Die Hornhaut des Auges: Aufbau, Funktion und Erkrankungen

Die Hornhaut (Cornea) ist der klare, gewölbte Teil des Auges, der wie ein Fenster fungiert und das Licht in das Auge lässt. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des optischen Systems des Auges und trägt maßgeblich zur Sehschärfe bei. Dieser Artikel beleuchtet den Aufbau, die Funktion und mögliche Erkrankungen der Hornhaut.

Was ist die Hornhaut (Cornea)?

Die Hornhaut (Cornea) ist der durchsichtige, glasklare und lichtdurchlässige Abschnitt der äußeren Augenhaut, der sich vor der Pupille befindet. Sie wird von Tränenflüssigkeit benetzt und ist hart wie Horn, was ihr den Namen verleiht. Die Hornhaut ist stärker gewölbt als die umgebende Sklera (Lederhaut) und übernimmt etwa zwei Drittel der Lichtbrechkraft des Auges.

Aufbau der Hornhaut

Die Hornhaut besteht aus fünf Schichten, die von außen nach innen wie folgt angeordnet sind:

  1. Vorderes Hornhautepithel: Die äußerste Schicht, die ohne klare Grenze in die Bindehaut übergeht. Sie dient als Schutzbarriere gegen das Eindringen von Keimen und enthält zahlreiche Nervenenden, was Verletzungen in diesem Bereich sehr schmerzhaft macht. Das Epithel besteht aus mehreren Zellschichten und erneuert sich ständig. Es nimmt Nährstoffe aus dem Tränenfilm auf und absorbiert Sauerstoff.

  2. Bowman-Membran: Eine zellfreie Glashaut, die sich unterhalb des Epithels befindet. Sie besteht aus Kollagenfasern und trägt zur Stabilität und Festigkeit der Hornhaut bei. Verletzungen der Bowman-Membran heilen nur unter Narbenbildung ab, da sie nicht regenerationsfähig ist.

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  3. Stroma: Die dickste Schicht der Hornhaut, die aus parallel angeordneten Kollagenfaserbündeln (Hornhautlamellen) besteht, die sich rechtwinkelig kreuzen und in eine amorphe Grundsubstanz eingebettet sind. Das Stroma ist fest und elastisch. Die parallele Anordnung der Kollagenfasern sorgt für die Transparenz der Hornhaut. Störungen dieser Anordnung, z.B. durch Entzündungen oder Verletzungen, können zu Narbenbildung und Trübung führen.

  4. Descemet-Membran: Eine weitere Glashaut, die sich unterhalb des Stromas befindet. Sie ist widerstandsfähig und nimmt im Laufe des Lebens an Dicke zu. Die Descemet-Membran schützt die innerste Schicht der Hornhaut und verhindert das Abfließen des Kammerwassers aus der vorderen Augenkammer.

  5. Endothel: Die innerste Schicht der Hornhaut, die aus einer einzigen Zellschicht besteht. Das Endothel grenzt die Hornhaut gegen die mit Kammerwasser gefüllte vordere Augenkammer ab. Die Endothelzellen sind eng miteinander verbunden und aktiv am Stoffwechsel des Auges beteiligt. Sie regulieren den Wasserhaushalt der Hornhaut, indem sie Wasser aus dem Stroma pumpen und so die Transparenz der Hornhaut gewährleisten. Die Zellen des Endothels können sich nicht vermehren.

Funktion der Hornhaut

Die Hornhaut erfüllt mehrere wichtige Funktionen für das Auge:

  • Lichtbrechung: Die Hornhaut ist mit einer Brechkraft von etwa 43 Dioptrien der Hauptbestandteil des optischen Systems des Auges. Zusammen mit der Augenlinse sorgt sie für die Fokussierung der Lichtstrahlen auf der Netzhaut, was für ein scharfes Sehen unerlässlich ist.

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  • Schutz: Die Hornhaut schützt das Auge vor äußeren Einflüssen wie Staub, Schmutz, Fremdkörpern, Krankheitserregern und UV-Licht. Das Epithel verhindert das Eindringen von Keimen, und die Tränenflüssigkeit spült Fremdkörper aus dem Auge.

  • Sauerstoffversorgung: Die Hornhaut enthält keine Blutgefäße und wird hauptsächlich durch Sauerstoff aus der Luft und Nährstoffe aus der Tränenflüssigkeit und dem Kammerwasser versorgt.

