Schmerzempfindliche Zähne sind ein weit verbreitetes Problem, von dem über 50 % der Erwachsenen betroffen sind. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von falscher Zahnpflege bis hin zu Nährstoffmängeln. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsansätze, um die Beschwerden zu lindern und die Zahngesundheit zu verbessern.
Ursachen schmerzempfindlicher Zähne
Die Hauptursache für schmerzempfindliche Zähne sind oft freiliegende Zahnhälse, ein Zustand, der als Dentinhypersensibilität bezeichnet wird. Normalerweise ist der Zahnhals, der den Übergang zwischen der Zahnkrone und der Zahnwurzel bildet, durch das Zahnfleisch geschützt. Wenn sich das Zahnfleisch jedoch zurückzieht, wird das darunter liegende Dentin freigelegt.
Aufbau des Zahns
Um die Problematik besser zu verstehen, ist es hilfreich, den Aufbau eines Zahns zu betrachten:
- Zahnschmelz: Die härteste Substanz im Körper, die das darunter liegende Dentin schützt.
- Dentin (Zahnbein): Eine weichere Schicht unter dem Zahnschmelz, die Nerven, Blutgefäße und Bindegewebsfasern enthält.
- Zahnmark: Das Innere des Zahns, in dem sich die Nerven und Blutgefäße befinden.
Der Zahnschmelz endet am Zahnhals, wodurch das Dentin in diesem Bereich weniger geschützt ist. Wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht, reagieren die Zähne empfindlich auf Reize wie Hitze, Kälte, Süßes, Salziges oder Saures.
Zahnfleischrückgang durch falsches Zähneputzen
Eine häufige Ursache für Zahnfleischrückgang ist falsches Zähneputzen. Starker Druck und eine falsche Putztechnik können das Zahnfleisch und die freiliegende Zahnzementschicht schädigen, wodurch das Dentin ungeschützt bleibt. Zahnärzte empfehlen daher eine sanfte, kreisförmige Putzbewegung von "rot zu weiß", also vom Zahnfleisch zum Zahn.
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Weitere Ursachen
Neben falschem Zähneputzen gibt es weitere Ursachen für schmerzempfindliche Zähne:
- Substanzschäden: Verletzungen am Zahn und Risse können zu Schmerzempfindlichkeit führen.
- Zähneknirschen: Nächtliches Zähneknirschen schadet dem Zahnschmelz.
- Karies: Unbehandelte Karies kann bis zur Zahnwurzel vordringen und die Sensibilität des Zahns erhöhen.
- Mundwasser: Regelmäßige Verwendung von Mundwasser kann sensible Zähne zusätzlich schädigen.
- Bleaching-Produkte: Chemische Inhaltsstoffe in Bleaching-Produkten können zu empfindlichen Zähnen führen.
- Säurehaltige Nahrungsmittel und Getränke: Übermäßiger Verzehr von säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken weicht den Zahnschmelz auf.
- Zahnfleischentzündungen und Zahnhalskaries: Empfindliche Zähne können eine Begleiterscheinung dieser Erkrankungen sein.
Wann sollte man zum Zahnarzt gehen?
Bei anhaltenden oder starken Schmerzen sollte man immer einen Zahnarzt aufsuchen, da eine Zahnfleischentzündung oder Zahnhalskaries vorliegen könnte. Eine frühzeitige Behandlung kann weitere Schäden verhindern.
Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für schmerzempfindliche Zähne:
- Fluoridpaste oder Medikamente: Freiliegende Zahnhälse können mit Fluoridpaste oder Medikamenten behandelt werden.
- Versiegelung: Dünnflüssiger Kunststoff kann aufgetragen werden, um die Zahnhälse zu versiegeln.
- Kunststofffüllung: Ausgehöhlte Zahnhalsbereiche können mit einer Kunststofffüllung behandelt werden.
- Chirurgischer Eingriff: In manchen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, um das Zahnfleisch in seine ursprüngliche Lage zu bringen.
