Viele Menschen suchen nach Wegen, um Schlafstörungen und Nervosität auf natürliche Weise zu lindern. Baldrian, eine Heilpflanze mit beruhigender Wirkung, wird oft als Alternative zu rezeptpflichtigen Medikamenten in Betracht gezogen. Doch was ist mit dem Rauchen von Nerven- und Schlaftee? Ist das eine harmlose Alternative oder birgt es Gefahren? Dieser Artikel beleuchtet die Risiken und Vorteile des Rauchens von Tee und Kräutern und bietet einen umfassenden Überblick über die Thematik.
Baldrian: Ein natürliches Mittel für Entspannung und Schlaf
Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine Staude, die in Europa und den gemäßigten Zonen Asiens heimisch ist. Die Heilpflanze wird traditionell bei Schlafstörungen, nervöser Anspannung, Stress, Nervosität, Unruhe oder Angst eingesetzt. Baldrian soll das Einschlafen erleichtern und die Schlafqualität verbessern.
Die entspannende Wirkung von Baldrian wird einem Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe zugeschrieben, darunter ätherische Öle, Iridoide, Lignane, Valepotriate und Alkaloide. Diese Inhaltsstoffe interagieren vermutlich mit bestimmten Rezeptoren innerhalb der Nervenzellen im Gehirn und rufen so den beruhigenden Effekt hervor.
Baldrian ist als Monopräparat oder in Kombination mit anderen beruhigenden Kräutern wie Melisse, Hopfen und Passionsblume erhältlich. Die Dosierung variiert je nach Präparat und Anwendungsgebiet. Um Baldrian tagsüber gegen nervöse Anspannung zu nehmen, wird eine Dosierung von bis zu dreimal täglich 400 bis 600 Milligramm Baldrianextrakt empfohlen. Gegen Schlafstörungen ist eine Dosis von 400 bis 600 Milligramm circa 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen empfehlenswert, falls nötig auch eine Dosis während des früheren Abends. Die volle Wirkung wird bei regelmäßiger Einnahme erst nach etwa zwei bis vier Wochen erreicht.
Baldrian wird meist gut vertragen, jedoch können leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden oder Schlaflosigkeit als Nebenwirkungen auftreten. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Baldrian besser nicht angewendet werden.
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Der Reiz des Tee-Rauchens: Nikotinfreie Alternative oder gefährlicher Trend?
Die Frage, ob man Tee rauchen kann, mag für viele ungewöhnlich klingen. Doch die Idee, Tee als Tabakersatz zu rauchen, gewinnt an Popularität, sei es aus Neugier, auf der Suche nach einer nikotinfreien Alternative oder als Ergänzung zu Cannabis. Grundsätzlich ist es möglich, Tee zu rauchen, aber es ist wichtig, die damit verbundenen Risiken zu verstehen.
Warum Tee rauchen?
Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen Tee rauchen möchten:
- Tabakersatz und Rauchstopp: Viele suchen nach einem Weg, um mit dem Rauchen von Tabak aufzuhören. Das Ritual des Rauchens - das Halten der Zigarette, das Inhalieren des Rauches - ist eine starke psychologische Gewohnheit. Tee rauchen kann helfen, dieses Ritual beizubehalten, während der Körper vom Nikotin entwöhnt wird.
- Kombination mit Cannabis: Gerade in der Cannabis-Community ist der Wunsch nach einer nikotinfreien Joint-Basis groß. Statt Tabak suchen viele nach Kräutern, die den Geschmack von Cannabis nicht überlagern und keine zusätzlichen Suchtstoffe mitbringen.
- Experimentierfreude: Einige sind einfach neugierig auf neue Erfahrungen und Geschmäcker.
Der große Irrtum: Nikotinfrei heißt nicht risikofrei!
Viele denken, dass Tee rauchen harmlos ist, weil er kein Nikotin enthält. Doch das ist ein Trugschluss. Jede Form der Verbrennung von organischem Material - und dazu gehört auch Tee - setzt eine Vielzahl von toxischen und krebserregenden Stoffen frei. Dazu gehören:
- Kohlenmonoxid (CO): Dieses farb-, geruch- und geschmacklose Gas blockiert den Sauerstofftransport in deinem Blut.
- Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs): Eine Gruppe von Stoffen, die als hoch krebserregend gelten.
Die gesundheitlichen Folgen des Tee-Rauchens sind also keineswegs zu unterschätzen. Es kann zu Reizungen der Atemwege, chronischen Entzündungen der Bronchien und einer Schädigung der Lungenfunktion führen. Langfristig steigt das Risiko für chronische Atemwegserkrankungen und verschiedene Krebsarten.
Nikotin im Vergleich: Die Suchtgefahr des Tabaks
Um den Unterschied zwischen Tabak und Tee als Rauchmaterial wirklich zu verstehen, ist es wichtig, sich den Hauptakteur im Tabak genauer anzusehen: Nikotin.
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Nikotin ist ein Nervengift, das in der Tabakpflanze vorkommt. Beim Rauchen gelangt es innerhalb von Sekunden in dein Gehirn und dockt dort an sogenannte Acetylcholin-Rezeptoren an. Das führt zur Ausschüttung von Dopamin - dem "Glückshormon" - was ein Gefühl von Wohlbefinden und Entspannung erzeugt.
Nikotin hat jedoch auch negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, da es den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöht und die Blutgefäße verengt. Das größte Problem ist jedoch das Suchtpotenzial von Nikotin. Der Körper gewöhnt sich an die regelmäßige Dosis Dopamin, und wenn sie fehlt, treten Entzugserscheinungen wie innere Unruhe, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Zittern und Schlafstörungen auf.
