Nase hochziehen oder putzen: Was ist besser für die Gesundheit?

Eine Erkältung bringt oft eine laufende oder verstopfte Nase mit sich. Um den lästigen Nasenschleim loszuwerden, greifen viele Menschen entweder zum Taschentuch oder ziehen die Nase hoch. Doch was ist die gesündere Variante? Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile beider Methoden und gibt Empfehlungen für ein schonendes Vorgehen.

Ursachen und Folgen einer verstopften Nase

Eine verstopfte Nase oder Nasenlaufen wird häufig durch Erkältungen, Allergien (wie Heuschnupfen) oder Nasennebenhöhlenentzündungen verursacht. Dabei schwillt die Nasenschleimhaut an und produziert vermehrt Schleim, um die Auslöser der Entzündung, wie Viren oder Pollen, abzuwehren. Dies erschwert das Atmen, weshalb Betroffene versuchen, die Nase durch Hochziehen oder Putzen freizubekommen.

Nase putzen: Die gängige Methode

Beim Naseputzen wird versucht, den Schleim mitsamt den Auslösern durch die Nase auszupusten. Dabei entsteht jedoch oft ein Überdruck, insbesondere wenn man die Nasenlöcher zuhält und den Mund geschlossen lässt. Dieser Überdruck kann unerwünschte Folgen haben.

Risiken des Naseputzens

  • Nasenbluten: Zu kräftiges Naseputzen kann zu Nasenbluten führen, insbesondere wenn die Nasenschleimhaut bereits gereizt ist.
  • Nasennebenhöhlenentzündung: Starker Überdruck kann den Nasenschleim in die Nasennebenhöhlen pressen, was zu einer Entzündung führen kann.
  • Mittelohrentzündung: In manchen Fällen kann der Schleim durch heftiges Schnäuzen in die Ohrtrompete gelangen und eine Mittelohrentzündung verursachen. Dies ist besonders bei Kindern zu beachten, da ihre Nasennebenhöhlen sehr eng sind und schnell verstopfen.

Richtiges Naseputzen

Um die Risiken zu minimieren, sollte man beim Naseputzen folgende Punkte beachten:

  • Sanftes Schnäuzen: Arbeiten Sie mit wenig Druck.
  • Ein Nasenloch freihalten: Halten Sie immer nur ein Nasenloch zu und befördern Sie den Schleim aus dem anderen Nasenloch nach draußen.
  • Hygienische Aspekte: Verwenden Sie Papiertaschentücher und entsorgen Sie diese umgehend. Waschen Sie sich nach dem Naseputzen gründlich die Hände, um eine Weiterverbreitung von Keimen zu vermeiden.

Nase hochziehen: Eine unterschätzte Alternative

Beim Nasehochziehen entsteht ein Unterdruck in Nase und Rachenraum, der den Schleim in den Rachen befördert. Durch Schlucken gelangt der Schleim dann in den Magen, wo die Magensäure eventuell vorhandene Erreger unschädlich macht.

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Vorteile des Nasehochziehens

  • Verhindert die Verbreitung von Erregern: Wenn der Schleim Krankheitserreger enthält, ist das Hochziehen für Kontaktpersonen vorteilhaft, da die Erreger im Körper der Betroffenen bleiben und nicht in die Umgebung gelangen.
  • Vorbeugung gegen Nasennebenhöhlenentzündung: Einige Fachleute raten bei akuten Infekten dazu, die Nase hochzuziehen, um einer Nasennebenhöhlenentzündung vorzubeugen.

Nachteile des Nasehochziehens

  • Nasenbluten: In übersteigertem Maße die Nase hochzuziehen, kann aufgrund des dabei entstehenden Druckgefälles ebenfalls Nasenbluten fördern.
  • Chronischer Unterdruck: Wer laufend Nasenschleim kräftig hochzieht, riskiert ferner einen chronischen Unterdruck im Rachenraum, der sich über die Ohrtrompete ins Mittelohr fortsetzt.
  • Paukenerguss: Saugt der Unterdruck dann Schleim ins Mittelohr, kann ein Paukenerguss entstehen.
  • Verzögerte Genesung: Häufiges Nasehochziehen kann womöglich die Genesung verzögern, zum Beispiel, indem der ständige Schleimfluss den Rachen so reizt, dass ein chronischer Husten entsteht.
  • Erhöhtes Risiko für Mittelohrergüsse: "Aus medizinischer Sicht ist permanentes Hochziehen oder Schniefen mit einem erhöhten Risiko für Mittelohrergüsse vergesellschaftet. Es besteht also das Risiko, Keime aus der Nase in das Mittelohr zu verschleppen.

Akzeptanz in der Gesellschaft

Das blubbernde Geräusch, mit dem Schnupfengeplagte den Schleim aus ihrer Nase in den Rachen hochziehen, gehört gewiss nicht zu den angenehmeren akustischen Erlebnissen. Aber auch wer schwungvoll in ein Taschentuch trompetet, macht sich bei seinen Mitmenschen nicht unbedingt beliebt. Nicht unbedingt. Denn durch das Hochziehen fließt das Sekret durch den Rachen in den Magen, wo ein Teil des Schleims ohnehin landet. Wer fürchtet, dort könnten sich Keime vermehren, kann beruhigt sein: Die Magensäure zersetzt die Erreger.

Das große Ganze: Ist es schlimm, wenn Schleim woanders landet?

Auch bei Gesunden gelangt - meist unbemerkt - Schleim aus Nase, Nebenhöhlen und Bronchien in den Rachen und durch Schluckbewegungen weiter in den Magen.

Weitere Mythen rund um Erkältungen

  • Ausschwitzen: Das Gerücht, eine Erkältung könne man ausschwitzen, ist falsch. Der Körper fährt bereits auf Hochtouren, und zusätzliches Fieber sorgt für noch mehr Belastung. Vermeiden Sie Saunabesuche während einer Erkältung.
  • Immunität bei Säuglingen: Säuglinge sind nicht prinzipiell von Erkältungen gefeit. Die sogenannte "Nestimmunität" schützt nur vor den Erregern, die das Immunsystem der Mutter bereits bekämpft hat.
  • Kälte als Ursache: Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Temperatur und Erkrankung. Allerdings schwächen der Wechsel zwischen Kälte und Wärme sowie trockene Heizungsluft die Schleimhäute und machen sie anfälliger für Viren und Bakterien.
  • Alkohol: Warmes Bier ist kein geeignetes Mittel gegen Erkältung. Greifen Sie stattdessen zur alkoholfreien Variante.
  • Dauer einer Erkältung: Unabhängig von Medikamenten dauert eine Erkältung etwa neun Tage.

Abschwellende Nasensprays

Auf keinen Fall sollte man aber über längere Zeit ein abschwellendes Nasenspray nehmen, wie manche das bei einer Erkältung tun. Das wird irgendwann auf jeden Fall schädlicher als das Popeln.

Was tun bei einer Erkältung?

  • Viel trinken: Eine regelmäßige Wasserzufuhr von 2 bis 2,5 Litern am Tag hält die Schleimhäute feucht und schützt den Körper vor dem Austrocknen.
  • Ruhe: Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Ruhe, um die Genesung zu unterstützen.
  • Nasendusche: Eine Nasendusche mit Salzwasser kann helfen, die Nasenschleimhaut feucht zu halten und die Bildung von Popeln zu reduzieren.
  • Meerwasser-Nasenspray: Unterwegs kann ein Meerwasser-Nasenspray die Nase von innen befeuchten.

Fazit

Ob man die Nase putzt oder hochzieht, ist letztendlich eine Frage des persönlichen Empfindens. Wichtig ist, dass man es nicht übertreibt und auf eine schonende Vorgehensweise achtet. Schnäuzen Sie sich sanft und halten Sie ein Nasenloch immer offen. Ziehen Sie Nasenschleim möglichst vorsichtig hoch. Werden die genannten Ratschläge beherzigt, kann man die Risiken minimieren und die Erkältungssymptome lindern.

Nasebohren: Ein Tabuthema

Viele Menschen machen es, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Wer hat eigentlich recht? Die Eltern, die sagen es ist ungesund, insgeheim aber wahrscheinlich selber popeln? Oder Kinder, die in der Nase gern mal eine kleine Zwischenmahlzeit entdecken? Ist Nasebohren schädlich? Ob Nasebohren schädlich ist, ist umstritten: Einerseits kann es natürlich zu Verletzungen führen: Wenn beispielsweise Blutgefäße am vorderen Ende der Nasenscheidewand (dem Locus Kiesselbachi) verletzt werden, kann es zu Nasenbluten kommen. Möglich sind auch ganz kleine Verletzungen, die man gar nicht spürt. Das führt dann dazu, dass mehr Sekret produziert wird, das dann austrocknet und zu einem neuen Popel wird. In ganz extremen Fällen, wenn das Nasebohren zwanghaft wird - das nennt man dann Rhinotillexomanie - kann es wirklich schädlich werden. Das kann bis zu einer Amputation der Nasenscheidewand gehen, ist aber wirklich extrem selten. Aber es gibt auch Stimmen, die sagen, dass es unschädlich ist? Tatsächlich sagen manche, Nasebohren sei nicht nur unschädlich, sondern vielleicht sogar vorteilhaft! Einerseits sollte man Popel nicht in der Nase lassen und sowohl schnäuzen als auch hochziehen kann auch schädlich sein. Andererseits könnte das Popelessen gut für das Immunsystem sein. In den Popeln sind Krankheitserreger eingeschlossen, die schon von Enzymen im Nasensekret unschädlich gemacht wurden. Und wenn ich das jetzt esse, dann könnte das auch wie eine natürliche Impfung wirken: Das Immunsystem erkennt die unschädlichen Erreger und bildet Antikörper dagegen. Das ist aber wohl nur eine Hypothese. Nicht nur Kinder popeln. Wie kann man sich das Nasenbohren abgewöhnen? Einfach ist es auf jeden Fall nicht. Möglicherweise ist es fast einfacher, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber man kann es sich ein bisschen erleichtern: Je feuchter die vordere Schleimhaut ist, desto weniger Popel bilden sich. Und mit einer Nasendusche kann man zum Beispiel dafür sorgen, dass die Schleimhaut nicht so schnell austrocknet. Nasebohren ist keine geniun menschliche Marotte. Das ist am Anfang vielleicht ein etwas komisches Gefühl, aber wenn man sich dran gewöhnt hat, kann es sogar relativ angenehm sein. Und das kann man fast nicht übertreiben. Also zwei-, dreimal am Tag ist überhaupt kein Problem.

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