Nerven- und Muskelüberaktivität: Ursachen und Erkrankungen

Das Nervensystem steuert eine Vielzahl von Körperfunktionen, von willkürlichen Bewegungen bis hin zu unwillkürlichen Prozessen. Wenn Nerven oder Muskeln überaktiv sind, kann dies zu einer Reihe von Symptomen und Erkrankungen führen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nerven- und Muskelüberaktivität und stellt verschiedene Erkrankungen vor, die damit in Verbindung stehen.

Einführung in das Nervensystem und seine Erkrankungen

Das Nervensystem, ein komplexes Netzwerk aus über 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), ist für Bewegungen, Empfindungen und Denkprozesse verantwortlich. Neurologische Erkrankungen entstehen durch Störungen in diesem System, das in ein zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und ein peripheres Nervensystem unterteilt ist. Jährlich werden etwa 1 Million Patienten von Neurologen aufgrund verschiedenster Krankheitsbilder behandelt.

Neuromuskuläre Erkrankungen: Eine Übersicht

Neuromuskuläre Erkrankungen entstehen durch Schädigungen der Nerven, der neuromuskulären Übertragung oder der Muskeln selbst. Eine sorgfältige Anamnese, einschließlich der Familienanamnese, sowie eine klinisch-neurologische Untersuchung mit Erhebung der Kraftgrade und krankheitsspezifischer Skalen und Fragebögen sind für die Diagnosestellung unerlässlich. Spezielle diagnostische Methoden können helfen, das Krankheitsbild näher einzugrenzen und die Indikation für weitere spezifische Maßnahmen wie Muskelbiopsie und Molekulargenetik zu stellen.

Myasthenia gravis: Eine Autoimmunerkrankung mit Muskelüberaktivität

Myasthenia gravis (MG), oft auch nur Myasthenie genannt, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Zellen und Gewebe richtet. Die Augen sind oft schon im Frühstadium von Symptomen betroffen. Der Körper bildet Autoantikörper (AAk), die sich gegen Rezeptoren und Enzyme richten, die für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und Muskeln wichtig sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache, warum der Körper seine eigenen Acetylcholinrezeptoren angreift, ist nicht abschließend geklärt. Eine Fehlfunktion des Thymus wird jedoch als mögliche Ursache angesehen. Myasthenia gravis tritt häufig bei Patienten auf, die bereits an einer anderen Autoimmunerkrankung leiden, wie rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes oder Hashimoto-Thyreoiditis.

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Symptome und Diagnose

Die Symptome der Myasthenia gravis sind vielseitig und können Sprechstörungen, Schluckbeschwerden, hängende Augenlider (Ptose) und Sehstörungen wie Doppelbilder umfassen. Die Symptome sind oft belastungsabhängig und können sich im Laufe der Zeit verändern. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Blutuntersuchungen zum Nachweis von Antikörpern und elektrophysiologischen Tests.

Behandlung

Obwohl Myasthenia gravis nicht heilbar ist, gibt es medikamentöse Therapien, die die Symptome lindern und den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen können. Zu denStandardtherapeutika gehören:

  • Acetylcholinesterasehemmer: Diese Wirkstoffe bremsen den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin und verbessern so die Reizübertragung von den Nerven zu den Muskeln.
  • Kortison: Dieses Hormon dämpft die Überaktivität des Immunsystems.
  • Immunsuppressiva: Diese Medikamente werden eingesetzt, um die Neubildung von Antikörpern zu bremsen.
  • Biologika: Neuartige monoklonale Antikörper können spezifisch in den Krankheitsprozess eingreifen und das Krankheitsgeschehen positiv beeinflussen.

In einigen Fällen kann auch eine Entfernung des Thymus (Thymektomie) erwogen werden, insbesondere wenn ein Thymustumor vorliegt.

Kongenitale Myasthene Syndrome (CMS)

Kongenitale Myasthene Syndrome (CMS) sind seltene genetische Erkrankungen, die auf genetischen Störungen der neuromuskulären Übertragung beruhen. Die Symptome beginnen in der Regel bereits bei Geburt oder in den ersten beiden Lebensjahren. Da die CMS keine autoimmunologischen Ursachen hat, lassen sich keine Antikörper gegen AChR oder MusK nachweisen.

Muskelkrämpfe: Ursachen und Behandlung

Muskelkrämpfe sind unwillkürliche, schmerzhafte Kontraktionen der Skelettmuskulatur, die oft mit einer tastbaren Verhärtung einhergehen. Sie treten häufig in der Wadenmuskulatur und Fußmuskulatur auf, können aber auch andere Muskelgruppen betreffen.

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Ursachen

Muskelkrämpfe können verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Neurogene Muskelkrämpfe: Bedingt durch eine nervale Übererregbarkeit motorischer Nerven.
  • Elektrolytmangel: Durch starkes Schwitzen, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme oder Einnahme von entwässernden Medikamenten.
  • Hormonelle Störungen: Der Schilddrüse oder der Nebenniere.
  • Neurologische Erkrankungen: Der motorischen Nerven, Polyneuropathien oder Nervenwurzelschädigungen.

Diagnose und Behandlung

In den meisten Fällen sind Muskelkrämpfe harmlos und bedürfen keiner weiteren Diagnostik. Bei einer deutlichen Zunahme der Häufigkeit oder bei ungewöhnlichen Körperregionen ist jedoch eine weitere Diagnostik durch einen Neurologen erforderlich.

Zur Behandlung von Muskelkrämpfen können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Sofortige Dehnung: Des betroffenen Muskels beim akuten Krampf.
  • Regelmäßige Dehnung: Der betroffenen Muskeln zur Prophylaxe.
  • Magnesiumeinnahme: Kann hilfreich sein, jedoch oft in höheren Dosen.
  • Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Natrium- und Kalziumkanal blockierende Substanzen (Antiepileptika, Medikamente zur Behandlung neuropathischer Schmerzen) hilfreich sein.

Weitere Ursachen von Nerven- und Muskelüberaktivität

Neben den bereits genannten Erkrankungen gibt es weitere Ursachen für Nerven- und Muskelüberaktivität, darunter:

  • Dystonie: Eine neurologische Bewegungsstörung, die sich durch eine unwillkürliche Überaktivität der Muskeln äußert und zu einer abnormalen Körperhaltung führt.
  • Spastik: Eine krankhafte Verstärkung der Muskelspannung aufgrund einer Schädigung des zentralen Nervensystems.
  • Neuropathien: Erkrankungen der peripheren Nerven, die Schmerzen, Reizausfälle oder Muskelkrämpfe verursachen können.
  • Fibromyalgie: Eine chronische Schmerzerkrankung, die mit diffuser Schmerzen in Muskeln und Gelenken, Müdigkeit und Schlafstörungen einhergeht.

Diagnostische Verfahren bei Nerven- und Muskelüberaktivität

Zur Diagnose von Nerven- und Muskelüberaktivität stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:

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  • Klinische Untersuchung: Umfasst die Erhebung der Anamnese und die Beurteilung der neurologischen Funktionen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Wie Elektroneurographie (ENG) und Elektromyographie (EMG), um die Funktion der Nerven und Muskeln zu überprüfen.
  • Blutuntersuchungen: Zum Nachweis von Antikörpern oder anderen Markern, die auf eine Autoimmunerkrankung oder andere Erkrankung hinweisen können.
  • Bildgebende Verfahren: Wie MRT oder CT, um strukturelle Veränderungen der Nerven, Muskeln oder des Gehirns zu erkennen.
  • Nervenultraschall: Um die Nerven darzustellen und mögliche Einklemmungen oder Verletzungen zu erkennen.

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