Eingeklemmter Nerv und schwache Beine: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Ein eingeklemmter Nerv kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter auch schwache Beine. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen Ursachen für dieses Phänomen, die Diagnosemethoden und die verfügbaren Behandlungsansätze.

Einführung

Ein eingeklemmter Nerv, auch Nervenkompression genannt, tritt auf, wenn Druck auf einen oder mehrere Nerven ausgeübt wird. Dieser Druck kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie z. B. Knochensporne, Bandscheibenvorfälle oder Muskelverspannungen. Die Symptome variieren je nach betroffenem Nerv und der Stärke der Kompression. Schwache Beine können ein besonders beunruhigendes Symptom sein, da sie die Mobilität und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Ursachen für einen eingeklemmten Nerv und schwache Beine

Piriformis-Syndrom

Das Piriformis-Syndrom ist eine häufige Ursache für Schmerzen im unteren Rücken und im Gesäß, die bis in die Beine ausstrahlen können. Es tritt auf, wenn der Piriformis-Muskel, der in der tiefen Hüftmuskulatur liegt, verkürzt oder verspannt ist. Da der Ischiasnerv unterhalb dieses Muskels verläuft, kann eine Verhärtung des Muskels zu einer Kompression des Nervs führen.

Anatomie und Funktion des Piriformis-Muskels

Der Musculus piriformis (birnenförmiger Muskel) verläuft unterhalb des großen Gesäßmuskels von der Innenfläche des Kreuzbeins bis zur Spitze des großen Rollhügels (Trochanter major) am Oberschenkelknochen. Seine Hauptfunktionen sind die Außenrotation der gestreckten Hüfte, die Abspreizung des Oberschenkels und das Heben des Oberschenkels nach hinten.

Entstehung des Piriformis-Syndroms

In seinem Verlauf zieht der Piriformis-Muskel durch das große Sitzbeinloch (Foramen ischiadicum majus) im Becken und teilt es damit in zwei Abschnitte. Unterhalb des Piriformis-Muskels verläuft der Ischiasnerv durch den unteren Teil des Foramen ischiadicum majus. An dieser Stelle, im sogenannten Foramen infrapiriforme, entsteht ein Engpass. Durch eine Verspannung oder Verhärtung des Piriformis-Muskels verringert sich der Platz im großen Sitzbeinloch und es kommt zur Einengung des Ischiasnervs.

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Symptome des Piriformis-Syndroms

Beim Piriformis-Syndrom drückt der Piriformismuskel meist auf den Ischiasnerv und löst Schmerzen in der Gesäßregion aus. Es können aber auch andere Nerven betroffen sein, die durch das Foramen infrapiriforme verlaufen. Die Schmerzen treten meist einseitig im Gesäß und im unteren Rücken sowie als Beinschmerzen auf, je nachdem welcher der beiden Piriformis-Muskeln betroffen ist. Viele Patienten beschreiben die Schmerzen als stechend und quälend. In den meisten Fällen verstärken sich die Schmerzen beim Sitzen, Bücken oder längerem Gehen bzw. Laufen. Da der eingeklemmte Ischiasnerv und seine Äste die Beine und Füße innervieren, strahlen die Schmerzen oft in diese Bereiche aus. Auch Taubheitsgefühle, Kribbeln und Missempfindungen sind möglich. Häufig verspüren Patienten die Beschwerden am hinteren Oberschenkel und im Knie. Aber auch andere Nerven können durch den Piriformis-Muskel komprimiert werden und Symptome verursachen.

Ursachen für die Verspannung des Piriformis-Muskels

Die Ursachen des Piriformis-Syndroms liegen in einer Verspannung, Verkürzung oder Kompression des Piriformis-Muskels. Verschiedene Auslöser können dazu führen, dass der Piriformis-Muskel sich verspannt. intensives Training, Fehlbelastungen, Sitzen auf dem Geldbeutel und Fehlstellungen wie z. B. Skoliose, Prellungen oder plötzliche Bewegungen, die Zerrungen des Piriformis-Muskels zur Folge haben, zählen zu den Ursachen des Piriformis-Syndroms. In einigen Fällen ist auch ein anatomisch abweichender Verlauf des Ischiasnervs ursächlich für die Beschwerden.

