Nerven Schulter Stilllegen Ursachen: Ein umfassender Überblick über Schulterbeschwerden

Schulterbeschwerden, Armschmerzen und Handprobleme sind weit verbreitet und äußern sich meist als chronische Schmerzen. Wie Beschwerden in anderen Körperregionen können sie durch akute oder chronische Belastungen entstehen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Schulterbeschwerden, um ein umfassendes Verständnis für Betroffene und Interessierte zu schaffen.

Ursachen von Schulterbeschwerden

Belastungsbedingte Beschwerden

Akute Belastungsbeschwerden entstehen oft auf dem Boden einer bereits bestehenden Dauerkontraktion der Muskulatur. Die eigentliche Belastung, wie Gartenarbeit oder ein Umzug, ist dann eher der Auslöser als die primäre Ursache. Auch ständig wiederholte Handgriffe, insbesondere beruflich bedingt, können nach Jahren zu Schmerzen in Schultern oder Armen führen. Diese Art der Belastung wird oft als "repetitive strain" bezeichnet, und die daraus resultierenden Beschwerden als "repetitive strain injury". Die ständige Wiederholung ist hierbei eher als Anlass zu sehen, bei dem sich die Beschwerden manifestieren, beispielsweise in Form von Hand- oder Ellbogenschmerzen.

Verletzungen

Verletzungen wie Brüche entstehen häufig durch Stürze, bei denen man reflexartig versucht, sich mit der Hand abzustützen. Dabei werden oft Arme gebrochen. Durch Schutz- und Schonhaltungen sowie das Eingipsen des Arms wird dieser an den Körper gedrückt, innenrotiert und nach vorn gebracht. Die Dauerkontraktion der beteiligten Muskeln führt dazu, dass der Arm anschließend nur schwer vom Körper weg oder über den Kopf gehoben, in die Außenrotation oder nach hinten gebracht werden kann. Auch Zerrungen und Prellungen können Folgeschäden haben und zu Verspannungen führen. Selbst scheinbar harmlose Situationen, wie das Beobachten eines Enkelsohns auf einem Karussell, können durch plötzliche Reaktionen zu Zerrungen und Verspannungen führen.

Operationen

Auch Operationen können Dauerkontraktionen in Muskulatur und/oder Bindegewebe verursachen. Dazu zählen operative Bänderverkürzungen bei Armen, die zum "Auskugeln" neigen (das Auskugeln selbst führt ebenfalls zu Dauerkontraktionen), sowie Karpaltunnel-, Dupuytren- und Fingeroperationen.

Fehlhaltungen

Häufige Fehlhaltungen der Schultern sind:

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  • Vorgebeugte Haltung: Der Schultergürtel ist beidseitig nach oben und vorn gezogen, was vor allem die Bewegung der Arme über den Kopf und nach hinten erschwert.
  • Überaufrechte Haltung: Die Schultern sind beidseitig vor allem nach hinten gezogen.
  • Schiefhaltung: Eine Schulter ist adduziert (zum Körper hin gezogen) und oft auch nach oben, unten oder vorn gezogen. Erschwert ist meist die Abduktion und Elevation (das Heben zur Seite und über den Kopf) des einen Armes, oft auch die Anteversion und/oder Retroversion (das nach vorn und hinten führen) des Arms und die Streckung des Ellbogens.

Starre Körperhaltung

Die meisten Beschwerden an Schultern, Armen und Händen entstehen dadurch, dass der Schultergürtel, die Wirbelsäule und der übrige Körper bei Arm-Hand-Bewegungen nicht mitbewegt, sondern unwillkürlich starr gehalten werden. Die Bewegungen wirken verhalten, angestrengt und unharmonisch, da sie allein aus dem Arm und dem Schultergelenk erfolgen. Im gesunden Fall wird der Arm von vielen Schultergürtel- und Rumpfmuskeln bewegt, die bis zum Kreuzbein hinunter reichen.

