Halluzinationen sind Sinnestäuschungen, bei denen Betroffene etwas wahrnehmen, das in der Realität nicht existiert. Sie können alle Sinne betreffen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Halluzinationen können ein Anzeichen für eine Psychose sein, aber auch in anderen Situationen auftreten, wie im Halbschlaf, unter Hypnose, unter Drogeneinfluss oder bei Fieber.
Formen von Halluzinationen
Es gibt verschiedene Formen von Halluzinationen, die sich in der Art der Sinneswahrnehmung unterscheiden:
- Akustische Halluzinationen: Hierbei hören die Betroffenen imaginäre Geräusche, Töne oder Musik. Eine Sonderform sind teleologische Halluzinationen, bei denen Stimmen gehört werden, die Befehle erteilen oder vor Gefahren warnen.
- Optische Halluzinationen: Die Betroffenen sehen Lichtblitze, Funken, Menschen, Tiere oder Gegenstände, die nicht real sind.
- Geruchshalluzinationen (olfaktorische Halluzinationen): Es werden meist unangenehme Gerüche wahrgenommen, wie Gas, Benzin, Fäulnis oder Verwesung.
- Geschmackshalluzinationen (gustatorische Halluzinationen): Diese treten oft zusammen mit Geruchshalluzinationen auf und äußern sich in unangenehmen Geschmäckern wie salzig, seifenartig, schwefelig oder fäkalisch.
- Tast- und Berührungshalluzinationen (taktile oder haptische Halluzinationen): Hierbei handelt es sich um eingebildete Berührungen, wie Berührtwerden, Gewürgtwerden oder das Gefühl, dass Ameisen über den Körper krabbeln.
- Körperhalluzinationen (Zönästhesien): Das Körperempfinden ist gestört, beispielsweise durch die Überzeugung, innere Organe seien verändert.
- Leibhalluzinationen: Die Betroffenen haben das Gefühl, ihr Körper werde von außen manipuliert.
- Kinästhetische Halluzinationen: Es kommt zu Täuschungen des Bewegungsgefühls, beispielsweise das Gefühl, der Körper werde von außen bewegt.
- Vestibuläre Halluzinationen: Die Betroffenen haben das Gefühl zu schweben oder zu fallen.
- Hypnagoge und hypnopompe Halluzinationen: Diese treten im Halbschlaf beim Einschlafen (hypnagoge) oder beim Aufwachen (hypnopompe) auf.
Die Intensität von Halluzinationen kann variieren, von leisem Murmeln bis hin zu lautem Schreien. Sie können plötzlich auftreten und einige Stunden, Tage oder Wochen andauern, aber auch chronisch werden.
Abgrenzung zu anderen Phänomenen
Es ist wichtig, Halluzinationen von anderen Phänomenen zu unterscheiden:
- Halluzinose: Hierbei handelt es sich um wiederkehrende Halluzinationen, bei denen das Bewusstsein nicht beeinträchtigt ist. Ein Beispiel ist die alkoholische Halluzinose bei chronischem Alkoholismus.
- Pseudohalluzinationen: Die Betroffenen wissen, dass ihre Wahrnehmung nicht real ist.
- Wahnvorstellungen: Hierbei handelt es sich um falsche Denkinhalte und Überzeugungen, wie Verfolgungswahn.
Ursachen von Halluzinationen nach Hirnblutung
Halluzinationen können verschiedene Ursachen haben. Nach einer Hirnblutung können sie durch die Schädigung bestimmter Hirnareale entstehen. Die Hirnblutung kann die Nervenaktivitäten im Gehirn stören und zu Fehlinterpretationen von Sinnesreizen führen.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Mögliche Ursachen für Halluzinationen sind:
- Direkte Schädigung des Gehirns: Die Hirnblutung kann direkt Hirnareale schädigen, die für die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen zuständig sind. Dies kann zu visuellen oder akustischen Halluzinationen führen.
- Störung der Nervenbotenstoffe: Eine Hirnblutung kann das Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe im Gehirn stören. Dies kann zu einer fehlerhaften Verarbeitung von Informationen und somit zu Halluzinationen führen.
- Entzündungen im Gehirn: Nach einer Hirnblutung können Entzündungen im Gehirn auftreten. Diese Entzündungen können die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und Halluzinationen verursachen.
- Psychische Belastung: Eine Hirnblutung ist ein einschneidendes Ereignis, das mit großer psychischer Belastung verbunden sein kann. Diese Belastung kann Halluzinationen auslösen oder verstärken.
- Medikamente: Einige Medikamente, die nach einer Hirnblutung eingesetzt werden, können Halluzinationen als Nebenwirkung haben.