Lumboischialgie

Unter einer Lumboischialgie versteht man einen unteren Rückenschmerz, bei dem die Wurzeln des Ischiasnervs beteiligt sind, sodass Beschwerden auch in seinem Versorgungsgebiet auftreten. Bei diesem Schmerzzustand liegt eine Reizung der Nervenwurzeln im Bereich der Lendenwirbel vor. Dahinter kann ein Bandscheibenvorfall oder Verschleiß an den Wirbeln stecken. Eine wichtige Rolle bei ihrer Entstehung spielen einseitige Belastungen, die zu hohen Spannungen in Muskeln und Faszien führen und Schmerzen begünstigen können.

Anatomie des Ischiasnervs

Der Ischias besteht aus den Spinalnerven des Rückenmarks, die unter dem fünften Lendenwirbel und aus dem Kreuzbein je links und rechts austreten. Ab dann bündeln sie sich zu einem dicken, langen Nerv. Er verläuft die Rückseite des Körpers entlang nach unten durch das Becken, Gesäß, die Ober- und Unterschenkel bis hinunter zu den Füßen. Zuvor verzweigt sich der Ischiasnerv in der Kniekehle.

Symptome der Lumboischialgie

Lumboischialgie bedeutet folglich: ein unterer Rückenschmerz, der auch den Ischiasnerv betrifft. Gemeint ist also eine Kombination der Beschwerdebilder Lumbago (Hexenschuss) sowie Ischialgie (Ischiasschmerzen). Der Hexenschuss ist ein plötzlich einschießender und heftig drückend-ziehender Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule.

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Ursachen der Lumboischialgie

Im Gegensatz zur Lumbago ist die Ischialgie wirklich eine radikuläre Erkrankung. Auch hier vermuten Ärztinnen und Ärzte meist einen Bandscheibenvorfall, Bandscheibenvorwölbungen oder knöcherne Veränderungen der Wirbelkörper (Osteochondrose) und Wirbelgelenke (Spondylarthrose) als Auslöser.

Spinalkanalstenose

Bei einer Spinalkanalstenose verengt sich der Wirbelkanal der Wirbelsäule (auch als Spinalkanal bezeichnet). Im Wirbelkanal verlaufen die Nervenbahnen des Rückenmarks sowie Blutgefäße, die auch die Beine versorgen. Wird der Wirbelkanal enger, kann zu wenig Raum für die Nerven und Gefäße bleiben. Das kann zu Beschwerden im Rücken und in den Beinen führen - muss es aber nicht.

Entstehung der Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose kann angeboren sein. Viel häufiger entsteht sie aber durch den normalen Alterungsprozess des Körpers (degenerative Spinalkanalstenose). Eine Spinalkanalstenose kann sich durch Schmerzen im unteren Rücken äußern, die bis in Gesäß und Oberschenkel ziehen - manchmal auch bis in den Unterschenkel. Es kann auch sein, dass nur das Bein wehtut oder dass es sich müde und schwer anfühlt. Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, nennt man Ischialgien (umgangssprachlich „Ischias“).

Symptome der Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose macht sich typischerweise bei Belastung bemerkbar, besonders beim langsamen Gehen oder Stehen. Leichtes Vorbeugen entlastet die Nerven. Deshalb lehnen sich Betroffene beim Gehen oft leicht nach vorne oder setzen sich zwischendurch, um den Oberkörper nach vorne zu beugen. Längere Strecken können sie nicht so gut zurücklegen.Es kann auch zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Beinen oder Lähmungserscheinungen kommen. Das kann dazu führen, dass man sich etwas unsicher auf den Beinen fühlt.Selten weisen Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen auf ein ernsthaftes Problem hin, etwa eine Nervenschädigung. Beim sogenannten Kauda-Syndrom kommt es zu Lähmungen oder einer plötzlichen Störung der Blasen- oder Darmfunktion.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Bei den meisten Menschen entsteht eine Spinalkanalstenose durch den normalen Alterungsprozess. Denn mit zunehmendem Alter kommt es zu Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben, Knochen und Bändern der Wirbelsäule.Die Bandscheiben verlieren an Flüssigkeit, werden spröde und rissig, wodurch die Wirbelsäule an Stabilität verlieren kann. Manchmal versucht der Körper, dies durch Knochenbildung an den Wirbeln auszugleichen (Spondylophyten). Die natürliche Krümmung der unteren Wirbelsäule kann sich durch Veränderungen an der Wirbelsäule verstärken. Dadurch kann es im Stehen zu einem Hohlkreuz oder Flachrücken kommen.

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Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall drückt die Bandscheibe auf das Rückenmark. Durch diese Wirbelkanalverengung kommen die Nervenbahnen in Bedrängnis und reagieren oft gereizt. Neben starken Schmerzen sind Taubheitsgefühle und ein Kribbeln in den Beinen bzw. im Oberschenkel ein häufiges Symptom. Dabei muss das taube Gefühl nicht anhaltend sein, sondern kann immer wieder auftreten. Eine Behandlung des Bandscheibenvorfalls in der LWS hilft dabei, den bedrängten Nerv im unteren Rücken zu beruhigen. Gut zu wissen: In den seltensten Fällen ist bei einem Bandscheibenvorfall ein chirurgischer Eingriff notwendig.

Muskelverspannungen

Starke Verspannungen, wie sie auch bei einem Hexenschuss vorkommen können, sind manchmal der Auslöser für eine vorübergehende Taubheitsgefühl im Oberschenkel. Dabei kann einerseits starke sportliche Belastung der Auslöser sein. Andererseits führt auch langes, ungesundes Sitzen zu Muskelverspannungen.

Vitamin-B12-Mangel

Die Rolle von Vitamin B12 sollte nicht unterschätzt werden. Das Vitamin ist an vielen Prozessen im Körper beteiligt - unter anderem an der Funktion der Nerven. Mögliche Folge eines Mangels sind ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle. Diese können nicht nur in den Händen, den Armen, den Beinen oder den Füßen, sondern auch in ganz unterschiedlichen Bereichen des Körpers auftreten.

Restless-Legs-Syndrom

Treten Taubheitsgefühle, ein Kribbeln oder auch leichte Schmerzen an Beinen und Füßen auf, kann dies auf das Restless-Legs-Syndrom hindeuten. Typisch sind auch eingeschlafene Beine. Die Beschwerden treten vor allem abends oder nachts auf, was das Ein- und Durchschlafen für viele Betroffene zur Unmöglichkeit macht. Bei Bewegung lassen die Symptome in der Regel nach. Die Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom sind vielfältig.

Rückenmarksverletzungen

Eine Rückenmarksverletzung stellt eine drastische Diagnose dar. Da das Rückenmark viele wichtige Nervenbahnen beherbergt, ist eine Verletzung in diesem Bereich nicht zu unterschätzen. Häufige Ursachen sind Sport- und Verkehrsunfälle, Stürze sowie Erkrankungen wie ein Bandscheibenvorfall.

Arten von Rückenmarksverletzungen

  1. Erschütterung: Eine Erschütterung des Rückenmarks kann für kurzfristige Störungen in der Motorik führen. Tritt die Erschütterung in der LWS auf, sind auch ein Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen im Oberschenkel bzw. Bein keine Seltenheit.
  2. Prellung: Eine Prellung kann mit Einblutungen in den Spinalkanal einhergehen und verursacht neurologische Ausfälle. Da das Rückenmark hierbei verletzt wurde, kann es sein, dass manche Beschwerden für immer bleiben.
  3. Quetschung: Die Quetschung stellt die gravierendste aller Formen dar. Häufig sind instabile Wirbelkörper oder ein stark ausgeprägter Bandscheibenvorfall die Ursachen.

Meralgia paraesthetica

Unter dem Leistenband verlaufen Nervenbahnen. Da der Platz hier sehr begrenzt ist, sind Einklemmungen und Entzündungen keine Seltenheit. Bei einer Meralgia paraesthetica ist vor allem der Nervus cutaneus femoris lateralis betroffen. Dieser Hautnerv versorgt die Außenseite des Oberschenkels. Wird der Nerv eingeklemmt, kann ein Kribbeln oder eine taubes Stelle im seitlichen und vorderen Bereich des Oberschenkels auftreten. Medikamente können ebenso helfen, wie eine spezielle Schmerztherapie. Zudem sollten Übergewicht abgebaut und eine falsche Haltung (auch beim Krafttraining) korrigiert werden.

Guillain-Barré-Syndrom

Das Guillain-Barré-Syndrom tritt sehr selten auf. Die Taubheitsgefühle entstehen bei dieser Erkrankung durch einen Schädigung der peripheren Nerven. Grund dafür ist eine Autoimmunreaktion. Die Krankheit kann sich sehr plötzlich innerhalb von wenigen Tagen bis hin zu mehrere Monaten entwickeln.

