Nerven der Schultergürtelanatomie: Ein umfassender Überblick

Die Schultermuskulatur ist ein komplexes System, das nicht nur für die Bewegung der Schultern verantwortlich ist, sondern auch an Arm-, Kopf- und Rumpfbewegungen beteiligt ist. Unbewusste Aktionen und Fehlhaltungen können zu schmerzhaften Verspannungen im Schulterbereich führen. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Anatomie der Schultermuskulatur, ihre Funktionen, Lage und mögliche Probleme.

Einführung in die Schultermuskulatur

Die Schultermuskulatur gehört zur Skelettmuskulatur und bildet im oberen Brustbereich ein komplexes Konstrukt aus zahlreichen Muskeln. Diese Muskeln sind an Bewegungen der Arme, der Schultern, der Schulterblätter und im weitesten Sinne auch des Oberkörpers und des Kopfes beteiligt. Selbst kleinste Bewegungen, wie sie beim Atmen auftreten, werden von der Schultermuskulatur beeinflusst. Bei tiefer Einatmung in den oberen Brustbereich heben sich nicht nur die Brust, sondern auch die Schultern, das Schlüsselbein und sogar der Kopf leicht an.

Klassifizierung der Schultermuskulatur

Die Schultermuskulatur lässt sich grob in folgende Gruppen einteilen:

  • Schultermuskulatur der Körperrückseite
    • Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus)
    • Untergrätenmuskel (M. infraspinatus)
    • Deltamuskel (M. deltoideus)
    • Großer Rundmuskel (M. teres major)
    • Kleiner Rundmuskel (M. teres minor)
  • Schultermuskulatur der Körpervorderseite
    • Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis)
    • Hakenarmmuskel (M. coracobrachialis)

Die Rotatorenmanschette: Ein wichtiger Stabilisator

Die Rotatorenmanschette ist eine wichtige Muskelgruppe, die das Schultergelenk umhüllt. Sie besteht aus drei dorsalen Muskeln (M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor) und einem ventralen Muskel (M. subscapularis) sowie einem Band (Ligamentum coracohumerale). Die Sehnen der kurzen Schulterrotatoren sind zu einer Sehnenplatte verwachsen und geben der Rotatorenmanschette ihren Namen.

Entfernte Schultermuskulatur

Neben der Schultergelenksmuskulatur gibt es weitere Muskeln im Schultergürtelbereich, die der Schultermuskulatur zugerechnet werden können:

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  • Muskeln des Oberarms (wie Bizeps und Trizeps)
  • Teile der Rückenmuskulatur (Trapezmuskel, großer Rückenmuskel, Rautenmuskeln, Schulterblattheber)
  • Brustmuskeln (großer und kleiner Brustmuskel, vorderer Sägemuskel)
  • Unterschlüsselbeinmuskel

Diese Muskeln haben ebenfalls Einfluss auf die Schulterbewegungen.

Funktionen der Schultermuskulatur

Ohne die umgebende Muskulatur wäre das Schultergelenk ziemlich instabil. Dies liegt am Missverhältnis zwischen dem großen Gelenkkopf des Oberarms und der relativ kleinen und flachen Gelenkpfanne, die vom Schulterblatt gebildet wird. Die Schultermuskulatur ermöglicht die umfangreichen Bewegungen der Arme und Schultern, wie zum Beispiel Drehen, Heben oder Senken. Der Hauptstabilisator ist dabei die Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf zentriert in der Gelenkpfanne des Schulterblatts hält.

