Blitzartige Schmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen - ein alarmierendes Symptom, das oft auf gereizte oder geschädigte Nervenbahnen hindeutet. Die Orthopäden von Lumedis in Frankfurt bieten in diesem Artikel eine umfassende Erklärung der häufigsten Ursachen und zeigen, wie eine präzise Diagnose und gezielte Therapie helfen können, diese belastenden Beschwerden zu lindern.
Was sind Nervenschmerzen wie Stromschläge?
Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, sind typisch für eine Nervenreizung oder -schädigung. Wenn Nerven eingeklemmt oder verletzt werden, können sie scharfe, elektrisierende Empfindungen übertragen. Der Schmerz kann an verschiedenen Stellen des Körpers, einschließlich Armen und Beinen, spürbar sein und tritt auch bei anderen Krankheiten auf, bei denen die Nervenfunktion beeinträchtigt ist.
Ursachen für Nervenschmerzen
Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, können vielfältige Ursachen haben. Einige der häufigsten sind:
Nervenkompression
Eine Nervenkompression tritt auf, wenn Druck auf einen Nerven ausgeübt wird und so seine normale Funktion gestört wird. Häufige Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom, bei dem ein Nerv im Handgelenk eingeklemmt wird, oder Ischias, bei dem der Ischiasnerv durch einen Bandscheibenvorfall im unteren Rückenbereich betroffen ist. Ein Bandscheibenvorfall entsteht, wenn der weiche innere Teil einer Bandscheibe durch einen Riss in der härteren äußeren Schicht drückt. Typischerweise tritt es im unteren Rücken oder Nacken auf und führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln, welches in die Arme oder Beine ausstrahlen. Es ist oft die Folge von Alterung oder Verletzung.
Nervenentzündung (Neuritis)
Eine Nervenentzündung, auch Neuritis genannt, entsteht, wenn ein Nerv gereizt wird, anschwillt und entzündet ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen. Wenn ein Nerv entzündet ist, kann er schmerzhafte, scharfe Empfindungen auslösen, die einem Stromschlag ähneln. Die zugrundeliegende Ursache wird durch einen Arzt festgestellt. Hierfür sind körperliche Untersuchung, bildgebende Maßnahmen und Bluttests geeignet. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf die Beseitigung der Ursache, eine akute Schmerzlinderung und begleitende Krankengymnastik.
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Multiple Sklerose (MS)
Bei Multipler Sklerose (auch als MS abgekürzt) kann es aufgrund einer Schädigung der Nervenhülle, dem sogenannten “Myelin”, zu Nervenschmerzen kommen. Hierzu kommt es, weil das eigene Immunsystem die Nervenschutzsicht fälschlicherweise als fremd erkennt, angreift und schädigt. In der Folge stört dies die normalen Nervensignale und führt oft zu scharfen, stromschlagähnlichen Empfindungen, insbesondere in den Armen, Beinen oder im Rumpf. Besonders häufig klagen betroffene über stromschlagartige Schmerzen im Bein, die von Zuckungen im Bein bei MS begleitet werden. Die Behandlung von MS umfasst Medikamente zur Beeinflussung des Krankheitsverlaufs sowie Trainingstherapie.
Diabetische Neuropathie
Bei Diabetes sind Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, oft auf eine Erkrankung namens “diabetische Neuropathie” zurückzuführen. Dieser Schaden stört die normale Nervenfunktion und führt zu scharfen, stromschlagähnlichen Empfindungen. Möglicherweise verspüren Betroffene auch Taubheits- oder Kribbelgefühle. Eine effektive Kontrolle des Blutzuckerspiegels kann das Fortschreiten von Nervenschäden verhindern und bestehende Symptome lindern. Daher ist Vorsorge bei Diabetes so wichtig.
Postoperative Neuropathie
Rund 20 % aller operierten Patienten entwickeln Nervenschmerzen, sogenannte postoperative neuropathische Schmerzen oder postoperative Neuropathie, die durch Schädigungen des Nervensystems während des operativen Eingriffs entstehen können. Dies kann durch Kompressionen, Dehnungen, Traumen oder ungünstige Patientenlagerung verursacht werden. Auch Entzündungsprozesse nach einer Operation können zu Erkrankungen der peripheren Nerven führen.
