Validation bei Demenz: Ein umfassender Überblick über Naomi Feil und Integrative Validation

Die Validation ist ein Ansatz, der es ermöglicht, Menschen mit Demenz in ihrer eigenen Realität zu akzeptieren und anzuerkennen. Dies führt zu einer verbesserten Kommunikation, reduziert Stress und fördert das Wohlbefinden. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen der Validation nach Naomi Feil und die Weiterentwicklung durch die Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard.

Einführung

Herausforderndes Verhalten von Menschen mit Demenz stellt Pflegekräfte und Angehörige vor große Herausforderungen. Oftmals wird versucht, die Betroffenen in die Realität zurückzuholen, was jedoch zu Unruhe, Wut und Aggressivität führen kann. Naomi Feil entwickelte in den 1960er Jahren die Validation als eine Möglichkeit, Menschen mit Demenz Wertschätzung entgegenzubringen und sie in ihrer jeweiligen Gefühlsphase zu akzeptieren. Nicole Richard entwickelte diesen Ansatz weiter zur Integrativen Validation (IVA).

Validation nach Naomi Feil

Naomi Feil entwickelte eine Möglichkeit, mit Menschen mit Demenz umzugehen und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Sie geht davon aus, dass Verwirrtheit nicht nur auf Veränderungen im Gehirn zurückzuführen ist, sondern auch eine Bewältigungsstrategie im Umgang mit einer unerträglichen Realität darstellt. Durch dieses Verhalten werden unbewältigte Lebensaufgaben aufgearbeitet.

Ziele der Validationsmethodik nach Feil

  • Wiederherstellung des Selbstwertgefühles
  • Abbau von Stress
  • Rechtfertigung des gelebten Lebens
  • Lösen der ausgetragenen Konflikte aus der Vergangenheit
  • Reduktion des Medikamentenkonsums und von physischen Zwangsmaßnahmen
  • Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation
  • Verhinderung eines Rückzuges ins Vegetieren
  • Verbesserung des Gehvermögens
  • Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens

Stadien der Desorientierung nach Naomi Feil

Naomi Feil definiert vier Stadien der Desorientierung, an denen sich die Validation/Interaktion der Pflegekräfte orientieren sollte:

  1. Stadium 1 (mangelhafte/unglückliche Orientierung): Die Betroffenen sind örtlich und zeitlich orientiert, erkennen aber ihre Defizite und versuchen, diese zu überspielen. Sie versuchen diese durch eine Art „Hochhaltung einer Maske" zu überspielen.
  2. Stadium 2 (Zeitverwirrtheit): Die Betroffenen ziehen sich zurück und leben in ihren eigenen Erinnerungen. Sie sind an Orten und zu Zeiten ihrer eigenen Vergangenheit. Der desorientierte Patient hat einen ausgeprägten Isolationsdrang; er lebt mehr und mehr in seinen eigenen Erinnerungen.
  3. Stadium 3 (sich wiederholende Bewegungen): Das Denk- und Sprachvermögen geht verloren. Die Betroffenen drücken sich über körperliche Zeichen aus, wie rhythmisches Schlagen oder ständiges Auf- und Abgehen. Der Patient zeigt wiederholende Bewegungen wie rhythmisches Schlagen, ständiges Auf-und-ab-Gehen. Die Sprache und das Denkvermögen gehen verloren.
  4. Stadium 4 (Vegetieren): Die Betroffenen benehmen sich wie "lebende Tote". Sie sitzen apathisch in einem Stuhl, starren vor sich hin oder liegen teilnahmslos im Bett. Eine Teilhabe am Leben haben sie vollkommen aufgegeben. Bekannte oder Verwandte werden in dieser Phase nicht mehr erkannt. Der desorientierte Patient „vegetiert“ nur noch vor sich hin. Er sitzt apathisch in einem Stuhl oder liegt teilnahmslos im Bett.

Grundhaltung und Techniken der Validation nach Feil

Um Validationstechniken anwenden zu können, muss eine Grundhaltung für die Validation eingenommen werden. Hauptziel ist es, sich anhand von Empathie in die Lage/die Situation des dementen Menschen hineinzuversetzen. Ein aktives Zuhören ist ebenso wichtig, dass man dadurch die Ebene des Gegenübers einnehmen kann und ihn dort abholt, wo er sich gerade befindet.

