Nerv eingeklemmt in der Schulter: Behandlungsdauer und umfassende Informationen

Ein eingeklemmter Nerv in der Schulter kann plötzlich einschießende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln verursachen, das bis in Arm und Hand ausstrahlen kann. Typische Anzeichen sind Schmerzen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche - meist in Rücken, Arm oder Bein. Die Beschwerden entstehen oft durch wiederholte Bewegungen, einseitige Belastungen oder langanhaltende Fehlhaltungen. Mit gezielter Bewegung, Schmerztherapie, Entlastung und mitunter einer OP sind die Beschwerden in vielen Fällen gut behandelbar, vor allem, wenn man früh reagiert. Ob die Schmerzen in Rücken, Nacken oder Schultern auftreten: Meist sind sie harmlos und klingen innerhalb einer Woche wieder ab.

Was ist ein eingeklemmter Nerv?

Ein "eingeklemmter Nerv" ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für eine Nervenkompression. Dabei üben umliegende Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Gewebe Druck auf einen Nerv aus. Stattdessen üben meist weiche Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Gewebe Druck auf den Nerv aus, wodurch dessen Funktion beeinträchtigt wird. Dieser Druck stört die Signalübertragung und führt zu Symptomen wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheit. Es fühlt sich oft so an, als wäre der Nerv buchstäblich eingeklemmt.

Anatomie und Funktion: Warum ist das so schmerzhaft?

Nerven sind sozusagen die „Datenleitungen“ unseres Körpers: Sie bestehen aus Fasern, die als Leitungsbahnen den gesamten Körper durchziehen und eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen. In erster Linie leiten sie Signale unseres Gehirns an die Muskulatur weiter, um Bewegungsabläufe zu steuern. Gleichzeitig übertragen sie Sinneswahrnehmungen wie Tast- und Temperaturempfindungen zurück an das Gehirn. Ein eingeklemmter Nerv entsteht, wenn Druck auf den Nerv ausgeübt wird. Dadurch kann er nicht mehr richtig funktionieren, was zu schmerzhaften oder unangenehmen Symptomen führen kann. Eine Nervenkompression kann sich auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen: Bei manchen Betroffenen sind die Beschwerden so stark, dass sie sich kaum noch bewegen können, andere nehmen die Einschränkung nur als leichte Muskelverspannung wahr.

Ursachen für einen eingeklemmten Nerv

Häufige Ursachen sind Verspannungen durch Fehlhaltungen, degenerative Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle oder Arthrose sowie Verletzungen durch Stürze oder Überlastung. Auch systemische Erkrankungen wie Diabetes oder Engpasssyndrome wie das Karpaltunnelsyndrom können Nervenkompressionen auslösen. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einem eingeklemmten Nerv führen können:

  • Fehlhaltungen und Verspannungen: Chronische Fehlhaltungen, z. B. durch schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz oder muskuläre Dysbalancen im Rücken oder Nacken, können über längere Zeit zu einer Nervenirritation führen - ganz ohne konkrete Verletzung.
  • Überlastung: Schwere körperliche Arbeit oder repetitive Bewegungen führen zu Überlastungen und Schwellungen des Gewebes, wodurch Nervenbahnen komprimiert werden.
  • Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben an Elastizität und Höhe, wodurch sich die Abstände zwischen den Wirbelkörpern verringern. Diese degenerativen Prozesse führen zu einer Einengung der Nervenaustrittskanäle, durch die die Nervenwurzeln aus der Wirbelsäule austreten. Gleichzeitig können sich an den Wirbelkörpern knöcherne Anbauten bilden, die zusätzlichen Druck auf die Nerven ausüben.
  • Bandscheibenvorfall: Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe aus dem Faserring aus und drückt direkt auf nahegelegene Nervenwurzeln, wodurch der Nerv akut eingeklemmt wird.
  • Übergewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und beschleunigt degenerative Prozesse, die letztlich zu eingeklemmten Nerven führen können.
  • Seltene Ursachen: In seltenen Fällen sind sogar knöcherne Engstellen oder Zysten im Bereich des Schultergelenks oder der Halswirbelsäule die Ursache.

