Nerven, Bindegewebe und Faszien: Aufbau, Funktion und Bedeutung für den Körper

Das komplexe Zusammenspiel von Nerven, Bindegewebe und Faszien spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit, Stabilität und Funktionalität unseres Körpers. Lange Zeit wurde das Bindegewebe, insbesondere die Faszien, unterschätzt. Mittlerweile rücken sie jedoch immer mehr in den Fokus ganzheitlicher Betrachtungen des menschlichen Körpers.

Einführung in das Bindegewebe

"Ich habe schwaches Bindegewebe!" - Dieser Satz ist vielen bekannt. Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff "Bindegewebe"? Wie ist es aufgebaut und welche Funktionen erfüllt es?

Das Bindegewebe ist eine der vier Hauptgewebearten des menschlichen Organismus. Traditionell unterscheidet man zwischen:

  • Binde- und Stützgewebe
  • Muskelgewebe
  • Epithelgewebe
  • Nervengewebe

Jede Gewebeart zeichnet sich durch einen spezifischen Aufbau aus und erfüllt spezielle Aufgaben. Das Bindegewebe verbindet, trennt und stützt alle anderen Gewebearten im Körper. Wie ein Klebstoff hält es alle anderen Gewebe zusammen und sorgt dafür, dass die Organsysteme harmonisch funktionieren.

Aufbau des Bindegewebes

Drei wesentliche Bestandteile sind für den Aufbau des Bindegewebes verantwortlich: Zellen, Grundsubstanz und Fasern. Die beiden letztgenannten bilden die extrazelluläre Matrix (EZM).

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  1. Die Bindegewebszellen: Diese werden in ortsständige und mobile Zellen unterschieden. Ortsständige Zellen sind fixiert und nicht beweglich. Den Hauptbestandteil bilden Fibroblasten, die aktiv am Auf-, Ab- und Umbau der Extrazellularmatrix beteiligt sind. Daneben gibt es auch Fibrozyten, Myofibroplasten, Retikulumzellen, Sehnenzellen, Chondrozyten, Osteozyten und Fettzellen.
  2. Die Extrazellularmatrix (EZM): Die EZM beschreibt ein Netz verschiedener Makromoleküle. Kollagenmolekülen: zugfeste Kollagenfasern (u.a. Sehnen und Bänder), biegungselastische Retikuläre Fasern (u.a. Elastinmolekülen: Zugelastische Fasern (u.a.
  3. Die Grundsubstanz: Hierbei handelt es sich um ein Gel aus Wasser, Proteoglykanen, Glykoproteinen und Glykosaminoglykanen. Diese Mischung macht das Gel zähflüssig und ermöglicht es ihm, große Mengen an Wasser zu binden.
  4. Die Fasern: Hierbei handelt es sich um Kollagen, Elastin und retikuläre Fasern. Kollagen verleiht dem Gewebe Stärke und Festigkeit. Die retikulären Fasern sind Spezial-Kollagene.

Arten des Bindegewebes

Der Begriff "Bindegewebe" umfasst eine Vielzahl an verschiedenen untergeordneten Gewebearten und ist in verschiedener Ausprägung im gesamten menschlichen Körper vorhanden.

  • Gallertartiges Bindegewebe: Besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern, Polysacchariden (Hyaluronat) und Wasser.
  • Retikuläres Bindegewebe: Besteht hauptsächlich aus netzartig angeordneten retikulären Fasern, Proteinen (Fibronektin) und fibroblastischen Retikulumzellen. Diese Bindegewebeart bildet das Grundgerüst für lymphatische Organe (u.a. Lymphknoten und Milz) und das Knochenmark. Sie bilden ein Netz (lat.
  • Lockeres faserarmes Bindegewebe: Die häufigste Bindegewebeart im menschlichen Organismus. Es besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern (Typ I und III), elastischen Fasern, Polysacchariden (Hyaluronat) und Proteinen (Decorin). Das interstitielle Bindegewebe bildet die Bausubstanz für die Organgerüste. Es verbindet Gewebeanteile miteinander, fixiert Nerven fixiert und integriert versorgende Gefäße.
  • Straffes faserreiches Bindegewebe: Besteht hauptsächlich aus Kollagenfasern (Typ I) und wird noch einmal in ein „straffes geflechtartiges“ und in ein „straffes parallelfasriges“ Bindegewebe unterteilt. Das straffe gelfechtartige Bindegewebe gewährleistet aufgrund seines Aufbaus eine Zugfestigkeit in alle Richtungen (u.a. Organkapsel, Faszien der Skelettmuskeln). Beim parallelfasrigen Bindegewebe richtet sich die Anordnung der Fasern nach einer speziellen Zugkraft (u.a.
  • Elastisches Bindegewebe: Besteht aus mehr elastischen als kollagenen Fasern und verleiht einigen Bändern im menschlichen Organismus eine hohe Eigenelastizität (u.a. Lig nuchae).
  • Fettgewebe: Eine spezielle Form des retikulären Bindegewebes und dient als Kaloriendepot und Kälteschutz. Man unterscheidet in ein „Speicherfett“ welches Kalorien speichert, in ein „Baufett“, welches als Polster diverser Strukturen dient (u.a.