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Die drei Haupthaltungen sind:

  • Akzeptanz
  • Empathie
  • Kongruenz

Diese leiten sich aus der humanistischen Psychologie ab und haben eine Verankerung in der klientenzentrierten Psychotherapie nach Rogers. Weitere theoretische Hintergründe finden sich in der humanistischen Psychologie, der Identitätstheorie nach Erikson und in Arbeiten von Freund und Jung.

In der Validation nach Feil findet eine nonverbale und eine verbale Kommunikation statt. Dazu gehören Techniken wie explorierendes Fragen, Wiederholung, Berührung, Spiegeln von Geäußertem über Sprache und Körper und das Spiegeln der hervorbrechenden Gefühle.

Integrative Validation (IVA) nach Nicole Richard

Das Konzept der Integrativen Validation nach Nicole Richard ist die Weiterentwicklung der Validation bei Menschen mit Demenz nach Naomi Feil. Während Feil davon ausgeht, dass Menschen mit Demenz unbewältigte Lebensereignisse in Verbindung mit hirnorganischen Abbauprozessen verarbeiten, geht es in der IVA um die Wahrnehmung von Ressourcen, sogenannten Antrieben, sowie um die Wertschätzung der erkrankten Person und die Wahrnehmung ihrer Gefühle.

Richard geht aber auch wie Feil davon aus, dass bei einer Demenz hirnorganische Abbauprozesse stattfinden. Als Besonderheit der IVA ist anzumerken, dass Antriebe und Gefühle am Ende eines Gespräches mit einem dementen Patienten in Form von Sprichwörtern verallgemeinert werden, damit ein positiver Effekt für denjenigen dementen Menschen entsteht.

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Grundhaltung der IVA

Die IVA ist vornehmlich von einer Wertschätzung, dem Prinzip der Akzeptanz sowie der Anerkennung des Menschen geprägt. Weiterhin werden die erkrankten Menschen mit Respekt gesehen und behandelt. Wichtig ist, dass eine verbale Wertschätzung von Antrieben und Gefühlen existiert, die auch so im täglichen Leben gelebt wird. Richard betont außerdem, dass es enorm wichtig ist, eine Kongruenz/Einheit von verbalen und nonverbalen Verhalten zu haben, da die erkrankten Menschen sehr feinfühlig sind und dementsprechend auf ein Ungleichgewicht reagieren. Nicole Richard spricht sogar von „Gefühlsantennen". Ferner steht die Empathie mit an oberster Stelle, denn ohne Empathie ist es nicht möglich als nicht erkrankter Mensch sich professionell mit dementiell Erkrankten einzulassen und sie dahingehend einen Abschnitt ihres Lebens zu begleiten.

In der IVA wird der Mensch als ein Ganzes wahrgenommen und es findet eine Orientierung an den vorhandenen Ressourcen des dementen Patienten statt. Da Menschen mit einer Demenz auch schon zu Beginn ihrer Erkrankung unter Sprachstörungen leiden, benötigt man zum Beziehungsaufbau mit ihnen das nötige Feingefühl. Es fehlt oft die Möglichkeit sich verbal auszudrücken und es kommt teilweise zu Wortneukreierungen, Umschreibungen, oder zu Oberbegriffen. Es wird auf Interpretationen, sowie besondere Fragetechniken verzichtet. „Eines der Hauptziele der Integrativen Validation ist die Unterstützung der Ich - Identität und des Gefühls von Zugehörigkeit".

Ressourcenorientierung in der IVA

Die Integrative Validation ist eine ressourcenorientierte Methodik. Diese Ressourcen sind die Gefühle und die Antriebe. Nicole Richard sieht die Antriebe als Hauptressource in der dementiellen Erkrankung. Sie begründet dies damit, dass die Antriebe das „Kraftpotenzial der Menschen mit Demenz" sind. Diese sind sozialisations- oder persönlichkeitsbedingt und haben dadurch einen Einfluss auf den Lebenslauf eines Menschen. Es sind also die Normen und Regeln, die ein Mensch erlernt und die „persönlichen Orientierungen, die ein Mensch zeitlebens für sich entwickelt und gelebt hat". Beispiele hierfür können ein Ordnungssinn, Ehrgeiz, Etikette, Strenge, Harmonie, etc. sein.

