Negative Rückkopplung im Nervensystem: Mechanismen und Bedeutung

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das es dem Körper ermöglicht, Informationen zu empfangen, zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Für eine reibungslose Funktion ist es entscheidend, dass diese Prozesse präzise reguliert werden. Ein wichtiger Mechanismus zur Aufrechterhaltung der Homöostase im Nervensystem ist die negative Rückkopplung.

Einführung in die Rückkopplungsmechanismen

Rückkopplungsmechanismen sind in vielen biologischen Systemen vorhanden und dienen dazu, die Stabilität und das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Sie funktionieren nach dem Prinzip eines Regelkreises, bei dem die Auswirkungen einer Aktion die Aktion selbst beeinflussen. Es gibt zwei Haupttypen von Rückkopplung: positive und negative.

  • Positive Rückkopplung: Verstärkt eine initiale Veränderung und führt zu einer Kaskade von Ereignissen. Dies kann in bestimmten Situationen nützlich sein, ist aber in der Regel weniger stabil als negative Rückkopplung.
  • Negative Rückkopplung: Wirkt einer initialen Veränderung entgegen und stabilisiert das System. Dies ist der häufigste Rückkopplungsmechanismus im Körper und spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Homöostase.

Die Rolle der negativen Rückkopplung im Nervensystem

Im Nervensystem ist die negative Rückkopplung an verschiedenen Prozessen beteiligt, von der Regulation der Neurotransmitterfreisetzung bis hin zur Steuerung der Hormonproduktion. Sie sorgt dafür, dass die neuronalen Schaltkreise nicht überstimuliert werden und dass die Signalübertragung effizient und präzise erfolgt.

Mechanismen der negativen Rückkopplung in Nervenzellen

Es gibt verschiedene Mechanismen, durch die negative Rückkopplung in Nervenzellen realisiert wird:

1. Autorezeptoren

Autorezeptoren sind Rezeptoren, die sich auf der präsynaptischen Nervenzelle befinden und an die Neurotransmitter binden können, die von derselben Zelle freigesetzt wurden. Wenn der Neurotransmitterspiegel im synaptischen Spalt ansteigt, binden einige der Neurotransmitter an die Autorezeptoren. Dies löst eine Signalkaskade in der präsynaptischen Zelle aus, die dazu führt, dass die Freisetzung weiterer Neurotransmitter gehemmt wird. Auf diese Weise reguliert die Nervenzelle ihre eigene Aktivität und verhindert eine Überstimulation der nachgeschalteten Nervenzellen.

Lesen Sie auch: Wie das Gehirn unter negativen Gefühlen leidet

2. Feedback-Hemmung durch postsynaptische Aktivität

In einigen neuronalen Schaltkreisen kann die Aktivität der postsynaptischen Nervenzelle die Aktivität der präsynaptischen Zelle hemmen. Dies kann durch verschiedene Mechanismen geschehen, z. B. durch die Freisetzung von inhibitorischen Neurotransmittern oder durch die Aktivierung von Ionenkanälen, die die postsynaptische Zelle hyperpolarisieren. Diese Art der Feedback-Hemmung trägt dazu bei, die Erregbarkeit des neuronalen Schaltkreises zu begrenzen und eine Überstimulation zu verhindern.

3. Regulation der Ionenkanäle

Die Erregbarkeit einer Nervenzelle hängt von der Aktivität verschiedener Ionenkanäle in ihrer Membran ab. Negative Rückkopplung kann die Aktivität dieser Ionenkanäle beeinflussen und so die Erregbarkeit der Zelle verändern. Beispielsweise können einige Neurotransmitter die Öffnung von Kaliumkanälen fördern, was zu einem Ausstrom von Kaliumionen aus der Zelle führt. Dies hyperpolarisiert die Zelle und macht sie weniger erregbar.

4. Hormonelle Regelkreise

Das Nervensystem interagiert eng mit dem Hormonsystem, und negative Rückkopplung spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation der Hormonproduktion. Ein Beispiel hierfür ist die Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Der Hypothalamus, ein Teil des Gehirns, setzt Hormone frei, die die Hypophyse steuern. Die Hypophyse, eine Drüse unterhalb des Hypothalamus, setzt Hormone frei, die andere endokrine Drüsen steuern. Die Hormone der endokrinen Drüsen wirken dann auf Zielorgane im Körper. Wenn der Hormonspiegel im Blut ansteigt, wird dies vom Hypothalamus und der Hypophyse erkannt. Dies führt dazu, dass die Freisetzung der Hormone, die die endokrine Drüse stimulieren, reduziert wird. Auf diese Weise wird der Hormonspiegel im Blut stabilisiert.