Funktionen des Bindegewebes

Je nach Aufbau kann das Bindegewebe im menschlichen Körper diverse Formen annehmen und erfüllt diverse Funktionen.

  • Bindefunktion: Wie der Name "Bindegewebe" bereits aussagt, übernimmt es eine Bindefunktion im menschlichen Organismus. Einerseits verbindet es diverse Strukturen der Organe (u.a. Gefäße, Nerven) miteinander. Andererseits stabilisiert es Gelenke (Bänder) und überträgt Kräfte von Muskeln auf Knochen (Sehnen).
  • Stoffwechselfunktionen und Wasserhaushalt: Über die Extrazellularmatrix übernimmt das Bindegewebe ebenso Stoffwechselfunktionen und regulierende Funktionen des Wasserhaushaltes.
  • Wundheilung und Immunabwehr: Auch an der Wundheilung und Immunabwehr ist es aufgrund seiner mobilen Zellen beteiligt.
  • Entgiftung: Das Bindegewebe hilft dem Körper bei der Entgiftung.
  • Nährstoffversorgung: Da es mit den Blutadern und dem Lymphsystem verbunden ist, versorgt es die Organe und andere Gewebearten mit Nährstoffen.
  • Stützfunktion: Weiterhin stützt es die Organe und hilft ihnen dabei, in der richtigen Position zu bleiben.
  • Nervenimpulsübertragung: Über die extrazelluläre Matrix werden Nervenimpulse übertragen.
  • Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts: Zudem reguliert das Bindegewebe das Säure-Basen-Gleichgewicht. Es nimmt Säuren auf und neutralisiert sie. Dadurch wird der pH-Wert des Blutes stabilisiert.

Faszien: Ein besonderer Teil des Bindegewebes

Faszien sind ein dreidimensionales Netzwerk aus Bindegewebe, das den gesamten Körper durchzieht. Sie umhüllen nicht nur einzelne Muskeln, sondern auch Organe, Blutgefäße, Nerven, Gelenke und sogar jedes kleine Muskelbündel.

Aufbau der Faszien

  • Grundsubstanz: Eine gelartige Matrix aus Wasser, Hyaluronsäure und Zellen (z. B.
  • Kollagenfasern: Für Zugfestigkeit und Struktur.
  • Elastische Fasern: Für Flexibilität und Dehnbarkeit.
  • Rezeptoren: Für die Wahrnehmung von Schmerz, Druck und Bewegung.

Funktionen der Faszien

  • Kraftübertragung: Sie übertragen Muskelkräfte effizient im ganzen Körper, z. B.
  • Wahrnehmung: Faszien sind reich an Rezeptoren (z. B.
  • Unterstützung der Organe: Sie geben den Organen Halt und Form.
  • Schutz: Sie schützen die Muskeln und Organe vor Verletzungen.
  • Kommunikation: Sie ermöglichen die Kommunikation zwischen verschiedenen Körperteilen.

Die Dynamik der Faszien

Das Fasziengewebe ist hochdynamisch: Es passt sich an unsere Bewegungsgewohnheiten an - oder leidet unter deren Mangel. Faszien sind keine passiven Hüllen, sondern lebendiges Gewebe - sie reagieren unmittelbar auf Bewegung, Belastung und innere Spannungszustände. Jede Bewegung sorgt dafür, dass die Faszien durchfeuchtet, gedehnt und genährt werden.