Je nachdem, welche Bewegung mit den Armen durchgeführt werden soll, sind unterschiedliche Muskeln im Einsatz:

  • Seitliches Abspreizen der Arme (Abduktion):
    • Deltamuskel (Musculus deltoideus, Pars acromialis), wichtigster Muskel für die Abduktion
    • Obergrätenmuskel (M. supraspinatus)
    • Langer Kopf des Bizepsmuskels (Caput longum des M. biceps brachii)
  • Heranführen der Arme (Adduktion):
    • Großer Brustmuskel (M. pectoralis major)
    • Sehr breiter Rückenmuskel (M. latissimus dorsi)
    • Großer Rundmuskel (M. teres major)
    • Kleiner Rundmuskel (M. teres minor)
    • Hakenarmmuskel (M. coracobrachialis)
    • Kurzer Kopf des Bizepsmuskels (Caput breve des M. biceps brachii)
    • Trizepsmuskel (M. triceps brachii)
    • Teile des Deltamuskels (Pars clavicularis und Pars spinalis)
  • Heben der Arme nach vorne (Anteversion):
    • Deltamuskel (M. deltoideus, Pars clavicularis)
    • Großer Brustmuskel (M. pectoralis major)
    • Bizepsmuskel (M. biceps brachii)
    • Hakenarmmuskel (M. coracobrachialis)
  • Heben der Arme nach hinten (Retroversion):
    • Deltamuskel (M. deltoideus, Pars spinalis)
    • Sehr breiter Rückenmuskel (M. latissimus dorsi)
    • Großer Rundmuskel (M. teres major)
  • Drehen der Arme nach außen (Außenrotation):
    • Deltamuskel (M. deltoideus, Pars spinalis)
    • Untergrätenmuskel (M. infraspinatus)
    • Kleiner Rundmuskel (M. teres minor)
  • Drehen der Arme nach innen (Innenrotation):
    • Deltamuskel (M. deltoideus, Pars clavicularis)
    • Unterschulterblattmuskel (M. subscapularis)
    • Großer Brustmuskel (M. pectoralis major)
    • Sehr breiter Rückenmuskel (M. latissimus dorsi)
    • Großer Rundmuskel (M. teres major)
    • Hakenarmmuskel (M. coracobrachialis)
    • Bizepsmuskel (M. biceps brachii)

Die Schultermuskulatur ist auch bei anderen Bewegungen gefragt, wie zum Beispiel beim Schulterzucken (Trapezmuskel), Liegestützen (kleiner Brustmuskel) oder beim Boxen (vorderer Sägemuskel).

Lage der Schultermuskulatur

Zur Schultermuskulatur gehören alle Muskeln, mit denen Arm und Schulter bewegt werden, also eine Aktivität im Schultergelenk bewirkt wird. Im weiteren Sinne zählen auch Muskeln dazu, die den Schultergürtel mit dem Rumpf und dem Hals verbinden. Diese Muskelregionen verlaufen an der Körpervorder- und -rückseite im oberen Rumpfbereich und ziehen bis in die Arme sowie über Hals und Nacken Richtung Kopf.

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Die einzelnen Muskelgruppen (Muskellogen) sind von Bindegewebe (Faszien) umgeben. Diese besondere Verpackung macht zusammen mit den Sehnen eine Fixierung der Muskeln am Knochen und somit eine Kraftübertragung möglich. Knöcherne Ansatzstellen der Schultermuskulatur sind vor allem die beiden Knochen des Schultergürtels, Schulterblatt und Schlüsselbein, sowie der Oberarmknochen, aber auch Halswirbel, Dornfortsätze der Brustwirbel und Rippenknorpel.

Mögliche Probleme der Schultermuskulatur

Verspannungen im Schulterbereich sind ein weit verbreitetes Problem. Auslöser sind in der Regel unbewusste Fehlhaltungen, zum Beispiel wenn wir bei Kälte oder Stress die Schultern Richtung Ohren ziehen. Die Schmerzen können mitunter sogar bis in den Kopfbereich einstrahlen und chronisch werden. Aber auch durch Überanstrengung, Fehlstellung oder nach einer Verletzung entwickeln sich Beschwerden in der Schultermuskulatur. Diese äußern sich in Form von:

  • Muskelschmerzen
  • Bewegungseinschränkungen
  • Kraft- oder Funktionsverlust
  • Lähmungen oder Gefühlsstörungen

Treten Schmerzen in der Schultermuskulatur plötzlich ein, sind folgende Ursachen wahrscheinlich:

  • Typische Verletzungen der Schultermuskulatur sind die Rotatorenmanschettenruptur und der Bizepssehnenriss.