Ein konkretes Beispiel ist die Regulation des Schilddrüsenhormonspiegels im Blut. Sinkt der Thyroxinspiegel im Blut unter den Normalwert ab, nehmen Sinneszellen in den Blutgefäßen diese Veränderungen wahr. Über Nerven gelangen die Erregungen ins Zwischenhirn (Hypothalamus). Dort werden Hormone freigesetzt, die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion von Hormonen anregen, die wiederum die Schilddrüse anregen, Thyroxin zu produzieren und es ins Blut abzugeben. Dadurch steigt der Thyroxinspiegel wieder an. Die Zellen des Zwischenhirns (Hypothalamus) registrieren über Nerven diesen Anstieg und stellen die Produktion von Freisetzungshormonen zur Anregung der Hirnanhangsdrüse ein.

Steigt der Thyroxinspiegel im Blut sehr hoch, werden vom Hypothalamus Hemmungshormone gebildet, die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion solcher Hormone anregen, die der Schilddrüse „befehlen“, die Thyroxinausschüttung zu reduzieren. Dadurch sinkt der Thyroxinspiegel im Blut wieder.

Lesen Sie auch: Die Psychologie negativer Schlagzeilen

5. Insulin-Glukagon-Regelkreis

Der Insulin-Glukagon-Regelkreis ist ein zentraler Mechanismus zur Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels im Körper. Insulin wird von den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert und senkt den Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit. Es fördert die Glukoseaufnahme in die Zellen, die Glykogensynthese in der Leber und die Fettspeicherung. Glukagon hingegen wird von den Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert und erhöht den Blutzuckerspiegel zwischen den Mahlzeiten oder beim Fasten. Es stimuliert den Abbau von Glykogen zu Glukose und die Glukoseproduktion in der Leber. Spezialisierte Zellen in der Bauchspeicheldrüse fungieren als Sensoren, die den Blutzuckerspiegel überwachen.

Bei Diabetes mellitus Typ 1, einer Autoimmunerkrankung, werden die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört und kein Insulin wird produziert. Patienten benötigen Insulintherapie zur Regulierung des Blutzuckers. Bei Diabetes mellitus Typ 2 entwickeln die Körperzellen eine Insulinresistenz und die Insulinproduktion ist unzureichend. Dies führt zu chronisch erhöhten Blutzuckerspiegeln. Die Therapie umfasst Lebensstiländerungen und Medikamente, die die Insulinempfindlichkeit verbessern oder die Insulinproduktion stimulieren. Hypoglykämie ist ein Zustand, bei dem der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist, was zu Symptomen wie Zittern, Schwindel und sogar Bewusstlosigkeit führen kann.

Bedeutung der negativen Rückkopplung für die neuronale Funktion

Die negative Rückkopplung ist für die normale Funktion des Nervensystems unerlässlich. Sie trägt dazu bei:

  • Überstimulation zu verhindern: Durch die Begrenzung der Erregbarkeit von Nervenzellen und neuronalen Schaltkreisen verhindert die negative Rückkopplung, dass diese überstimuliert werden. Dies ist wichtig, um Schäden an den Nervenzellen zu vermeiden und eine normale Signalübertragung aufrechtzuerhalten.
  • Die Signalübertragung zu stabilisieren: Die negative Rückkopplung trägt dazu bei, die Signalübertragung im Nervensystem zu stabilisieren. Sie sorgt dafür, dass die Reaktion auf einen bestimmten Reiz nicht zu stark oder zu schwach ausfällt und dass die Signalübertragung präzise und zuverlässig erfolgt.
  • Die Homöostase aufrechtzuerhalten: Die negative Rückkopplung spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Homöostase im Nervensystem. Sie trägt dazu bei, den Neurotransmitterspiegel, die Ionenkonzentrationen und die Hormonspiegel im Blut in einem optimalen Bereich zu halten.

Störungen der negativen Rückkopplung

Störungen der negativen Rückkopplung können zu verschiedenen neurologischen und psychischen Erkrankungen führen. Beispielsweise können Störungen der Autorezeptorenfunktion zu einer Übererregbarkeit von Nervenzellen und zu Anfällen führen. Störungen der hormonellen Regelkreise können zu hormonellen Ungleichgewichten und zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen.