Erkrankungen der Hornhaut

Verschiedene Erkrankungen können die Hornhaut beeinträchtigen und die Sehkraft mindern. Hier sind einige der häufigsten Probleme:

  • Astigmatismus (Stabsichtigkeit): Die Hornhaut ist nicht gleichmäßig gewölbt, was zu unscharfem Sehen führt. Die Meridiane, die durch den Mittelpunkt der Kornea gehen, sind unterschiedlich gekrümmt.

  • Keratokonus: Die Hornhaut verformt sich kegelförmig und dünnt am Rande aus. Dies führt zu Kurzsichtigkeit, Astigmatismus und verschwommenem Sehen. Die Betroffenen leiden häufig an Kurzsichtigkeit verbunden mit einer Stabsichtigkeit (Astigmatismus), die mit der zunehmenden Verformung der Hornhaut immer stärker wird. Typisch sind eine stetige Abnahme der Sehschärfe und häufige Veränderungen der Brillenstärke. Die Kurzsichtigkeit nimmt ebenso zu wie eine irreguläre Hornhautverkrümmung. Auch das Kontrastsehen kann schlechter werden. Häufig klagen die Patienten über eine verstärkte Lichtempfindlichkeit und erhöhte Tränenproduktion, Bildverzerrungen und die Wahrnehmung von Doppelbildern. Weitere Seh-Phänomene beim Keratokonus können zusätzliche Schatten an Buchstaben und Gegenständen sein, sowie Schlieren oder sternförmige Strahlen, die von Lichtquellen auszugehen scheinen.

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  • Keratotorus (Pelluzide Marginale Degeneration): Eine ähnliche Vorwölbung der Hornhaut wie bei dem häufiger auftretenden Keratokonus zeichnet auch das Krankheitsbild des Keratotorus aus. Hierbei liegt die Ursache jedoch nicht in einer Ausdünnung des Hornhautzentrums, sondern in einer Verdickung und Versteifung der Hornhautränder. Im Gegensatz zu Patienten mit Keratokonus, haben PMD-Betroffene sehr lange noch eine gute Sicht mit Brillengläsern. Häufig bleibt ein Keratotorus über Jahre unerkannt. Erst wenn die Krankheit fortschreitet, führen die verdickten Randbereiche zur typischen Vorwölbung der Hornhaut und beeinträchtigen die Hornhautsymmetrie. Je fortgeschrittener die PMD ist, desto mehr ähnelt sie dem Keratokonus.

  • Hornhauttrübung: Kann durch Verletzungen, Entzündungen, Infektionen oder andere Erkrankungen verursacht werden. Eine Hornhauttrübung kann die Sicht erheblich beeinträchtigen.

  • Sicca-Syndrom (Trockene Augen): Eine Störung des Tränenfilms, die zu trockenen, gereizten und geröteten Augen führt. In schweren Fällen kann das Sicca-Syndrom die Hornhaut schädigen.

  • Infektionen: Bakterien, Viren oder Pilze können die Hornhaut infizieren und zu einer Hornhautentzündung (Keratitis) führen.

  • Fuchs'sche Endotheldystrophie: Eine genetische Erkrankung, die zu einem fortschreitenden Verlust von Endothelzellen führt. Dies kann zu Schwellungen und Trübungen der Hornhaut führen, was das Sehvermögen beeinträchtigt. Die Patienten, von denen 75% Frauen sind, bemerken ein Nachlassen der Sehschärfe und eine erhöhte Blendungsempfindlichkeit. Die Symptome sind typischerweise morgens stärker und verbessern sich im Laufe des Tages.

  • Bullöse Keratopathie: Eine Erkrankung, bei der sich flüssigkeitsgefüllte Blasen (Bullae) auf der Hornhautoberfläche bilden. Dies kann Schmerzen, Fremdkörpergefühl und Sehstörungen verursachen.

  • Pterygium (Flügelfell): Eine Wucherung der Bindehaut, die auf die Hornhaut übergreift. Ein Pterygium kann zu Reizungen, Rötungen und Sehstörungen führen. Die Ursachen, die zur Entstehung eines Flügelfells auf der Hornhaut führen, sind noch nicht eindeutig erforscht. Man hat allerdings beobachtet, dass die Augenerkrankung in Gegenden mit intensiver Sonneneinstrahlung häufiger auftritt als in den gemäßigten Klimazonen. Neben dem Einfluss der UV-Strahlung kommen als weitere Ursachen starke Reizungen, kleine Verletzungen und eine dauerhafte Überbeanspruchung der Augen (trockene Augen) in Betracht.

