Besserung führt. Desweiteren wird angenommen, dass in den terminalen Aufzweigungen der motorischen Nerven eine Überaktivität von Ionenkanälen zu einer Übererregbarkeit von Nerven führt.

Für eine reibungslose Muskelfunktion benötigt der Körper wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium, Natrium und Calcium. Ein Mangel dieser Nährstoffe kann Muskelkrämpfe begünstigen. Dieser Mangel kann wiederum verursacht werden durch:

  • Flüssigkeitsmangel (Dehydratation)
  • Starkes Schwitzen
  • Drogen- und Alkoholkonsum
  • Fieber
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Schwangerschaft
  • Einnahme von Medikamenten (z.B. Diuretika)
  • Muskuläre Überlastung
  • Fußfehlstellungen
  • Neurologische Erkrankungen (z.B. Polyneuropathie)
  • Diabetes
  • Hormonelle Erkrankungen
  • Erkrankungen der Leber und Niere
  • Durchblutungsstörungen
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Medikamente
  • Nerven- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wann zum Arzt?

Obwohl Muskelkrämpfe in der Regel nicht gefährlich sind, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn die Krämpfe:

  • Länger anhalten
  • Den Alltag einschränken
  • Häufig auftreten
  • In ungewöhnlichen Körperregionen auftreten (außerhalb der Waden und Füße)
  • Durch körperliche Aktivität ausgelöst werden
  • Zusammen mit Faszikulationen (Muskelzucken) oder Muskelschwäche auftreten

Hinter häufigen Muskelkrämpfen können sich ernsthafte Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Entzündung im Muskel verbergen.

Muskelkrämpfe behandeln

Die Behandlungsansätze bei Muskelkrämpfen sind vielfältig und richten sich nach der Ursache.

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Akutbehandlung

Beim akuten schmerzhaften Muskelkrampf hilft sofortige Dehnung. Falls Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, überprüfen Sie diese auf Muskelkrämpfe als mögliche Nebenwirkung und besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob diese pausiert werden können. Reduzieren Sie ggf. Ihren Alkohol- und Koffeinkonsum.

  • Dehnung: Dehnen des betroffenen Muskels, um den Krampf zu unterbrechen.
  • Massage: Massieren des Muskels zur Förderung der Durchblutung und Entspannung.
  • Wärme: Anwenden von Wärme (z.B. warmes Wasser, Wärmflasche) zur Entspannung des Muskels.
  • Kälte: Nachlassen des Schmerzes kann eine kalte Kompresse helfen, den Muskel zu entspannen.
  • Bewegung: Aufstehen und Umherlaufen, um die Durchblutung anzuregen.

Medikamentöse Behandlung

Bei häufigem Auftreten von Muskelkrämpfen kann der Arzt Medikamente verschreiben, wobei die Anwendung von Chinin Sulfat kritisch gesehen wird, weil die Wirksamkeit in Studien zwar belegt ist, aber in der Praxis jedoch nicht relevant ist und es zu wesentlichen Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Blutbildveränderungen sowie Nieren- und Leberschäden kommen kann. Wie schon eingangs dargestellt, ist oftmals eine nervale Übererregbarkeit Ursache der Muskelkrämpfe weshalb wir Medikamente gegen Nervenschmerzen bevorzugen. Diese Medikamente stammen aus der Gruppe der sogenannten Antiepileptika (Medikamente gegen Krampfanfallsleiden, Epilepsie) und sind deswegen auch sinnvoll, weil sie die Ursache und nicht das Symptom behandeln. HäufigAntidepressiva und PsychopharmakaLevodopa/Carbidopa (Parkinson- Medikamente)Diuretika (z. B.

  • Magnesium: Einnahme von Magnesiumpräparaten, insbesondere bei nachgewiesenem Magnesiummangel. Allerdings konnten Studien zeigen, dass Magnesium außerhalb der Schwangerschaft keine sichere Wirkung gegenüber Placebo aufweist, so dass hier im Einzelfall entschieden werden muss, ob Magnesium zur Vorbeugung von Muskelkrämpfen überhaupt geeignet und wirksam ist. Aus unserer Sicht stehen wir deshalb der Therapie mit Magnesium kritisch gegenüber.
  • Chinin: Verschreibung von Chinin bei therapieresistenten Muskelkrämpfen, wobei die Anwendung kritisch gesehen wird wegen möglicher Nebenwirkungen.
  • Antiepileptika: Einsatz von Natrium- und Kalziumkanal blockierenden Substanzen (Antiepileptika, Medikamente zur Behandlung neuropathischer Schmerzen).

Alternative Methoden und Hausmittel

  • Ausgewogene Ernährung: Achten auf eine ausgewogene Ernährung zur Vorbeugung von Mineralstoffmängeln.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken von mindestens 2 Litern Wasser täglich, bei Sport und Hitze mehr.
  • Krampflösende Tees: Trinken von Tees wie Rosmarin, Lavendel, Zitronenmelisse oder Pfefferminze.
  • Ätherische Öle: Einreiben der krampfenden Muskeln mit ätherischen Ölen wie Rosmarin- oder Orangenöl.
  • Elektrostimulation: Spezielle repetitive Elektrostimulation der zu Muskelkrämpfen neigenden Muskeln.
  • Regelmäßige Dehnung: Regelmäßiges Dehnen der betroffenen Muskeln, z.B. abends vor dem Zubettgehen.
  • Salzzufuhr: Nach dem Sport eine Messerspitze Salz zum Wasser hinzufügen.
  • Apfelessig: Einnahme von Apfelessig.
  • Gurkenwasser: Trinken von Gurkenwasser, das die Krampfdauer verkürzen kann.

Muskelkrämpfe beim Sport

Muskelkrämpfe beim Sport sind häufig auf Überbelastung, Flüssigkeitsmangel oder unzureichende Ruhephasen zurückzuführen. Um Krämpfe zu vermeiden, sollten Sie:

  • Ihr Training anpassen
  • Ihrem Körper ausreichend Ruhepausen gönnen
  • Sich ausgewogen und gesund ernähren
  • Kohlenhydrathaltige Elektrolytgetränke zu sich nehmen

Muskelkrämpfe in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen leiden häufig unter Wadenkrämpfen, insbesondere im zweiten Schwangerschaftsdrittel. Dies kann durch einen Magnesium- oder Calciummangel, Überbelastung der Beinmuskulatur, Durchblutungsstörungen, einen eingeklemmten Nerv, eine ungünstige Schlafposition oder eine Venenentzündung verursacht werden.

Sofortmaßnahmen bei Krämpfen in der Schwangerschaft:

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  • Dehnen des betroffenen Muskels
  • Aufstehen und Umherlaufen
  • Massagen zur Lockerung der Muskulatur

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Ausgewogene Ernährung
  • Regelmäßige Bewegung
  • Regelmäßiges Wechselduschen

Muskelkrämpfe Vorbeugen

Sicher ausschließen lassen sich Muskelkrämpfe zwar nie, allerdings können Sie typischen Krämpfen zumindest teilweise vorbeugen.

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um einem Mineralstoffmangel vorzubeugen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mindestens 2 Liter täglich.
  • Regelmäßige Bewegung: Bewegen Sie sich jeden Tag mindestens 30 Minuten.
  • Dehnen: Nehmen Sie sich vor dem Schlafengehen ein paar Minuten Zeit, um Ihre Waden- und Oberschenkelmuskulatur zu dehnen.
  • Vermeiden Sie: Alkohol- und Tabakkonsum, falsches Schuhwerk, ungünstige Körperhaltungen.

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