Einführung
Stephen Hawking, einer der bedeutendsten Astrophysiker unserer Zeit, wurde im Alter von 21 Jahren mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert, einer unheilbaren Nervenkrankheit. Diese Diagnose veränderte sein Leben grundlegend, doch Hawking trotzte den Prognosen der Ärzte und lebte über fünf Jahrzehnte mit der Krankheit. Dieser Artikel beleuchtet Hawkings Leben mit ALS, die Krankheit selbst und die Auswirkungen auf seine wissenschaftliche Arbeit und sein öffentliches Engagement.
Was ist Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)?
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die die motorischen Nervenzellen (Motoneuronen) im Gehirn und Rückenmark betrifft. Diese Nervenzellen sind für die Steuerung der Muskeln verantwortlich. Bei ALS werden diese Motoneuronen zerstört, was zu fortschreitender Muskellähmung führt.
Symptome und Verlauf
Die Symptome von ALS können vielfältig sein und sich von Patient zu Patient unterscheiden. Häufig beginnt die Erkrankung mit Muskelschwäche in Armen oder Beinen, was sich durch Schwierigkeiten beim Greifen, Schreiben oder Gehen äußern kann. Im weiteren Verlauf der Krankheit kommt es zu Spastik, Krämpfen und Lähmungen. Betroffene haben Schwierigkeiten beim Sprechen, Schlucken und Atmen.
Das Besondere an ALS ist, dass das Bewusstsein und der Intellekt der Betroffenen in der Regel intakt bleiben. Sie sind sich ihres fortschreitenden körperlichen Verfalls bewusst, können aber ihre kognitiven Fähigkeiten weiterhin nutzen. Bei einigen Patienten (etwa fünf Prozent) treten jedoch kognitive Veränderungen und eine frontotemporale Demenz (FTD) auf.
Die Todesursache bei ALS ist meist Atemlähmung. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose. Nur wenige leben länger als zehn Jahre mit der Krankheit. Stephen Hawking war eine Ausnahme, da er über 50 Jahre mit ALS lebte.
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Ursachen und Häufigkeit
Die genauen Ursachen von ALS sind weitgehend unbekannt. In den meisten Fällen tritt die Krankheit spontan auf. In etwa zehn Prozent der Fälle gibt es eine familiäre Häufung, bei der die Krankheit vererbt wird. In diesen Fällen ist eine Genveränderung für die Schädigung der Nervenzellen verantwortlich.
ALS tritt am häufigsten bei Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren auf, Männer häufiger als Frauen. In Deutschland gibt es schätzungsweise 6.000 bis 9.000 ALS-Patienten. Jedes Jahr erkranken etwa 2.500 Menschen neu an der Krankheit. Weltweit sind etwa 3 bis 8 von 100.000 Einwohnern betroffen.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von ALS ist oft schwierig, da die Symptome unspezifisch sein können. Es gibt keine spezifischen Tests, um ALS zu diagnostizieren. Die Diagnose wird in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, neurologischen Tests und Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt.
Es gibt derzeit keine Heilung für ALS. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Hilfsmittel wie Rollstühle und Kommunikationsgeräte.
Seit 1997 ist der Wirkstoff Riluzol zur Behandlung von ALS zugelassen. Riluzol kann den Krankheitsverlauf verzögern und die Überlebenszeit verlängern. Im Jahr 2017 wurde in den USA Edaravone zugelassen, ein weiterer Wirkstoff, der den Krankheitsverlauf verzögern kann.
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Stephen Hawking: Ein Leben mit ALS
Stephen Hawking wurde 1963 im Alter von 21 Jahren mit ALS diagnostiziert. Die Ärzte gaben ihm damals nur noch wenige Jahre zu leben. Doch Hawking trotzte der Krankheit und lebte noch über 50 Jahre.
Hawkings spezielle Form von ALS
Hawking litt an einer sehr seltenen, langsam verlaufenden Form von ALS, einer chronisch-juvenilen ALS. Dies trug dazu bei, dass er so lange mit der Krankheit leben konnte.
Auswirkungen der Krankheit auf Hawkings Leben
Die ALS hatte erhebliche Auswirkungen auf Hawkings Leben. Fünf Jahre nach der Diagnose war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Jahr 1985 verlor er die Fähigkeit zu sprechen und verständigte sich fortan mit einem Sprachcomputer. Trotz seiner körperlichen Einschränkungen setzte Hawking seine wissenschaftliche Arbeit fort und wurde einer der bekanntesten Astrophysiker der Welt.
Hawkings wissenschaftliche Arbeit
Hawking leistete bedeutende Beiträge zur Kosmologie und zur Physik der Schwarzen Löcher. Er entwickelte Theorien über den Ursprung des Universums und zeigte, dass Schwarze Löcher nicht vollständig schwarz sind, sondern langsam verdampfen (Hawking-Strahlung). Hawking versuchte auch, die Allgemeine Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen, um eine "Weltformel" zu finden.
Hawkings Popularität und öffentliches Engagement
Hawking erlangte große Popularität durch seine populärwissenschaftlichen Bücher, insbesondere "Eine kurze Geschichte der Zeit". Er war ein Medienstar und trat in Fernsehsendungen wie "Die Simpsons" und "The Big Bang Theory" auf.
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In seinen letzten Jahren äußerte sich Hawking zunehmend besorgt über die Zukunft der Menschheit. Er warnte vor den Gefahren künstlicher Intelligenz, Klimawandel und Atomkrieg. Er forderte die Menschheit auf, sich Ausweichmöglichkeiten im All zu schaffen, falls es auf der Erde zu einer Katastrophe kommen sollte.
Hawkings Vermächtnis
Stephen Hawking starb am 14. März 2018 im Alter von 76 Jahren. Er hinterließ ein beeindruckendes wissenschaftliches Werk und inspirierte Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Hawking zeigte, dass man auch mit einer schweren Krankheit ein erfülltes und produktives Leben führen kann. Er war ein Vorbild für Menschen mit Behinderungen und ein Mahner für die Menschheit.
Forschung und Hoffnung für die Zukunft
Die ALS-Forschung ist nach wie vor eine große Herausforderung. Da die Krankheit relativ selten ist, sind die finanziellen Mittel für die Forschung begrenzt. Dennoch gibt es Fortschritte im Verständnis der Krankheitsmechanismen und in der Entwicklung neuer Therapien.
Forscher arbeiten daran, die genetischen Ursachen von ALS zu identifizieren und Medikamente zu entwickeln, die die Genregulation beeinflussen können. Sie untersuchen auch die Rolle von Entzündungsprozessen bei der Schädigung der Nervenzellen.
Ein weiteres wichtiges Forschungsgebiet ist die Suche nach Biomarkern, die eine frühe Diagnose von ALS ermöglichen. Eine frühe Diagnose ist wichtig, um die Behandlung so früh wie möglich zu beginnen und den Krankheitsverlauf zu verzögern.
Es gibt auch Bemühungen, die Lebensqualität von ALS-Patienten zu verbessern. Dazu gehören die Entwicklung neuer Hilfsmittel und die Bereitstellung von Unterstützung für Patienten und ihre Familien.