Viele Menschen erleben unangenehme Empfindungen wie Kribbeln oder stechende Schmerzen, die bei Bewegung auftreten und wieder verschwinden. Eine mögliche Ursache dafür könnte eine Nervenkompression, auch Nerveneinklemmung genannt, sein. Dieser Artikel erläutert, was genau eine Nervenkompression ist, welche Ursachen und Symptome sie hat und wie sie behandelt und verhindert werden kann.
Was ist eine Nervenkompression?
Eine Nervenkompression tritt auf, wenn ein Nerv durch umliegende Strukturen wie Knochen, Muskeln, Sehnen oder Schwellungen zusammengedrückt oder eingeklemmt wird. Dieser übermäßige Druck auf den Nerv kann dessen normale Funktion beeinträchtigen und zu Schmerzen, Kribbeln, Schwäche oder Gefühlsverlust in dem vom Nerv versorgten Bereich führen. Die Wahrscheinlichkeit einer Nervenkompression steigt nach dem 50. Lebensjahr an.
Ursachen einer Nervenkompression
Eine Nervenkompression kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
Umliegendes Gewebe: Ein Nerv kann durch umliegendes Gewebe wie Knochen, Knorpel, Muskeln oder Sehnen einem übermäßigen Druck ausgesetzt werden.
Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall kann ebenfalls zu einer Nervenkompression führen, da ausgetretenes Bandscheibengewebe auf die Nerven drücken kann. Bei einer Bandscheibenprotrusion wölbt sich der Gallertkern der Bandscheibe in den Wirbelkanal vor. Der feste Faserring ist noch intakt, aber aufgrund von Verschleißprozessen geschädigt. Bei einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) durchbricht der Gallertkern den Faserring und tritt nach außen. Durch das Bandscheibenmaterial kann ein Spinalnerv oder das Rückenmark eingeengt werden.
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Knochenwucherungen: Knochenwucherungen an Gelenken, die von Arthrose betroffen sind, oder an der Wirbelsäule können ebenfalls eine Nervenkompression verursachen. Bei einer Spondylarthrose verschleißt die dünne Knorpelschicht der Gelenkflächen. Es handelt sich bei der Spondyl- oder Facettengelenksarthrose um eine der häufigsten Erkrankungen der menschlichen Wirbelsäule.
Fehlhaltungen und muskuläre Dysbalancen: Chronische Fehlhaltungen, z. B. durch schlechte Ergonomie am Arbeitsplatz oder muskuläre Dysbalancen im Rücken oder Nacken, können über längere Zeit zu einer Nervenirritation führen - ganz ohne konkrete Verletzung.
Wiederholte Bewegungen und einseitige Belastungen: Bestimmte monotone Tätigkeiten, die wiederholte Bewegungen mit einseitiger Belastung beinhalten, können ebenfalls zu einer Nervenkompression führen.
Systemische Erkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen und andere systemische Erkrankungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Instabile Wirbelkörper: Bei einem instabilen Wirbelkörper aufgrund von Osteoporose können harmlose Alltagssituationen zu einem Wirbelkörperbruch führen.
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Symptome einer Nervenkompression
Die Symptome einer Nervenkompression können je nach betroffenem Nerv und Lokalisation variieren. Häufige Symptome sind:
Schmerzen: Der Schmerz kann scharf, brennend oder dumpf sein. Bei einer akuten Einengung der Nervenwurzel oder eines peripheren Nerven kann ein heftiger Schmerz, der sich stechend, elektrisierend oder brennend anfühlen kann, wahrgenommen werden.
Taubheitsgefühle und Kribbeln: Viele Patienten berichten von einem Gefühl der Taubheit in den Händen oder Füßen. Dazu können Missempfindungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheit auftreten.
Muskelschwäche: Eine Nervenkompression kann zu einer Schwäche der Muskeln führen, die von dem betroffenen Nerv versorgt werden. Muskelschwäche, vor allem beim Heben oder Anheben des Arms. Ebenso wie die Taubheitsgefühle und das Kribbeln kann auch eine Muskelschwäche durch einen komprimierten Nerven hervorgerufen werden. Dies kann zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Muskelschwäche in Nacken, Schultern oder Armen führen.