- Aufbissschiene: Bei nächtlichem Zähneknirschen kann eine Aufbissschiene helfen, den Zahnschmelz zu schützen.
Prophylaxe und richtige Zahnpflege
Mit der richtigen Zahnpflege lassen sich Beschwerden deutlich lindern und neuen Reizempfindlichkeiten vorbeugen.
- Sanft putzen: Verwenden Sie eine weiche Zahnbürste und putzen Sie mit leichtem Druck.
- Zahnpasta für empfindliche Zähne: Spezielle Zahnpasten verschließen freiliegende Dentinkanälchen und mindern Schmerzreize.
- Richtige Putztechnik: Führen Sie kleine, kreisende Bewegungen aus und wischen Sie immer vom Zahnfleisch zum Zahn.
- Nicht direkt nach dem Essen putzen: Warten Sie mindestens 30 Minuten, bevor Sie putzen, da Säuren aus Lebensmitteln den Zahnschmelz aufweichen.
- Mundspülung nutzen: Fluoridhaltige oder desensibilisierende Spüllösungen stärken den Zahnschmelz zusätzlich.
- Regelmäßige Prophylaxe beim Zahnarzt: Professionelle Zahnreinigung und Kontrolle helfen, Ursachen frühzeitig zu erkennen.
Spezielle Zahnpasten und Mundspülungen
Es gibt eine Vielzahl von Zahnpasten und Mundspülungen, die speziell für empfindliche Zähne entwickelt wurden. Diese Produkte enthalten Wirkstoffe wie Kaliumnitrat, Zinnfluorid oder Strontiumverbindungen, die die Dentinkanälchen verschließen und Schmerzsignale blockieren. Fluorid stärkt den Zahnschmelz und schützt vor Karies.
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Bewährte Zahnpasten für empfindliche Zähne:
- Elmex Sensitive Professional
- Sensodyne Repair & Protect
- Parodontax Sensitiv
- Lacalut Extra Sensitive
- Colgate Sensitive Pro-Relief
Mundspülungen zur Ergänzung:
- Elmex Sensitive Mundspülung
- Listerine Professional Sensitiv
- Meridol Mundspülung
Zahnbürsten & Extras:
- Weiche Handzahnbürsten (z. B. Curaprox Ultra Soft 5460 oder Oral-B Sensi UltraThin)
- Elektrische Zahnbürsten mit Drucksensor (z. B. Philips Sonicare ProtectiveClean oder Oral-B iO Series)
- Fluoridgel (z. B. elmex Gelée)
Die Rolle von Vitaminen und Mineralstoffen
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist entscheidend für die Zahngesundheit. Insbesondere Vitamin D, Kalzium, Vitamin C und Vitamin A spielen eine wichtige Rolle.
Vitamin D
Vitamin D ist essentiell für die Kalziumaufnahme und den Einbau in Zähne und Kieferknochen. Ein Mangel kann zu Zahndefekten, Karies und Osteoporose im Kiefer führen. Vitamin D wird hauptsächlich durch Sonnenlicht gebildet, kann aber auch über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.
Kalzium
Kalzium ist das wichtigste Mineral für starke Zähne und stabilen Zahnschmelz. Es härtet die Zähne und schützt vor Erosion und Karies. Kalzium ist vor allem in Milchprodukten, Mandeln, Brokkoli und Grünkohl enthalten.
Vitamin C
Vitamin C ist wichtig für die Kollagenbildung und die Gesundheit des Zahnfleisches. Es schützt vor bakteriellen Infektionen und fördert die Heilung bei Zahnfleischproblemen. Vitamin C ist vor allem in Zitrusfrüchten, Beeren, Paprika und Brokkoli enthalten.
Vitamin A
Vitamin A sorgt für eine gesunde Mundschleimhaut und eine funktionierende Speichelproduktion. Speichel ist wichtig, um Bakterien und Speisereste aus dem Mund zu entfernen und Säuren zu neutralisieren. Vitamin A ist vor allem in Leber, Karotten und Spinat enthalten.
