Muskelschwäche ist ein Symptom, das nach einer Nervenoperation auftreten kann. Es gibt verschiedene Ursachen für diese Schwäche, und die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Dieser Artikel beleuchtet die Vielfalt der Muskelerkrankungen, die Ursachen von Muskelschwäche nach Nervenoperationen und die entsprechenden Behandlungsansätze.
Vielfalt der Muskelerkrankungen
Unter Muskelkrankheiten werden alle neuromuskulären Erkrankungen verstanden. Im Volksmund werden sie oft als Muskelschwund bezeichnet, was ein wesentliches Krankheitszeichen dieser sehr unterschiedlich verlaufenden Erkrankungen beschreibt. Dieses Symptom kann auf wenige Muskelgruppen begrenzt bleiben oder, je nach Erkrankungsform, die gesamte Muskulatur erfassen.
Muskelschwund oder Muskelatrophie bedeutet die Abnahme der Muskelmasse. Der Begriff stellt aber keine Diagnose dar, sondern nur ein Symptom. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die zu einer lokalen oder einer generalisierten, also den ganzen Körper betreffenden Abnahme der Muskelmasse führen kann.
Ursachen von Muskelschwäche nach Nerven-OP
Muskelschwäche nach einer Nervenoperation kann verschiedene Ursachen haben:
Direkte Nervenschädigung: Während der Operation kann es zu einer direkten Schädigung des Nervs kommen, was zu einer Beeinträchtigung der Nervenfunktion und somit zu Muskelschwäche führen kann. Betroffen sind die impulsübertragenden Axone mit ihrer isolierenden Myelinschicht, was im Verlauf der Erkrankung zu einer Störung der Erregungsweiterleitung führt.
Lesen Sie auch: Behandlung von Muskelschwäche
Entzündung und Schwellung: Entzündungen und Schwellungen im Operationsgebiet können den Nerv komprimieren und seine Funktion beeinträchtigen.
Inaktivität: Nach der Operation kann es aufgrund von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu Inaktivität kommen, was zu Muskelschwund führen kann. Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen sind in der Regel weniger körperlich aktiv, wodurch die Muskelmasse kontinuierlich abnimmt.
Vorerkrankungen: Vorbestehende neuromuskuläre Erkrankungen wie Myasthenia gravis oder Charcot-Marie-Tooth können die Erholung nach einer Nervenoperation erschweren und zu verstärkter Muskelschwäche führen.
Medikamente: Bestimmte Medikamente, die nach der Operation eingenommen werden, können Muskelschwäche als Nebenwirkung haben.
Neuromuskuläre Erkrankungen im Detail
Neuromuskuläre Erkrankungen betreffen den Muskel und seine Nerven. Dies macht die Diagnostik und Behandlung der zudem seltenen Erkrankungen zu einer komplexen Aufgabe für jeden Neurologen. Unter dem Begriff der Neuromuskulären Erkrankungen werden alle Erkrankungen des Muskels (Myopathien), seiner Nervenfasern und Neuronen (Motoneuronen) sowie Störungen der Signalübertragung zusammengefasst. Neuromuskuläre Erkrankungen werden häufig verkürzt als Muskelerkrankungen bezeichnet.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Muskelschwäche
Ursachen neuromuskulärer Erkrankungen
Muskelerkrankungen sind zumeist genetisch bedingt. In Deutschland wird die Zahl der Menschen, die an einer erblichen Muskelerkrankung leiden, auf etwa 40.000 geschätzt. Zur Erkrankung kommt es, weil im Erbgut der betroffenen Person eine Mutation vorliegt, die zur Beeinträchtigung von Aufbau und Funktionalität der Muskelzellen sowie deren Versorgung über die Nerven führt. Mittlerweile sind mehr als 150 Krankheitsgene bekannt. Neuromuskuläre Erkrankungen können aber auch durch Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunstörungen, Infektionen, Giftstoffe, Minderdurchblutungen (Ischämien) oder Traumata bedingt sein. Häufige erworbene Muskelerkrankungen sind zudem medikamenten- und alkoholbedingte Myopathien (= funktionelle oder strukturelle Muskelbeeinträchtigung).