Besonders gefährdet sind Menschen mit sitzender Tätigkeit, Stress, einseitiger Belastung oder mangelnder Flüssigkeitszufuhr.

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Faszientraining

Faszientraining ist kein starrer Trainingsplan, sondern ein kreatives Bewegungskonzept, das auf Elastizität, Dehnung, Schwingen und bewusste Körperwahrnehmung setzt.

  1. Rebound Elasticity: Federnde, rhythmische Bewegungen (z. B.
  2. Dehnen: Sanftes, langanhaltendes Dehnen, um die Faszien zu verlängern.
  3. Schwingen: Schwungvolle Bewegungen, um die Faszien zu lockern und zu befreien.
  4. Propriozeption: Übungen zur Tiefenwahrnehmung & Koordination (z. B.

Emotionale Aspekte der Faszien

Faszien speichern nicht nur mechanische Informationen - sie sind auch Träger emotionaler Erfahrungen. Viele Therapeut:innen und Körperarbeiter:innen berichten davon, dass sich unterbewusste Spannungen, alte Emotionen oder Stressmuster im Bindegewebe festsetzen können. Gerade in Verbindung mit Atemarbeit, Berührung oder achtsamer Bewegung entfalten fasziale Techniken ihr ganzheitliches Potenzial.

Faszien sind weit mehr als nur „weiße Hüllen“ - sie sind lebendige, fühlende, lernende Gewebe. Sie reagieren auf Bewegung, Berührung, Stress und Emotionen. Sie verbinden alles mit allem - Muskeln mit Organen, Bewegungen mit Gefühlen, Struktur mit Funktion.

Nerven: Das Kommunikationsnetzwerk des Körpers

Nerven sind wie "Telefonleitungen" unseres Körpers, über die Informationen vom Gehirn zu unseren Organen und umgekehrt vermittelt werden. Mithilfe unserer Nerven können wir Muskelbewegungen ausüben und sind in der Lage Sinnesreize wie z. B. Aber auch unbewusste Reflexe, wie das Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte, und sämtliche Stoffwechselprozesse werden von den Nerven reguliert.

Aufbau der Nerven

Häufig wird der Begriff „Nerv“ mit Nervenzelle (med.: Neuron) gleichgesetzt. Dies ist allerdings so nicht richtig. Die Nervenzelle ist vielmehr die kleinste Baueinheit unserer Nerven, die als hochspezialisierte Zelle motorische oder sensorische Informationen als elektrische Impulse weiterleitet. Die kürzeren Fortsätze der Nervenzellen, die Dendriten, empfangen wie Antennen Signale von anderen Zellen und leiten sie an den Zellkörper weiter. Von dort aus werden die Signale über eine längere Faser, das sogenannte Axon, an die synaptischen Endknöpfchen geleitet. Diese bilden das Ende des Neurons und übertragen mittels Synapsen das elektrische Signal zur nächsten Nervenzelle oder an eine andere Zelle (z. B. Muskelzelle).

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Gemeinsam mit seiner Umhüllung aus Gliazellen bildet ein Axon eine Nervenfaser. Gliazellen haben ganz unterschiedliche Aufgaben. Als Myelinschicht isolieren sie beispielsweise das Axon und sorgen so dafür, dass das elektrische Signal schnell und ohne Störung an seinem Zielort ankommen kann.

Ein Nerv besteht als nächstgrößte Funktionseinheit des Nervensystems aus vielen einzelnen Nervenfasern, die gebündelt und von Bindegewebe umgeben sind. Letzteres wird in drei unterschiedliche Zonen unterteilt: das Endoneurium, das Perineurium und das Epineurium. Das Endoneurium ist ein lockeres Bindegewebe, das einzelne Nervenfasern umhüllt und zahlreiche kleine Blutgefäße enthält, die der Ernährung der Nervenfasern dienen. Das Perineurium hingegen fasst als festes Bindegewebe die Nervenfasern zu Bündeln zusammen, den sogenannten Faszikeln, und übt neben einer stützenden auch eine teilende Funktion aus.