Symptome eines eingeklemmten Nervs

Typische Symptome sind stechende oder brennende Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen. Je nach betroffener Stelle können auch Bewegungseinschränkungen oder eine verminderte Berührungsempfindlichkeit auftreten. Die Beschwerden reichen von leicht störend bis stark einschränkend. Ein eingeklemmter Nerv macht sich typischerweise durch stechende oder brennende Schmerzen bemerkbar, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken. Die genaue Symptomatik hängt davon ab, welcher Nerv betroffen ist und in welchem Bereich die Kompression auftritt.

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  • Schmerzen: Das Spektrum reicht von einem dumpfen, langsam zunehmenden Druckgefühl bis hin zu plötzlich einschießenden, brennenden oder stechenden Schmerzen.
  • Empfindungsstörungen (Parästhesien): Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das bekannte „Einschlafen“ von Gliedmaßen sind typische Anzeichen.
  • Funktionsausfälle: Bleibt ein Nerv über längere Zeit unter Druck, kann die Signalübertragung zur Muskulatur gestört sein. Die Folge: Muskelschwäche oder vorübergehende Lähmungserscheinungen oder Muskelschwäche, die sich meist wieder zurückbilden, sobald sich der Nerv erholt.
  • Weitere Symptome: Sind besonders empfindliche Nerven - beispielsweise im Bereich der Halswirbelsäule - eingeklemmt, können durch die gestörte Signalübertragung zum Gehirn zusätzliche Symptome wie Schwindel oder Erbrechen auftreten.

Spezifische Symptome je nach Lokalisation:

  • Rücken: Wenn ein Nerv im Rücken eingeklemmt ist, treten die Schmerzen meist im unteren Rückenbereich auf und strahlen häufig in ein oder beide Beine aus. Dieses Phänomen wird als Ischialgie bezeichnet. Betroffene berichten oft von einer eingeschränkten Beweglichkeit und nehmen unwillkürlich Schonhaltungen ein, die jedoch die Problematik verschlimmern können.
  • Nacken: Ein Nerv eingeklemmt im Nackenbereich verursacht starke Schmerzen, die vom Hals in die Schulter, den Arm oder bis in die Finger ausstrahlen können. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Kopfbewegungen, insbesondere beim Drehen oder Neigen des Kopfes. Zusätzlich können Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder Taubheitsgefühle in den Armen auftreten.
  • Brustbereich: Eingeklemmte Nerven im Brustbereich sind seltener, können aber intensive Schmerzen verursachen, die gürtelförmig um den Brustkorb verlaufen. Die Beschwerden verstärken sich oft beim tiefen Einatmen, Husten oder bei Rumpfbewegungen.
  • Schulter: Ein eingeklemmter Nerv in der Schulter führt häufig zu plötzlichen, stechenden Schmerzen mittig neben oder unterhalb des Schulterblatts, welche in Richtung Wirbelsäule ausstrahlen können. Häufig sind die möglichen Bewegungen nach dem Schmerzereignis stark eingeschränkt.

Diagnose eines eingeklemmten Nervs

Die Diagnose eines eingeklemmten Nervs beginnt mit einem ausführlichen Anamnesegespräch. Der Arzt erfragt die genaue Beschwerdesymptomatik, den zeitlichen Verlauf, auslösende oder verstärkende Faktoren sowie eventuelle Vorerkrankungen. Bei der körperlichen Untersuchung werden Beweglichkeit, Reflexe, Sensibilität und Muskelkraft überprüft. Spezielle neurologische Tests helfen dabei, den betroffenen Nerv und das Ausmaß der Schädigung einzuschätzen. Provokationstests wie das Hoffmann-Tinel-Zeichen oder der Phalen-Test helfen dabei, einen eingeklemmten Nerv zu diagnostizieren. Durch gezielte Bewegungen oder leichten Druck auf den betroffenen Bereich können typische Symptome wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle ausgelöst oder verstärkt werden.