Formen neuromuskulärer Erkrankungen
Muskelerkrankungen können abhängig vom Ort der Erkrankung allgemein in drei Gruppen unterteilt werden:
- Myopathien (Erkrankungen des Muskels selbst): Zu dieser Gruppe gehören beispielweise sogenannte Muskeldystrophien und myotone Muskelerkrankungen, bei welchen bestimmte Proteine nicht richtig synthetisiert werden und in der Folge Muskelaufbau und -funktion gestört sind. Auch Stoffwechselstörungen in den Zellen (metabolische und endokrine Myopathien) und Autoimmunerkrankungen (entzündliche Myopathien) können zu einer Beeinträchtigung der Muskelfunktion führen.
- Muskelerkrankungen am Übergang vom Nerv zum Muskel: Bei diesen Muskelerkrankungen ist die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel aufgrund einer Autoimmunerkrankung gestört (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom). Infolge der Autoimmunerkrankung werden vom Körper sogenannte Auto-Antikörper gebildet, die an unterschiedlichen Stellen der Erregungsüberleitung störend eingreifen.
- Erkrankungen der Nervenfaser: Bei dieser Gruppe ist ein Untergang der den Muskel aktivierenden Nervenfasern zu beobachten. Dieser kann genetisch (spinale Muskelatrophien) oder infektiös (Poliomyelitis) bedingt sein. Auch sogenannte Polyneuropathien, bei welchen gleichzeitig mehrere periphere Nerven geschädigt sind, können die Nervenfasern der Muskeln betreffen.
Symptome von Muskelerkrankungen
Aufgrund der sehr verschiedenen Ursachen und Formen sieht das Krankheitsbild bei Neuromuskulären Erkrankungen sehr unterschiedlich aus. Muskelschwäche ist allerdings das typische Leitsymptom aller Varianten und ist anhand einer schnellen Ermüdbarkeit der Muskeln erkennbar. Sie kann sich je nach individueller Erkrankung isoliert zeigen oder auch in Kombination mit anderen Beschwerden wie Muskelschmerzen oder Muskelschwund (Muskelatrophie) auftreten. Zudem zeigen Muskelerkrankungen Symptome in für die jeweils vorliegende Krankheitsvariante sehr charakteristischen Körperregionen, was eine erste Eingrenzung erlaubt.
Diagnose von Muskelerkrankungen
Die Diagnose Neuromuskulärer Erkrankungen ist aufgrund der sehr unterschiedlichen Ursachen und Krankheitsbilder eine Herausforderung.
Basisuntersuchung (Anamnese): Im Rahmen eines Patientengesprächs wird die Krankengeschichte erhoben. Es wird nach dem Manifestationsalter (Wann zeigten sich die ersten Beschwerden?) sowie der Lokalisation und den Verlauf der Muskelschwäche gefragt. Auch weitere Begleitbeschwerden und die familiäre Vorgeschichte werden hier abgefragt.
Lesen Sie auch: Multiple Sklerose und Kraftverlust
Anschließend findet die neurologische Untersuchung statt. Bei dieser bewertet der Facharzt den neurologischen Status der zentralen und peripheren Nervenbahnen systematisch von Kopf abwärts. Anhand der Ergebnisse wird anschließend eine zielgerichtete Zusatzdiagnostik durchgeführt.
Labordiagnostik: Liegt ein Verdacht auf eine Neuromuskuläre Erkrankung vor, werden verschiedene Muskelparameter labordiagnostisch bestimmt. Ein wichtiger Parameter für Neuromuskuläre Erkrankungen ist insbesondere die Konzentration des Muskelenzyms Creatinkinase (CR-Wert). Bei einer Muskelerkrankung ist der CR-Wert in aller Regel erhöht (über 1.000 U/l). Daneben werden weitere Blutwerte wie das C-reaktive Protein (CRP) zur Feststellung von Entzündungen, die Elektrolyte und den basalen TSH-Wert bestimmt.
Elektrophysiologie: Zur weiteren Prüfung der Funktion von Muskulatur und Nervensystem sowie zur Abklärung der jeweils vorliegenden Muskelerkrankung können elektrophysiologische Untersuchungen wie eine Elektromyographie (EMG) und Neurographie (ENG) durchgeführt werden. Bei der EMG sticht der Arzt eine hauchdünne Nadel in den Muskel, um die Aktivität der Muskelfasern zu messen und am Computer zu analysieren. Bei der ENG werden die Nerven an mehreren Stellen mithilfe von elektrischen Schlägen gereizt, um die Leitgeschwindigkeit zu messen.
Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall erlauben Rückschlüsse auf Veränderungen an der Muskulatur. Die Verfahren visualisieren das Schädigungsmuster (Muskelschwund, Veränderungen im Signalverhalten) der untersuchten Muskelgruppe. Da viele Muskelerkrankungen ein charakteristisches Schädigungsmuster aufweisen, kann der Spezialist anhand dessen die vorliegende Erkrankung differenzialdiagnostisch eingrenzen.
Muskelbiopsie: Bei einer Reihe von Muskelerkrankungen muss zur genauen Diagnosestellung eine Muskelbiospie durchgeführt werden. Hierzu entnimmt er Muskelgewebe, das anschließend aufgearbeitet und untersucht wird.
Molekulargenetische Untersuchungen: Bei genetisch bedingten Muskelerkrankungen ist die Feststellung der zugrundeliegenden Genmutation Goldstandard. Anhand der festgestellten Mutation kann genau bestimmt werden, welche Muskelerkrankung vorliegt.
Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen
Die Behandlung sollte aufgrund der sehr unterschiedlichen Symptomatik immer durch ein interdisziplinäres Team erfolgen.
Muskelerkrankungen sind bislang nicht heilbar. Auch medikamentöse Therapieoptionen existieren für die meisten Erkrankungsformen nicht. Daher konzentriert sich die Behandlung vorrangig auf unterstützende Maßnahmen wie beispielweise Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie, die auf den Erhalt der Beweglichkeit und Selbstversorgung abzielen.
Die Fortschritte in der Genetik haben eine genaue Identifizierung der auslösenden Mutation und damit neue Therapiemöglichkeiten im Sinne einer Erbgut-Reparatur oder Stammzelltherapie ermöglicht. Auch medikamentöse Behandlungsformen sind in der Entwicklung. Diese Therapieansätze werden allerdings noch erforscht. Für einige Muskelerkrankungen sind aber bereits vereinzelte Behandlungsmöglichkeiten vorhanden.
Myasthenia gravis im Fokus
Myasthenia gravis ist eine Autoimmun-Erkrankung, die durch Muskelschwäche oder den Ausfall einzelner Muskeln gekennzeichnet ist. Dabei ist die Übertragung von Signalen zwischen dem Nervensystem und den Muskeln gestört. Myasthenia gravis führt dadurch zu nicht-kontinuierlich ausgeprägten Symptomen, bei denen einzelne Muskeln oder Muskelgruppen abwechselnd geschwächt sind oder sich gar nicht mehr bewegen lassen (insbesondere im Gesicht). Die Schwäche tritt spontan auf oder nimmt im Tagesverlauf langsam zu. Wie genau es zu der Störung der Signalübertragung kommt, ist noch ungeklärt. Sie basiert jedoch meist auf der Produktion von bestimmten Antikörpern, die sich gegen körpereigene Strukturen richten (Auto-Antikörper).
Myasthenia gravis ist eine relativ seltene Erkrankung. Im Durchschnitt erkranken etwa 0,25 bis 2 pro 100.000 Menschen daran. Generell tritt Myasthenia gravis in jedem Lebensalter auf, aber nur etwa zehn Prozent der Erkrankten sind jünger als 16 Jahre. Es werden verschiedene Arten von Myasthenia gravis je nach Beginn der Erkrankung unterschieden. Die generalisierte Form mit frühem Beginn unter 45 Jahren bezeichnet man als „early-onset“ Myasthenia gravis (EOMG), während ein Beginn über 45 Jahren als „late-onset“ Myasthenia gravis (LOMG) bezeichnet wird.
Hat sich die Erkrankung einmal entwickelt, bleibt sie ein Leben lang bestehen, wobei Betroffene mal mehr und mal weniger von der Muskelschwäche beeinträchtigt werden. Therapie und Prognose richten sich nach dem Stadium, in dem die Erkrankung erkannt wird. Heilbar ist Myasthenia gravis nicht, lediglich die Symptome lassen sich mit Medikamenten lindern. Die Lebenserwartung von Menschen mit Myasthenia gravis entspricht dank der mittlerweile besseren Behandlungsmöglichkeiten der von Menschen ohne die Erkrankung.