Spezifische Ursachen nach Hirnblutung
Einige spezifische Ursachen für Halluzinationen nach einer Hirnblutung sind:
- Locked-in-Syndrom: Nach einem Schlaganfall, der das Stammhirn betrifft, kann das Locked-in-Syndrom auftreten. Dabei ist der Patient bei vollem Bewusstsein, aber unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen. Halluzinationen können in diesem Zustand auftreten, da das Gehirn durch den fehlenden sensorischen Input Fiktionen erzeugt.
- Visuelle Halluzinationen nach Schädigung der Sehrinde: Schädigungen der Sehrinde im Hinterhauptslappen können zu visuellen Halluzinationen führen. Diese können einfache Lichtblitze oder komplexe Bilder umfassen.
- Charles-Bonnet-Syndrom: Spät erblindete Menschen können unter dem Charles-Bonnet-Syndrom leiden, das durch optische Halluzinationen gekennzeichnet ist.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Sinnestäuschungen, die etwa bei ausgeprägtem Schlafmangel auftreten, bedürfen im Allgemeinen keiner ärztlichen Hilfe. Ansonsten sollte man bei einer Halluzination aber stets einen Arzt aufsuchen, um die mögliche Ursache abklären zu lassen. Das gilt vor allem in folgenden Fällen:
- Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei Einnahme von Medikamenten
- Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei Alkohol- oder Drogenmissbrauch
- Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei auffallend weiten Pupillen
- Häufig auftretende, bizarre Wahnvorstellungen und Halluzinationen (wie kommentierende Stimmen, eigenartige Leibgefühle, bizarres Verhalten)
- Halluzinationen (wie kleine Tiere auf der Haut) und Wahnvorstellungen mit ängstlicher Unruhe oder Erregung, Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen sowie eventuell Bewusstseinsstörungen, Schwitzen und Zittern
- Quälende Halluzinationen und/oder Wahnvorstellungen mit Niedergeschlagenheit und Antriebsmangel
Was macht der Arzt?
Der Arzt wird den Patienten zunächst ausführlich zur Krankengeschichte befragen (Anamnese). Wichtig ist zum Beispiel, wann und wie oft die Halluzinationen auftreten und um welche Art es sich handelt. Diese Informationen helfen dem Arzt, eventuell zusammen mit verschiedenen Untersuchungen, die Ursache der Halluzinationen zu ermitteln:
- Körperliche Untersuchung
- Analyse von Blutproben
- HNO-ärztliche Untersuchungen (bei Hören von nicht vorhandenen Geräuschen)
- Augenärztliche Untersuchung (bei optischen Halluzinationen)
- Neurologische Untersuchung der Nervenbahnen
- Elektroenzephalografie (EEG)
- Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT)
- Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquordiagnostik)
Was kann man selbst tun?
Halluzinationen sind im Allgemeinen ein Fall für den Arzt und erfordern eine Behandlung der Grunderkrankung. Wenn allerdings ausgeprägter Schlafmangel und völlige Erschöpfung für die Sinnestäuschungen verantwortlich sind, können Sie selbst etwas tun: Schlafen Sie sich richtig aus und erholen Sie sich, dann verschwinden auch die Halluzinationen.
Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall
Behandlung von Halluzinationen
Die Behandlung von Halluzinationen richtet sich nach der Ursache. Bei Halluzinationen nach einer Hirnblutung kann die Behandlung folgende Maßnahmen umfassen:
- Medikamentöse Therapie: Neuroleptika können eingesetzt werden, um Halluzinationen zu reduzieren.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, mit den Halluzinationen umzugehen und die psychische Belastung zu reduzieren.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die sensorische Verarbeitung zu verbessern und die Alltagsfähigkeiten zu erhalten.
- Logopädie: Bei Sprachstörungen kann Logopädie helfen, die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die motorischen Fähigkeiten zu verbessern.
- Training zur Unterdrückung von Fehlbildern: Spezielles Training am Computer kann helfen, störende Fehlbilder zu unterdrücken.
Umgang mit Stimmenhören
Viele Menschen hören Stimmen, ohne dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Stimmenhören nicht zwangsläufig behandlungsbedürftig ist. Einige Menschen empfinden die Stimmen sogar als Bereicherung.
Wenn die Stimmen jedoch als belastend empfunden werden, kann psychotherapeutische Hilfe wichtig sein. Auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe kann eine gute Möglichkeit sein, das Phänomen leichter in sein Leben zu integrieren.
Es ist wichtig, offen über das Stimmenhören zu sprechen und sich nicht aus Angst vor Stigmatisierung zu verschweigen.
Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten