Akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in der Bevölkerung. Nach einer Hirnoperation, insbesondere nach der Entfernung eines Meningeoms, können jedoch spezifische Ursachen und Behandlungsansätze relevant werden. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen einer Nasennebenhöhlenentzündung nach einer solchen Operation und gibt einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsoptionen.
Einführung
Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Schädel, die mit der Nase verbunden sind. Eine Entzündung dieser Schleimhäute kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Nach einer Hirnoperation, insbesondere im Bereich der Schädelbasis, können zusätzliche Komplikationen auftreten, die eine Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen. Gut- und bösartige Tumoren der Frontobasis, der knöchernen Trennlinie zwischen dem Naseninneren und dem Gehirn, stellen eine Seltenheit dar und fallen durch verschiedene Symptome auf.
Ursachen einer Nasennebenhöhlenentzündung nach Hirn-OP
Mehrere Faktoren können nach einer Hirnoperation, insbesondere im Zusammenhang mit der Entfernung eines Meningeoms, zu einer Nasennebenhöhlenentzündung führen:
- Anatomische Veränderungen: Voroperationen und anatomische Besonderheiten können zu chronischen Beschwerden führen, die durch gängige medikamentöse Therapien nicht mehr ausreichend und dauerhaft gelindert werden können.
- Verletzungen der Schleimhaut: Chirurgische Eingriffe im Nasen- und Nasennebenhöhlenbereich können die Schleimhaut verletzen und somit Entzündungen begünstigen.
- Eingeschränkte Belüftung und Drainage: Operationen an der Schädelbasis können die natürlichen Öffnungen der Nasennebenhöhlen beeinträchtigen, was zu einer eingeschränkten Belüftung und einem behinderten Sekretabtransport führt. Chronische Nasenatmungsprobleme, bedingt durch eine schiefe Nasenscheidewand oder Nasenmuschelverdickungen, können zu Nasenschleimhaut- oder Nasennebenhöhlenentzündungen führen. Daraus entstehen dann oft Belüftungsprobleme und Verkeimung in den Nasennebenhöhlen - der Schleim kann nicht abfließen, die Nasenatmung ist behindert und eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung kann sich entwickeln.
- Infektionen: Nach einer Operation besteht ein erhöhtes Risiko für bakterielle, virale oder Pilzinfektionen, die eine Nasennebenhöhlenentzündung auslösen können.
- Liquoraustritt: Im Rahmen von Unfällen kann es zu Rissen in der Schädelbasis mit Austritt von Nervenwasser (Liquor) in die Nase kommen. Über diese Defekte können Bakterien in das Gehirn dringen und zu Hirnhautentzündungen und Abszessen im Gehirn führen, weshalb derartige Verletzungen durch eine Operation verschlossen werden sollten.
- Immunsuppression: Einige Patienten benötigen nach einer Hirnoperation immunsuppressive Medikamente, die das Risiko für Infektionen erhöhen können.
- Allergien und gestörtes Schleimhautmilieu: Allergien oder ein gestörtes Schleimhautmilieu in der Nase können zu chronischen Beschwerden führen. Die Ursache der Nasenmuschelschwellung liegt meistens in einer neurosensorischen Reflexstörung selbst oder ist von außen durch Allergene bedingt, die zu entzündlichen Schwellungen der Nasenmuscheln führen.
Symptome
Die Symptome einer Nasennebenhöhlenentzündung können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Entzündung ab. Häufige Symptome sind:
- Nasenatmungsbehinderung: Betroffene leiden unter einer behinderten Nasenatmung, die oft mit einer trockenen Mundatmung einhergeht.
- Gesichtsschmerzen und Druckgefühl: Kopfschmerzen und Druckgefühle auf Augen, Stirn oder Wangen sind typische Symptome.
- Riechstörungen: Eine Beeinträchtigung des Geruchssinns kann auftreten.
- Nasaler Ausfluss: Es kann zu einem klaren, eitrigen oder blutigen Ausfluss aus der Nase kommen.
- Allgemeine Symptome: Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Fieber können auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose einer Nasennebenhöhlenentzündung nach Hirn-OP umfasst in der Regel folgende Schritte:
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- Anamnese: Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über die Krankengeschichte und die aktuellen Beschwerden ist wichtig. Am Beginn der Diagnose steht ein ausführliches Gespräch mit Ihnen, denn jedes Problem mit der Nase, den Nasennebenhöhlen oder dem Schnarchen hat seine eigene Geschichte.
- Klinische Untersuchung: Eine Untersuchung der Nase und der Nasennebenhöhlen mit einem Endoskop ermöglicht die Beurteilung der Schleimhaut und den Nachweis von Entzündungszeichen. Anschließend untersuchen wir Sie in unserer HNO-Ambulanz.
- Bildgebung: Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) der Nasennebenhöhlen kann erforderlich sein, um das Ausmaß der Entzündung und mögliche Komplikationen darzustellen. Eine Vordiagnostik mit modernster, hochauflösender Bildgebung kann in Kooperation mit der Abteilung für Radiologie oder unter Verwendung unseres klinikeigenen DVT-Gerätes für eine individuelle Therapieplanung nach neuestem Standard angeboten werden. Hat Ihr HNO-Arzt oder HNO-Ärztin bereits ein CT oder eine digitale Volumentomografie (DVT) durchgeführt, so bringen Sie uns die Ergebnisse gerne mit.
- Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können Allergietests oder eine mikrobiologische Untersuchung des Nasensekrets erforderlich sein, um die Ursache der Entzündung zu identifizieren.
Behandlung
Die Behandlung einer Nasennebenhöhlenentzündung nach Hirn-OP richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Folgende Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung:
- Medikamentöse Therapie:
- Abschwellende Nasensprays: Diese Medikamente können die Nasenatmung verbessern und die Belüftung der Nasennebenhöhlen fördern.
- Kortisonhaltige Nasensprays: Diese Sprays wirken entzündungshemmend und können die Schwellung der Schleimhaut reduzieren. Bei Erkrankungen beider Nasen-Seiten erfolgt zunächst eine medikamentöse Therapie, die in der Regel ein kortisonhaltiges Nasenspray, Nasenspülungen und je nach Befund auch Kortison in Tablettenform und ein Antibiotikum in Kombination beinhaltet.
- Nasenspülungen: Regelmäßige Nasenspülungen mit Kochsalzlösung können die Schleimhaut befeuchten und Sekrete entfernen.
- Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika erforderlich sein.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel zur Linderung von Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen eingesetzt werden.
- Operative Therapie:
- Funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie (FESS): Dieses minimalinvasive Verfahren wird eingesetzt, um die natürlichen Öffnungen der Nasennebenhöhlen zu erweitern und die Belüftung und Drainage zu verbessern. Die funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS) stellt heutzutage den Goldstandard in der Therapie dar, sie ist ein schonendes minimalinvasives Operationsverfahren, mit dem chronische Nasennebenhöhlenentzündungen optimal behandelt werden können. Bei der sogenannten „FESS" (=funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie) werden möglicherweise vorhandene Engstellen im Naseninneren therapiert, die natürlichen Öffnungen der Nasennebenhöhlen aufgesucht und mit speziellen Instrumenten erweitert. Der Eingriff erfolgt endoskopisch, also mit einer kleinen Optik (Schlüssellochchirurgie) und sehr kleinen Operationsinstrumenten über das Naseninnere, Schnitte von außen sind nicht erforderlich. So bleiben später keine sichtbaren Narben zurück. Ziel des endoskopischen Eingriffes ist eine dauerhafte Verbesserung der Belüftung und des Sekretabtransportes im Nasen- und Nasennebenhöhlenbereich, vormals bestehende Kopfschmerzen, ein ständiger Schleimfluß im Rachen, eine Riechminderung oder ein allgemeine verminderte Leistungsfähigkeit aufgrund der chronischen Entzündung können so wirksam gelindert werden.
- Korrektur anatomischer Hindernisse: Eine Operation kann erforderlich sein, um anatomische Hindernisse wie eine schiefe Nasenscheidewand oder Nasenpolypen zu korrigieren.
- Verschluss von Liquorfisteln: Wenn Nervenwasser (Liquor) in die Nase austritt, ist eine Operation erforderlich, um die Fistel zu verschließen und das Risiko einer Hirnhautentzündung zu reduzieren. Im Rahmen von Unfällen kann es zu Rissen in der Schädelbasis mit Austritt von Nervenwasser (Liquor) in die Nase kommen. Über diese Defekte können Bakterien in das Gehirn dringen und zu Hirnhautentzündungen und Abszessen im Gehirn führen, weshalb derartige Verletzungen durch eine Operation verschlossen werden sollten.
- Zusätzliche Maßnahmen:
- Inhalation: Inhalation von Wasserdampf oder ätherischen Ölen kann die Schleimhaut befeuchten und die Atmung erleichtern.
- Luftbefeuchtung: Die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen sollte ausreichend hoch sein, um ein Austrocknen der Schleimhaut zu verhindern.
- Vermeidung von Reizstoffen: Tabakrauch, Staub und andere Reizstoffe sollten vermieden werden.
Spezielle Aspekte bei Meningeomen
Meningeome sind in der Regel gutartige Tumore, die von den Hirnhäuten ausgehen. Ihre Entfernung kann jedoch, insbesondere wenn sie sich an der Schädelbasis befinden, zu Komplikationen führen, die eine Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen.
- Lage des Tumors: Meningeome der Schädelbasis können die natürlichen Strukturen der Nase und der Nasennebenhöhlen beeinträchtigen.
- Art der Operation: Je nach Lage und Größe des Meningeoms kann eine Operation durch die Nase (endoskopisch) oder durch einen offenen Zugang erforderlich sein. Beide Verfahren können das Risiko für eine Nasennebenhöhlenentzündung erhöhen.
- Nachsorge: Nach der Operation ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Für eine langfristige Genesung ist nicht nur der operative Eingriff an sich, sondern ebenso eine professionelle HNO-ärztliche Nachsorge unerlässlich: Wir stellen diese im Rahmen Ihres Klinikaufenthaltes sicher. Die Nase und die Nasennebenhöhlen werden täglich durch Absaugung ärztlich gereinigt, des Weiteren werden Patienten durch geschultes Fachpersonal in die eigenständige Nasenpflege eingelernt. Durch eine gute Kooperation mit unseren niedergelassenen HNO-ärztlichen Kollegen wird auch die Nachsorge nach der stationären Entlassung aus unserer Klinik gewährleistet.
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