Operationen, die häufig Nervenschmerzen nach sich ziehen, sind unter anderem:
- Brust- oder Brustkorb-Operationen (zum Beispiel aufgrund von Herzerkrankungen oder Brustkrebs)
- Leistenbruch-Operationen
- Lungen-Operationen
- Amputationen
Bestimmte Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit postoperativer Neuropathien. Dazu zählen zum einen Vorerkrankungen der peripheren Nerven. Zum anderen gibt es Nervenschäden begünstigende Erkrankungen, darunter Diabetes, sehr hoher oder sehr niedriger Body-Mass-Index, periphere Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder eine Arthritis. Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, die die empfundene Stärke von Nervenschmerzen beeinflussen, darunter eine subjektiv erniedrigte Schmerzschwelle oder eine pessimistische Erlebnisverarbeitung.
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Weitere Ursachen
Weitere häufige Ursachen sind Erkrankungen wie Gürtelrose oder Ischias, die die normale Funktion des Nervs beeinträchtigen.
Begleitende Symptome
Wenn sich Nervenschmerzen wie ein Stromschlag anfühlen, gehen manchmal andere Symptome damit einher, die dabei helfen können, die Ursache zu ermitteln. Wenn der Schmerz mit Muskelschwächen oder Schwierigkeiten beim Bewegen bestimmter Gliedmaßen einhergeht, kann dies auf eine Nervenkompression des Rückens hinweisen. Bei manchen Menschen kann es auch zu einer Überempfindlichkeit oder sogar zu Schmerzen kommen, die durch Berührung oder Druck ausgelöst werden.
Diagnose: Wie findet man die Ursache heraus?
Die Diagnose der Ursache von Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, gelingt durch mehrere wichtige Schritte. Zunächst ist eine ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durch einen Arzt entscheidend. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt auch Reflexe und Muskelkraft beurteilt.
Bildgebende Verfahren
Zu den diagnostischen Verfahren können bildgebende Untersuchungen wie MRT- oder CT-Scans gehören, um nach etwaigen Bandscheibenvorfällen oder Tumoren zu suchen, die möglicherweise auf Nerven drücken. Diese Tests helfen dabei festzustellen, auf welcher Höhe sich der Schaden befindet. Eine bildgebende Diagnostik ist dann erforderlich, wenn Nervenschmerzen spezifische Anzeichen oder Symptome aufweisen, die auf tieferliegende Probleme hinweisen. Dies können Bandscheibenvorfälle, eine Wirbelsäulenstenose (Verengung) oder Tumore (Raumforderungen) sein. Die Bildgebung ist vor allem dann angezeigt, wenn zu den Symptomen erhebliche Schwäche oder Funktionsverlust gehören oder vergangene Traumata oder Verletzungen vorliegen. Mit detaillierten Bildern helfen MRT- und CT-Verfahren dabei, den genauen Ort und die Art der Nervenkompression oder -schädigung zu bestimmen.
Elektromyografie (EMG)
Ein gängiger Test ist die Elektromyografie (EMG). Beim EMG wird die elektrische Aktivität in den Muskeln untersucht. Wenn man zum Beispiel Schmerzen aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms hat, kann das EMG zeigen, ob der sogenannte Medianusnerv im Handgelenk das Problem verursacht. Wenn Ärzte wissen, welcher Nerv das Problem ist, können sie leichter die beste Behandlung auswählen, zum Beispiel gezielte Physiotherapie oder eine Operation. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Muskelfunktionstests die Behandlung und Linderung von Nervenschmerzen erheblich erleichtern können.
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Statische Analyse der Wirbelsäule
Eine statische Analyse mit einer Vermessung der Wirbelsäule kann helfen, herauszufinden, was die Ursache für Nervenschmerzen sind, die sich wie ein Stromschlag anfühlen. Sie zeigt, wo Nerven durch Wirbelsäulenfehlstellungen oder -verkrümmungen eingeklemmt oder gereizt sein können. Die Wirbelsäulenvermessung hilft den untersuchenden Ärzten, dieses Problem zu erkennen.
Was kann man gegen Nervenschmerzen tun?
Um mit Nervenschmerzen umzugehen, die sich wie Stromschläge anfühlen, müssen sowohl die zugrunde liegenden Ursachen als auch die Symptome angegangen werden.