Symptome von Myasthenia gravis
Auffällig ist eine Ermüdung der Muskulatur, die im Laufe des Tages zunimmt. Zunächst sind vor allem kleinere Muskelgruppen betroffen, wie etwa die Augenmuskulatur. Den Betroffenen fällt es schwer, die Augenlider zu öffnen oder es entstehen Doppelbilder nach längerem Lesen. Auch ein zunehmend herabhängendes Augenlid - auf einer Seite ausgeprägter als auf der anderen - kann auffallen. Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen breitet sich die Schwäche meist innerhalb von zwei bis drei Jahren auch auf andere Muskelgruppen aus, man spricht dann von der Generalisierung der MG.
Bei der generalisierten Myasthenie können potenziell alle Muskeln beteiligt sein, typischerweise sind aber die Muskeln von Armen und Beinen betroffen. Erkrankte haben daher zum Beispiel Schwierigkeiten, Wäsche aufzuhängen oder Dinge über Kopf einzuräumen. Auch die Muskulatur des Gesichts kann betroffen sein, wodurch die Ausdrucksfähigkeit abnimmt und die Mimik erstarrt. Ungünstiger wird es, wenn die Muskeln von Zunge, Schlund oder Kehlkopf betroffen sind. Betroffene haben Schwierigkeiten beim Kauen von harten Speisen, verschlucken sich häufig oder haben eine verwaschene Sprache.
Ist die Atemmuskulatur gestört, äußert sich das durch eine schwache, tonlose Stimme, einen schwachen Hustenstoß oder häufiges Zwischenatmen beim Sprechen. Bei dieser Erkrankungsform besteht ein erhöhtes Risiko für eine sogenannte myasthene Krise: Sie gefährdet Betroffene durch eine Atemlähmung und schwere Schluckstörungen. Dabei kommt es zu einer schweren allgemeinen Muskelschwäche mit Schluckstörungen und unzureichender Atemarbeit. Zur Behandlung ist eine rasche Aufnahme auf einer Intensivstation notwendig.
Diagnose von Myasthenia gravis
Bereits die Krankengeschichte mit charakteristischen Beschwerden lenkt den Verdacht auf eine Myasthenie. Zur näheren Differenzierung können spezielle Tests, die zur Ermüdung der Muskulatur führen, herangezogen werden. Neurophysiologische Tests zur Messung und Bestimmung der Muskelerregung (Elektromyografie, EMG) ergänzen die Diagnostik. Mithilfe von Blutanalysen wird nach Antikörpern gesucht.
Behandlung von Myasthenia gravis
Myasthenie ist nicht heilbar. Sie ist aber meist sehr gut medikamentös unter Kontrolle zu bringen. Therapieziel ist es daher, die Lebensqualität der Betroffenen wiederherzustellen oder zumindest deutlich zu verbessern.
Die Therapie muss an die individuelle Krankengeschichte der Betroffenen angepasst sein. Dabei richtet sich die Entscheidung einerseits nach dem Vorhandensein von Antikörpern und nach dem Krankheitsverlauf.
Die symptomatische Therapie lindert die Beschwerden, ohne die Ursache zu beseitigen. Hierzu wird meist ein Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-I) verwendet. Diese Medikamente verbessern die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. AChE-I sind beim Lambert-Eaton-Syndrom weniger wirksam als bei einer Myasthenie. Als sogenannte ursächliche Therapie kommen Medikamente infrage, die das überaktive Abwehrsystem unterdrücken. Sie können verhindern, dass das Abwehrsystem die krankmachenden Autoantikörper bildet. Die größte Bedeutung haben hier Corticoide wie Prednison, Prednisolon oder Methylprednisolon. Auch andere Präparate wie Mycophenolat-Mofetil, Ciclosporin A, Tacrolimus oder Methotrexat können versucht werden.
Oft werden verschiedene Wirkstoffe kombiniert, um eine gute Wirkung bei optimaler Verträglichkeit zu erreichen. Mit ihnen ist bei korrekter Anwendung ein fast unbeeinträchtigtes Leben möglich, sofern die Diagnose frühzeitig gestellt worden ist.
Ist ein stabiler Gesundheitszustand erreicht, kann nach einiger Zeit versucht werden, die Medikamente abzusetzen. Dies darf nie plötzlich erfolgen, sondern nur in engmaschiger Absprache mit der Ärztin odre dem Arzt durch eine langsame Reduzierung der Dosis.
Ist eine Erkrankung des Thymus ursächlich für die Myasthenia gravis, sollte die Thymusdrüse in einer Operation entfernt werden. Vor allem bei Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit Autoantikörpern gegen den Acetylcholinrezeptor wird der Eingriff empfohlen.
Befinden sich Betroffene in einer myasthenen Krise, ist eine Intensivtherapie nötig, oft auch künstliche Beatmung. Zusätzlich werden Verfahren wie die Plasmapherese - eine Art „Blutwäsche“ - oder Immunadsorption angewandt, um Antikörper aus dem Blut zu entfernen.
Bei der Form der Myasthenia gravis, bei der die Augenmuskeln betroffen sind, können auch mechanische Hilfsmittel - Lidhalter an der Brille, durchsichtiges Klebeband - oder operative Maßnahmen wie eine Lidraffung zur Korrektur des herabhängenden Augenlids helfen, wenn die medikamentöse Therapie nicht zufriedenstellend wirkt.
Erwiesen ist inzwischen auch, dass sich Bewegung positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt und eine vergrößerte Muskelkraft zu einer besseren Lebensqualität führt. Neben Bewegungs- und Trainingstherapien können auch ergänzende Maßnahmen wie Physio- oder Ergotherapie, Logopädie, neuropsychologische Therapie und Entspannungsmaßnahmen zu einem positiven Krankheitsverlauf beitragen.
Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung
Die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) ist eine genetisch bedingte Erkrankung des peripheren Nervensystems. Sie führt zu einer (durch eine Nervenerkrankung hervorgerufene) Muskelatrophie. Häufig sind die Füße von der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung betroffen, was sich in einer Fehlstellung der Füße äußert. Klinisch zeigen die Unterschenkelmuskeln typische Veränderungen, wodurch die Beine dünner werden. Es entstehen sog. Storchenbeine, da die knienahen Muskeln normal ausgeprägt sind.
Diagnose der CMT-Erkrankung
Die Veränderung der Muskelaktivität lässt sich auch in der Pedobarometrie (Fußdruckmessung) beobachten. Bei der CMT-Erkrankung entstehen sehr individuelle Verläufe, die vor einer Therapie eingeschätzt werden müssen. Für jede Therapieentscheidung werden eine große Zahl an Parametern erhoben, um eine Einschätzung des Verlaufes erreichen und damit ein sehr individuelles Behandlungsschema zu ermöglichen.
Behandlung der CMT-Erkrankung
Die Behandlung soll starke Fehlstellungen und weitreichende Folgeschäden in benachbarten Regionen vermeiden. Vor allem bei jungen Patienten erzielen durch solche Eingriffe nach einer Umlernphase extrem gute Ergebnisse.
Prinzipien der Behandlung:
- Sehnentransfer: Der Sehnentransfer soll in erster Linie die Progression der Erkrankung vermeiden, sodass keine Korrektur mittels Versteifung erforderlich wird. Die Sehnentransfers werden nach ihrem verwendeten Muskel und der zu verstärkenden Muskulatur bezeichnet.
- Knochenkorrektur: Je nach Ort der Fehlstellung kann die Position der Keilentnahme auch am 1. im Rahmen einer sog. sinnvoll sein. Die Entfernung eines Fußkeiles am höchsten Punkt des Hohlfußes bietet eine gute Möglichkeit der Korrektur.
Ziele der Behandlung:
- Besserung der Sprunggelenksarthrose.
- Ermöglichung eines geraden Auftritts des Fußes, um die Lebensqualität stark zu verbessern.
Zusätzlich zur operativen Therapie ist Physiotherapie eine der wichtigsten symptomatischen Behandlungen der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung. Es kommen neurophysiologische Therapiekonzepte zum Einsatz, um Potenziale von Muskeln zu wecken und Bewegungen anzubahnen. Übungen sollen die ausgleichende Muskulatur sowie Rumpf und rumpfnahe Muskeln trainieren. Sturzprophylaxe helfen den Betroffenen, ihren Alltag leichter und sicherer zu bewältigen.
