Die neurologische Versorgung im Krankenhaus umfasst ein breites Spektrum an Leistungen, die auf die Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskulatur abzielen. Dabei spielen Intermediate Care Stationen (IMC) und Stroke Units eine zentrale Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der neurologischen Versorgung, von der Akutbehandlung bis zur Rehabilitation, und gibt Einblicke in die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die für eine optimale Patientenversorgung unerlässlich ist.
Intermediate Care (IMC): Das Bindeglied zwischen Intensiv- und Normalstation
Eine Intermediate Care Station (IMC) stellt eine wichtige Schnittstelle zwischen der Intensivstation und der Normalstation dar. Hier werden Patient:innen versorgt, die einer intensiven pflegerischen Betreuung und Überwachung bedürfen, aber keine intensivmedizinische Behandlung im eigentlichen Sinne benötigen. Die IMC ermöglicht somit eine abgestufte Versorgung und Überwachung von Patient:innen.
Aufgaben und Leistungsprofil:
- Diagnostik: Umfassende diagnostische Maßnahmen zur Erkennung und Abklärung neurologischer Erkrankungen.
- Therapie: Einleitung und Durchführung spezifischer Therapien, angepasst an das jeweilige Krankheitsbild.
- Überwachung: Kontinuierliche Überwachung der Vitalfunktionen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können.
- Pflege: Intensive pflegerische Betreuung, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen abgestimmt ist.
Die IMC zeichnet sich durch eine hohe Orientierung auf die Patient:innen aus und trägt insgesamt zur Entlastung der Normalstation von pflege- und überwachungsbedürftigen Patient:innen bei.
Gründe für die Aufnahme auf eine IMC-Station:
Auf der IMC-Station werden Patient:innen mit hohem Betreuungsaufwand und einer kontinuierlichen Überwachungsnotwendigkeit der Vitalfunktionen versorgt. Dazu gehören beispielsweise:
- Patient:innen mit Herzrhythmusstörungen
- Frisch operierte und blutungsgefährdete Patient:innen
- Schwerkranke mit Organversagen, die jedoch nicht die intensivpflegerische Akutversorgung einer Intensivstation benötigen
- Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie Status epilepticus, Meningitis oder Guillain-Barré-Syndrom
Ausstattung und Personal:
Zur kontinuierlichen Überwachung der lebenswichtigen Körperfunktionen sind an jedem Bettplatz Monitore angebracht, die bei geringen Veränderungen Alarm auslösen. Diese Monitore überwachen kontinuierlich:
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- Herzströme (EKG)
- Blutdruck
- Sauerstoffaufnahme des Körpers
Im Vergleich zur Normalstation verfügen die IMC-Stationen über mehr Pflegepersonal, Physiotherapeut:innen und speziell ausgebildete Ärzt:innen, die sich um die Patient:innen kümmern. Dies beschleunigt den Genesungsprozess.
Stroke Unit: Spezialisierte Versorgung bei Schlaganfall
Die Stroke Unit ist eine Spezialeinheit für die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten. Hier werden Patient:innen mit ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen sowie Subarachnoidalblutungen behandelt. Ziel der Behandlung auf der Stroke Unit ist es, die Akuttherapie schnellstmöglich einzuleiten, die Ursache des Schlaganfalls zu klären, Komplikationen zu vermeiden und eine individuell abgestimmte Rehabilitation zu beginnen.
Überregionale Stroke Unit:
Im Unterschied zu regionalen Stroke Units kann in einer Klinik mit überregionaler Stroke Unit rund um die Uhr ganzjährig jede Art von Schlaganfall interdisziplinär umfassend behandelt werden. Dies erfordert einen hohen personellen und technischen Aufwand.
Behandlungsschwerpunkte:
- Akuttherapie: Systemische intravenöse Lysetherapie und Katheterinterventionen zur Wiedereröffnung von verschlossenen Hirngefäßen (endovaskuläre Thrombektomie).
- Ätiologische Einordnung: Untersuchungen zur Ursachenfindung des Schlaganfalls.
- Kontinuierliche Überwachung: Überwachung der Vitalfunktionen und neurologischen Symptome.
- Sekundärprävention: Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Schlaganfälle.
- Komplikationsmanagement: Vermeidung und adäquate Behandlung potentieller Komplikationen.
- Rehabilitation: Frühzeitiger Beginn der Rehabilitation, um dieFunktionsfähigkeit wiederherzustellen.
Interdisziplinäre Betreuung:
Die Patientinnen und Patienten auf der Stroke Unit werden bereits vom Beginn der stationären Aufnahme interdisziplinär betreut: ärztlich, physiotherapeutisch, logopädisch sowie ergotherapeutisch. Bei Schlaganfall-Patienten liegen häufig Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen vor. Der Schwerpunkt der logopädischen Behandlung im interdisziplinären Sinn beruht auf dem Erkennen und der Behandlung dieser Störungen. Die Therapeuten konzentrieren sich auf die entstandenen Störungen der körperlichen Bewegungen. Dabei können eingeschränkte Funktionen gezielt beübt werden. Auch die Auswirkungen einer Behinderung auf die Mobilität des Patienten werden gezielt beurteilt und behandelt. Ganz wichtig ist eine frühzeitige Mobilisierung des Patienten. Auch die Anforderungen im täglichen Alltag stehen im Mittelpunkt. Das Ziel ist, eine größtmögliche Eigenständigkeit des Patienten zu erhalten bzw. wiederherzustellen.