Als zweite Ressource nennt Nicole Richard die Gefühle, wie Wut, Trauer, Freude, Ärger, etc.. Wie bereits erläutert, äußern demente Menschen ihre Gefühle sehr authentisch. Das heißt, dass dies völlig aus dem Zusammenhang gerissen sein kann. Diese Gefühlsäußerungen werden aber in der IVA als „einziger Kompass" der Orientierung in einer Demenz gesehen, nach dem man sich in der Interaktion mit den erkrankten Menschen orientieren kann. Richard beschreibt weiterhin, dass die Gefühle „als Reaktion auf Personen und Umwelterfahrungen" geäußert werden und somit „einen Ausdruck der momentanen Befindlichkeit" widerspiegeln.

In diesem Sinne ist auch die Biographiearbeit ein wichtiger Bestandteil der IVA, um die Antriebe und die Gefühle eines Menschen mit Demenz dahingehend nachvollziehen zu können. Durch das Wissen um die Biographie eines Menschen, ist es in der Interaktion miteinander und auch in der Beobachtung einfacher, Verhaltensweisen und Äußerungen der erkrankten Menschen verstehen zu können.

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Im Grundprinzip der IVA ist es wichtig, dass der Validierende in die Welt des dementiell erkrankten Menschen hineinschlüpft, also, dass er versucht die Welt mit dessen Augen zu sehen. Die eigene Person sollte demnach in den Hintergrund gestellt werden. Da mehrere Aspekte in die Validation nach Richard hineinfallen, wie die biographische Arbeit, das Erkennen von Antrieben und das Wahrnehmen von Gefühlen, wird von einer integrativen Validation gesprochen.

Es wird in der Literatur erwähnt, dass diese Form der Integrativen Validation oft im „Vorübergehen" stattfindet, d.h. dass eventuell nur kurze Sätze den dementen Personen gesagt werden, um wie bereits beschrieben, ein Zugehörigkeitsgefühl der Erkrankten zu geben und dessen Gefühle und Antriebe wahrzunehmen. Ein Beispiel hierfür kann Folgendes sein: ein älterer Herr räumt persönliche Utensilien immer von A nach B und wieder zurück. Eine Art der Verbalisierung kann hier sein: „Ordnung ist das halbe Leben!" oder „Sie haben alles genau im Blick."

Die Gefühle des Demenzkranken analysieren

Sie fragen sich als Pflege- oder Betreuungskraft: Was sind die Gefühle des demenziell Erkrankten? Welche Gefühle bewirken seine Handlungen und Handlungsimpulse? Beispiele: Der Erkrankte ist aufgeregt, hilflos, fühlt sich einsam, traurig, sorgenvoll, ist pflichtbewusst.

Gefühle des Demenzkranken ausformulieren

Die wahrgenommenen Gefühle und Antriebe werden von Ihnen mit kleinen Sätzen, die dem Sprachgebrauch des Erkrankten angepasst sind, formuliert, angenommen, akzeptiert, wertgeschätzt und zugelassen. Beispiel: Sie sind gerade ganz aufgeregt; Sie fühlen sich hilflos; das macht Sie traurig; Sie fühlen sich sehr einsam; Sie sorgen sich; Sie wollen schließlich Ihre Pflicht erfüllen.

Gefühle als allgemein akzeptiert bestätigen - die eigentliche Validation

Wichtig ist nun, dass Sie dem Demenzkranken zeigen, dass sein Innenleben „in Ordnung“ ist, dass das, was er sagt, tut und fühlt, völlig normal und akzeptiert ist. Da bei alten Menschen Sprichwörter, Volksweisheiten, Redewendungen, Lieder, etc. tief im Gedächtnis eingegraben sind, ist es am einfachsten, ihre Erinnerung daran wachzurufen: Hier findet der demente Patient die Bestätigung, Bekräftigung seiner Gefühle und Gedanken.