Myopathie
Eine Myopathie ist eine Muskelerkrankung, die sowohl erblich bedingt als auch erworben sein kann. Je nachdem welche Form Betroffene haben, können neben den typischen Symptomen einer Myopathie wie Muskelschwäche, Muskelschmerz und Muskelschwund noch weitere Beschwerden hinzukommen und daran Erkrankte im alltäglichen Leben einschränken.
Ursachen von Myopathien
Zu den häufigsten Ursachen einer Myopathie zählt eine genetische Veranlagung. Dennoch ist es möglich, an einer erworbenen Form der Myopathie wie etwa einer Muskelentzündung zu erkranken. Autoimmunerkrankungen können ursächlich für eine Myositis sein, da sie beispielsweise bei einer Entzündung des Muskelgewebes zu einer Degeneration der Muskulatur führt. Der Körper hält die Muskelfasern für Fremdkörper und bekämpft sie mit dem Immunsystem. Medikamente, Drogen oder Alkohol können zu sonstigen Myopathien führen.
Symptome von Myopathien
In der Regel sind Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Muskelschwund gemeinsame Symptome aller Myopathien. Als Muskelschwäche wird die schwindende Muskelkraft bezeichnet, die das häufigste Symptom der Myopathien darstellt. Davon kann jeder Körperbereich durch allmähliche Entwicklung oder plötzliches Auftreten betroffen sein. Zu Muskelschmerzen zählen nicht nur Schmerzen, sondern auch Krämpfe in der Muskulatur, was ebenfalls eines der häufigen Symptome von Myopathien ist. Bei einer Muskelatrophie bzw. einem Muskelschwund bilden sich Muskeln nach und nach zurück.
Diagnose von Myopathien
Bei der Diagnostik von Myopathien können Ärztinnen und Ärzte mit verschiedenen Verfahren arbeiten:
- Bildgebende Diagnostik: Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) macht eine Analyse der Gewebestruktur möglich.
- Laboruntersuchungen: Antikörper-, Enzym-, oder andere Blutwerte können Aufschluss über eine Myopathie geben. Auch auffällige Werte im Urin können zur Diagnostik hinzugezogen werden.
- Muskelbiopsie: Durch die Entnahme einer Gewebeprobe des Muskels kann eine gezielte Untersuchung der Gewebestruktur sowie der Stoffwechselvorgänge vorgenommen werden.
- Molekulargenetische Diagnostik: Kongenitale bzw. genetisch bedingte Myopathien können anhand von Untersuchungen der Gene nachgewiesen werden.
- Elektromyografie: Bei der Elektromyografie werden Muskelströme zwischen Nerv und Muskel gemessen und bewertet, ob dabei eine Signalübertragung stattfindet.
- Elektroneurografie: Bei diesem Verfahren wird überprüft, ob die Nerven richtig funktionieren, indem ihnen elektrische Reize zugeführt werden. So können neuromuskuläre Erkrankungen erkannt oder ausgeschlossen werden.
- Muskelbelastungstest: Mittels eines Unterarmbelastungstests oder eines Fahrradbelastungstests werden Laktat- und Ammoniakwerte gemessen, um eine metabolische Myopathie feststellen zu können.
Behandlung von Myopathien
Neben einer medikamentösen Therapie der Myopathie ist auch die therapeutische Behandlung durch Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie eine Möglichkeit. Diese können sowohl einzeln in Anspruch genommen werden als auch durch eine medikamentöse Therapie begleitet werden.
Die zur Gruppe der primären Myopathien gehörenden genetisch bedingten Muskelerkrankungen sind bisher nicht heilbar. Dennoch lassen sich die Symptome der vererbbaren Myopathien lindern. Bei erworbenen Myopathien ist die jeweilige Grunderkrankung von Bedeutung. Denn nach dieser richtet sich die Behandlung. Eine endokrine Myopathie lässt sich beispielsweise medikamentös therapieren.
Behandlungsansätze bei Muskelschwäche nach Nerven-OP
Die Behandlung von Muskelschwäche nach einer Nervenoperation zielt darauf ab, die Nervenfunktion wiederherzustellen, die Muskelkraft zu verbessern und die Lebensqualität des Patienten zu erhöhen.
tags: #muskelschwache #nach #nerven #op