Medikamentöse Therapie
Typischerweise gegen neuropathische Schmerzen eingesetzte Medikamente sind unter anderem Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer oder Opioide. Eine lokale Therapie erfolgt zum Beispiel mittels Lidocain-Pflastern. Meistens ist es sinnvoll, mehrere Medikamente miteinander zu kombinieren. Zu beachten ist, dass sowohl Wirksamkeit als auch Nebenwirkungen eines Medikaments je nach Patient sehr verschieden sein können: Arzt und Patient sollten also genug Geduld aufbringen, um gemeinsam die individuell optimale Schmerztherapie zu finden. Hierbei ist auch wichtig, die Therapieziele zu besprechen: Eine völlige Schmerzfreiheit kann im Grunde fast nie erreicht werden. Realistisch ist eine Schmerzreduktion um 30 bis 50 Prozent, sodass Schlaf- und Lebensqualität des Patienten sich verbessern können. Dies muss dem Patienten bewusst gemacht werden, damit zu hohe Erwartungen und damit Enttäuschungen vermieden werden.
Gezielte Übungen und Physiotherapie
Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, können oft durch gezielte Übungen gelindert werden. Welche Übungen die jeweils zugrundeliegende Krankheit die richtigen sind, muss durch den behandelnden Arzt festgelegt werden. In der Regel entwickeln Physiotherapeuten diese Übungen, nachdem sie die spezifischen Bedürfnisse und Einschränkungen des Patienten ermittelt haben.
Man unterscheidet generell zwischen Kräftigungs- und Dehnungsübungen. Kräftigungsübungen sind insbesondere für die Stützmuskeln von Vorteil, sofern diese zu schwach sind und die Reizung des Nervs begünstigen. Für Menschen mit stromschlagartigen Schmerzen des Ischiasnerv kann beispielsweise die Stärkung der Rumpfmuskulatur entscheidend sein.
Dehnungsübungen sind genauso wichtig. Ein Dehnen der hinteren Oberschenkelmuskulatur kann den unteren Rücken und den Ischiasnerv entlasten, während Dehnungsübungen für den Nacken bei Nervenschmerzen im Oberkörper helfen können. Zusätzlich fördern sowohl Dehnungs- als auch Kräftigungsübungen die Durchblutung.
Faszientraining
Wenn Muskeln und Faszien (die bindegewebigen Muskelhäute) angespannt sind, können sie auf die umliegenden Nerven drücken und so Schmerzen verursachen. Daher können Dehnungsübungen und Faszientraining diese Beschwerden ebenfalls lindern. Regelmäßiges Dehnen verlängert die Muskeln, verbessert die Blutzirkulation und verringert die Nervenkompression. Faszientraining ist eine relativ neue Ergänzung zum herkömmlichen Dehnen und praktiziert einen ganzheitlichen Ansatz. Während sich das allgemeine Dehnen in erster Linie auf die Dehnung und Lockerung der Muskeln konzentriert, zielt das Faszientraining darauf ab, die umgebenden Faszien flexibel und elastisch zu halten und sie vom Muskel zu “lösen”. Dies gelingt entweder mit Übungen für bestimmte einzelne Muskeln oder Muskelgruppen, sowie mit harten Schaumstoffrollen oder -bällen. Zu Beginn ist Faszientraining oft sehr schmerzhaft. Sobald die Faszien gelockert und nicht mehr stark verklebt sind, verringert sich dieses unangenehme Gefühl und es hat erstaunliche Effekte.
Nicht-medikamentöse Therapie
Die nicht-medikamentöse Behandlung neuropathischer Schmerzen erstreckt sich unter anderem auf warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur, milde Infrarotstrahlung, Applikation von Kälte, Physio- und Ergotherapie und Psychotherapie (Verbesserung der Schmerzakzeptanz).
Invasive Therapie
Manchmal ist es sinnvoll beziehungsweise erforderlich, neuropathische Schmerzen zusätzlich invasiv zu behandeln. Dies erfolgt unter anderem durch selektive Nervenblockaden, Ganglionblockaden oder Neuromodulationsverfahren.