Praktische Anwendung der IVA

Exemplarisch soll hier kurz die Erfahrung von Pflegenden in der täglichen Arbeit mit der IVA erläutert werden. In einer Pflegeeinrichtung (regionales Wohn- und Pflegezentrum Schüpfheim) im Kanton Luzern wird seit ca. 2007 in der Kommunikation mit dementen Bewohnern die IVA angewendet. Die Wohngruppe besteht aus einem geschützten Rahmen. Das heißt, dass die Abteilung nach außen geschlossen, aber nach innen (Richtung Garten) geöffnet ist. Die Einrichtung möchte somit den erkrankten Bewohnern das Recht auf freie Bewegung weiter erhalten. Es wird aber erwähnt, dass zur Nacht Sturzmatten vor die Betten der Bewohner gelegt werden, damit im Notfall reagiert werden kann. Aber wenn man zum Beispiel in der Nacht aktiv sein will, sei es kochen, stricken, etc. lässt man die Patienten gewähren. Weiterhin besticht diese Wohngruppe durch ein extra durchdachtes Farb- und Lichtkonzept, welches die Bewohner aktiviert, aber auch vor übermäßigen Reizen schützt.

Zum Thema Kommunikation wird der Ansatz von Nicole Richard beschrieben. Jeder Bewohner wird individuell gesehen und anerkannt. In der zweiten Ausgabe der Zeitschrift Curavia (2010) beschreibt Wenger solch ein Beispiel der Individualität. Eine ältere Dame möchte im Winter in den Garten und Beeren pflücken gehen. Sie ist sehr unruhig. Für nicht erkrankte Menschen ist es völlig logisch, dass es im Garten bei Winter keine Beeren geben kann, aber die Bewohnerin ist von ihrer Idee nicht abzubringen. In dieser Situation lässt sich die Pflegekraft auf die Gedankenwelt und die Antriebe der Bewohnerin ein, hilft ihr in den Wintermantel und geht danach mit ihr in den Garten. Dort, so wird beschrieben, bemerkt die Frau, dass es zu kalt sei, es sicherlich keine Beeren gibt und es besser wär, wieder in den Wohnbereich nach drinnen zu gehen.

In besagten Artikel wird weiterhin beschrieben, dass in diesem Wohnbereich jeder der Mitarbeiter validiert, auch Küchenkräfte oder Wäschereimitarbeiter. Es wird ja gesagt, dass die Validation nach Richard im „Vorübergehen" stattfindet. Putzfrauen, welche auch in dieser Validation geschult sind, sehen in den Zimmern der Bewohner manchmal mehr, als vielleicht das Pflegepersonal. Weiterhin wird in diesem Artikel beschreiben, dass das Personal zwei Bevollmächtigte pro Station ernannte, welche regelmäßig an Aufbaukursen zur Validation teilnehmen. Dieses Wissen wird dann durch diese Pflegekräfte bei wiederholenden Workshops in die Praxis übertragen.

Im besagten Artikel wird weiterhin gesagt, dass positive Effekte seitens der Bewohner und auch der Mitarbeiter seit der Anwendung der integrativen Validation zu erkennen sind. Es wurde beobachtet, dass der „Alltag ruhiger" und vor allem das „tägliche Zusammenleben weniger konfliktträchtig" ist. Weiterhin berichtet der ehemalige Pflegedienstleiter, dass die Angehörigen durch die validierende Haltung ihre an Demenz erkrankten Angehörigen nun besser verstehen können. Außerdem beschreibt er weiter, dass die dementen Bewohner sich mehr beistehen, sei es, dass man sich bei einem Sterbenden mit ans Bett setzt oder, dass man sich gegenseitig beim Gehen stützt, da die dementen Menschen extrem feinfühlig geworden sind. Seit Einführung der IVA wurde außerdem auch beobachtet, dass es zu weniger freiheitsentziehenden Maßnahmen und/oder der Ausgabe beruhigender Medikamente kam.

Beispiele für die praktische Anwendung

  • Situation: Ein dementiell erkrankter Angehöriger räumt persönliche Gegenstände ständig hin und her und will nicht damit aufhören.
    • Verbale Validation: „Ordnung ist das halbe Leben“ oder „Du bist immer sehr ordentlich“.
  • Situation: Ein Angehöriger möchte die längst verstorbene Mutter am Bahnhof abholen und wird aus Angst, den Termin zu verpassen, unruhig.
    • Validation: „Du bist gerne pünktlich. Auf dich ist Verlass“ oder auch „Pünktlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“.

