Österreich, mit seinen vielfältigen Freizeitmöglichkeiten wie Skifahren, Wandern und Städtetrips, zieht jährlich zahlreiche Urlauber an. Um den Aufenthalt unbeschwert genießen zu können, sind jedoch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen unerlässlich. Dazu gehört die Überprüfung des Impfschutzes und die Beachtung aktueller Reise- und Gesundheitshinweise, idealerweise durch eine reisemedizinische Beratung.
Meningokokken-Meningitis: Eine seltene, aber ernste Gefahr
In jüngster Zeit wurden in Europa, insbesondere in England, Frankreich und Deutschland, Fälle von Meningokokken-Meningitis bei Rückkehrern aus Mekka in Saudi-Arabien festgestellt. Diese Erkrankung, die durch Bakterien verursacht wird, kann zu schweren Komplikationen und sogar zum Tod führen.
Symptome und Behandlung
Die Meningokokken-Meningitis äußert sich durch plötzlich auftretende Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Nackensteifigkeit und ein schweres Krankheitsgefühl. Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome weniger eindeutig sein, wie Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien oder eine harte Fontanelle.
Eine frühzeitige antibiotische Behandlung ist entscheidend, um das Risiko von Komplikationen zu minimieren. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt Personen, die kürzlich aus Mekka oder Saudi-Arabien zurückgekehrt sind und entsprechende Symptome entwickeln, sich umgehend in ärztliche Behandlung zu begeben und auf die Auslandsreise hinzuweisen. Enge Kontaktpersonen von Erkrankten sollten eine Antibiotika-Prophylaxe erhalten. Es ist wichtig zu beachten, dass auch geimpfte Personen erkranken können, da nicht alle Impfstoffe gegen alle Serotypen wirksam sind.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Ein Risiko in Endemiegebieten
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die in Europa und Asien vorkommt. In Deutschland zählen vor allem Bayern, Baden-Württemberg und Teile Hessens, Thüringens und Sachsens zu den Risikogebieten. Allerdings treten auch außerhalb dieser Gebiete Fälle auf, sodass grundsätzlich in ganz Deutschland mit FSME-Infektionen gerechnet werden muss.
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Übertragung und Symptome
Die FSME wird hauptsächlich durch den Stich infizierter Zecken übertragen. Allerdings ist auch eine Infektion durch den Verzehr von roher Ziegen-, Kuh- oder Schafmilch und daraus hergestellten Produkten möglich, da die Tiere das Virus während der Infektion in großen Mengen in die Milch ausscheiden.
Die FSME verläuft häufig in zwei Phasen. In der ersten Phase treten grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber auf. Bei einem Teil der Patienten kommt es in der zweiten Phase zu einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), des Gehirns (Enzephalitis) oder des Rückenmarks (Myelitis). Dies kann zu lang anhaltenden oder bleibenden Nervenschäden führen.
Impfung als Schutzmaßnahme
Die beste Möglichkeit, sich vor FSME zu schützen, ist die Impfung. Dabei regen abgetötete FSME-Viren das körpereigene Immunsystem zur Produktion von Abwehrstoffen an. Die Impfung ist in der Regel gut verträglich und wird sowohl für Erwachsene als auch für Kinder empfohlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten. Experten weisen darauf hin, dass die Impfung nicht nur vor einer Ansteckung nach dem direkten Stich einer infizierten Zecke schützt, sondern auch nach dem Genuss infizierter Lebensmittel.
Regionale Unterschiede in Bayern
Die Analyse der Entwicklung der FSME-Erkrankungszahlen in den einzelnen Regierungsbezirken Bayerns zeigt, dass in allen Bezirken, außer Oberfranken und Unterfranken, ein ansteigender Trend zu verzeichnen ist. Besonders deutlich ist dieser Anstieg in den südlichen Bezirken Schwaben und Oberbayern. Auf Kreisebene zeigt sich, dass es sich um eine noch kleinräumigere Entwicklung handelt.