Das Nervensystem: Zentral und Peripher

Das menschliche Nervensystem ist eine faszinierende Kommunikationsplattform, auf der viele Milliarden Nervenzellen mit unserer Umwelt und den Organen in ständigem Austausch stehen. Das zentrale Nervensystem umfasst das menschliche Gehirn und das Rückenmark, die sicher eingebettet im Schädel und Wirbelkanal liegen. Die Teile, die nicht zum zentralen Nervensystem gehören, bilden das periphere Nervensystem, das sich aus verschiedenen Nerven zusammensetzt.

Die Innervation, so bezeichnet man die Versorgung von Geweben und Organen durch einen Nerv, erfolgt dabei nach zwei unterschiedlichen Prinzipien: der peripheren Innervation und der segmentalen Innervation. Bei der peripheren Innervation werden Körperbereiche oder Muskeln von einem peripheren Nerv versorgt, dessen Fasern aus unterschiedlichen Rückenmarkssegmenten stammen.

Funktionelle Unterscheidung der Nerven

Je nachdem, in welche Richtung die Übertragung der Nervensignale erfolgt und welchem Nervensystem die Nerven zugeordnet werden, differenziert die Neurobiologie zudem zwischen efferenten bzw. afferenten Fasern sowie somatischen bzw. vegetativen Fasern. Zudem tragen beide Nerventypen zum somatischen und vegetativen Nervensystem bei.

  • Efferente Nerven: Senden Signale vom zentralen Nervensystem an das periphere Nervensystem bzw. zu den Organen, Muskeln und Drüsen.
  • Afferente Nerven: Leiten eine Information aus der Peripherie, also von Organen wie der Haut, Sinnesorgane und Eingeweide, an das zentrale Nervensystem weiter. Das heißt, afferente Fasern teilen dem Gehirn mit, was wir hören, fühlen oder sehen.
  • Somatisches Nervensystem: Steuert unsere bewusste Wahrnehmung und willkürliche Bewegungen durch die Skelettmuskulatur. Sie helfen uns also Sinneseindrücke zu verarbeiten und zielgerichtet in Bewegungsabläufe umzusetzen.
  • Vegetatives Nervensystem: Kontrolliert unbewusst lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Durch die Nerven des Sympathikus (sympathisches Nervensystem) werden vorwiegend Funktionen ausgelöst, die den Körper infolge eines Stressauslösers von außen in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen (sogenannter „Fight or flight“ Modus). Der Parasympathikus (parasympathisches Nervensystem) wiederum dämpft diese Reaktionen und reguliert die Organfunktionen in Ruhe- und Erholungsphasen („rest and digest“). Dabei stimulieren parasympathische Fasern u. a.

Hirnnerven und Spinalnerven

Ein angenehmer Duft, leuchtende Farben oder ein leckeres Essen - um diese schönen Erfahrungen wahrnehmen zu können, benötigen wir unsere Hirnnerven. Sie leiten die von den Sinnesorganen gewonnenen Eindrücke an das Gehirn weiter. Darüber hinaus sind die Hirnnerven aber auch in der Lage, Befehle aus dem Hirn an die Muskeln zu übertragen.

Spinalnerven treten jeweils paarig auf verschiedenen Höhen des Rückenmarks aus und verlassen den Wirbelkanal der Wirbelsäule durch sogenannte Zwischenwirbellöcher (Foramina intervertebralia). Im Hals-, Lenden- und Kreuzbeinbereich vereinigen sich die vorderen Äste der verschiedenen Spinalnerven miteinander und bilden sogenannte Nervengeflechte (Plexus).

Periphere Neuropathie

Die periphere Neuropathie ist eine Erkrankung, bei der die Reizweiterleitung der peripheren Nerven gestört ist. Dadurch werden Sinnesreize z. B. von Händen oder Füßen vermindert, verstärkt oder gar nicht an das Gehirn weitergeleitet. Betroffene der peripheren Neuropathie verspüren häufig ein Missempfinden wie Kribbeln („Ameisenlaufen“), Nadelstechen oder Brennen in den Füßen. Risikofaktoren, die zu einer Entstehung der peripheren Neuropathie beitragen können, gibt es viele.

Zusammenspiel von Nerven und Bindegewebe

Nerven und Bindegewebe sind eng miteinander verbunden und arbeiten zusammen, um die Funktionen des Körpers zu gewährleisten. Die Nerven durchziehen das Bindegewebe und werden von ihm geschützt und unterstützt. Das Bindegewebe sorgt dafür, dass die Nerven an ihrem Platz bleiben und nicht beschädigt werden. Es versorgt die Nerven mit Nährstoffen und Sauerstoff und transportiert Abfallprodukte ab.