Zusammenwirken von Hormon- und Nervensystem

Bei der Regulation von Lebensprozessen wirken Hormon- und Nervensystem zusammen. Im Hormonsystem hat die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) eine übergeordnete Rolle. Sie hat ungefähr die Größe eines Kirschkerns, wiegt etwa 0,5 g, ist bohnenförmig, liegt unter dem Großhirn und ist über einen Stiel mit einem Bereich des Zwischenhirns - dem Hypothalamus - verbunden. Über den Hypothalamus besteht die Verbindung des Hormonsystems mit dem Nervensystem.

Lesen Sie auch: Die Rolle von Amygdala und Hippocampus

Die Hirnanhangsdrüse produziert nur wenige mg Hormone pro Tag. Diese geringe Menge genügt, um sowohl direkt Prozesse im Körper auszulösen (z. B. durch das Hormon Somatropin das Wachstum) als auch andere Hormondrüsen zur Tätigkeit anzuregen, z. B. Nebennieren, Schilddrüse oder Keimdrüsen. Das ist notwendig, weil es für die Gesundheit und Funktionsfähigkeit unseres Körpers enorm wichtig ist, dass die Konzentration vieler Stoffe nur in ganz engen Grenzen schwankt. Die Hormone der Hirnanhangsdrüse bewirken die Abgabe derjenigen Hormone ins Blut, die der Konzentrationsänderung entgegenwirken, z. B. einer zuckerreichen Nahrungszufuhr die Ausschüttung von Insulin zur Blutzuckersenkung. Zwischen den Hormondrüsen und der Hirnanhangsdrüse besteht außerdem eine negative Rückkopplung, d. h., wenn die erforderliche Konzentration wieder eingestellt wurde, wird die Hormonproduktion der Hirnanhangsdrüse zur Anregung der Hormondrüsen wieder reduziert. Durch diese Regelkreise ist es möglich, Stoffgleichgewichte im Blut zu realisieren und die Anpassung des Körpers an die jeweiligen aktuellen Bedingungen zu erreichen.

Die Hypophyse aber steht wiederum unter Kontrolle des Hypothalamus. Dieser beeinflusst die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse. In Abhängigkeit von den durch die Erregungen in den Nerven übermittelten Informationen werden im Hypothalamus Hormone ausgeschüttet, die die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse hemmen oder in Gang setzen. Die vom Zwischenhirn (Hypothalamus) ausgeschütteten Hormone wirken also auf die Hirnanhangsdrüse. Die Hormone der Hirnanhangsdrüse wiederum regulieren die Hormonausschüttung des Zwischenhirns.

Stress und das Nervensystem

Hormon- und Nervensystem wirken auch bei Stresssituationen eng zusammen. Informationen der Stressoren werden über das Nervensystem aufgenommen und verarbeitet. Durch das vegetative Nervensystem wird das Nebennierenmark aktiviert. Dadurch werden schlagartig Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin) freigesetzt und in das Blut abgegeben. Sie sorgen dafür, dass das Herz schneller schlägt, der Blutdruck steigt und sich die Atemfrequenz erhöht. Durch diese erhöhte Aktivität der Organe kann mehr Sauerstoff aufgenommen und transportiert werden. Gleichzeitig nehmen Zucker- und Fettgehalt im Blut zu. Dadurch werden auch die Brennstoffe zur Energiefreisetzung bereitgestellt. Der Körper hat in kürzester Zeit auf volle Leistungsbereitschaft geschaltet.

Die erhöhte Adrenalinkonzentration bewirkt außerdem die Ausschüttung eines bestimmten Hormons (ACTH-adeno-corticotropes Hormon) in der Hypophyse, das wiederum zur Freisetzung von Glukokortikoiden (z. B. Kortisol) aus der Nebenniere anregt. Diese Kortikoide beschleunigen die Wundheilung und haben entzündungshemmende Eigenschaften.

Negativ wird Stress erst dann, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher Ausgleich erfolgt, die körperlichen „Reserven“ nicht „abgerufen“ werden, z. B. durch Bewegung. Dann „kreisen“ die Brennstoffe Zucker und Fett ungenutzt in der Blutbahn. Dauerhaft erhöhte Blutfettwerte können zur Arterienverkalkung beitragen. Durch einen ständig erhöhten Adrenalinspiegel und damit verbunden durch eine erhöhte Konzentration eines bestimmten Hormons der Hirnanhangsdrüse (ACTH-adeno-corticotropes Hormon) kann es bei Dauerstress zu Erschöpfungszuständen kommen.

tags: #negative #ruckkopplung #nervenzelle