Bildgebende Verfahren

  • Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen erzeugen mithilfe von Röntgenstrahlen Bilder der knöchernen Strukturen des Körpers. Bei einem eingeklemmten Nerv können sie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, Wirbelkanalverengungen, Arthrose oder knöcherne Anbauten sichtbar machen, die für die Nervenkompression verantwortlich sein können.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die Magnetresonanztomographie (MRT) nutzt starke Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Schnittbilder des Körperinneren zu erzeugen. Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv ist sie das wichtigste bildgebende Verfahren, da sie Bandscheibenvorfälle oder -vorwölbungen, die den Nerv komprimieren, direkt darstellen kann.
  • Ultraschall: Der Ultraschall verwendet hochfrequente Schallwellen, um Echtzeitbilder von Weichteilen zu erzeugen. Bei eingeklemmten Nerven eignet er sich besonders zur Darstellung von Muskelverspannungen und -verhärtungen, die auf Nervenbahnen drücken können.

Neurologische Untersuchungen

Liegt der Verdacht eines Kompressionssyndroms vor, liefern neurologische Messungen wie die Elektromyografie und die Elektroneurografie den Nachweis dafür. Zusätzlich sind Aussagen über den Ausprägungsgrad der Nervenläsion, das Regenerationspotenzial und die Läsionshöhe möglich.

Behandlung eines eingeklemmten Nervs

Die Therapie eines eingeklemmten Nervs richtet sich nach der Ursache, der Lokalisation und der Schwere der Beschwerden. Die Behandlung, wenn Sie sich einen Nerv eingeklemmt haben, kann so vielfältig sein wie die Ursachen. Daher ist es wichtig, dass wir in unseren Praxen in Düsseldorf und Ratingen mit Ihnen persönlich sprechen und die betroffenen Stellen eingehend untersuchen. Wissen wir mehr über das Auftreten der Symptome, können wir besser einschätzen, warum Sie sich den Nerv eingeklemmt haben. Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Neurologen oder Orthopäden. Durch Abtasten, Prüfen der Bewegungsfähigkeit und Röntgenaufnahmen entscheiden wir, welche Behandlung für Sie infrage kommt und sinnvoll ist. In der Regel wird die Behandlung eines eingeklemmten Nervs ambulant und ohne Narkose oder lokale Betäubung durchgeführt. Falls eine Physiotherapie notwendig ist, verweisen wir Sie gerne an Spezialisten, um Ihnen die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Einen eingeklemmten Nerv sollte eine Neurologin oder ein Neurologe untersuchen. Sie können den Schweregrad bestimmen und entsprechende Therapieverfahren vorschlagen.

Konservative Behandlung

  • Schonung und Ruhigstellung: Die betroffenen Stellen sollte zunächst geschont werden, besonders wenn der Nerv im Rücken, Nacken oder Schulterbereich betroffen ist. Unnatürliche Schonhaltungen und ruckartige Bewegungen sollten möglichst vermieden werden. Schonung und Ruhigstellung (z. B.
  • Wärmebehandlung: Wärme hilft, verspannte Muskulatur zu lockern und den eingeklemmten Nerv zu entlasten. Darüber hinaus kann auch schonende Wärme helfen, die Verspannung zu lösen und den eingeklemmten Nerv im Nacken oder den Schultern zu entlasten. Wärmeanwendungen, sanfte Dehnübungen und gezielte Bewegungen lockern verspannte Muskeln und entlasten den Nerv.
  • Massage und Gymnastik: Eine professionelle Massage oder sanfte Gymnastik wie Yoga können helfen, Verspannungen zu lösen und die Muskulatur zu lockern. Achten Sie darauf, dass die Übungen die Schmerzen nicht verstärken, sondern den Heilungsprozess unterstützen. Bei stark verspannter Muskulatur hilft häufig eine sanfte Gymnastik, Yoga oder eine Massage.
  • Physiotherapie: Gerade bei einem leichten Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose können physiotherapeutische Maßnahmen und Rückenschule helfen, die Symptome zu lindern und die Mobilität zu verbessern. Eine schonende Physiotherapie kann helfen, die Symptome zu lindern und eine OP zu verhindern. Wurde bei Ihnen eine Spinalkanalstenose festgestellt, können ebenfalls physiotherapeutische Maßnahmen, Rückenschule oder Schmerztherapie zur Linderung der Symptome beitragen.
  • Medikamente: Schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente können darüber hinaus helfen, wenn Sie sich einen Nerv im Rücken geklemmt haben. Ärzte verschreiben oft entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente.
  • Injektionen: Dazu können gezielte Infiltrationen mit Bio-Cortison eingesetzt werden. Diese Injektionen wirken stark entzündungshemmend und reduzieren Schwellungen, wodurch der Druck auf den Nerv abnimmt.