Der Schultergürtel: Eine funktionelle Einheit

Der Schultergürtel besteht aus Knochen und Muskeln, deren Aufgabe es ist, die oberen Extremitäten mit dem Rumpf zu verbinden. Zusammen mit den Armen bildet der Schultergürtel eine funktionelle Einheit, wobei die Einheiten nur sehr wenige Knochenkontakte aufweisen und lediglich durch Bänder miteinander verbunden sind. Die Stabilität der Konstruktion ist in erster Linie der Rumpf-Schultergürtelmuskulatur zu verdanken.

Der Schultergürtel stellt die Verbindung zwischen Rumpf und Armen dar. Es handelt sich um eine relativ lose anatomische Einheit, die aus mehreren Teilen besteht. Dabei sind die Knochen des Schultergürtels nur sehr schwach in das Skelett eingebunden, wobei die einzige knöcherne Verbindung zum Rumpf zwischen dem Schlüsselbein und dem Brustbein liegt. Im Acromioclaviculargelenk sind Schlüsselbein und Acromion (Schulterhöhe) miteinander verbunden, während im Sternoclaviculargelenk Brustbein (Sternum) und Schlüsselbein aufeinandertreffen. Unter dem Acromion versteht man in der Anatomie das obere Ende des Schulterblatts. Die Scapula ist in Muskelschlingen aus antagonistisch agierenden Muskeln aufgehangen und weist eine dreieckige Struktur auf. Das Schultergelenk, ein Kugelgelenk, verbindet den Oberarm und das Schulterblatt. Es ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers.

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Die Muskeln des Schultergürtels spannen das Schulterblatt in Richtung Brustkorb, Wirbelsäule, Rückenmuskulatur und Arm ein. Der Serratus anterior stellt die Verbindung zwischen Rippen und Schulterblatt her. Damit sich die Schulter an der Extremität frei bewegen kann, muss die Scapula über den Brustkorb gleiten können. Im Bereich des Schlüsselbeins befindet sich der Plexus brachialis (Armgeflecht). Dieses Nervengeflecht versorgt die Arme. Begleitet wird es von der Arteria subclavia (Unterschlüsselbeinarterie), die für den Zufluss von sauerstoffreichem Blut zum Oberarm zuständig ist.

Der Schultergürtel sorgt dafür, dass Arme und Rumpf über Muskeln, Bänder und ein Gelenk - das Sternoclaviculargelenk - miteinander verbunden sind. Die vielen Muskeln des Schultergürtels erlauben eine maximale Bewegungsfreiheit, gewährleisten jedoch gleichzeitig auch ein hohes Maß an Stabilität. Es ist das Zusammenspiel aus Gelenken, Muskeln und Bändern, das die verschiedenen Aufgaben des Schultergürtels möglich macht. Je nachdem, welcher Muskel gerade angespannt wird, findet eine Bewegung der Scapula oder Clavicula in verschiedenen Ebenen statt. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte Schürzenbindegriff: Der Musculus trapezius und die Musculi rhomboidei veranlassen die Scapula, sich nach medial (zur Körpermitte hin) und dorsal (nach hinten) zu bewegen. Die Clavicula bewegt sich ebenfalls nach dorsal (man spricht von einer Retraktion). Als Antagonist dieser Bewegung tritt der Serratus anterior auf, der Scapula und Clavicula nach lateral (von der Körpermitte weg) und ventral (nach vorn) bewegt.

Eine wichtige Stellung innerhalb des Schultergürtels kommt dem Schultergelenk zu. In ihm sind Bewegungen um drei Hauptachsen möglich. Die Scapula bewegt sich zusammen mit der Schulter, wobei die Bewegungen auch zeitlich versetzt erfolgen können. Begrenzt wird der Bewegungsumfang durch Bänder ebenso wie durch Knochen (z.B. Tuberculum majus).

Aufgrund des Zusammenspiels der vielen verschiedenen Strukturen, die den Schultergürtel ausmachen, kann eine Verletzung eines dieser Teile weitreichende Folgen haben. Zu den häufigsten Beschwerden zählt die Schlüsselbeinfraktur. Überhaupt ist der Schlüsselbeinbruch beim Menschen die am häufigsten auftretende Fraktur. Im Regelfall entsteht der Bruch bei einem Sturz auf den vorgestreckten Arm.

Eine weitere Erkrankung ist das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS). Die Krankheit wird auch als Engpasssyndrom bezeichnet und entsteht, wenn der Plexus brachialis, die Vena subclavia und die Arteria subclavia im Thoraxauslass komprimiert werden. Interessanterweise kann eine alte Schlüsselbeinfraktur das TOS begünstigen. Auch bestimmte Sportarten sowie das Tragen schwerer Schulterlasten können zur Entwicklung von TOS beitragen.

Bei einigen Menschen kommt es zu Verschleißerscheinungen des Acromioclaviculargelenks. In solchen Fällen spricht man von einer AC-Gelenkarthrose.

Die Rolle des Deltamuskels beim Heben des Arms

Zum Anheben des Armes wird hauptsächlich der Deltamuskel benötigt. Dieser verläuft über dem Schultergelenk und weist eine dreieckige Form auf. Der Deltamuskel gliedert sich in einen vorderen, mittleren und hinteren Teil. Allerdings fängt die Bewegung mit dem Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus) an, der den Arm um rund 10 Grad abduziert. Daraufhin übernimmt der mittlere Teil des Deltamuskels die Arbeit bis 60 Grad, bevor seine beiden anderen Teile den Arm über 90 Grad heben. Für die Elevation des Arms (Heben über die Horizontale) ist die Rotation des Schulterblattes erforderlich.

Gefäßversorgung des Schultergürtels

Die A. subclavia beteiligt sich mit den Aa. suprascapularis und transversa colli an der Versorgung des Schultergürtels. Die A. suprascapularis und der R. profundus der A. transversa colli (variabel: A. dorsalis scapulae) bilden gemeinsam mit der A. circumflexa scapulae aus der A. axillaris Anastomosen im Bereich des Schulterblattes in Form der sog. Schulterblattarkade. Über die Schulterblattarkade kann bei einem Verschluss der A. axillaris ein Kollateralkreislauf über die A. circumflexa scapulae (aus der A. subscapularis) aufgebaut werden. Eine Unterbindung der A. axillaris darf im Notfall zur Aufrechterhaltung des Kollateralkreislaufes zwischen A. subclavia und A. axillaris nur proximal des Abgangs der A. subscapularis erfolgen.

Die A. subclavia gelangt zwischen Schlüsselbein und erster Rippe (kostoklavikulärer Raum) zur freien oberen Extremität und wird vom lateralen Rand der ersten Rippe an als A. axillaris bezeichnet. Den kostoklavikulären Raum passieren außer der A. subclavia der Plexus brachialis und V. subclavia. Der Plexus brachialis liegt darin am weitesten lateral; darauf folgt die A. subclavia. Plexus brachialis und A. subclavia werden von einer gemeinsamen Gefäß-Nerven-Scheide umhüllt, deren Bindegewebe sich in den Gefäß-Nerven-Straßen der oberen Extremität fortsetzt. Die am weitesten medial ziehende V. subclavia verläuft getrennt von der Gefäß-Nerven-Scheide.

Die A. axillaris wird entsprechend ihrer Lage zum M. pectoralis minor in einen proximalen Abschnitt (medial vom M. pectoralis minor innerhalb des Trigonum clavi-deltoideo-pectorale), in einen mittleren Abschnitt (hinter dem M. pectoralis minor) und in einen distalen Abschnitt (lateral vom M. pectoralis minor) unterteilt; ihre Versorgungsgebiete sind Schulterregion und Brustwand.

Im proximalen Abschnitt innerhalb der Mohrenheim-Grube liegen die Faszikel des Plexus brachialis noch lateral von der A. axillaris innerhalb der gemeinsamen Gefäß-Nerven-Scheide; erst im mittleren Abschnitt hinter dem M. pectoralis minor ordnen sich die Fasciculi posterior, medialis und lateralis des Plexus brachialis um die A. axillaris an. Die im proximalen Abschnitt der A. axillaris abgehenden A. thoracica superior und Rr. subscapulares beteiligen sich an der Versorgung der Mm. subclavius, serratus anterior und subscapularis. Innerhalb der Mohrenheim-Grube tritt die A. thoracoacromialis durch die Fascia clavi-deltoideo-pectoralis und versorgt mit ihren Ästen die Mm. subclavius, deltoideus, serratus anterior, pectoralis major und pectoralis minor sowie die Schultergürtelgelenke.

Unter dem lateralen Rand des M. pectoralis minor zieht auf dem M. serratus anterior die A. thoracica lateralis, die Äste an die Mm. pectorales und an den M. serratus anterior sowie an die Brustdrüse abgibt. Aus dem distalen Abschnitt der A. axillaris entspringt die kräftige A. subscapularis, die sich in die Aa. thoracodorsalis und circumflexa scapulae verzweigt. Die A. thoracodorsalis läuft bedeckt vom lateralen Rand des M. latissimus dorsi auf dem M. serratus anterior nach distal und versorgt die Mm. latissimus dorsi, serratus anterior, subscapularis und teres major sowie die Haut der seitlichen Brustwand. Die A. circumflexa scapulae zieht mit ihren Begleitvenen durch die mediale Achsellücke in die Fossa infraspinata, wo sie die Mm. infraspinatus, teres minor, teres major und deltoideus versorgt und an der Schulterblattarkade teilnimmt.

Distal von der A. circumflexa scapulae entspringt die A. circumflexa humeri posterior, die mit ihren Begleitvenen und dem N. axillaris durch die laterale Achsellücke in das Spatium subdeltoideum gelangt und den M. deltoideus, die Schultergelenkkapsel und die Haut der Schulterregion versorgt. Die A. circumflexa humeri posterior variiert stark in ihrem Ursprung (gemeinsamer Ursprung mit der A. subscapularis; Ursprung aus der A. profunda brachii oder Ursprung der A. profunda brachii aus der A. circumflexa humeri posterior). Die dünne A. circumflexa humeri anterior zieht zum Collum chirurgicum des Humerus und versorgt die lange Bizepssehne, die Schultergelenkkapsel und den M. deltoideus.

Erkrankungen und Beschwerden des Schultergürtels

Überlastungen, Fehlbelastungen, Unfälle und Stürze können zu verschiedenen Beschwerden im Bereich des Schultergürtels führen. Im fortgeschrittenen Alter kommt es im Schultergelenk, wie auch den Sehnen, meistens zu Ablagerungen. Nach chronischer Überlastung oder Fehlbelastung im Bereich der Schulter kann es zu einer Gelenkspaltverschmälerung kommen, die dadurch resultiert, dass schleichend der schützende Knorpel abgerieben wird. Es besteht die Gefahr, dass Knochen auf Knochen reibt und dann bei jeder Bewegung in der Schulter Schmerzen ausgelöst werden. Im Bereich der Schulter gibt es ohnehin nur sehr wenig Platz, da sowohl Muskeln, als auch Sehnen und Bänder ihren Platz im Bereich der Schulter haben müssen. Hierdurch können Muskeln, Sehnen oder Schleimbeutel betroffen werden.