Diskussion

Nicole Richards Integrative Validation ist die Weiterentwicklung der Validation nach Naomi Feil. Es ist aber zu erkennen, dass sich die IVA primär am aktuellen Gefühl und Antrieb des dementiell erkrankten Menschen orientiert und ihn dann auch dort versucht abzuholen. „Der Mensch mit Demenz wird vom Spezifischen (Krise) in allgemeine stützende Themen seines Lebens begleitet." Sie spricht aber nicht davon, wie Naomi Feil in ihrer Validation, dass die Menschen in ihrer Demenz unerledigte Lebensphasen durchlaufen. Ein gleicher Ansatz ist der, dass auch hier von hirnorganischen Abbauprozessen bei den an Demenz erkrankten Menschen die Rede ist.

In der Literatur finden sich kaum stichhaltige Studien zur Effektivität der IVA. Es sind nur theoretische Annäherungen und Beschreibungen zu finden. Eine qualitative Studie von Brinker-Meyendriesch und Erdmann (2011) beschreibt zum ersten Mal, wie die IVA in einem Pflegeheim in Verbindung mit Musiktherapie angewendet wird. Bei weiterer Recherche wurde aber festgestellt, dass eine qualitative Evaluationsstudie von Erdmann und Schepp (2013) an gestrebt ist.

Unterschiede zwischen Feil und Richard

  • Naomi Feil: Sieht in der Demenz ein psychisches Problem. Demenzkranke sind inneren Konflikten ausgesetzt. Orientiert sich am Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung nach Erikson und erweitert dieses: Die letzte Lebensaufgabe des Menschen ist es, die Vergangenheit aufzuarbeiten, um in Frieden sterben zu können.
  • Nicole Richard: Geht von organischen Ursachen aus. Glaubt nicht, dass Demenzkranke noch in der Lage sind, Lebenskrisen zu bewältigen. Demenzkranke nehmen die Welt nur noch „zerhackt“ wahr und sie verfügen nur noch über „Puzzlestücke“ ihrer Vergangenheit. Daher sieht Richard - im Gegensatz zu Naomi Feil - die Aufgabe der Validation nicht darin, Demenzkranke bei der Bewältigung unerledigter Lebensaufgaben zu helfen, sondern ihnen ihr aktuelles Schicksal zu erleichtern, welches oft mit hirnorganischen Veränderungen zusammenhängt.

Gemeinsamkeiten

  • Empathie und Fokus auf die Gefühle im Zentrum der Arbeit.
  • Die Methoden unterscheiden sich in der Praxis nicht grundlegend von denjenigen der Validation nach Naomi Feil.
  • Auch für Richard stehen Empathie und Fokus auf die Gefühle im Zentrum der Arbeit.
  • Richard versucht, die dem Demenzkranken verbleibenden Ressourcen zu nutzen, um ihn in seiner „inneren Erlebniswelt“ zu erreichen. Antriebe wie Eigenwille, Ordnungssinn. Fürsorge, Charme, Musikalität. Gefühle.

Vorteile der Validation für Demenzkranke und Pflegekräfte

Durch Validation wird die Kommunikation verbessert. Validierende Kommunikation legt den Fokus auf das Verstehen der emotionalen Botschaften hinter den oft verwirrten oder unlogischen Äußerungen von Menschen mit Demenz. Wenn Pflegekräfte oder pflegende Angehörige lernen, mehr auf die Empfindungen von dementen Menschen einzugehen und diese zu bestätigen, wird eine tiefere und über die reine Verständigung hinausgehende Ebene der Interaktion ermöglicht. Dies führt dazu, dass sich ein Mensch mit Demenz gehört und verstanden fühlt, was die Bereitschaft zur Interaktion erhöht und die Kommunikationsqualität verbessert.

Die Reduzierung von Konflikten und Missverständnissen ist ein weiterer Vorteil der Validation. Da Betroffene in ihrer emotionalen Realität akzeptiert werden und keine ständigen Korrekturen oder Widerlegungen von Aussagen erfahren, sinkt der Frust auf beiden Seiten. Missverständnisse und unangenehme Situationen werden durch die empathische Haltung in der Validation minimiert. Dies allein schon aus dem Grund, dass Verständnis für die Perspektive von Demenzkranken aufgebracht wird. Dies führt zu weniger Auseinandersetzungen und einem harmonischeren Miteinander.