Engpasssyndrome

Werden Nerven über längere Zeit eingeengt oder eingeklemmt, reagieren sie äußerst empfindlich. Engpass- oder Nervenkompressionssyndrome sind chronische Druckschäden peripherer Nerven, die an typischen Engstellen im Nervenverlauf auftreten und meist durch Bänder, Muskelsehnen oder Knochenvorsprünge verursacht werden. Am häufigsten treten diese am Arm oder der Hand auf, seltener am Bein oder Fuß. Durch die Druckschädigung kommt es zu einem meist langsam fortschreitenden Ausfall der Nervenfunktionen und Auftreten von Gefühlsstörungen, Schmerz und einer Muskelschwäche.

  • Karpaltunnelsyndrom (CTS): Einengung des N. medianus am Übergang vom Unterarm durch den Handgelenkstunnel in die Hohlhand.
  • Kubitaltunnelsyndrom (KTS): Chronische Druckschädigung des N. ulnaris (Ellennerv) im Bereich des Ellenbogengelenks.
  • Thoracic Outlet Syndrom (TOS): Engpasssyndrom des Armnervengeflechts (Plexus brachialis), welcher auf seinem Weg zwischen Halsmuskulatur, 1. Rippe und Schlüsselbein eingeengt ist.

Tumoren der peripheren Nerven

Ein chronisch wachsender Prozess im Bereich der peripheren Nerven kann neben einer tastbaren Schwellung und Schmerzen auch durch ständigen Druck, Zug oder Beeinträchtigung der Blutversorgung Schäden am betroffenen Nerv verursachen. Tumoren der peripheren Nerven sind insgesamt selten und meist gutartig. Diese gehen in der Regel von der Nervenscheide oder dem Bindegewebe der Nerven aus.

Typischerweise sind sie sehr langsam wachsend und gehen von den Hüllstrukturen der peripheren Nerven aus. Die beiden häufigsten Tumoren peripherer Nerven werden als Schwannome und Neurofibrome bezeichnet.

Traumatische Nervenläsionen

Nerven können einerseits durch direktes spitzes oder stumpfes Trauma oder indirekt durch Zugwirkung geschädigt werden. Die Dehnbarkeit der Nerven hängt dabei einerseits vom zeitlichen Ablauf sowie von möglichen Vorschäden des Nervs ab. Langsame Dehnungen werden besser toleriert als akute. Die häufigsten Verletzungen durch Dehnung werden durch schnelle Zugkräfte an den Armen, z.B. bei Motorradunfällen oder Geburtstrauma verursacht. Dabei können Schäden am Arm- oder Beinnervengeflecht (traumatische Plexusläsionen) oder Nervenwurzelausrisse auftreten.

Des Weiteren können traumatische Verletzungen des Bewegungsapparats (Knochenbrüche, Gelenksluxationen, Muskelrisse, Scherverletzungen, Einblutungen) zu Verletzungen peripherer Nerven führen, welche dann einen akuten Ausfall der Nervenfunktion verursachen.

Neuralgische Amyotrophie

Die neuralgische Amyotrophie ist eine entzündliche Erkrankung, welche sich typischerweise durch plötzlich auftretende Schmerzen (häufig im Bereich der Schulter oder des Arms), gefolgt von einer Lähmung der Muskulatur, äußert. Eine Ursache ist nicht immer sofort erkennbar. Während die Schmerzen mit der Zeit abklingen, können die Lähmungen anhalten und infolge der Entzündungsreaktion narbige Einschnürungen an den betroffenen Nerven entstehen.

Therapieoptionen bei Nervenerkrankungen

Generell werden konservative von operativen Therapieformen unterschieden. Bei Verletzungen, bei denen der Spontanverlauf abgewartet werden kann, wird der Heilungsverlauf durch intensive therapeutische Maßnahmen ergänzt.

Um die Druckentlastung eines Nervs zu ermöglichen wird dieser freigelegt und mikrochirurgisch oder endoskopisch die einengenden Bandstrukturen, Knochenvorsprünge oder Narbenzüge entfernt. Periphere Nerventumoren werden mithilfe eines Operationsmikroskopes freigelegt und entfernt.