Zu festes Zudrücken

Eine weitere häufige Ursache für Beschwerden, insbesondere an Fingern und Unterarmen, ist die Gewohnheit, immer zu fest zuzudrücken. Dies wird oft bereits am allzu markigen Händedruck spürbar. Besonders fatal ist das zu starke Drücken mit den Fingern, wenn man gleichzeitig die vordersten Fingerglieder gebeugt hält und mit diesen drückt, da dies das Handgelenk versteift und alle Beuger und Strecker im Unterarm in Dauerkontraktion bringt.

Bewegungsausführung

Eine weitere ungünstige Angewohnheit ist, beim Greifen und Hantieren mit den Händen die Bewegung nicht körpernah auszuführen, sondern zuerst immer die Arme abduziert, d.h. seitlich vom Körper wegführt und sie beim Ausführen der Tätigkeit abduziert hält. Auch diese Bewegung und Haltung führt zu einem Feststellen von Schultergürtel und Körper und geschieht gewöhnlich unbewusst. Daher hebt man schwere Lasten am besten so nah am Körper wie nur irgend möglich und trägt sie mit an den Körper gelegten (adduzierten) Oberarmen und hält sie vorn an den Körper gedrückt.

Spezifische Schultererkrankungen

Impingement-Syndrom

Das Impingement-Syndrom, auch Schulterengpass-Syndrom genannt, ist eine der häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen. Dabei kommt es zu einer Einengung im Schultergelenk zwischen dem Schulterdach (Akromion) und dem Oberarmkopf. Diese Enge kann durch anatomische Besonderheiten (primäres Impingement) oder muskuläre Dysbalancen (sekundäres Impingement) entstehen. Typisch sind Schmerzen in der Schulter bei Belastung, vor allem beim Abspreizen des Arms.

Ursachen des Impingement-Syndroms

  • Primäres Impingement: Anatomische Veränderungen wie ein stark geneigtes Schulterdach oder Knochensporne.
  • Sekundäres Impingement: Muskuläre Dysbalancen, die dazu führen, dass das Schultergelenk nicht mehr in seiner physiologischen Form von der Rotatorenmanschette bewegt werden kann.

Behandlung des Impingement-Syndroms

  • Konservative Therapie: Physiotherapie, Medikamente gegen Entzündung und Schmerzen, Wärmebehandlungen, Kältebehandlungen.
  • Operative Therapie: Arthroskopische Dekompression (Schulterarthroskopie), bei der die einengenden Strukturen (Schleimbeutel, Knochensporne) entfernt werden.

Frozen Shoulder

Die Frozen Shoulder, auch Schultersteife genannt, ist eine Erkrankung, bei der die Schulter zunehmend steifer wird und schmerzt. In besonders schweren Fällen können Betroffene ihren Arm gar nicht mehr heben. Die Ursache ist oft unbekannt (primäre Frozen Shoulder), kann aber auch durch eine Verletzung oder Ruhigstellung des Gelenks entstehen (sekundäre Frozen Shoulder).

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Symptome der Frozen Shoulder

Die Frozen Shoulder verläuft typischerweise in drei Phasen:

  1. Einfrierphase: Zunehmende Schmerzen bei Bewegung, später auch im Ruhezustand.
  2. Gefrorene Phase: Schulter wird immer unbeweglicher, Schmerzen lassen nach.
  3. Auftauphase: Schulter gewinnt allmählich wieder an Beweglichkeit.

Behandlung der Frozen Shoulder

  • Konservative Therapie: Physiotherapie (Dehn- und Kräftigungsübungen), Kortisoninjektionen.
  • Operative Therapie: In seltenen Fällen werden Verwachsungen und Verdickungen an der Gelenkkapsel beseitigt.
  • Ergänzende Therapien: Elektro-, Laser- oder Stoßwellentherapie.

Arthrodese (Gelenkversteifung)

Eine Arthrodese ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Gelenk dauerhaft versteift wird. Dabei werden die beteiligten Knochen miteinander verbunden, sodass sie zusammenwachsen und eine feste Einheit bilden. Diese Operation wird durchgeführt, wenn ein Gelenk durch Krankheit oder Verletzung so stark geschädigt ist, dass andere Behandlungsmethoden keine ausreichende Verbesserung mehr bringen können.