Operative Behandlung

Operative Maßnahmen kommen infrage, wenn die Beschwerden trotz konservativer Behandlung bestehen bleiben. In einigen Fällen, besonders bei schwer­wie­genden oder chro­nischen Nerven­kom­pres­sionen, kann eine Operation zur Dekompression notwendig werden. Bei einem Bandscheibenvorfall kann beispielsweise ein minimalinvasiver Eingriff durchgeführt werden, um den Druck auf den betroffenen Nerv zu verringern und die Nervenwurzeln zu entlasten. Je länger der Druck andauert, desto größer ist die Gefahr bleibender Schäden. Umso wichtiger ist es, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation nicht zu verpassen. Grundsätzlich kann es sein, dass sich die neurologischen Ausfälle nach einer Operation nicht vollständig legen.

Übungen bei eingeklemmtem Nerv

Gezielte Bewegung ist ein zentraler Bestandteil der Therapie - auch bei einem eingeklemmten Nerv. Entscheidend ist, dass die Übungen sanft, regelmäßig und symptomorientiert durchgeführt werden. Hier drei bewährte Übungen zur Mobilisation und Entlastung:

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  1. Armkreisen im Stand

    • Ausführung: Kreisen Sie die Arme langsam nach vorne, anschließend nach hinten - jeweils 10 bis 15 Wiederholungen. Die Bewegung sollte aus dem Schultergelenk erfolgen, nicht aus den Unterarmen.
    • Effekt: Verbessert die Beweglichkeit, fördert die Durchblutung unter dem Schulterdach und lockert verspannte Muskulatur.
  2. Wandengleiten mit dem Unterarm

    • Ausgangsposition: Stellen Sie sich mit dem Rücken zur Wand, die Ellbogen sind im 90-Grad-Winkel angewinkelt, die Unterarme liegen flach an der Wand.
    • Ausführung: Schieben Sie die Unterarme langsam nach oben, so weit es schmerzfrei möglich ist - dann langsam zurück. 10 Wiederholungen.
    • Effekt: Fördert die Gleitfähigkeit des Nervs, öffnet den Raum unter dem Schulterdach und verbessert die Schulterkoordination.
  3. Schulterpendel im Stand (nach Codman)

    • Ausgangsposition: Beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorn, der betroffene Arm hängt locker nach unten.
    • Ausführung: Führen Sie kleine Kreisbewegungen mit dem Arm aus - zuerst im Uhrzeigersinn, dann gegen den Uhrzeigersinn. 30-60 Sekunden pro Richtung.
    • Effekt: Entlastet das Schultergelenk, reduziert Muskelspannung und fördert die Gelenkflüssigkeit - besonders hilfreich bei akuten Beschwerden.

Alltagstipps & Ergonomie

Ein eingeklemmter Nerv in der Schulter kann durch Alltagsgewohnheiten verstärkt oder dauerhaft aufrechterhalten werden. Mit gezielten Anpassungen im Alltag lassen sich viele Beschwerden deutlich reduzieren - und Rückfälle vermeiden.