Alternativmedizinische Verfahren
Zuletzt kann man noch auf alternativmedizinische Verfahren wie Osteopathie, Akupunktur, traditionell chinesische Medizin und Heilpraktikerverfahren verweisen.
Langfristige Behandlung
Die optimale Behandlung postoperativer Nervenschmerzen erfordert ein multimodales Therapiemanagement, bestehend aus medizinischer und medikamentöser Behandlung, psychologisch-therapeutischen Maßnahmen sowie Bewegungstherapie. Hierzu müssen sich Patienten meist in spezialisierte Schmerzzentren begeben. Wichtig ist, dass die Therapie neuropathischer Schmerzen langfristig kontrolliert wird: So sollten Erfolg und Auswirkungen der Schmerzlinderung auf die Lebensbereiche des Patienten dokumentiert werden, beispielsweise in einem Schmerztagebuch. Leider können chronisch gewordene Nervenschmerzen oft nicht mehr vollständig geheilt werden. Umso wichtiger ist es in solchen Fällen, dass die Betroffenen lernen, richtig mit ihren Schmerzen umzugehen. Das Hauptziel der Behandlung neuropathischer Schmerzen ist und bleibt, die Lebensqualität der Betroffenen so gut es geht zu verbessern.
Polyneuropathie
Der Begriff „Polyneuropathie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Erkrankung mehrerer Nerven“. Bei den meisten Menschen beginnt die Polyneuropathie mit Reizerscheinungen im Sinne von Kribbelgefühlen, brennenden Missempfindungen bis hin zu heftigen Schmerzen und Taubheitsgefühlen an den Füßen. Häufig beschrieben wird ein Schwellungsgefühl, unangenehmer Druck, Gefühl wie auf Watte zu gehen, ein Elektrisieren oder Stechen.
Symptome der Polyneuropathie
Meistens sind zunächst nur die Zehen und der Fußballen bds. betroffen. Im Verlauf von mehreren Monaten bis Jahren kommt es zur Ausweitung der Symptome auf die Füße und Unterschenkel mit Socken-förmiger oder Kniestrumpf-förmiger Begrenzung. Die Oberschenkel können im Verlauf einer weiteren Verschlechterung oder bei einigen Patienten auch primär betroffen sein. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit Handschuh-förmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein. Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite. Krämpfe, insbesondere nachts oder bei Belastungen, sind nicht selten. Viele Patienten klagen über kalte Füße. Auch das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen. Das Schmerzempfinden wird allmählich herabgesetzt, so dass Verletzungen am Fuß nicht oder nur zu spät wahrgenommen werden. Dies kann, z.B. beim Diabetes mellitus, zur Entstehung von Druckgeschwüren führen. Letztlich können auch die inneren Organe im Sinne einer autonomen Polyneuropathie betroffen sein. Dies führt beispielsweise zur Blasenlähmung, Darmträgheit oder zur mangelnden Regulation des Herzschlages bei Anstrengung.
Ursachen der Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, d.h. also nicht des Gehirns oder des Rückenmarks. Sie entsteht indem entweder der innere Strang des Nervs oder seine Umhüllung erkranken. Nerven arbeiten wie elektrische Leitungen. Vergleicht man den Nerv mit einem Kupferkabel, so können Störungen entweder durch eine Unterbrechung der Kupferleitung in der Mitte oder der umhüllenden Isolierung entstehen. Je länger ein Nerv ist umso eher erkrankt er an Polyneuropathie, weshalb die Erkrankung häufig an den Zehen und Füßen beginnt.
Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathie. Ca. 35 % der Polyneuropathien sind in Deutschland auf den Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) zurückzuführen und etwa 20 % auf Alkoholkonsum. Die Ursache von etwa 1/4 aller Polyneuropathien bleibt auch nach ausführlicher Abklärung ungeklärt.