Diagnostik auf der Stroke Unit:
Jeder Monitor-Überwachungsplatz ist ausgestattet mit EKG, Blutdruck, Sauerstoff-Sättigung und weiteren Parametern zur Akutbehandlung der kritisch erkrankten Patientinnen und Patienten. Neben der zerebralen Bildgebung (Computertomographie, Kernspintomographie) wird weitere Diagnostik direkt am Krankenbett der Stroke Unit durchgeführt, z.B. Doppler-/Duplexsonographie („Ultraschall“) der hirnversorgenden Gefäße und/oder des Herzens oder auch die automatisierte Vorhofflimmerndetektion. Die Akutbehandlung wird sofort eingeleitet.
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Therapeutische Maßnahmen:
Liegt der Beginn der Symptomatik nur wenige Minuten oder Stunden zurück, kann versucht werden, ein verschlossenes Blutgefäß mittels einer Lyse, d.h. einer medikamentösen Auflösung eines Gerinnsels, wieder zu eröffnen. Daneben kann es auch in Einzelfällen notwendig werden, ein Gefäß mit interventionellen Kathetertechniken zu behandeln („endovaskuläre Thrombektomie“). Für beide innovative Verfahren gilt der Grundsatz „time is brain“. Deshalb startet im Krankenhaus direkt nach der Diagnose eines Schlaganfalls die notwendige Behandlung.
Neben der Akuttherapie müssen die Risikofaktoren schnell erkannt und konsequent behandelt werden, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern.
Weitere neurologische Erkrankungen und Behandlungsschwerpunkte
Neben Schlaganfällen werden in neurologischen Kliniken auch zahlreiche andere Erkrankungen behandelt, darunter:
- Multiple Sklerose (MS): Das gesamte Spektrum der modernen Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose ist in vielen Kliniken fest verankert (zertifiziertes MS-Zentrum).
- Parkinson-Krankheit: Für die Diagnostik auf das Vorliegen einer Parkinson-Krankheit stehen alle wichtigen Verfahren inklusive Sonografie der Substantia nigra und DaT-Scan zur Verfügung. Die multimodale Komplexbehandlung der Parkinson-Krankheit kombiniert medikamentöse und aktivierende Therapieverfahren zu einer ganzheitlichen Behandlung durch ein speziell geschultes Team.
- Epilepsie: Epileptische Anfälle können sehr unterschiedliche Symptome verursachen und im Einzelfall nicht einfach zu erkennen sein. Die Untersuchungen umfassen die Registrierung der elektrischen Aktivität des Gehirns mit dem Elektroenzephalogramm (EEG), bei Bedarf mit Langzeit-EEG (Ableitung über 24 Stunden) oder einem Video-Langzeit-EEG (Ableitung mit simultaner Videoaufzeichnung), die bildgebende Darstellung des Gehirns mittels Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT), daneben meist weitere Untersuchungen zur Klärung der Ursache der Anfälle. Zur Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.
- Polyneuropathien und Myopathien: In spezialisierten Kliniken können die wichtigsten Untersuchungen zur Klärung der Ursache einer Neuropathie oder Myopathie ausgeführt werden. Dazu werden elektrophysiologische Untersuchungen mit Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und der Muskelfunktion ausgeführt. Daneben kommen Laboruntersuchungen und, wenn nötig, eine operative Gewebeentnahme (Biopsie) von Nerven und Muskeln mit feingeweblicher Untersuchung zum Einsatz. Die Behandlung zielt auf die Beseitigung der Ursache der Grunderkrankung.
- Schwindel: Schwindel beschreibt die individuelle Empfindung einer Gleichgewichtsstörung. Die Symptomatik ist oft unterschiedlich ausgeprägt, sie kann kurz oder lang andauern und unterschiedlich ausgeprägt sein. Es kann durch den Schwindel auch zu Übelkeit und Erbrechen und zu einer Gang- oder Standunsicherheit kommen. Spezifische Schwindelformen sind der "gutartige Lagerungsschwindel", der durch plötzliche Drehbewegungen des Kopfes auftritt.
- Erkrankungen der Wirbelsäule: Die häufigste Erkrankung der Wirbelsäule ist die altersbedingte degenerative Osteochondrose („Verschleiß“) mit Bedrängung und Schädigung der Nervenwurzeln in den Zwischenwirbellöchern. Leitsymptome sind Schmerzen, nicht selten verbunden mit Lähmungen und Sensibilitätsstörungen. Die Therapie erfolgt individuell angepasst mit Medikamenten, physikalischer Behandlung und Physiotherapie, bei Bedarf auch mit lokalen CT-gesteuerten Injektionen oder der Vertebroplastie (Einbringen von knochenersetzendem Material) in Zusammenarbeit mit der Radiologie.
Rehabilitation und neuropsychologische Betreuung
Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Versorgung ist die Rehabilitation. Ziel der Rehabilitation ist es, dieFunktionsfähigkeit der Patient:innen wiederherzustellen und ihnen eine möglichst hohe Eigenständigkeit im Alltag zu ermöglichen. Die Rehabilitation beginnt idealerweise bereits während des stationären Aufenthalts und wird nach der Entlassung ambulant fortgesetzt.
Die neuropsychologische Ambulanz bietet eine spezialisierte Diagnostik und Therapie für Menschen, die nach einer erworbenen Hirnschädigung (z.B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma) kognitive, emotionale oder verhaltensbezogene Beeinträchtigungen entwickeln.
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Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die neurologische Versorgung erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen. Dazu gehören neben der Neurologie unter anderem die Neurochirurgie, die Neuroradiologie, die Kardiologie, die Gefäßchirurgie, die Physiotherapie, die Ergotherapie und die Logopädie. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit kann eine umfassende und individuelle Behandlung der Patient:innen gewährleistet werden.
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