Nervbehandlung von Milchzähnen: Erhalt statt Verlust

Milchzähne spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des kindlichen Gebisses. Ihre frühzeitige Erhaltung ist daher ein wichtiges Ziel in der Kinderzahnheilkunde. Dies gilt besonders, wenn der Zahnnerv (Pulpa) betroffen ist, was eine Nervbehandlung erforderlich machen kann.

Besonderheiten von Milchzähnen

Milchzähne unterscheiden sich in ihrer Struktur von bleibenden Zähnen. Sie haben eine dünnere Schmelzschicht und eine größere Nervhöhle (Pulpacavum). Dadurch können sich Karies und Entzündungen des Zahnnervs schneller ausbreiten, selbst wenn das Loch im Zahn klein erscheint.

Ursachen für eine Nerventzündung

Eine Nerventzündung (Pulpitis) bei Milchzähnen wird hauptsächlich durch tiefe Karies oder Unfälle verursacht. Bakterien dringen in das Zahninnere ein und infizieren den Zahnnerv. Dies führt zu einer Entzündung, die sich durch Schmerzen äußern kann.

Symptome einer Nerventzündung

Eine entzündete Zahnwurzel kann bei Kindern starke Schmerzen verursachen, oft begleitet von einer Schwellung ("dicke Backe"). Weitere Symptome können sein:

  • Dumpfe, teilweise pulsierende Schmerzen
  • Fistelbildung (Eiteransammlung)
  • Abszess (Eiterbeule)
  • Starke Farbveränderung des Zahnes

Die Bedeutung der Milchzähne

Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Milchzähne nicht behandelt werden müssen, da sie ohnehin ausfallen. Dies ist jedoch ein Irrtum, da Milchzähne wichtige Funktionen erfüllen:

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  • Platzhalterfunktion: Sie sichern den Platz für die nachfolgenden bleibenden Zähne. Ein frühzeitiger Verlust kann zu Platzmangel und Fehlstellungen führen.
  • Kaufunktion: Sie ermöglichen eine ausreichende Nahrungsaufnahme und fördern die Entwicklung des Kiefers.
  • Ästhetik: Sie tragen zum Erscheinungsbild des Kindes bei und beeinflussen das Selbstbewusstsein.
  • Sprachentwicklung: Sie unterstützen die korrekte Aussprache.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Nerventzündung

Ziel der Behandlung ist es, den Milchzahn zu erhalten und die Entzündung zu beseitigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Pulpotomie

Bei einer Pulpotomie wird der entzündete Teil des Nervs im Kronenbereich des Zahns entfernt. Die Blutung wird gestillt und der Zahn mit einem speziellen Zement aufgefüllt, der ein beruhigendes Medikament enthält. Anschließend wird der Zahn in den meisten Fällen mit einer Kinderkrone versorgt.

Wurzelkanalbehandlung (Milchzahnendodontie)

Ist die Entzündung bereits bis zur Wurzelspitze vorgedrungen oder der Nerv abgestorben, ist eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich. Dabei wird das gesamte Nervgewebe in der Zahnkrone und den Wurzeln entfernt. Der entstandene Hohlraum wird mit einer speziellen, auf Milchzähne abgestimmten Wurzelfüllpaste aufgefüllt.

Extraktion (Zahnentfernung)

In manchen Fällen ist der Zahn nicht mehr zu retten und muss gezogen werden. Dies ist jedoch die letzte Option, um weitere Schäden und Entzündungen zu vermeiden. Bei einem frühzeitigen Verlust eines Milchzahnes sollte ein Platzhalter eingesetzt werden, um den Platz für den nachkommenden bleibenden Zahn zu sichern.

Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung bei Milchzähnen

Die Wurzelkanalbehandlung bei Milchzähnen ähnelt der bei bleibenden Zähnen. Sie umfasst folgende Schritte:

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  1. Diagnose: Röntgenbilder und elektrometrische Verfahren helfen, den entzündeten Zahn zu identifizieren und seinen Zustand zu beurteilen.
  2. Lokale Betäubung: Sie ermöglicht einen schmerzfreien Eingriff.
  3. Öffnung des Zahns: Der Zahnarzt öffnet den Zahn bis zur Pulpa.
  4. Entfernung des entzündeten Nervgewebes: Das infizierte Nervgewebe wird entfernt. Abhängig von der Praxisausstattung kann ein Diodenlaser zum Einsatz kommen.
  5. Reinigung und Desinfektion der Wurzelkanäle: Die Wurzelkanäle werden sorgfältig gereinigt und desinfiziert, um alle Bakterien zu entfernen.
  6. Füllung der Wurzelkanäle: Die Wurzelkanäle werden mit einem speziellen, bioverträglichen Füllmaterial verschlossen. Bei Milchzähnen werden neuartige Zahnzemente verwendet, die vom Körper abgebaut werden können und die Regeneration des umliegenden Gewebes fördern.
  7. Versorgung des Zahns: Der Zahn wird mit einer Füllung oder einer Krone versorgt, um ihn zu stabilisieren und vor weiteren Schäden zu schützen.

Besonderheiten bei der Behandlung von Kindern

Die Behandlung von Kindern erfordert besondere Aufmerksamkeit und Geduld. Um die Behandlung für das Kind angenehmer zu gestalten, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Aufteilung der Behandlung in mehrere Sitzungen: Dies ist besonders bei jüngeren Kindern sinnvoll, um die Wartezeit zu verkürzen.
  • Ablenkung: Ein Fernseher an der Decke des Behandlungsraums oder andere Unterhaltungsmöglichkeiten können das Kind ablenken.
  • Kindgerechte Kommunikation: Der Zahnarzt erklärt die Behandlung kindgerecht und beantwortet Fragen.
  • Lachgas oder Narkose: In schwierigen Fällen kann Lachgas oder eine Narkose eingesetzt werden, um das Kind zu beruhigen und Schmerzen zu vermeiden.

Alternativen zur Nervbehandlung

Wenn eine Nervbehandlung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, kann der Zahnarzt den Milchzahn ziehen. In diesem Fall ist es wichtig, den Platz mit einem Platzhalter zu sichern, um spätere Zahnfehlstellungen zu vermeiden.

Prophylaxe

Um eine Nerventzündung bei Milchzähnen zu vermeiden, ist eine gute Mundhygiene von Anfang an wichtig. Dazu gehören:

  • Regelmäßiges Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta
  • Zahnseide oder Interdentalbürsten zur Reinigung der Zahnzwischenräume
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt
  • Fluoridierung der Zähne
  • Eine zahngesunde Ernährung mit wenig Zucker

Milchzahnkronen

Stark zerstörte Milchzähne, insbesondere Milchbackenzähne, können mit speziellen Kinderkronen versorgt werden. Diese Kronen schützen den Zahn und erhalten seine Funktion. Es gibt verschiedene Arten von Kinderkronen:

  • Stahlkronen: Sie sind einfach einzusetzen, sehr haltbar und werden von Kindern gut toleriert. Es gibt auch Varianten, die nicht beschliffen werden müssen.
  • Verblendete Stahlkronen: Sie sind mit Kunststoff überzogen und bieten eine bessere Ästhetik. Allerdings muss in der Regel etwas mehr Zahnsubstanz präpariert werden.
  • Vollkeramische Zirkonkronen: Sie sehen fast aus wie natürliche Zähne, sind aber aufwendiger anzupassen und erfordern ein gesundes Zahnfleisch.

Platzhalter

Ein frühzeitiger Verlust von Milchzähnen kann zu Platzmangel für die nachkommenden bleibenden Zähne führen. In solchen Fällen empfiehlt sich die Eingliederung eines Platzhalters, um den Platz zu erhalten und die Entwicklung des Kauorgans nicht zu beeinträchtigen.

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Kinderprothesen

Wenn ein Kind durch Unfall, Krankheit oder Karies mehrere Zähne verliert, kann eine Kinderprothese aus Kunststoff die Kau- und Abbeißfunktionen wiederherstellen und die Nahrungsaufnahme gewährleisten.

Die Rolle der Eltern

Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Zahngesundheit ihrer Kinder. Sie sollten:

  • Auf eine gute Mundhygiene achten
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche vereinbaren
  • Eine zahngesunde Ernährung fördern
  • Kinder bei der Zahnpflege unterstützen und motivieren
  • Bei Anzeichen von Zahnschmerzen oder anderen Auffälligkeiten sofort einen Zahnarzt aufsuchen

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