Die Wechselwirkung zwischen Nervensystem, Rücken und Darm ist ein komplexes und faszinierendes Feld der Medizin. Störungen in einem dieser Bereiche können sich auf die anderen auswirken und zu einer Vielzahl von Beschwerden führen. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze für Erkrankungen, die Nerven, Rücken und Darm betreffen.
Die Darm-Hirn-Achse: Eine enge Verbindung
Die Redewendungen „Das schlägt mir auf den Magen“ oder „Schmetterlinge im Bauch haben“ deuten bereits auf die enge Verbindung zwischen Gefühlswelt und Verdauungssystem hin. In der Medizin ist diese Beziehung als Darm-Hirn-Achse bekannt.
Das enterische Nervensystem: Das "zweite Gehirn"
Ein eigenes Nervensystem, das enterische Nervensystem, durchzieht die Wände des gesamten Magen-Darm-Trakts. Mit über 100 Millionen Neuronen ist es größer als das Nervensystem im Rückenmark und steuert den Großteil unserer Verdauung selbstständig. Daher wird es auch als „zweites Gehirn“ oder Darmhirn bezeichnet. Über den Nervus vagus kommuniziert es mit dem Gehirn.
Das Darmmikrobiom: Ein wichtiger Akteur
Das Darmmikrobiom, die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, ist ein wichtiger Bestandteil der Darm-Hirn-Achse. Studien haben gezeigt, dass das Darmmikrobiom bei Menschen mit psychischen Leiden auf typische Weise verändert ist.
Auswirkungen von Stress und Emotionen
Der Darm reagiert sehr sensibel auf die Gefühlswelt. Stress kann die Magenperistaltik hemmen, was dazu führt, dass das Essen „wie ein Stein im Magen liegt“. Angst kann Durchfall verursachen, da Stresshormone zu einem vermehrten Einstrom von Flüssigkeit in den Darm führen.
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Reizdarmsyndrom (RDS): Eine funktionelle Störung
Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Störung zwischen vegetativem Nervensystem und der Darmmuskulatur. Es ist die am häufigsten gestellte Diagnose unter den Magen-Darm-Erkrankungen, wobei Frauen doppelt so oft betroffen sind wie Männer.
Symptome des Reizdarmsyndroms
Die Symptome reichen von Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Druck- und Völlegefühl bis zu Durchfall oder Verstopfung. Ein bestimmter Auslöser für die Verdauungsbeschwerden wird in den meisten Fällen nicht gefunden.
Ursachen und Auslöser
Eine gestörte Darmflora, beispielsweise durch Antibiotika oder schwere Magen-Darm-Infekte, kann mitverantwortlich sein. Nach einer Salmonelleninfektion ist das RDS-Risiko um das Achtfache erhöht. Eine geschädigte Darmschleimhaut kann zudem leichter durchlässig für Giftstoffe und Krankheitserreger werden.
Diagnose und Therapie
Die Diagnose erfolgt oft nach Ausschluss anderer Erkrankungen durch Magen- und Darmspiegelung, Ultraschall des Bauches und Blutuntersuchungen. Da sich das RDS individuell sehr unterschiedlich äußert, gibt es nicht die eine allgemeingültige Therapie.
FODMAP-reduzierte Ernährung
Eine spezielle Diät, die FODMAP-reduzierte Ernährung, kann den gereizten Darm effektiv beruhigen. Betroffene verzichten dabei einige Wochen lang auf potenziell reizende Kohlenhydrate und spezielle Arten von Zucker.
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Pflanzliche Wirkstoffe und Selbsthilfestrategien
Pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl oder Melissenblätter können zur Darmberuhigung beitragen. Bewegung, Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Heilverfahren leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag in der RDS-Behandlung. Die Darmhypnose hat sich in Studien als wirksam erwiesen, um die Interaktion von Darm und Gehirn positiv zu beeinflussen.
Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO): Eine bakterielle Überwucherung
SIBO, die Abkürzung für „Small Intestinal Bacterial Overgrowth“, beschreibt eine unnatürliche Vermehrung von Bakterien im Dünndarm.
Ursachen und Diagnose
Während der Dünndarm bei gesunden Menschen nur spärlich mit Bakterien besiedelt ist, kann eine übermäßige Vermehrung zu Beschwerden führen. Die Diagnose erfolgt typischerweise durch einen Atemtest.
Behandlung
Zu den häufigsten Behandlungsmethoden zählen speziell abgestimmte Diäten, der Einsatz von pflanzlichen oder konventionellen Antibiotika sowie Probiotika.
Rückenschmerzen und Darmprobleme: Ein möglicher Zusammenhang
Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, doch die Ursache kann im Darm liegen. Das Verdauungssystem ist anatomisch eng mit dem Bindegewebe des Rückens und der Rückenmuskulatur verbunden.