Meistens sind es Stürze, die so hohe Kräfte auf die Schulter, deren Muskel und Sehnen erzeugen, dass es zu einem Anriss einer oder mehrerer Sehnen oder Muskeln kommen kann.

Schultergürtel-Kompressionssyndrom

Häufig kommt es zu einer langen Zeitversetzung zum eigentlichen traumatischen Ereignis. Patienten spüren manchmal Wochen oder Monate später Schmerzen im Bereich der Schulter. Die Behandlung einer Schultergürtelläsion findet meistens bei moderaten Beschwerden konservativ statt. Hier wird eine regelmässige Physiotherapie durchgeführt. Wenn es sich um einen kompletten Abriss einer Sehne handelt, die Bewegung der Schulter und des Arms deutlich eingeschränkt wird oder der Patient noch jung, mit einer hohen Rekonstruktionsfähigkeit, ist, muss eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden.

Schleimbeutelentzündung

Im Bereich der Schulter findet man einige Schleimbeutel, die dazu dienen die Reibung im Gelenk zu reduzieren. Die Patienten sind in ihrer Bewegung eingeschränkt und klagen schon bei kleinster Belastung über Schmerzen.

Schultereckgelenksarthrose

Wie jedes Gelenk kann es auch im Schultereckgelenk zu einer abnormen Abnutzung der Knorpelfläche kommen. Meistens sind es chronische Überlastungen aber auch Fehlbelastungen, die zu Ablagerungen oder auch entzündlichen Veränderungen in der Schulter führen können.

Impingement-Syndrom

Ist ein Impingement Syndrom in der Schulter vorhanden, kann der Arm meistens nur unter Schmerzen auf ca. 90 Grad bewegt werden. Wird er darüberhinaus gehoben, verschwinden die Schmerzen meistens. Dieses Phänomen wird auch als Painful arc bezeichnet und ist klassische bei Vorhandensein eines Impingement Syndrom.

Schulterluxation

Wenn ruckartige Bewegungen in der Schulter durchgeführt werden, kann es passieren, dass die Strukturen des Schultergürtels nicht mehr ausreichen, um den Oberamkopf in der Gelenkpfanne zu halten, was zur Folge hat, dass der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne herausrutscht. Eine Luxation muss immer mechnisch reponiert werden.

Thoracic Outlet Syndrom (TOS)

Bei dem sogenannten Thoracic Outlet Syndrom kommt es zu einer meist schleichenden Einengung des oberen Bereich des Brustkorbes auf Höhe der Halswirbelsäule, zwischen erster Rippe und des Schlüsselbeins. Meistens sind es zusätzliche Rippenanteilen, die sogenannte Halsrippe, die die Symptome verursachen. Manche Menschen haben diese von Geburt an und manche nicht. Nicht jede Halsrippe verursacht Symptome, sondern bleibt häufig auch unbemerkt. Neben einer zusätzlichen Rippe kann es auch anatomisch zu besonders hervorragenden ersten Rippenkommen, die auch zu einer Kompression der Nerven führen kann. Therapeutisch wird mit Hilfe von Physiotherapie mehr Raum für die Strukturen im Bereich der Schulter und der Halswirbelsäule geschaffen. Gelingt dies nicht und sind die Beschwerden weiterhin vorhanden, muss auch eine operative Behandlung überlegt werden.