Einschränkung der Bewegungsfähigkeit: Betroffene können Schwierigkeiten haben, bestimmte Bewegungen auszuführen.
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Ausstrahlende Schmerzen: Schmerzen und Taubheitsgefühle können in andere Körperteile ausstrahlen. Nackenschmerzen aufgrund von eingeklemmten Nerven können in die Schulter und in den Arm ausstrahlen. Ein eingeklemmter Nerv in der Schulter verursacht oft plötzlich einschießende Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln, das bis in Arm und Hand ausstrahlen kann.
Verändertes Empfinden: Verändertes Empfinden wie Kälte-, Druck- oder Berührungsstörungen.
Diagnose einer Nervenkompression
Um eine Nervenkompression zu diagnostizieren, wird ein Arzt zunächst eine allgemeine Untersuchung durchführen und die Krankengeschichte des Patienten erheben. Anschließend können verschiedene Tests und Untersuchungen durchgeführt werden:
Neurologische Untersuchung: Mit speziellen Funktionstests kann beurteilt werden, ob der betroffene Nerv sensible oder motorische Ausfälle zeigt. Auch Reflexveränderungen, Hautempfindlichkeit und Muskelkraft geben Hinweise auf die Ursache.
Elektromyographie (EMG): Eine Elektromyographie (EMG) ist eine Untersuchung der elektrischen Aktivität von Muskeln und Nerven.
Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich sein, um die Ursache der Nervenkompression zu identifizieren. Röntgenaufnahmen erzeugen mithilfe von Röntgenstrahlen Bilder der knöchernen Strukturen des Körpers. Bei einem eingeklemmten Nerv können sie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, Wirbelkanalverengungen, Arthrose oder knöcherne Anbauten sichtbar machen, die für die Nervenkompression verantwortlich sein können. Die Magnetresonanztomographie (MRT) nutzt starke Magnetfelder und Radiowellen, um detaillierte Schnittbilder des Körperinneren zu erzeugen. Bei Verdacht auf einen eingeklemmten Nerv ist sie das wichtigste bildgebende Verfahren, da sie Bandscheibenvorfälle oder -vorwölbungen, die den Nerv komprimieren, direkt darstellen kann.
Behandlung einer Nervenkompression
Die Behandlung einer Nervenkompression hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Symptome ab. In den meisten Fällen kann eine konservative Behandlung ausreichend sein.
Konservative Behandlung
Ruhe und Schonung: Das erste empfohlene Vorgehen besteht in der Regel darin, den betroffenen Bereich in Ruhe zu halten. Die betroffenen Stellen sollte zunächst geschont werden, besonders wenn der Nerv im Rücken, Nacken oder Schulterbereich betroffen ist. Unnatürliche Schonhaltungen und ruckartige Bewegungen sollten möglichst vermieden werden.
Orthesen und Kragen: Eine Orthese kann vorübergehend Schmerzlinderung bieten. Orthesen und Kragen können vorübergehend die problematische Stelle immobilisieren und ihre Regeneration erleichtern.
Physiotherapie: Die Physiotherapie hilft, die Muskeln in dem betroffenen Bereich zu dehnen und zu stärken. Dies trägt zur Verringerung des Drucks auf den betroffenen Nerv bei. Eine schonende Physiotherapie kann helfen, die Symptome zu lindern und eine OP zu verhindern.
Massagen: Massagen lindern Schmerzen, die durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden, und lockern verspannte Muskulatur. Eine sanfte Massage kann eine bessere Wirkung haben als eine intensive Tiefenmassage. Bei stark verspannter Muskulatur hilft häufig eine sanfte Gymnastik, Yoga oder eine Massage. Darüber hinaus kann auch schonende Wärme helfen, die Verspannung zu lösen und den eingeklemmten Nerv im Nacken oder den Schultern zu entlasten.
Schmerzmittel und Entzündungshemmer: Schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente können helfen, Schmerzen zu lindern.
