Einführung
Nerven- und Sehnenerkrankungen können eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, von Schmerzen und Taubheitsgefühlen bis hin zu Muskelschwäche und Bewegungseinschränkungen. Diese Erkrankungen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Überlastung, Verletzungen, Entzündungen, Stoffwechselstörungen und genetische Veranlagung. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die Symptome zu lindern, die Funktion wiederherzustellen und chronische Komplikationen zu vermeiden.
Muskelerkrankungen: Ein Überblick
Der Begriff Muskelerkrankungen umfasst alle neuromuskulären Erkrankungen. Im Volksmund werden sie oft als Muskelschwund bezeichnet, was ein wesentliches Krankheitszeichen beschreibt, das bei diesen sehr unterschiedlich verlaufenden Erkrankungen auftritt.
Muskelschwund: Definition und Ursachen
Muskelschwund oder Muskelatrophie bedeutet die Abnahme der Muskelmasse. Der Begriff stellt aber keine Diagnose dar, sondern nur ein Symptom. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die zu einer lokalen oder einer generalisierten, also den ganzen Körper betreffenden Abnahme der Muskelmasse führen kann. Dieses Symptom kann auf wenige Muskelgruppen begrenzt bleiben, oder auch - je nach Erkrankungsform - die gesamte Muskulatur erfassen.
Polyneuropathie: Eine häufige Nervenerkrankung
Die Polyneuropathie gehört zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten. Ihren Ursprung haben die Gefühlsstörungen in den langen Nerven, die Muskeln, Haut und Organe mit dem Gehirn verbinden. Schäden an den Nerven führen dazu, dass die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört ist. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können bei der Polyneuropathie unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund stehen. Trotz aller diagnostischen Fortschritte bleibt die Ursache in vielen Fällen unklar ("idiopathische Neuropathie"). Ärzte können dann nur die Symptome behandeln.
Diagnostik der Polyneuropathie
Zur Diagnose der Polyneuropathie stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung:
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- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit: Hierbei wird Strom durch die Nervenbahnen geschickt.
- Prüfung des Vibrationsempfindens: Der Neurologe verwendet eine Stimmgabel, um das Vibrationsempfinden zu prüfen.
- Standardisierte Quantitative Sensorische Testung (QST): Durch sieben verschiedene Gefühlstests an der Haut werden 13 Werte ermittelt. Sie helfen zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
- Thermode: Um das Temperaturempfinden exakt zu messen, kommen computergesteuerte Temperaturreize zum Einsatz.
- Nerv-Muskel-Biopsie: Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine Gewebeprobe aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist. Bei bestimmten Ursachen finden sich zum Beispiel Entzündungszellen oder Amyloid-Ablagerungen.
- Hautbiopsie: Bei einer Untergruppe der Neuropathien sind insbesondere die dünnen, kleinen Nervenfasern der Haut betroffen. Sie werden unter dem Namen Small-Fiber-Neuropathien zusammengefasst. Die Nervenleitgeschwindigkeit, die die Funktion von dickeren Nerven misst, ist dann oft unauffällig. Für die richtige Diagnose ist die Quantitative Sensorische Testung mit Messung des Temperaturempfindens entscheidend. Darüber hinaus kann eine Gewebeprobe aus der Haut (Hautbiopsie) unter dem Mikroskop untersucht werden.
Behandlung der Polyneuropathie
Die Behandlung der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung.
- Diabetes: Hat ein Diabetes schleichend über viele Jahre die Nerven angegriffen, muss der Patient seine Blutzuckerwerte in den Griff bekommen, um die Nervenschädigung zu stoppen. Allerdings führt eine zu rasche Senkung der Blutzuckerwerte zu weiteren Nervenschäden. Als optimal gilt eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten. Bei Altersdiabetes empfehlen Ärzte eine Umstellung des Lebensstils mit Gewichtsreduktion und viel Bewegung. Ziel ist, dass sich die Nerven wieder erholen. Besteht die Schädigung allerdings schon lange, ist die Polyneuropathie in der Regel nicht heilbar.
- Alkohol oder Medikamente: Sind Alkohol oder Medikamente die Ursache, hilft Abstinenz beziehungsweise ein Wechsel der Präparate.
- Schmerzbekämpfung: Zur Schmerzbekämpfung haben sich Antidepressiva und Medikamente gegen Krampfanfälle (Epilepsie), sogenannte Antikonvulsiva, bewährt.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin ist für die Schärfe der Chilischoten verantwortlich und hat sich in Form von Capsaicin-Pflastern auf der Haut in Studien als erfolgversprechendes Mittel gegen Polyneuropathie erwiesen. Es betäubt nicht nur den schmerzenden Bereich und steigert die Durchblutung, sondern scheint sogar die Neubildung kleiner Nervenfasern anzuregen.
- Elektrotherapie: Bei der Elektrotherapie werden die Nerven durch Impulse aus einem speziellen Gerät so stimuliert, dass Erkrankte statt Schmerzen ein leichtes Kribbeln spüren. Von außen lässt sich dieses durch ein TENS-Gerät erreichen. Die Therapien müssen dauerhaft durchgeführt werden. Eine Pause beeinträchtigt schnell den Behandlungserfolg.
- Gleichgewichtstraining: Gegen die fortschreitende Gangunsicherheit wirkt Gleichgewichtstraining in der Physiotherapie.
- Akupunktur: Wie die gezielten Reize der Akupunktur die Nerven beleben, ist noch ungeklärt.
Weichteilrheumatismus: Schmerzen in Sehnen, Muskeln und Bindegewebe
Der Weichteilrheumatismus ist eine schmerzhafte rheumatische Erkrankung, die nur die weichen Gewebe im Körper betrifft. Zu den Weichteilen zählen Sehnen, Sehnenscheiden, Muskeln, Bindegewebe und das Fettgewebe. Gelenke und Knochen sind nicht betroffen.
Symptome und Ursachen des Weichteilrheumatismus
Betroffene klagen über dauerhafte Schmerzen in Muskeln und Sehnenansätzen. Die Schmerzen treten dabei vor allem am Rücken, an den Hüften und den Schultern auf und können so stark sein, dass sie die Mobilität im Alltag beeinträchtigen. Die Ursachen für Weichteilrheumatismus sind weitestgehend unbekannt. Typische Auslöser für die Symptome sind: Stress, Wetterveränderungen, körperliche Anstrengung, Kälte, Nässe und starke Sonneneinstrahlung. Viele Betroffene leiden zusätzlich an psychischen Störungen, wie Depressionen und Angststörungen. Eine eindeutige Diagnose gestaltet sich schwierig. Meist werden Betroffene auf druck- und schmerzempfindliche Stellen am Körper untersucht. Bei mehr als elf schmerzhaften Stellen, die über mehr als drei Monate anhalten, spricht man von einer Fibromyalgie.
Behandlung des Weichteilrheumatismus
Leider gibt es keine Heilung für Weichteilrheumatismus. Allerdings ermöglichen verschiedene Therapien eine Linderung der Symptome. Ziel der Behandlung ist eine deutliche Steigerung der Lebensqualität.
- Multimodale Schmerztherapie: Mit dem Behandlungskonzept der multimodalen Schmerztherapie können chronische Schmerzen individuell behandelt werden. In der Therapie wird nicht nur geholfen, die Schmerzen zu lindern, sondern auch die Psyche und das Umfeld in die Behandlung mit einbezogen. Das Schmerzteam besteht aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Schmerztherapeuten, Psychotherapeuten/Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Ko-Therapeuten. Dadurch haben wir die Möglichkeit individuell auf Ihre Beschwerden einzugehen.