Hier sind 5 wirksame Maßnahmen zur Schulterentlastung im täglichen Leben:

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  1. Arbeitsplatz anpassen: Achten Sie auf eine ergonomische Sitzposition: Bildschirm auf Augenhöhe, Unterarme im 90-Grad-Winkel aufstützen, Rücken anlehnen. Vermeiden Sie ständiges Vorlehnen oder einseitiges Hochziehen der Schultern.
  2. Schultergurt vermeiden: Taschen oder Rucksäcke mit nur einem Gurt können Druck auf die Nervenbahnen ausüben. Tragen Sie Lasten immer möglichst beidseitig - oder wechseln Sie regelmäßig die Seite.
  3. Kein ständiges Smartphone-Klemmen: Das Einklemmen des Telefons zwischen Ohr und Schulter führt zu Muskelverspannungen im Nacken-Schulter-Bereich. Nutzen Sie lieber Headsets oder Lautsprecherfunktionen.
  4. Schulterschonende Schlafposition: Seitenschläfer sollten auf ein ausreichend hohes Kissen achten, um die Halswirbelsäule in neutraler Position zu halten. Rückenlage ist oft die schonendste Variante.
  5. Reizfreie Belastung statt Schonhaltung: Vermeiden Sie absolute Ruhe - sie führt oft zu noch mehr Verspannung. Stattdessen: leichte Mobilisation, Wärme und Pausen in belastenden Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Heimwerken.

Wann zum Arzt?

Nicht jeder ziehende Schmerz im Schulter- oder Nackenbereich ist gleich ein medizinischer Notfall - dennoch gibt es klare Warnsignale, bei denen eine ärztliche Abklärung dringend angeraten ist.

Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten:

  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln, die länger als 48 Stunden anhalten
  • Zunehmende Muskelschwäche, z. B. beim Anheben des Arms
  • Nächtliche Schmerzen, die die Schlafqualität deutlich beeinträchtigen
  • Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen, die sich trotz Entlastung nicht bessern
  • Schmerzen nach einem Unfall, z. B.

Je früher strukturelle Probleme erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln - oft sogar ohne Operation.

Suprascapularis-Syndrom

Die häufigste Neuropathie am Schultergelenk ist das Nervus suprascapularis-Syndrom. Als Nervus suprascapularis-Syndrom bezeichnet man die Druckschädigung des Nervus suprascapularis in der Incisura scapulae unter dem Ligamentum transversum scapulae superius und seltener in der supraglenoidalen Notch unter dem Lig. spinoglenoidale. Für die primäre Entstehung einer solchen Kompression sind neben anatomischen Normvarianten der Incisura scapulae auch repetitive Mikrotraumata bei Überkopfsportlern verantwortlich. So kommt es z. B. beim Tennis oder Volleyball durch die immer wiederkehrende Ausholbewegung beim Aufschlag bzw. Schmettern zu einer extremen Rück- und Vorwärtsdrehung der Skapula mit entsprechender Belastung des Nervs. Die Diagnose eines Nervus suprascapularis-Kompressionssyndroms ist oftmals schwierig, da die Symptome einer suprascapularen Neuropathie meist denen von gängigen Schulterpathologien oder Wurzelkompressionssyndromen der HWS ähneln. Sie sollte jedoch bei jedem Patienten mit ungeklärten, posterioren Schulterschmerzen in Betracht gezogen werden, vor allem wenn anamnestisch eine regelmäßige Überkopfaktivität angegeben wird. Die Patienten geben typischerweise einen unspezifischen, tiefen, dumpfen und andauernden Schmerz im dorsolateralen Bereich der Schulter an, der in den Arm oder den Nacken ausstrahlen kann. Bei Überkopfbelastung beim Sport, bei der Arbeit oder beim Liegen auf der Schulter verstärkt sich der Schmerz. Der Symptombeginn ist meist schleichend.

