Kältetherapie: Wirkung, Anwendung und Effekte auf die Nervenleitgeschwindigkeit

Die Kältetherapie, auch Kryotherapie genannt, ist eine in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzte Behandlungsmethode, bei der lokale Bereiche des Körpers zeitlich begrenzt einem Kältereiz ausgesetzt werden. Diese Therapieform wird häufig als ergänzende Maßnahme in der Physiotherapie eingesetzt und findet Anwendung in der Sportmedizin, Orthopädie, Neurologie sowie nach Operationen. Die Kältetherapie zielt darauf ab, durch gezielten Wärmeentzug therapeutische Effekte zu erzielen.

Grundlagen der Kältetherapie

Die Kältetherapie (oder Kryotherapie) ist seit langem eine häufig eingesetzte Therapie in der Physiotherapie. Das griechische Wort „kryo“ bedeutet „kalt“ - die Kryotherapie bezeichnet demnach die medizinische Behandlung mittels Kälte. Bei der Kryotherapie wird Kälte gezielt zur lokalen Therapie eingesetzt, denn Kälte entzieht dem Körper Wärme. Bei einer niederen Körpertemperatur laufen Entzündungsprozesse verlangsamt ab, da die sogenannten Entzündungsmediatoren inaktiver werden.

Anwendungsformen der Kältetherapie

Zum Einsatz kommen bei der Kältetherapie verschiedene Kälteträger wie Eislollys, Kältekompressen, Kältebäder oder Eis-Akkus. Eissprays gehören heutzutage zu den Standard-Hilfsmitteln der Sportmedizin, um Schmerzen und Schwellungen entgegenzuwirken.

  • Lokale Kälteanwendung: Kälteanwendungen mittels Eislolly oder Kühlkompressen führen zu einer direkten Schmerzlinderung und Abschwellung betroffener Körperstellen. Der Eislolly wird in einem speziellen Behälter durch Einfrieren von Wasser im Gefrierfach hergestellt und ermöglicht eine gezielte Kühlung schmerzender Körperregionen durch Tupfung oder Eisabreibung. Kompressen werden auf -15 bis -20 Grad Celsius gekühlt. Sie werden in einem trockenen Tuch eingewickelt eingesetzt und können natürlich je nach Ausmaß größere Körperstellen permanent kühlen.
  • Ganzkörperkältetherapie: Die Ganzkörperkältetherapie ist ein hochwirksames Behandlungsverfahren, das in Japan entwickelt wurde und seit 1980 in Europa bekannt ist. In Deutschland wurde es 1985 in verschiedenen Kliniken eingeführt und kann seit 1998 auch ambulant durchgeführt werden. Es gibt 1-, 2- und 3-Kammer-Systeme, in denen bis zu 6 Personen gleichzeitig behandelt werden können. Es gibt immer nur einen eigentlichen Therapieraum.

Wirkungsweise der Kältetherapie

Die Wirkung der Kältetherapie beruht auf verschiedenen physiologischen Mechanismen:

  • Vasokonstriktion: Kälte führt zu einer Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion).
  • Reduktion des Stoffwechsels: Der zelluläre Stoffwechsel, die enzymatischen Reaktionen der akuten Entzündungsprozesse und das Ausschütten von Histamin werden vermindert.
  • Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit: Kältetherapie reduziert die Nervleitgeschwindigkeit sensorischer peripherer Nerven und hemmt die Weiterleitung von Schmerzsignalen über das Dorsalhorn zum Rückenmark.
  • Muskeldetonisierung: Verringerung der inneren muskulären Spannung.
  • Analgetischer Effekt: Schmerz verringernde Wirkung.

Kälte hat folgende physiologische Wirkungen auf Gewebestrukturen und Gewebeprozesse:

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  • Blutgefäße: Vasokonstriktion (Gefäßverengung)
  • Zellstoffwechsel: Herabsetzung des Stoffwechsels
  • Kapillarpermeabilität: Herabsetzung der Permeabilität (dadurch werden vor allem Ödeme (Wassereinlagerungen im Gewebe) verringert)
  • Gewebeentzündungen: Abschwächung von Entzündungsprozessen
  • Nervenleitgeschwindigkeit: Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit
  • Muskeltonus: kurzfristige Erhöhung und langfristige Verminderung des Muskeltonus
  • Muskelkontraktilität: Herabsetzung der Muskelkontraktilität
  • Viskosität der Synovialflüssigkeit: Erhöhung der Viskosität der "Gelenkschmiere"

Auswirkungen auf die Nervenleitgeschwindigkeit

Kälte verringert die Schmerzempfindlichkeit und verlangsamt die Nervenleitgeschwindigkeit für Schmerzreize. Vermutlich werden durch Beeinflussung der Schmerz- und Temperaturrezeptoren der Haut Reflexbögen im Rückenmark ausgelöst. Es werden die Nervenleitgeschwindigkeit und bestimmte Neurotransmitter verändert. Die Einzelheiten sind jedoch nur zum Teil bekannt. Die Dauer der refraktären Periode von Nerven verlängert sich. Der Nerv kann auf einen Impuls längere Zeit nicht reagieren.

