Die Angst zu ersticken ist eine der grundlegendsten menschlichen Ängste. Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die zu dieser schrecklichen Erfahrung führen können. Eine davon ist die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), aber auch Myasthenia gravis kann in schweren Fällen zum Ersticken führen. Dieser Artikel beleuchtet diese beiden Nervenkrankheiten genauer.
Myasthenia gravis: Wenn das Immunsystem die Muskeln angreift
Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln gestört ist. Das körpereigene Immunsystem greift fälschlicherweise Acetylcholin-Rezeptoren an den Muskelzellen an. Diese Rezeptoren sind entscheidend für die Übertragung von Nervenimpulsen auf die Muskeln, die es ihnen ermöglichen, sich zusammenzuziehen. Durch den Angriff des Immunsystems werden diese Rezeptoren abgebaut, was zu Muskelschwäche und schneller Ermüdung führt.
Ursachen und Häufigkeit
Die genauen Ursachen von Myasthenia gravis sind noch nicht abschließend geklärt. Es wird vermutet, dass Infektionen, beispielsweise durch Viren oder Bakterien, das Immunsystem fehlleiten und so die Erkrankung auslösen können. Die Krankheit selbst ist selten. Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa 8.000 bis 12.000 Menschen betroffen. Sie kann in jedem Alter auftreten, jedoch tritt sie häufiger bei Menschen über 50 Jahren auf.
Symptome
Die Symptome von Myasthenia gravis können vielfältig sein und variieren im Schweregrad. Oftmals sind zuerst die Augen betroffen, was sich in hängenden Augenlidern (Ptosis) undDoppeltsehen äußert. Im weiteren Verlauf können weitere Körperteile betroffen sein, wie Gesicht, Oberkörper, Arme und Beine. Dies kann zu Sprach- und Schluckstörungen führen. In manchen Fällen haben Betroffene Schwierigkeiten, ihren Kopf zu halten, was zu Nackenschmerzen führen kann.
Eine gefürchtete Komplikation ist die myasthene Krise. Hierbei kommt es zu einer starken Schwächung der Atemmuskulatur, die unbehandelt zu Atemstillstand und Erstickung führen kann. Bestimmte Medikamente, Begleiterkrankungen, Schwangerschaft oder Operationen können eine solche Krise auslösen.
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Diagnose
Die Diagnose von Myasthenia gravis umfasst in der Regel mehrere Schritte. Zunächst wird der Arzt oder die Ärztin standardisierte Tests durchführen, um die Muskelermüdung festzustellen. Eine Blutuntersuchung kann Antikörper gegen Acetylcholin-Rezeptoren oder andere wichtige Bestandteile der Endplatte nachweisen. Zusätzlich kann eine neurophysiologische Untersuchung die elektrische Aktivität der Muskeln und Nerven messen. In einigen Fällen wird auch eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs durchgeführt, um eine Vergrößerung des Thymus festzustellen.
Therapie
Die Behandlung von Myasthenia gravis zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Medikamente, die die Konzentration von Acetylcholin im Blut erhöhen, können die Reizweiterleitung vom Nerv zum Muskel verbessern. Immunsuppressiva wie Kortikosteroide oder Immunmodulatoren können die Bildung von Antikörpern reduzieren. In einigen Fällen kann die Entfernung des Thymus (Thymektomie) sinnvoll sein, insbesondere wenn er vergrößert ist. Bei einer myasthenen Krise ist eineNotfalltherapie mit Immunglobulinen oder Plasmapherese erforderlich.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine fortschreitende Lähmung
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die die motorischen Nervenzellen (Motoneuronen) im Gehirn und Rückenmark betrifft. Diese Nervenzellen sind für die Steuerung der Muskelbewegungen verantwortlich. Bei ALS werden die Motoneuronen zerstört, was zu Muskelschwäche, Lähmungen und schließlich zum Tod führt.
Ursachen und Häufigkeit
Die genauen Ursachen von ALS sind noch nicht vollständig geklärt. In etwa 5-10 % der Fälle ist die Krankheit erblich bedingt. Bei den übrigen Fällen spielen vermutlich eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle. ALS ist eine seltene Erkrankung. Jedes Jahr erkranken in Europa etwa drei von 100.000 Menschen neu an ALS. In Deutschland gibt es derzeit etwa 8.000 bis 9.000 Patienten. Meist erkranken Menschen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren.
Symptome
Die Symptome von ALS können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Motoneuronen zuerst geschädigt werden. Häufig beginnt die Erkrankung mit Muskelschwäche und -schwund in den Händen oder Füßen. Dies kann sich durch Schwierigkeiten beim Greifen, Schreiben oder Gehen äußern. Im weiteren Verlauf können auch die Sprech-, Kau- und Schluckmuskulatur betroffen sein. Dies führt zu Sprachstörungen (Dysarthrie), Schluckstörungen (Dysphagie) und schließlich zur Unfähigkeit zu sprechen und zu essen.
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Eine besonders schwerwiegende Folge von ALS ist die Schwächung der Atemmuskulatur. Dies führt zu Atemnot und schließlich zu Atemversagen. Im Endstadium der Erkrankung sind die meisten Patienten auf eine Beatmung angewiesen.
Diagnose
Die Diagnose von ALS kann schwierig sein, da die Symptome denen anderer neurologischer Erkrankungen ähneln können. In der Regel werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose zu sichern. Dazu gehören eine neurologische Untersuchung, eine Elektromyographie (EMG), eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks sowie Blutuntersuchungen.
Therapie
Es gibt derzeit keine Heilung für ALS. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Medikamente wie Riluzol können den Krankheitsverlauf verlangsamen. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können helfen, dieMuskelfunktion zu erhalten und dieKommunikation zu verbessern. In späteren Stadien der Erkrankung kann eine Beatmung erforderlich sein.
ALS und Myasthenia gravis im Vergleich
Obwohl sowohl ALS als auch Myasthenia gravis Nervenkrankheiten sind, die zu Muskelschwäche führen können, gibt es wesentliche Unterschiede:
- Ursache: Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln stört. ALS ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der die Motoneuronen zerstört werden.
- Verlauf: Myasthenia gravis kann in vielen Fällen gut behandelt werden, so dass die Patienten wenig oder gar keine Symptome mehr verspüren. ALS ist eine fortschreitende Erkrankung, die unheilbar ist und in der Regel innerhalb weniger Jahre zum Tod führt.
- Betroffene Funktionen: Myasthenia gravis betrifft hauptsächlich die Muskeln, die willentlich gesteuert werden können, wie z.B. Augen-, Gesichts-, Schluck- und Atemmuskulatur. ALS betrifft auch die Motoneuronen, die für die Steuerung der Muskelbewegungen verantwortlich sind, was zu Muskelschwäche, Lähmungen und schließlich zum Tod führt.
- Genetik: Myasthenia gravis ist in der Regel nicht erblich bedingt. ALS ist in etwa 5-10 % der Fälle erblich bedingt.
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