In Fällen einer Nervenunterbrechung erfolgt die direkte Naht zwischen den betroffenen Nervenenden falls dies möglich ist. Lassen sich die Enden nicht adaptieren, wird in der Regel ein körpereigener sensibler Nerv (N. suralis) am Bein entnommen und zwischen die Enden eingenäht (Nerventransplantation).

Lassen sich Nerven nicht direkt rekonstruieren, können gesunde funktionelle Nerven auf den erkrankten Nerv umgelenkt werden, um so die Chance einer Regeneration der ursprünglichen Funktion wiederherzustellen.

Bindegewebsschwäche: Cellulite

„Cellulite“, „Orangenhaut“ oder medizinisch korrekt „Dermopanniculosis deformans“ beschreibt eine Art der Bindegewebsschwäche, welche nicht erst seit den 80er Jahren in aller Munde ist.

"Cellulite" ist eine Degeneration von kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen (unter der Haut befindlich) Bindegewebes, welche zu großen Teilen genetisch bedingt ist. Sie betrifft mehr Frauen als Männer. Dies liegt vor allem daran, dass das weibliche Bindegewebe eher parallel ausgerichtet und direkt von Hormonen (Östrogen) beeinflusst wird.

Faktoren, die Cellulite begünstigen

  • Übergewicht, Adipositas: Je mehr Speicherfett im menschlichen Körper eingelagert ist, desto sichtbarer sind die Fettzellen (Lipozyten).
  • Ungesunde Ernährung: Eine ungesunde Ernährung hat Übergewicht zur Folge. Aber auch extreme Gewichtsschwankungen können das Bindegewebe nachhaltige schädigen.
  • Bewegungsmangel: Durch aktive körperliche Bewegung werden Stoffwechselprozess in Gang gesetzt und die Durchblutung gefördert.

Was hilft gegen Cellulite?

Ist eine Cellulite erst einmal entstanden, lässt sie sich mit konservativen Methoden nicht mehr behandeln. Sportarten wie Schwimmen, Joggen, Wandern, Spazierengehen, Radfahren sowie eine gesunde Ernährung können jedoch dazu beitragen, dass die Dellen weniger sichtbar sind.

Tipps zur Stärkung des Bindegewebes

  • Gesundes Gewicht: Achten Sie auf ein gesundes Gewicht. Das trägt dazu bei, die Belastung und den Verschleiß des Bindegewebes der Gelenke zu verringern.
  • Richtige Ausrüstung und Vorbereitung beim Sport: Die richtige Ausrüstung beim Sport und richtiges Aufwärmen und Dehnen schützen vor Verletzungen.
  • Ausreichende Nährstoffversorgung: Damit Faszien und Bindegewebe gesund bleiben, ist es wichtig, den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
  • Ausreichend trinken und schlafen: Ausreichend trinken und genügend schlafen.
  • Gezieltes Training: Auch mit einem gezielten Training lässt sich das Bindegewebe stärken. Verklebungen der Faszien können gelöst, Verspannungen abgebaut und die Beweglichkeit verbessert werden.
  • Gesunde Fette: Auf dem Speiseplan sollten die einfach ungesättigte Fettsäure Omega 9 sowie die mehrfach ungesättigte Fettsäure Omega 3 nicht fehlen. Die Fettsäuren sorgen dafür, dass der Körper gesund bleibt und Stoffwechsel und Faszien gut funktionieren.
  • Vitamin C: Um Kollagen aufzubauen, braucht der Körper zudem Vitamin C. Außerdem ist es wichtig für die Neubildung von Knochen, Knorpeln und Zähnen. Wichtig ist, neben Vitamin C ausreichend Vitamin A und Vitamin E aufzunehmen.
  • Zink: Für die Wundheilung und die Regeneration von Gewebe ist das Spurenelement Zink wichtig.
  • Vermeidung von Nikotin: Nikotin kann auch dem Bindegewebe zusetzen. Es hemmt die Neubildung von Kollagen in der Lederhaut und führt zu einem Abbau von Kollagen- und Elastinfasern.
  • Stressreduktion: Ein hoher Stresspegel kann zu einer dauerhaften Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führen.

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