Impingement-Syndrom der Schulter

Bei einem Impingement-Syndrom der Schulter kommt es zu einer Verengung unter dem Schulterdach. Dabei werden Muskeln, Sehnen oder Nerven eingeklemmt, was zu schmerzhaften Reizungen und deutlicher Einschränkung der Beweglichkeit führt. In der Folge kommt es oft zu Entzündungen von Sehnen oder Schleimbeuteln. Diese gehen wiederum mit einer Schwellung einher und verengen den Gelenkraum noch mehr. Die Erkrankung bezeichnet man auch als Schulterengpass-Syndrom oder Engpass-Syndrom der Schulter. Meist tritt es um das 50. Lebensjahr herum auf. Ein Schulter-Impingement entsteht häufig durch eingeklemmte Sehnen, Weichteile und/oder Nerven unter dem Schulterdach. Auch die Rotatorenmanschette kann hierbei in Mitleidenschaft gezogen werden. Meist liegt eine Einengung des Gelenkraumes (Subakromialraum) vor - des Raumes zwischen Oberarmkopf und Schulterdach (Akromion). Beim sogenannten Outlet-Syndrom sind es bestimmte knöcherne Veränderungen oder Verwachsungen, zum Beispiel ein Sporn unterhalb des Schulterdachs.

Schulter-Arm-Syndrom

Bei dem Schulter-Arm-Syndrom handelt es sich um das schmerzhafte Einklemmen der Supraspinatus-Sehne und des Schleimbeutels zwischen Schulterdach und Oberarmkopf. Neben muskulären Verhärtungen können dabei auch degenerative Erkrankungen, wie Schulterarthrose, oder andere Erkrankungen, wie Rheuma, für das Syndrom verantwortlich sein. Bei einem Schulter-Arm-Syndrom, auch Impingement-Syndrom genannt, stehen konservative und operative Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. In der Regel wird zunächst eine konservative Therapie eingeleitet, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Die Optionen reichen dabei von der Einnahme entzündungshemmender Medikamente, der Anwendung spezieller Salben, Injektionen (Lokalanästhetika), Physiotherapie bis hin zur Akupunktur. Sollten die konservativen Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg haben, ist eine Operation erforderlich. Wenn möglich, wird das operative Verfahren im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) durchgeführt. Ziel der Operation ist es, die einengenden Kalkablagerungen oder knöcherne Anlagerungen zu beseitigen.

Dauer der Behandlung

Wie lange dauert es, bis sich ein eingeklemmter Nerv wieder beruhigt? Die Dauer der Beschwerden hängt von der Ursache der Nervenkompression ab. Bei Verspannungen heilt der eingeklemmte Nerv in der Regel von selbst. Die Dauer der Krankschreibung richtet sich stark nach der individuell ausgeübten Tätigkeit des Betroffenen. Hierüber entscheidet der behandelnde Arzt im Einzelfall. eventuelle Vorerkrankungen können die Heilungsdauer beeinflussen. Im Durchschnitt dauert die Krankschreibung bei einem eingeklemmten Nerv im Schulterblattbereich etwa eine bis drei Wochen, kann aber je nach Verlauf variieren.

Prävention

Ein eingeklemmter Nerv kann im Alltag nicht nur schmerzhaft, sondern auch einschränkend sein. Die gute Nachricht: Mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko einer Nervenkompression deutlich reduzieren.

  • Ergonomie am Arbeitsplatz: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, eingeklemmten Nerven vorzubeugen. Bei sitzenden Tätigkeiten im Büro sind eine aufrechte Haltung, passende Stühle und Tische sowie Hilfsmittel wie Handauflagen sinnvoll. Wer überwiegend steht, profitiert von gut gedämpften Schuhen und regelmäßigen Pausen zur Entlastung der Gelenke. Beim Heben schwerer Lasten sollte die Kraft aus den Beinen kommen, um den Rücken zu schonen.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur.
  • Stressmanagement: Muskelverspannungen können durch Stress begünstigt werden.
  • Übergewicht reduzieren: Ein gesundes Körpergewicht entlastet die Wirbelsäule und verhindert zusätzlichen Druck auf Nerven.

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