Fußheberschwäche

Viele Pathologien verursachen die fehlende Dorsalflexion des Fall bzw. Spitzfußes. Da die Flexionsbewegung durch das Zusammenwirken von Muskeln, Sehnen und dem Nervensystem bestimmt wird, kann eine Erkrankung die normale Funktion der Muskeln und vor allem der Nerven wesentlich überlagern.Eine der häufigsten Ursachen ist in der Tat eine Neuropathie des Nervus peroneus communis, der am Knie und im Bein verletzt, komprimiert oder eingeklemmt sein kann. Dieser Nerv zweigt vom Ischiasnerv ab, durchquert den Oberschenkel und teilt sich im Bereich des Knies, auf Höhe des Wadenbeinkopfes in seine beiden Hauptäste, einem tieferen Ast, dem tiefen Wadenbeinnerv (Nervus peroneus profundus) und dem oberflächlicheren Wadenbeinnerv (Nervus peroneus superficialis).

Diagnose eines eingeklemmten Nervs

Für die Diagnose eines Piriformis-Syndroms wird der Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen. Im nächsten Schritt erfolgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt testet die Beweglichkeit Ihrer Hüften und sucht nach Anzeichen für Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen oder Sensibilitätsstörungen. Menschen mit Piriformis-Syndrom verspüren bei Anspannung oder Dehnung des Piriformis-Muskels Schmerzen. Mithilfe von klinischen Tests provoziert der Arzt durch bestimmte Bewegungen bewusst den Schmerz. Da bisher kein Test das Piriformis-Syndrom direkt nachweisen kann, handelt es sich um eine sogenannte Ausschlussdiagnose.

Klinische Tests

  • JAGAS-Test: Der Patient liegt auf dem Rücken und führt scherenartige Bewegungen der gestreckten Beine aus.
  • Freiberg-Test: Der Patient liegt auf dem Rücken auf einer Untersuchungsliege. Das betroffene Bein hängt von der Liege herunter in der Luft.
  • FAIR-Test: Der Patient liegt auf der gesunden Seite. Das obere Bein wird im Kniegelenk gebeugt, an den Körper gezogen und im Hüftgelenk nach innen gedreht. FAIR steht also für Flexion (Beugung), Adduktion (Heranziehen) und Innenrotation. Drückt der Arzt nun das Bein in Richtung der Unterlage, entstehen bei Patienten mit Piriformis-Syndrom Schmerzen im Gesäß.
  • Pace-Test: Der Patient sitzt auf der Untersuchungsliege und die Beine hängen in der Luft. Nun spreizt er das betroffene Bein gegen Widerstand ab.
  • Beatty-Manöver: Der Patient liegt auf der beschwerdefreien Seite. Das betroffene Bein wird im Knie und in der Hüfte angewinkelt. Nun spreizt der Patient das Bein - eventuell gegen einen Widerstand - ab.
  • Lasègue-Test: Während der Patient auf dem Rücken liegt, beugt der Arzt das gestreckte Bein im Hüftgelenk. Entstehen bis zu einer Beugung von 45 Grad Schmerzen im unteren Rücken, die bis ins Bein oder ins Knie ausstrahlen, ist das Lasègue-Zeichen positiv. In diesem Fall ist von einer Reizung oder Kompression des Ischiasnervs auszugehen. Das Lasègue-Zeichen ist positiv, wenn die Dehnung des Ischiasnervs einen plötzlich einschießenden Schmerz im Gesäß verursacht.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT können dem Spezialisten helfen, eine Verdickung oder Formabweichung des Muskels zu erkennen und andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen.

Elektromyografie

Da der Piriformis-Muskel von außen schlecht erreichbar ist, ist auch die elektromyografische Untersuchung erschwert. Mit dieser Untersuchung misst der Arzt die Muskelaktivität. Aufschlussreich ist diese Untersuchung aber für andere Muskeln, die von Nerven versorgt werden, die durch das Foramen infrapiriforme ziehen. Dazu zählt beispielsweise der große Gesäßmuskel. Ist die Muskelaktivität dieser Muskeln verringert, kann das ein Hinweis auf ein Piriformis-Syndrom sein. Eine Elektroneurografie ist bei einem Piriformis-Syndrom nicht aussagekräftig. Mit dieser Untersuchung soll die Nervenleitgeschwindigkeit des Ischiasnervs gemessen werden. Da der Ischiasnerv aber erst unterhalb des Beckens stimuliert werden kann und die Kompression bzw.

Differenzialdiagnose

Es gibt einige Krankheitsbilder, die ähnliche Symptome wie das Piriformis-Syndroms verursachen.