Anwendungsbereiche der Arthrodese

Eine Arthrodese kann an verschiedenen Gelenken des Körpers durchgeführt werden, darunter:

  • Sprunggelenk (oberes und unteres)
  • Fingergelenke
  • Handgelenk
  • Zehengelenke
  • Wirbelsäule
  • Kniegelenk (in seltenen Fällen)

Ablauf der Operation

  1. Entfernung des geschädigten Knorpelgewebes
  2. Vorbereitung der Knochenflächen
  3. Fixierung der Knochen mit Schrauben, Platten oder Nägeln
  4. Verschluss der Operationswunde

Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem operativen Eingriff gibt es potenzielle Risiken:

  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen
  • Ausbleibende Knochenheilung
  • Thrombosen
  • Nervenschädigungen
  • Überlastung benachbarter Gelenke

Nervenverödung (Neurolyse)

Bei der Nervenverödung (Neurolyse) werden Teile der Wirbelgelenke und die schmerzführenden Nerven in diesem Bereich gezielt ausgeschaltet, wodurch die Schmerzen deutlich nachlassen. Bei dem Eingriff werden die Nerven ausgeschaltet, die das Rückenmark bereits verlassen haben und von außen für die Versorgung der Wirbelgelenke zuständig sind.

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Ablauf der Nervenverödung

  1. Lagerung des Patienten bäuchlings auf dem Operationstisch
  2. Einführung einer dünnen Nadel unter computertomographischer oder Röntgen-Kontrolle an den Nerv
  3. Prüfung der korrekten Platzierung der Nadel durch Einleitung eines leichten Reizstroms
  4. Ausschaltung des Nerven durch Zuführung von Alkohol, Laser, Thermosonde oder Crysonde
  5. Wiederholung der Prozedur an mehreren Wirbelgelenken

Arthroskopische Subakromiale Dekompression (ASD)

Unter dem Begriff Impingement-Syndrom (Schulter-Engpass-Syndrom) versteht man die Zusammenfassung unterschiedlicher Ursachen, welche das Gleiten der Rotatorenmanschette unter dem Schulterdach behindern. Ziel der operativen Behandlung ist eine Entfernung des entzündeten Schleimbeutels (Bursitis) und das Wiederherstellung des freien Gleitens der Sehne unter dem Schulterdach, um eine weitere Schädigung der Sehne zu verhindern.

Operationstechnik und Nachbehandlung

Therapie der Wahl ist die arthroskopische subakromiale Dekompression (ASD), auch bekannt unter dem Begriff endoskopische subakromiale Dekompression (ESD). Bei diesem „Schlüsselloch“ Eingriff wird nach einer Spiegelung des Gelenkes unter Video-Kontrolle der subakromiale Gleitraum durch die Entfernung der entzündeten Weichteile und knöchernen Einengungen unter dem Schulterdach mit Hilfe einer motorgetriebenen Präzisionsfräse und einer Thermokoagulationssonde (Bipolarelektrode) erweitert.

Ab dem ersten Tag nach der Operation darf der Arm nach Entfernung der Drainage im schmerzfreien Bereich unter krankengymnastischer Anleitung bewegt werden.

Schulterluxation (Auskugeln der Schulter)

Die Schulter ist mit ihrem Kugelgelenk unser beweglichstes Gelenk im Körper. Durch seinen anatomischen Aufbau ist das Schultergelenk jedoch auch besonders anfällig für eine Luxation - also dafür, auszukugeln. Ist die Schulter ausgekugelt, treten starke Schmerzen auf und der Arm bzw. das Schultergelenk kann nicht mehr richtig bewegt werden.

Behandlung der Schulterluxation

Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihre Schulter ausgekugelt ist, lassen Sie diese nur durch einen fachkundig geschulten Arzt wieder einrenken! Im Anschluss an die Reposition muss das Schultergelenk ruhig gestellt bzw. immobilisiert werden, um die Schulterschmerzen zu reduzieren und damit der Kapsel-Bandapparat ausheilen kann.