Diagnose der Polyneuropathie
Diagnostik und Therapie der Polyneuropathie fallen in das Fachgebiet des Neurologen. Am Anfang stehen eine genaue Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) und eine fachärztliche, klinisch-neurologische Untersuchung. Auch eine psychiatrische Untersuchung ist zur Abgrenzung notwendig. Danach erfolgt die Untersuchung der peripheren Nerven mit elektrophysiologischen Methoden. Hierbei werden überwiegend die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven vermessen. Begleitet wird dies durch ein EMG (Elektromyographie- elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel). Danach erfolgt eine laborchemische Abklärung der wichtigsten Ursachen aus dem Blut. Klärt man die wichtigsten 35-40 Ursachen ab, so beinhaltet dies ca. 80 % aller betroffenen Patienten. Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung sollte das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden. Eine Kernspintomographie der Lendenwirbelsäule oder Halswirbelsäule ist erforderlich, wenn gleichzeitig dort eine zusätzliche Erkrankung z.B. ein enger Spinalkanal vermutet wird. Die wichtigsten genetischen Ursachen lassen sich durch genetische Untersuchungen aus dem Blut heraus abklären. Diese Untersuchungen sind jedoch teuer. Sie werden von daher nicht routinemäßig durchgeführt. Eine Untersuchung eines operativ entfernten Teils eines betroffenen Nervens (Biopsie) ist heutzutage nur in Ausnahmen notwendig.
Behandlung der Polyneuropathie
Das primäre Ziel der Behandlung ist die Ausschaltung der Ursache der Polyneuropathie. Die bedeutet z.B. einen Diabetes mellitus optimal mit Medikamenten einzustellen. Medikamente, die eine Polyneuropathie verursachen, müssen abgesetzt oder ausgetauscht werden, insofern sie nicht aus anderem Grund unabdingbar notwendig sind. Eine toxische Exposition, beispielsweise durch Schwermetalle oder Umweltgifte, muss beendet werden. Ist Alkohol die Ursache der Polyneuropathie, so muss vollständige, lebenslange Abstinenz eingehalten werden. Auch kleinere Mengen Alkohol können eine Verschlechterung herbeiführen oder eine Ausheilung verhindern, da das Nervensystem bereits vorgeschädigt ist. Alkoholabstinenz ist immer eine Voraussetzung für eine Verbesserung oder Ausheilung der Symptomatik. Für die Behandlung der Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen stehen mehrere Medikamente zur Verfügung. Liegt eine entzündliche Ursache der Polyneuropathie vor, so können Cortison-Infusionen, Plasmapherese (umgangssprachlich - Blutwäsche) oder die Gabe von Immunglobulinen zu einer Linderung oder gar Ausheilung führen. Die Notwendigkeit der Anwendung dieser Medikamente oder Verfahren zu beurteilen ist Sache des neurologischen Experten. Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden. Lähmungen und Muskelschwund, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen können mit einer spezifischen Physiotherapie behandelt werden. Diese kann gegebenenfalls um elektrische oder magneto-elektrische Stimulationverfahren ergänzt werden.
Morton-Neuralgie
Die „Morton-Neuralgie“ beschreibt eine besondere Form des Vorfußschmerzes, bei der die Reizung von Nerven zwischen zwei Mittelfußknochen zu teilweise erheblichen Schmerzen führt. Die Schmerzen werden typischerweise als „einschießend“ oder „wie ein Stromschlag“ beschrieben und strahlen in die Zehen aus. Zudem können Gefühlsstörungen oder Missempfindungen im Bereich der Zehen auftreten. Die Morton-Neuralgie entsteht als Reaktion der Plantarnerven (Nervi plantares aus dem Nervus tibialis) auf eine dauerhafte mechanische Reizung, beispielsweise bei Fehlstellungen wie dem Spreizfuß. Als Folge der Nervenirritation kann es zu einer reaktiven Wucherung der Nerven kommen, die den Platzmangel und damit die Beschwerden im Verlauf noch verstärken kann. Meistens tritt die Morton-Neuralgie zwischen dem 3. und 4. Mittelfußknochen auf, seltener auch zwischen dem 2. und 3. Die wichtigste Maßnahme der nicht operative Behandlung ist die Versorgung mit weitem Schuhwerk sowie speziellen stützenden Einlagen mit Entlastung des betroffenen Mittelfußraumes. Führt die konservative Therapie nicht zu einer ausreichenden Besserung der Beschwerden, kann die operative Therapie erwogen werden. Nach der Entfernung besteht meistens eine Gefühlsminderung im Versorgungsgebiet der betroffenen Zehennerven. Prinzipiell ist nach der Operation direkt die Vollbelastung möglich.
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