  • Lumbaler Bandscheibenvorfall: Drückt ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung im Bereich des unteren Rückens auf die Spinalnerven, kommt es zu unteren Rückenschmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen können.
  • Ischialgie: Das Piriformis-Syndrom ist eine mögliche Ursache für eine Reizung des Ischiasnervs.
  • ISG-Syndrom: Schmerzen im Iliosakralgelenk, welches das Kreuzbein mit dem Becken verbindet, treten wie das Piriformis-Syndrom häufig einseitig auf.

Behandlung eines eingeklemmten Nervs

Ein Piriformis-Syndrom lässt sich in vielen Fällen gut durch konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, exzentrisches Training, Stoßwellentherapie und gezielte Dehnübungen behandeln. Je nach Ausmaß der Beschwerden verbessern sich die Symptome nach wenigen Wochen oder Monaten. Viele Patienten verspüren eine Linderung der Schmerzen durch Kälteanwendungen oder Ultraschalltherapie. Die akute Schmerztherapie erfolgt zudem über entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Leiden Sie am Piriformis-Syndrom, sollten Sie öfter die Schlafposition wechseln, um Verspannungen zu vermeiden und die Durchblutung der Muskulatur in allen Bereichen anzuregen. Sie können sowohl auf dem Rücken als auch auf der Seite schlafen. Allerdings sollten Sie bei starken Beschwerden in Seitenlage mit der schmerzenden Seite nach oben schlafen. Ein Kissen zwischen den Beinen sorgt für Linderung der Beschwerden. Die Hüft- und Schulterregion sollte in die Matratze einsinken.

Übungen zur Dehnung und Kräftigung

Der Musculus piriformis ist ein Gesäßmuskel, der die gestreckte Hüfte nach außen dreht und stabilisiert. Bei Hüftbeugung verändert er seine Funktion und spreizt das Bein nach außen ab. Nehmen Sie sich ganz bewusst Zeit für die Übungen. Sie sollten etwa 2- bis 3-mal pro Woche trainieren, um Effekte zu erzielen.

  • Piriformis-Dehnung (Rückenlage): Ausgangsstellung: Liegen Sie auf dem Rücken und beugen Sie das zu dehnende Bein in Hüft- und Kniegelenk. Halten Sie die Dehnung etwa 15-30 Sekunden. Diese Übung dehnt den Piriformis-Muskel.
  • Gesäßmuskulatur-Dehnung (Rückenlage): Ausgangsstellung: Rückenlage, die Beine gebeugt. Kreuzen Sie nun die rechte Ferse über das linke Knie. Durchführung: Ziehen Sie den linken Oberschenkel leicht Richtung Brustkorb, bis im rechten Oberschenkel/Gesäß ein Dehnungsgefühl spürbar ist. Halten Sie die Dehnung etwa 15-30 Sekunden. Diese Übung dehnt die Gesäßmuskulatur.
  • Hüftrotation (Seitlage): Ausgangsstellung: Liegen Sie auf der Seite. Die Hüft- und Kniegelenke sind leicht gebeugt. Ausgangsstellung: Seitlage. Durchführung: Drehen Sie das oben liegende Knie Richtung Decke. Halten Sie dabei Fußkontakt. Wiederholen Sie die Bewegung 15-mal und wechseln Sie dann die Seite. Dies entspricht einem Satz. Durchführung: Knie Richtung Decke drehen. Die Massage mit dem Tennisball entspannt die Gesäßmuskulatur. Diese Übung kräftigt und mobilisiert die Außenrotatoren des Hüftgelenks.
  • Außenrotation mit Theraband (Bauchlage): Ausgangsstellung: Liegen Sie auf dem Bauch. Die Oberschenkel sind parallel. Durchführung: Das angewinkelte Bein zieht aktiv gegen den Widerstand des Therabandes nach innen. Wiederholen Sie die Bewegung 15-mal und wechseln Sie dann das Bein. Dies entspricht einem Satz.
  • Kniebeugen (vor einem Stuhl): Diese Übung kräftigt die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur. Ausgangsstellung: Stehen Sie vor einem Stuhl. Durchführung: Setzen Sie sich mit dem Gesäß nach hinten unten ab. Wiederholen Sie die Bewegung 15-mal. Dies entspricht einem Satz.
  • Beckenheben (mit Bein auf Hocker): Diese Übung kräftigt die Hüftmuskulatur, die für das Abspreizen und Strecken des Beines nach hinten verantwortlich ist. Ausgangsstellung: Das zu beübende Bein ist gestreckt. Der Oberschenkel ist leicht nach außen gedreht. Das Knie befindet sich exakt über dem Fuß. Das andere Bein ist auf einem Hocker bzw. Durchführung: Spannen Sie den Bauch an, sodass der untere Rücken lang wird (kein Hohlkreuz). Heben Sie nun das Becken des hochgestellten Beines langsam an und schieben Sie das Knie leicht nach vorne. Achten Sie darauf, mit dem Hüftgelenk des Standbeines nicht seitlich wegzusinken. Halten Sie die Dehnung etwa 15-30 Sekunden.