Frozen Shoulder

Als Frozen Shoulder bezeichnet man die Entzündung der Gelenkkapsel des Schultergelenks, mit einhergehender Bewegungseinschränkung der Schulter. Aufgrund der sog. Entzündung der Gelenkkapsel kommt es zu einer zunehmenden Verklebung der Gelenkkapsel, was zur Folge hat, dass die Schulter immer steifer wird und die Beweglichkeit immer mehr eingeschränkt wird. Man unterscheidet eine primäre von einer sekundären Form. Die sekundäre Form tritt auf im Verlauf von Schultererkrankungen wie z.B. Kalkschulter, Impingement Syndrom oder nach Operationen im Bereich der Schulter. Zu den Symptomen gehören Schmerzen bei Bewegung, insbesondere beim Heben des Armes. Die Behandlung einer Frozen shoulder ist sehr langwierig und kann bis zu einem halben Jahr dauern. Unterstützt wird die physiotherapeutische Behandlung durch die Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmittel, wie Ibuprofen oder Diclofenac.

Übungen zur Stärkung der Schultermuskulatur

Es gibt verschiedene Übungen, die zur Stärkung der Schultermuskulatur durchgeführt werden können:

  • Schulterkreisen: Die Arme werden im Stehen oder Sitzen locker am Körper hängen gelassen. Nun sollte die Schulter kreisend nach vorne bewegt werden. Die Bewegung sollte in beiden Schultern parallel erfolgen. Die Bewegung sollte in ein langsames Schulterkreisen von hinten nach vorne übergehen. Die kreisenden Bewegungen sollten nach 3-4 Minuten gestoppt und dann die Schulter nach hinten kreisend bewegt werden.
  • Armheben: Bei der nächsten Übung hält man ebenfalls die Arme parallel am Körper. Nun hebt man die gestreckten Arme parallel vom Körper ab und zieht sich langsam nach oben, bis ein Winkel von etwa 45 Grad erreicht wird. In dieser Position sollte die Bewegung gestoppt und die Arme gehalten werden. Man wird ein deutliches Ziehen im Bereich des Schultermuskels (M. Deltoideus) spüren. Nach ca 15 Sekunden können die Armen dann wieder langsam in die entspannte Position am Körper geführt werden. Wenn man diese Übung intensivieren möchte kann man auch ein Terraband hinzuziehen. Dabei sollte man sich auf ein Ende des Terrabandes stellen und dieses am Boden fixieren, das andere Ende sollte man in der Hand halten. Danach sollte man ebenfalls nun gegen einen Widerstand die Arme heben, bis man ein Ziehen im Schultermuskel spürt und diese Position einige Sekunden halten.

Die Bedeutung des Schulterspezialisten

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk im menschlichen Körper. Ein komplexes Zusammenspiel von Sehnen, Muskeln und Bändern macht das Schultergelenk zum beweglichsten Gelenk im menschlichen Körper. Neben dem knöchernen Stützgerüst ist der Weichteilmantel zur Führung des Schultergelenkes sehr wichtig. Die kräftigen Muskeln des Oberarmes und des Rückens führen das Schultergelenk kraftvoll in die gewünschten Richtungen. Die Aufgabe der Rotatorenmanschette ist es, das knöcherne Schultergelenk bei jeder Bewegung zu stabilisieren und exakt in der Gelenkpfanne (Glenoid) zu zentrieren. Die medizinisch wichtigste Sehne der Rotatorenmanschette ist die unter dem Schulterdach verlaufende Supraspinatussehne, die den Oberarm nach oben ziehen kann. Sie findet am häufigsten Beachtung durch den Schulterspezialisten.

Der Schulterspezialist untersucht eine ganze Reihe von Muskeln, Sehnen und Bändern. Er erkennt in diesem sehr komplizierten Aufbau des Schultergelenks eine altbekannte Tatsache: Je komplexer ein System aufgebaut ist, desto störanfälliger ist es. Jede Störung dieses Systems führt zu akuten oder chronischen Schulterschmerzen. So resultieren aus Erkrankungen oder Verletzungen an den knöchernen Strukturen zwangsläufig Veränderungen am Weichteilmantel und umgekehrt. Insbesondere chronische Schulterschmerzen haben ihre Ursache in Erkrankungen der Weichteilführung. Der Schulterspezialist untersucht die Schulter auf Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkungen.

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