Therapeutische Effekte der Kältetherapie

Die Kältetherapie erzielt vielfältige therapeutische Effekte:

  • Schmerzlinderung: Kurzzeitige Kältephasen (ca. 5min) wirken schmerzlindernd. Kälteanwendungen mittels Kühlkompressen führen zu einer direkten Schmerzlinderung.
  • Entzündungshemmung: Bei längeren Kältephasen (ca. 10min) wirkt Kälte zudem entzündungshemmend. Durch Kältebehandlungen wird die starke Durchblutung des entzündeten Gewebes reduziert, der Schmerz gehemmt und die Entzündung gelindert.
  • Abschwellende Wirkung: Kälte hat zudem einen abschwellenden Effekt. Die Wirkungen sind vasomotorisch (abschwellend).
  • Muskelentspannung: Gleiches gilt für die Muskulatur: Muskelverspannungen und Verkrampfungen lösen sich. Die Wirkungen sind neuroreflektorisch (muskelentspannend). Zudem werden bei längerer Kühlung die Erschlaffungsphasen der Muskeln verlängert und so die Spannung gesenkt, so dass sich Muskelverspannungen und Verkrampfungen lösen. Kurze Kälteimpulse dagegen steigern die Muskelaktivität.
  • Verbesserung der Gelenkfunktion: Kurzfristig kommt es zu einer Zunahme des Wohlbefindens und der Beweglichkeit durch Funktionsverbesserung der Gelenke.

Anwendungsbereiche der Kältetherapie

Der gezielte Einsatz von Kälte hilft u.a. bei:

  • Akuten Verletzungen, wie Prellungen, Quetschungen oder Verstauchungen. Kälte kommt akut nach Unfällen beim Sport zum Einsatz, wenn diese Verletzungen wie Prellungen, Quetschungen oder Verstauchungen zur Folge haben.
  • Rheumatischen Erkrankungen, wenn diese mit akuten Entzündungen einhergehen.
  • Gelenkentzündungen
  • Nach Operationen oder Verletzungen
  • Chronisch entzündlichen und degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
  • Schuppenflechte mit und ohne Gelenkschmerzen
  • Weichteilrheumatischen Erkrankungen
  • Chronischen Schmerzen und Fibromyalgie
  • Sportverletzungen und Operationen an Gelenken und Wirbelsäule
  • Gestörtem Muskeltonus und Muskelsteifigkeit, wie sie bei Multipler Sklerose oder infantiler Zerebralparese vorkommen
  • Chronischen Schlafstörungen
  • Neurodermitis
  • Bei Sehnen- und Muskelansatzreizungen werden durch Kryotherapie ebenfalls Schmerzreaktionen gelindert und eine schnellere Heilung unterstützt.
  • Auch bei degenerativen Gelenkbeschwerden können Schmerzen gelindert und Schwellungen resorbiert werden.
  • Bei schlaffen Lähmungen kann durch Eisanwendungen die Muskelaktivität angeregt werden.

Anwendungshinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Je nachdem, wie lange ein Kältereiz auf Haut und Muskulatur einwirkt, ist die Wirkung unterschiedlich. Bei kurzzeitiger Kälte (bis 5 Minuten) wirkt die Kälte schmerzlindernd, bei längerer Kühlung (10 bis 12 Minuten) wirkt Kälte sogar entzündungshemmend.