Engpasssyndrome der peripheren Nerven

Die Chirurgie der peripheren Nerven, auch Nervenchirurgie genannt, ist ein Spezialgebiet der Neurochirurgie. Zu den Engpasssyndromen zählen vor allem das Karpaltunnelsyndrom, Kubitaltunnelsyndrom (Sulcus-ulnaris-Syndrom), Supinatortunnelsyndrom und andere Syndrome/Erkrankungen wie das Tarsaltunnelsyndrom, Meralgia paraesthetica, Pronator-Teres-Syndrom.

Karpaltunnelsyndrom (KTS)

Das Karpaltunnelsyndrom ist das häufigste Kompressionssyndrom im Bereich der oberen Extremität und hat seinen Manifestationsgipfel im mittleren Lebensalter.

Beschwerdesymptomatik

Beim Karpaltunnelsyndrom tritt typischerweise Kribbeln und ein schmerzhaftes Taubheitsgefühl im Daumen, Zeige- und Mittelfinger in der Nacht auf.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn die konservative Therapie mit Lagerungsschiene und Ruhigstellung der Hand keinen Erfolg erbracht hat, bleibt oftmals nur die Operation. Die Operation besteht darin, das feste Band über den Karpaltunnel (das Dach des Tunnels) durchzutrennen.

Kubitaltunnelsyndrom (KUTS)

Das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS), auch Sulus ulnaris-Syndrom (SUS) genannt, ist eine Läsion bzw. Kompression des Nervus ulnaris im Ellenbogengelenksbereich. Es handelt sich um das zweithäufigste Engpasssyndrom (nach dem Karpaltunnelsyndrom).

Beschwerdesymptomatik

Typische Symptome des Kubitaltunnelsyndroms (KUTS) sind:

  • Kribbelparästhesien ("Ameisenlaufen")
  • Taubheitsgefühl und Schmerzen im Bereich des Klein- und Ringfingers
  • Kraftminderung in der Hand der betroffenen Seite

Behandlungsmöglichkeiten

Eine konservative Therapie ist nur bei der leichten Form des Kubitaltunnelsyndroms zu empfehlen. Bei ausgeprägter Taubheit oder sogar schon aufgetretener Schwäche droht dauerhafte Schädigung des Nervs und der kleinen Handmuskeln, wenn die Ursache der Schädigung nicht beseitigt wird. Mit der Operation wird die Einengung des Nervus ulnaris im Kubitaltunnel am Ellenbogengelenk beseitigt.

Weitere Engpasssyndrome

  • Supraspinatus-Syndrom (Incisura-Scapulae-Syndrom): Tiefsitzende, unscharf begrenzte Schmerzen der Schulter sowie die Einschränkung der Beweglichkeit (vor allem Außenrotation und Abduktion).
  • Pronator-Teres-Syndrom: Engpasssyndrom mit Kompression des Mittelnervs (N. medianus) am Unterarm.
  • N.-interosseus-posterior-Syndrom (Supinatorlogensyndrom): Schmerzlose Lähmung der Finger-, Daumen- und teilweise auch Handgelenkstrecker.
  • Meralgia paraesthetica: Kribbeln und Schmerzen am lateralen Oberschenkel.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Kribbeln und Schmerzen im Vorfuß und in den Zehen.
  • Morton-Metatarsalgie (Morton-Neurom): Schmerzen in den Zehen, meist Zehen 3 und 4 betroffen.

Allgemeine Tipps und Prävention

  • Körpernahe Bewegungsausführung: Heben Sie schwere Lasten so nah am Körper wie möglich.
  • Vermeidung von Fehlhaltungen: Achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung und vermeiden Sie einseitige Belastungen.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch, um Fehlhaltungen und Überlastungen zu vermeiden.
  • Regelmäßige Bewegung: Sorgen Sie für regelmäßige Bewegung und Dehnübungen, um die Muskulatur zu stärken und Verspannungen zu lösen.
  • Frühzeitige Behandlung: Suchen Sie bei anhaltenden Schulterschmerzen frühzeitig ärztlichen Rat.

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