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Nervenverbindungen und Entzündungen
Nervenstränge, die den Darm verlassen, sammeln sich im Rückenmark und ziehen in Richtung Gehirn. Entzündungen oder andere Probleme im Verdauungstrakt können Reize zum Rücken senden und dort Schmerzen verursachen.
Stress und Muskelverspannungen
Stress spielt eine große Rolle bei sowohl Rückenbeschwerden als auch Verdauungsproblemen. Chronischer Stress kann zu erhöhter Muskelspannung im Rücken führen und gleichzeitig die Verdauung beeinträchtigen.
Behandlung
Entspannungsübungen, Wärme und Physiotherapie können bei Rückenschmerzen helfen. Es ist wichtig, nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen zu behandeln und den Darm in den Fokus zu nehmen.
Paralytischer Ileus: Eine Darmlähmung
Zu einer Darmlähmung (paralytischer Ileus) kann es durch eine Operation oder Erkrankung kommen. Der Darminhalt wird nicht weitertransportiert und staut sich.
Ursachen und Symptome
Mögliche Auslöser sind Operationen, schwere Verletzungen, Krebserkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, Stoffwechselstörungen, Durchblutungsstörungen des Darms und Medikamente. Typische Symptome sind Bauchschmerzen, ein aufgeblähter Bauch, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch eine körperliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen des Bauchraums und Blutuntersuchungen. Die Behandlung besteht vor allem aus Maßnahmen, um den Darm zu entleeren und die Darmbewegungen wieder anzuregen. Dazu gehören das Absetzen von Essen und Trinken, Infusionen, eine Magensonde und Einläufe. In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Darmbewegungen anzuregen.
Morbus Crohn: Schmerzen im Zusammenhang mit Entzündungen
Bei Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, sind Schmerzen ein häufiges Symptom.
Ursachen und Arten von Schmerzen
Bauchschmerzen treten oft im rechten Unterbauch und einige Zeit nach dem Essen auf. Auch Gelenke, Muskeln oder der Rücken können schmerzen. Die Schmerzen werden durch die Freisetzung von Botenstoffen im Zusammenhang mit der Entzündung verursacht.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache der Schmerzen ab. Manchmal ist es gut, zusätzlich Schmerzmittel zu nehmen, bis ein Schub nachlässt. Dabei sollte jedoch nicht jedes Schmerzmittel verwendet werden, da diese den entzündeten Darm zusätzlich belasten können.
Was können Sie tun?
Wenn die Psyche auf den Darm schlägt - oder der Darm auf die Psyche - ist es wichtig, die Ursachen anzugehen.
Stressmanagement
Stress macht Darm und Psyche auf die Dauer krank. Wenn Sie ihn nicht vermeiden können, sollten Sie lernen, den Stress abzubauen und besser mit ihm umzugehen.
Regelmäßigkeit und Ernährung
Unser Darm mag Routine, also regelmäßige Mahlzeiten, regelmäßige Pausen und regelmäßigen Stuhlgang. Er mag Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und ungesättigte Fettsäuren.
Bewegung
Bewegung hält nicht nur die Muskeln mobil, sondern auch den Darm. Studien zeigen, dass schon nach fünf Minuten draußen ein Entspannungsgefühl eintritt. Bauen Sie mehr Aktivität in den Alltag ein: kurze Spaziergänge, Treppen laufen statt Fahrstuhl fahren und kürzere Strecken zu Fuß gehen.
Pflanzliche Arzneimittel
Bei funktionellen Magenbeschwerden können pflanzliche Arzneimittel wie Iberogast® ADVANCE unterstützen. Es vereint die Wirkung von 6 verschiedenen Heilpflanzen in einem Präparat und kann so dazu beitragen, die sensiblen Nerven eines Magens zu beruhigen.
Cauda-equina-Syndrom (CES)
Das Cauda-equina-Syndrom (CES) ist eine Erkrankung, die das Nervenbündel am unteren Ende des Rückenmarks betrifft.
Auswirkungen auf Blasen- und Darmfunktion
CES kann zu Harnverhalt oder Schwierigkeiten bei der vollständigen Entleerung der Blase sowie zu Stuhlfunktionsstörungen führen.
Behandlung
Die Behandlung von CES beinhaltet in der Regel eine chirurgische Dekompression, um den Druck auf die betroffenen Nerven zu verringern. In einigen Fällen benötigen die Patienten möglicherweise zusätzliche Behandlungen, wie z. B. Physiotherapie. Die transanale Irrigation (TAI) kann eine wirksame Wahl für das Darmmanagement für Patienten mit CES sein.