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Weitere wichtige Nährstoffe
- Fluorid: Stärkt den Zahnschmelz und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säureangriffe.
- Vitamin K: Fördert die Kalziumbindung in Knochen und Zähnen.
- B-Vitamine: Unterstützen den Stoffwechsel, die Zellteilung und die Wundheilung im Mundraum.
Vitaminmangel erkennen
Ein Mangel an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen:
- Zahnfleischbluten
- Zahnschmelzprobleme
- Müdigkeit
- Schwacher Zahnschmelz und Karies
- Entzündete oder schmerzhafte Mundwinkel
- Gerötete, geschwollene oder brennende Zunge
Vitamin B und Zahngesundheit
Die B-Vitamine spielen eine zentrale Rolle für die Erhaltung unserer Gesundheit und sind besonders wichtig für die Mund- und Zahngesundheit. Der Vitamin-B-Komplex unterstützt nicht nur einen reibungslosen Stoffwechsel, sondern ist unverzichtbar für gesundes Zahnfleisch, eine intakte Mundschleimhaut und die Wundheilung nach zahnärztlichen Eingriffen.
Die acht B-Vitamine und ihre Bedeutung für die Zahngesundheit:
- Vitamin B1 (Thiamin): Unterstützt den Energiestoffwechsel, das Nervensystem und die Kaumuskulatur.
- Vitamin B2 (Riboflavin): Fördert die Zellregeneration und die Energieproduktion in den Zellen.
- Vitamin B3 (Niacin): Essenziell für den Stoffwechsel und die Zellatmung, fördert die Durchblutung und reduziert Entzündungen.
- Vitamin B5 (Pantothensäure): Unterstützt Hormonbildung und Wundheilung, z. B. der Mundschleimhaut.
- Vitamin B6 (Pyridoxin): Wichtig für den Proteinstoffwechsel, stärkt das Immunsystem und wirkt bei Zahnfleischentzündungen unterstützend.
- Vitamin B7 (Biotin): Fördert gesunde Haut und stabile Mundschleimhaut.
- Vitamin B9 (Folsäure): Beteiligt an der Zellteilung und Heilung von Gewebe, insbesondere Zahnfleisch und Mundschleimhaut.
- Vitamin B12 (Cobalamin): Unterstützt die Blutbildung, das Nervensystem und die Regeneration der Mundschleimhaut.
Ein Mangel an B-Vitaminen kann sich frühzeitig im Mundraum bemerkbar machen. Zu den typischen Symptomen zählen:
- Entzündete oder schmerzhafte Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden)
- Gerötete, geschwollene oder brennende Zunge (Glossitis)
- Zahnfleischbluten und -entzündungen
- Trockene oder rissige Mundschleimhaut
Vitamin C Mangel (Skorbut) und Zahngesundheit
Skorbut ist eine Erkrankung, die durch einen schweren Mangel an Vitamin C im Körper entsteht. Vitamin C ist essentiell für die Bildung von Kollagen, einem wichtigen Bestandteil des Bindegewebes, das unter anderem das Zahnfleisch, die Zähne und das Zahnbein stabilisiert.
Symptome von Skorbut im Zusammenhang mit der Zahngesundheit:
- Zahnfleischbluten und Schwellungen
- Zurückgehendes Zahnfleisch
- Zahnlockerung und -verlust
- Zahnschmerzen
- Schlechte Mundhygiene
Die Behandlung von Skorbut erfolgt durch die Zufuhr von Vitamin C, entweder durch Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel.
Kosten der Behandlung
Die Kosten für die Behandlung von schmerzempfindlichen Zähnen können je nach Art der Behandlung variieren. Eine Behandlung mit Fluoridpaste ist in der Regel kostengünstiger als ein chirurgischer Eingriff. Hochwertige Kunststofffüllungen können einen Eigenanteil verursachen, der nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird.
Zahnzusatzversicherung
Um die Zuzahlungen für zahnerhaltende Maßnahmen zu reduzieren, kann eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll sein.