Die Behandlungsdauer hängt von der Applikationsform ab. In der Regel wird die Kryotherapie für 15-20 Minuten angewendet. Der Kühlungseffekt ist nach 20 Minuten am größten, allerdings kann nach zehn Minuten schon ein therapeutischer Effekt erzielt werden. Ein Eiswickel kann nach zehn Minuten in einer Tiefe von 1,5 cm eine Verminderung der Gewebetemperatur um 4°C erreichen. Nach 20 Minuten sinkt die Gewebetemperatur um 4,7 °C. Länger als 20 Minuten sollte eine Kryotherapie nicht dauern, um Gewebeschäden zu vermeiden. Die Eindringtiefe kann, je nach Fettgewebe und Durchblutung, bis zu 4 cm betragen. Eine übliches Behandlungsmuster ist: Alle 2-4 Stunden Eiswickel für 15-20 Minuten während der ersten 24-48 Stunden nach Trauma/Chirurgie.

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Kontraindikationen:

  • Direkt über oberflächlichen Nerven
  • Über Gebieten mit weniger Sensibilität
  • Über offenen Wunden
  • Über Gebieten mit verminderter Durchblutung
  • Bei Tieren mit thermoregulatorischen Erkrankungen oder Kälteüberempfindlichkeit.

Patienten sollten während der Anwendung regelmäßig auf Kälte induzierte Verletzungen kontrolliert werden (z. B. Hautverfärbungen). Das Eis sollte nicht direkt auf Fell oder Haut gelegt werden, sondern durch ein feuchtes Tuch geschützt sein.

Ganzkörperkältetherapie - Wann darf die Cryosauna nicht angewandt werden?

Über die sogenannten Kontraindikationen werden Sie bei Interesse an der Behandlung von uns ausführlich informiert. Sie können sich auch ein Informationsblatt oder unseren Flyer zuschicken lassen. Insgesamt ist es ähnlich wie bei der Sauna.

Was muss beachtet werden?

Metallische Gegenstände, Brillen, Kontaktlinsen, Uhren usw. müssen abgelegt werden. Auf Salben oder Kosmetik, Duschen und Haarewaschen vor der Therapie soll verzichtet werden.

Nebenwirkungen

Anwendungen in der Kältekammer werden im Allgemeinen sehr gut vertragen. Bisher sind keine Nebenwirkungen bekannt. Gelegentlich kann es zu Hautrötungen oder zu Bläschen auf der Haut - ähnlich wie bei einem Sonnenbrand - kommen. Die typischen Stresshormone steigen nicht an. Somit können auch Kinder, ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen in der Regel problemlos behandelt werden.

Kälte- und Wärmetherapie im Vergleich

Die Wärmetherapie wird ebenfalls zur Schmerzlinderung und zur Lösung von Muskelspasmen eingesetzt, obwohl sie sonst gegensätzliche Effekte zur Kälte hat. Die Eindringtiefe der oberflächlichen Wärmetherapie beträgt bis zu 2 cm. Für tieferliegende Gewebeschichten ist die Verwendung eines therapeutischen Ultraschalls anzuraten. Eingesetzt wird die oberflächliche Wärmetherapie bei Arthrose, Muskelverspannungen sowie im Vorfeld von sportlichen Aktivitäten oder physiotherapeutischen Anwendungen und Übungen. Durch die oberflächliche Wärmetherapie werden Mediatoren wie Bradykinin, Histamin und Prostaglandin freigesetzt. Die Folge ist eine Vasodilatation. Durch die verbesserte Durchblutung wird die Aktivität der Schmerzrezeptoren herabgesetzt. Ein weiterer schmerzlindernder Effekt durch die Stimulation der Thermorezeptoren wird über das Gate Control System vermittelt. Die Flexibilität von Sehnen, Muskeln oder fibrösen Strukturen wird erhöht.

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Applikationsformen der Wärmetherapie:

  • Strahlung (z. B. Rotlicht)
  • Konduktion (z. B. Wärmeelemente)
  • Konvektion (z. B. Wärmepackungen)

Die Behandlung dauert zwischen 15 und 20 Minuten. Je nach Indikation kann die Wärmetherapie ein bis vier mal täglich angewendet werden. Der größte Effekt wird erzielt, wenn die Temperatur des Gewebes um 2-4° C erhöht wird.

Kontraindikationen der Wärmetherapie:

Wärme sollte nicht bei akuten Entzündungen oder Blutungen eingesetzt werden. Als Faustregel gilt: Nicht in den ersten 48 Stunden nach Trauma.

  • Direkt über oberflächlichen Nerven
  • Über Gebieten mit weniger Sensibilität
  • Über offenen Wunden
  • Bei Tieren mit thermoregulatorischen Erkrankungen oder Wärmeüberempfindlichkeit.

Patienten sollten während der Anwendung regelmäßig auf wärmeinduzierte Verletzungen kontrolliert werden (z. B. Hautverfärbungen).

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