Zusätzlich zu Nikotin enthält Tabak Hunderte von Zusatzstoffen, die bewusst hinzugefügt werden, um die Nikotinaufnahme zu verbessern, den Geschmack zu verstärken und den Rauch milder zu machen.
Welchen Tee kann man rauchen?
Grundsätzlich sind viele getrocknete Pflanzenbestandteile rauchbar, aber es gibt große Unterschiede in Geschmack, Konsistenz und möglicher Wirkung. Einige gängige Optionen sind:
- Damiana: In hohen Dosen wird ihr eine leicht euphorische oder aphrodisierende Wirkung nachgesagt.
- Schwarzer Tee: Hat einen herberen Geschmack, der manchmal mit Pfeifentabak verglichen wird.
Es ist wichtig, immer hochwertigen, losen Tee oder spezielle Raucherkräuter zu verwenden. Teebeutel sind ungeeignet, da sie oft Teestaub oder minderwertige, stark zerkleinerte Blätter enthalten, die schlecht abbrennen, kratzen und zusätzliche Verunreinigungen enthalten können.
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Wie raucht man Tee?
Die Zubereitung von Tee zum Rauchen ist ähnlich wie bei Tabak oder Cannabis, aber mit einigen Besonderheiten:
- Zerkleinern: Die getrockneten Teeblätter und Kräuter zu einer feinen, aber nicht staubigen Konsistenz zerkleinern.
- Sieben (optional): Um ein sanfteres Raucherlebnis zu gewährleisten und unnötiges Kratzen im Hals zu vermeiden, die zerkleinerten Kräuter durch ein feines Sieb geben.
Der vorbereitete Tee kann dann pur in ein Blättchen gedreht oder in einer Pfeife geraucht werden.
Das "Tee-High": Macht Tee rauchen high?
Entgegen der Erwartung erzeugt das Rauchen von Tee kein "High" im Sinne von psychoaktiven Substanzen wie THC oder CBD. Allerdings können Teesorten wie Grüner oder Schwarzer Tee Koffein und Katechine enthalten, die eine anregende, belebende oder leicht euphorische Wirkung hervorrufen können, vergleichbar mit einem starken Koffeinrausch.
Tee rauchen als Rauchstopp-Strategie?
Da Tee rauchen nikotinfrei ist, scheint es auf den ersten Blick eine logische Option, um das Rauchen aufzugeben. Es kann helfen, das Rauchritual beizubehalten, während der Körper vom Nikotin entwöhnt wird. Allerdings entstehen auch beim Verbrennen von Tee schädliche Stoffe, die die Lunge belasten und das Krebsrisiko erhöhen.
Die gesündere Alternative: Vaporizer
Eine deutlich gesündere Alternative zum Rauchen von Tee ist die Verwendung eines Vaporizers. Ein Vaporizer erhitzt die Kräuter nur so weit, dass die gewünschten Wirkstoffe und Aromen verdampfen, aber keine Verbrennung stattfindet. Dadurch werden die schädlichen Verbrennungsprodukte vermieden.
Weitere Aspekte von Nerven und Schlaf
Neben Baldrian und Tee gibt es noch weitere Aspekte, die im Zusammenhang mit Nerven und Schlaf relevant sind:
CBD und seine Wechselwirkungen mit Medikamenten
CBD (Cannabidiol) ist ein weiteres Cannabinoid, das in den letzten Jahren aufgrund seiner vielfältigen gesundheitsfördernden Eigenschaften viel Aufsehen erregt hat. Es ist wichtig zu beachten, dass CBD Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten haben kann, darunter Antidepressiva, Blutdruckmedikamente und Medikamente gegen Krampfanfälle. CBD hemmt das Enzym Cytochrom P450, das für den Abbau vieler verschreibungspflichtiger Medikamente in der Leber verantwortlich ist. Daher sollte die Einnahme von CBD immer mit einem Arzt abgesprochen werden.
Melatonin: Das Schlafhormon
Melatonin ist ein Hormon, das im Körper in der Zirbeldrüse aus Serotonin hergestellt wird und den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert. Eine ungenügende Melatonin-Produktion kann zu Schlafstörungen führen. Melatonin-Präparate können helfen, den Melatonin-Haushalt zu regulieren und die Einschlafzeit zu verkürzen. Allerdings sollte die Einnahme von Melatonin ebenfalls mit einem Arzt besprochen werden, insbesondere bei Schwangerschaft, Stillzeit oder gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva.
Kaffee und seine Wirkung auf die Psyche
Koffein, das in Kaffee enthalten ist, hat eine müdigkeitshemmende Wirkung und kann die Aktivität des sympathischen Nervensystems erhöhen. In Maßen kann Kaffee bei Müdigkeit und Niedergeschlagenheit helfen. Allerdings kann ein übermäßiger Koffeinkonsum zu Nervosität, Schlaflosigkeit, hohem Blutdruck und Angstzuständen führen.
Cannabis und Schlaf
Einige Menschen schwören auf die positiven Eigenschaften von Cannabis für erholsamen Schlaf. Cannabis enthält die Cannabinoide THC und CBD, die im Gehirn an Rezeptoren unserer Nervenzellen andocken und so einen Effekt auf das vegetative Nervensystem haben, das unseren Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Studien haben gezeigt, dass Cannabis beim Einschlafen unterstützen kann. Allerdings kann regelmäßiger, starker Cannabiskonsum das Risiko für Schlafstörungen erhöhen und die REM-Schlafphase verkürzen.
Sehr heiße Getränke und Speiseröhrenkrebs
Sehr heiße Getränke (über 65°C) können die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen und das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöhen. Besonders in Kombination mit Rauchen verdoppelt sich das Risiko, und in Verbindung mit Alkohol und Rauchen kann es sich sogar verünffachen.