  • Hornhautentzündung (Keratitis): Eine Entzündung der Hornhaut, die durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann, z.B. durch Bakterien, Viren, Pilze oder Verletzungen. Die Symptome können von leichten Beschwerden bis hin zu starken Schmerzen und Sehstörungen reichen.

  • Hornhautektasie nach LASIK: Die Hornhautektasie ist eine seltene, aber schwere Nebenwirkung des Augenlaserns im Rahmen einer LASIK-, LASEK- oder PRK-Operation. Wie bei dem Keratokonus kommt es zu einer fortschreitenden Vorwölbung der Hornhaut, meistens ebenfalls verbunden mit einer Ausdünnung der zentralen Hornhautbereiche. Diese Veränderungen führen zu einer stark zunehmenden Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung, dem sogenannten Astigmatismus.

Diagnose von Hornhauterkrankungen

Zur Diagnose von Hornhauterkrankungen stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung, darunter:

  • Spaltlampenuntersuchung: Eine mikroskopische Untersuchung der Hornhaut mit einer speziellen Lampe.
  • Hornhauttopographie: Eine dreidimensionale Vermessung der Hornhautoberfläche.
  • Pachymetrie: Eine Messung der Hornhautdicke.
  • Endothelzellmikroskopie: Eine mikroskopische Untersuchung der Endothelzellen.
  • OCT-Untersuchung: Hochauflösender Scan der Vorder- und Rückfläche der Hornhaut.

Behandlung von Hornhauterkrankungen

Die Behandlung von Hornhauterkrankungen hängt von der Art und Schwere der Erkrankung ab. Mögliche Behandlungen sind:

  • Medikamente: Augentropfen, Salben oder Tabletten zur Behandlung von Entzündungen, Infektionen oder trockenen Augen.
  • Speziallinsen: Formstabile Kontaktlinsen zur Korrektur von Hornhautverkrümmungen oder zur Unterstützung der Hornhaut bei Keratokonus.
  • Chirurgische Eingriffe:
    • Hornhauttransplantation: Ersatz der beschädigten Hornhaut durch eine gesunde Spenderhornhaut.
    • Keratokonus-Behandlungen: Crosslinking, Intacs-Implantation oder Hornhauttransplantation.
    • Entfernung eines Pterygiums: Chirurgische Entfernung des Flügelfells.
    • Stammzell-Transplantation: Bei schweren Hornhauterkrankungen.

Die Rolle der Nerven in der Hornhaut

Die Cornea ist eines der am dichtesten innervierten Gewebe des menschlichen Körpers. Die sensorischen Fasern des N. ophthalmicus, einem Ast des N. trigeminus (V. Hirnnerv), ziehen limbusnah in das Stroma der Cornea, verlaufen dann parallel zur Bowman-Membran und durchdringen das Epithel bis an dessen Oberfläche. Diese Nervenendigungen sind für die hohe Sensibilität der Hornhaut verantwortlich.

Eine Schädigung des N. trigeminus oder des N. ophthalmicus kann zu Veränderungen im cornealen Epithel führen und die Wundheilung beeinträchtigen. Eine Beeinträchtigung der cornealen Innervation und Sensibilität ist die wichtigste Ursache der neurotrophen Keratopathie, einer Erkrankung, die durch eine schlechte epitheliale Wundheilung gekennzeichnet ist.

Innovationen in der Hornhautforschung

Die Forschung konzentriert sich auf die Wiederherstellung der Kommunikation zwischen cornealem Epithel und den sensiblen Neuronen des N. ophthalmicus, um das reibungslose Funktionieren des Epithels im gesunden Auge und insbesondere während der Behandlung der neurotrophen Keratopathie zu gewährleisten.

Neue Ansätze umfassen die Analyse der epithelialen und neuronalen Interaktionen auf molekularer Ebene in humanen Zellen, um ihren Einfluss auf die Steuerung der epithelial-mesenchymalen Transition (EMT) und auf die Nervenregeneration während der cornealen Wundheilung zu verstehen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Wirkung von Substanz P (SP) und bone morphogenetic protein 7 (BMP7).

Frühdiagnose von Neuropathien durch Hornhautuntersuchung

Forscher untersuchen die Hornhaut, um neuropathische Schmerzen frühzeitig zu erkennen. Die Nervenfaserdichte ist in der Cornea am höchsten und spiegelt den Zustand des peripheren Nervensystems wider. Durch die Analyse der Tränenflüssigkeit können Lipidwerte bestimmt werden, die in Kombination mit zurückgebildeten Nervenfasern auf eine beginnende Nervenerkrankung hinweisen können.

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