Weitere Gesundheitsrisiken und Vorsorgemaßnahmen
Neben Meningokokken-Meningitis und FSME gibt es weitere Gesundheitsrisiken, die bei Reisen und Aufenthalten in der Natur zu beachten sind.
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Zecken und Borreliose
Zecken können auch die Borreliose übertragen, eine bakterielle Infektion, gegen die es keine Impfung gibt. Der beste Schutz vor Zeckenstichen ist gut bedeckende Kleidung. Im Gelände sollten lange Hosenbeine möglichst in die Stiefel gesteckt getragen werden. Auch langärmelige Oberteile und Mütze oder Kappe schützen. Nach jeder Wanderung sollte der Körper gründlich auf Zecken abgesucht werden.
Sonnenschutz
Ein guter Sonnenschutz ist essenziell, um Sonnenbrand, Überhitzung und Sonnenstich vorzubeugen. Unerlässlich ist eine Kopfbedeckung mit Krempe. Bei Kindern ist Sonnenschutz durch Kleidung die bessere Wahl, da das Eincremen oft unbeliebt ist und regelmäßiges Nachcremen erfordert. Der empfindliche Nacken und die Gesichtspartien müssen gut eingecremt werden, und zwar mit maximalem Schutzfaktor. Bei starker Sonneneinstrahlung sollten auch die Augen mit einer Kindersonnenbrille geschützt werden.
Reiseapotheke und Erste Hilfe
Eine gut ausgestattete Reiseapotheke sollte Pflaster, Verband, Desinfektionsspray, Zeckenpinzette, Pinzette, Schere und individuell benötigte Medikamente enthalten. Wer mit Kindern abseits in der Natur unterwegs ist, sollte über Grundkenntnisse der Ersten Hilfe verfügen.
Impfempfehlungen in Vorarlberg
Die Impfempfehlungen für Vorarlberg umfassen die Standardimpfungen gemäß dem österreichischen Impfplan sowie gegebenenfallsReiseimpfungen, abhängig von den Reisezielen.
Standardimpfungen
Zu den Standardimpfungen gehören:
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- Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten)
- Poliomyelitis (Kinderlähmung)
- Masern, Mumps, Röteln (MMR)
- Varizellen (Windpocken)
- Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
- Pneumokokken
- Meningokokken
- Humane Papillomviren (HPV)
FSME-Impfung
Die FSME-Impfung wird für Personen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten in Österreich leben oder sich dort aufhalten. Da Vorarlberg zu den FSME-Risikogebieten zählt, ist die Impfung für die dortige Bevölkerung besonders wichtig.
Reiseimpfungen
Je nach Reiseziel können weitere Impfungen erforderlich sein, wie z.B. gegen Hepatitis A, Typhus, Tollwut oder Gelbfieber. Eine individuelle reisemedizinische Beratung ist ratsam, um den Impfschutz entsprechend anzupassen.
Digitalisierung im Gesundheitswesen
Die Digitalisierung spielt auch im Gesundheitswesen eine immer größere Rolle. In Vorarlberg wurden kürzlich zentrale Beschlüsse für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung gefasst, darunter die Weiterentwicklung des Versorgungsnetzwerks für Long-Covid-PatientInnen und die Errichtung eines Erstversorgungsambulatoriums am KH Dornbirn.
Telemedizinische Angebote
Die telefonische Gesundheitsberatung unter der Telefonnummer 1450 bietet in Kärnten in Kooperation mit "Notruf Niederösterreich" kompetente Beratung in allen Gesundheitsfragen. Im Rahmen eines Pilotprojekts wird nun auch ein telemedizinisches Zusatzangebot angeboten, bei dem diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal anhand eines medizinischen Abfragebaums beurteilt, ob eine ärztliche Expertise notwendig ist.
Elektronische Patientenakte (ePA)
Im neuen Jahr soll die elektronische Patientenakte Versorgungsrealität werden. Der Bundesdatenschutzbeauftragte hat jedoch gedroht, gegen Krankenkassen vorzugehen, die, wie gesetzlich gefordert, ab Januar 2021 eine ePA anbieten.