Die erhöhte Zufriedenheit betrifft sowohl den Menschen mit Demenz als auch pflegende Angehörige oder Pflegekräfte. Der Mensch mit Demenz erlebt weniger Angst, Stress und Isolation, da seine Emotionen validiert und seine Bedürfnisse besser erkannt werden. Dies steigert sein Wohlbefinden und seine Lebensqualität. Pflegende erfahren eine größere Zufriedenheit, da sie effektivere Kommunikationsstrategien erlernen, die zu weniger herausforderndem Verhalten führen und die Beziehung zueinander verbessern. Das Gefühl, den Menschen mit Demenz wirklich zu erreichen und ihm helfen zu können, trägt zu einem positiveren Pflegeerlebnis bei allen Beteiligten bei.

Validation im Pflegealltag

  • Die Methode basiert auf Empathie, Akzeptanz und Authentizität.
  • Validation stärkt das Selbstwertgefühl und vermittelt Sicherheit.
  • Gefühle erkennen, benennen und durch vertraute Sprichwörter oder biografische Bezüge bestätigen - so gewinnen Demenzerkrankte Orientierung.
  • Die Einstellung gegenüber dementen Menschen ist für die Anwendung von Validation wichtiger als die konkreten Techniken. Der Rückzug in die Vergangenheit muss akzeptiert werden.

Integration in den Pflegealltag

Validation kann in den Pflegealltag durch regelmäßige Schulungen, die Förderung einfühlsamer Kommunikation und den Aufbau einer unterstützenden Umgebung integriert werden.

Schulungen und Workshops

Ja, es gibt Schulungen und Workshops, die Pflegekräften und Betreuungspersonen helfen, die Prinzipien und Techniken der Validation zu erlernen und anzuwenden.

Fazit

Die Validation nach Naomi Feil und die Integrative Validation nach Nicole Richard bieten wertvolle Ansätze für den Umgang mit Menschen mit Demenz. Beide Methoden betonen die Bedeutung von Empathie, Akzeptanz und Wertschätzung. Während Feil den Fokus auf die Aufarbeitung ungelöster Lebenskonflikte legt, konzentriert sich Richard auf die Wahrnehmung von Ressourcen und die Anerkennung aktueller Gefühle. Die praktische Anwendung der Validation kann das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz verbessern, Stress reduzieren und die Kommunikation erleichtern. Durch Schulungen und die Integration in den Pflegealltag können Pflegekräfte und Angehörige die Prinzipien der Validation erlernen und anwenden, um eine würdevolle und respektvolle Begleitung von Menschen mit Demenz zu gewährleisten.

Wichtige Aspekte für die Kommunikation mit Demenzkranken

  • Geduld und Zuneigung: Bringen Sie viel Geduld und Zuneigung mit.
  • Einlassen auf die Welt des Betroffenen: Lassen Sie sich auf die Welt des Betroffenen ein und erkennen Sie seine aktuelle Gefühlslage an.
  • Vermeidung von Korrekturen: In der Kommunikation mit Demenzerkrankten ist es wenig hilfreich, wenn Sie den Betroffenen korrigieren und auf seine Fehler hinweisen. Dies kann zu Frust und Aggressionen führen.
  • Empathie: Reagieren Sie mit Empathie und vermitteln Sie, dass das Gefühl gerechtfertigt ist.
  • Biographiearbeit: Versuchen Sie mit Biographiearbeit das Identitätsempfinden Ihres Angehörigen möglichst lange zu erhalten.
  • Nonverbale Kommunikation: Im letzten Stadium einer dementiellen Erkrankung geht vielen Betroffenen die Fähigkeit verloren, verbal zu kommunizieren. Eine nonverbale und emotionale Kommunikation zur Verständigung wird dann immer wichtiger.
  • Basale Stimulation: Für die Kommunikation mit Menschen mit schwerer Demenz eignet sich die Methode der basalen Stimulation besonders gut.
  • Weniger ist mehr: Handeln Sie bitte gerade in diesem Krankheitsstadium nach dem Motto „Weniger ist mehr“.
  • Berührungen: Berührungen werden in diesem Stadium besonders wichtig für viele Betroffene. Versuchen Sie Ihrem Angehörigen Zuneigung und Wertschätzung zu vermitteln.

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