Wärme- und Kälteanwendungen: Wärmebehandlung entspannt verspannte Muskulatur und fördert die Durchblutung, was den Heilungsprozess unterstützt.
Operative Behandlung
Wenn konservative Behandlungen keine Ergebnisse bringen und die Probleme langfristig bestehen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Ein chirurgischer Eingriff wird zum Beispiel bei schweren Fällen von Bandscheibenvorfällen oder Karpaltunnelsyndrom durchgeführt. Ist der Bandscheibenvorfall bereits schwerer, kann eine OP beispielsweise durch minimalinvasive Verfahren erfolgen. Wurde bei Ihnen eine Spinalkanalstenose festgestellt, können ebenfalls physiotherapeutische Maßnahmen, Rückenschule oder Schmerztherapie zur Linderung der Symptome beitragen.
Was tun bei einem eingeklemmten Nerv im Nacken?
Ein eingeklemmter Nerv im Nacken kann sehr schmerzhaft sein und die Beweglichkeit einschränken. Folgende Maßnahmen können helfen:
Schonung: Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen und extreme Belastungen des Nackens.
Wärme: Wärme kann die Muskeln entspannen und die Schmerzen lindern.
Dehnübungen: Sanfte Dehnübungen können helfen, die Muskeln im Nackenbereich zu lockern. Dehnende Übungen helfen in jedem Fall die meistens stark verspannte Muskeln im Bereich der Halswirbelsäule zu lockern. Anschließend soll der Kopf ganz nach links gebeugt und dann ganz nach rechts gebeugt sowie in den Nacken gelegt werden. Die Übungen sollten mehrere Male hintereinander wiederholt und anschließend dann der Kopf und der Hals gelockert werden. Bei einem akut eingeklemmten Nerv sollte man die Übungen ein- bis dreimal am Tag durchführen.
Manuelle Therapie: Bei einer Blockade der Wirbelsäule als Ursache können Maßnahmen wie manuelle Therapie oder Osteopathie helfen.
Prävention einer Nervenkompression
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, einer Nervenkompression vorzubeugen:
Ergonomie am Arbeitsplatz: Die Einhaltung ergonomischer Prinzipien schützt den Rücken, die Gliedmaßen und andere Körperteile. Beispiele hierfür sind eine ergonomische Tastatur und Maus oder ein korrekt positionierter Computermonitor. Höhenverstellbare Stühle oder Tische bieten viele entlastende Positionen. Achten Sie auf eine ergonomische Sitzposition: Bildschirm auf Augenhöhe, Unterarme im 90-Grad-Winkel aufstützen, Rücken anlehnen. Vermeiden Sie ständiges Vorlehnen oder einseitiges Hochziehen der Schultern.
Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Dehnübungen können helfen, die Muskeln zu stärken und Verspannungen zu vermeiden. Körperliche Aktivität beugt Verspannungen vor und stärkt die Muskulatur.
Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung im Alltag.
Stressmanagement: Stress kann zu Muskelverspannungen führen, die Nervenkompressionen begünstigen können. Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
Gesundes Gewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und kann degenerative Prozesse beschleunigen.
Qualitativer Schlaf: Qualitativer Schlaf trägt zur Regeneration des Organismus bei und kann das Abklingen von Symptomen des eingeklemmten Nervs beschleunigen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn die Symptome einer Nervenkompression nach einigen Tagen Ruhe nicht nachlassen und auch nicht auf Selbstbehandlung ansprechen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Warnsignale sind insbesondere Schwierigkeiten beim Greifen oder Halten von Gegenständen in der Hand und eine ausgeprägte Schwäche der Gliedmaßen, die normale Bewegungen unmöglich macht. Auch bei Taubheitsgefühlen oder Kribbeln, die länger als 48 Stunden anhalten, zunehmender Muskelschwäche, nächtlichen Schmerzen, die die Schlafqualität deutlich beeinträchtigen, Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen, die sich trotz Entlastung nicht bessern, und Schmerzen nach einem Unfall sollte ein Arzt aufgesucht werden.
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