Medikamentöse Behandlung

Akute Schmerzen lassen sich durch nichtsteroidale Antirheumatika wie z. B. Ibuprofen oder Diclofenac behandeln. Lindern diese die Schmerzen nicht ausreichend, kann der Arzt stärkere Medikamente, sogenannte Opioide, verschreiben. Schmerzmittel, wobei der Arzt meist entzündungshemmende Wirkstoffe verordnet wie z. B. Ibuprofen (z. B. Ibu® oder Brufen®), Diclofenac (z. B. Voltaren® oder Diclac®), Piroxicam (z. B. Piroxicam-AbZ) oder ein Coxib (zum Beispiel Celebrex®). Sie können als Tabletten, als Schmerzpflaster oder über ein eingepflanztes Pumpensystem verabreicht werden.

Injektionstherapie

Bei starken Schmerzen spritzt der Arzt örtlich betäubende Substanzen (Lokalanästhetika) in den betroffenen Bereich, was zumindest zu einer zeitweisen Linderung führt. Am wirkungsvollsten sind Injektionen von einer Mischung aus Lokalanästhetikum und Kortison direkt in den Wirbelkanal (sog. epidurale oder peridurale Infiltrationen). Im Bereich der Lendenwirbelsäule wird dieses Verfahren auch sakrale Blockade genannt.

Operation

Starke Beschwerden lassen sich jedoch manchmal nur durch eine Operation beheben. Operiert wird auch bei neurologischen Ausfällen.

  • Mikrochirurgische Dekompression: Bei dieser Standardoperation unter Vollnarkose entfernt der Chirurg über einen kleinen Hautschnitt in Höhe der Einengung die Strukturen, die auf das Nervengewebe drücken (z. B. Teile des Wirbelbogens, des verdickten Ligamentum flavum sowie knöcherne Ausziehungen).
  • Versteifungsoperation (Spondylodese): Die Entnahme größerer Knochenmassen bei einer Entlastungsoperation macht oft eine anschließende Versteifungsoperation erforderlich, um die Stabilität des operierten Wirbelsäulenbereichs zu erhalten. Dabei verbinden die Ärzte zwei oder mehr benachbarte Wirbelkörper mit kleinen Schrauben und Verbindungsstangen. Auch diese Operation ist häufig minimalinvasiv über ein Endoskop und nur kleine Hautschnitte möglich. Eine Spondylodese wird auch durchgeführt, wenn die Ursache der Spinalkanalstenose eine Überbeweglichkeit der Wirbelsäule ist.
  • Interspinöser Spreizer: Hierbei pflanzt der Arzt kleine Metallimplantate zwischen die Dornfortsätze der betroffenen Wirbel. Diese Spreizer haben die Aufgabe, die Wirbel auseinanderzudrücken und damit den verengten Kanal aufzuweiten.

Tipps für den Alltag

  • Bleiben Sie aktiv: Regelmäßiges Training der Bauch- und Rückenmuskeln kann die Hohlkreuz-Position der Lendenwirbelsäule minimieren und den Spinalkanal erweitern. Sanftes Yoga, Fahrradfahren oder Nordic Walking sind ebenfalls empfehlenswert. Zu Hause können Übungen wie das Einbeinig-Stehen beim Zähneputzen die Tiefenmuskulatur stärken. Zudem sollten Betroffene versuchen, Übergewicht abzubauen, um die Belastung der Wirbelsäule zu verringern.
  • Achten Sie auf Ihre Sitzposition: Leiden Sie am Piriformis-Syndrom, sollten Sie darauf achten, aufrecht zu sitzen und die Sitzposition häufig zu verändern. Stehen Sie öfter auf und dehnen Sie die Muskeln, um Verkürzungen zu vermeiden. Verwenden Sie außerdem eine bequeme und gepolsterte Sitzauflage, die den Druck auf das Gesäß minimiert.
  • Vorsicht mit Selbstbehandlung: Im Internet kursieren zahlreiche Videos mit Übungen für Patienten mit Spinalkanalstenose. Lassen Sie sich vor dem Nachturnen von Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten beraten, welche Angebote und Übungen für Sie die richtigen sind.

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