- Sporttherapie und Krankengymnastik: Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen und Aquajogging können Ihnen dabei helfen, Ihre Schmerzen zu mildern. Gleichzeitig stärken Sie Ihr Herz-Kreislauf-System. In der Krankengymnastik entwickeln wir angepasste Bewegungstherapien, die speziell auf Ihre schmerzenden Muskeln wirken.
- Entspannungsmethoden: Entspannungsmethoden, z. B. Yoga, Meditation und andere Stressbewältigungstechniken, können Ihnen helfen, die Auslöser der Symptome einzudämmen. Als alleinige Therapiemethode sind sie jedoch meist unzureichend.
- Physikalische Therapie: Wärmebehandlungen (Fango, Saunagänge, Thermalbäder) sind eine häufig angewendete Therapiemethode zur Schmerzlinderung. Auch Elektrotherapien, wie die transkutane elektrische Nervenstimulation, können Ihre Schmerzen reduzieren. Die leichten Stromimpulse lösen eine Entspannung der Muskeln aus.
Sehnenreizung: Ursachen, Symptome und Behandlung
Eine Sehnenreizung kann entstehen, wenn eine Sehne häufig beansprucht wird. Dann kann sie irgendwann überlastet sein und schmerzen. Die Ursache sind oft gleichförmige Bewegungen, die man immer wieder ausführt, beispielsweise beim Tennis oder Volleyball. Eine gereizte Sehne sollte man einige Zeit schonen. Danach muss die Sehne allmählich wieder an Belastungen gewöhnt werden. Dafür eignen sich spezielle Dehnübungen. Allgemein kommen Sehnenreizungen mit zunehmendem Alter häufiger vor.
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Symptome einer Sehnenreizung
Bei einer Sehnenreizung sind Schmerzen das typische Symptom. Durch die Schmerzen ist auch die Beweglichkeit oft eingeschränkt. Außerdem kann der betroffene Bereich verhärtet oder etwas geschwollen sein. Die Schmerzen treten häufig dort auf, wo die Sehne mit dem Knochen verbunden ist. Es schmerzt hauptsächlich dann, wenn die Sehne gedehnt wird, man den zugehörigen Muskel anspannt oder direkt auf die gereizte Sehne drückt. Die Achillessehne schmerzt beispielsweise, wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt.
Ursachen und Risikofaktoren einer Sehnenreizung
Durch eine mechanische Überbelastung von Sehnen kann es zu kleinen Verletzungen und verminderter Durchblutung kommen. Mechanische Überbelastungen entstehen meist, wenn man regelmäßig immer wieder die gleichen Bewegungen ausführt, wie es bei vielen Sportarten der Fall ist. So werden die Sehnen am Ellenbogen häufig durch die Armschwünge oder -schläge beim Golf oder Tennis gereizt. Regelmäßiges intensives Laufen kann zur Überbelastung der Achillessehne führen. Allgemein kommen Sehnenreizungen mit zunehmendem Alter häufiger vor. Sportlerinnen und Sportler sind besonders oft betroffen.
Diagnose einer Sehnenreizung
Neben der Untersuchung des betroffenen Bereichs fragt die Ärztin oder der Arzt auch nach Beruf und Hobbys, die zu einer Überlastung der Sehne geführt haben könnten. Handelt es sich um die typischen Beschwerden und immer wiederkehrende Belastungen, reicht das meist für die Diagnosestellung. Manchmal wird zusätzlich noch eine Ultraschalluntersuchung gemacht, um Hinweise auf eine Reizung zu finden, zum Beispiel kleine Verkalkungen in der Sehne.
Behandlung einer Sehnenreizung
An erster Stelle der Behandlung steht, die gereizte Sehne zu schonen. Manchmal sind Schienen oder Verbände sinnvoll. Die Schonungsphase sollte etwa 3 bis 6 Wochen dauern. Danach kann die Sehne mit Physiotherapie allmählich wieder an normale Belastungen gewöhnt werden. Zu den zusätzlichen Verfahren, die die Erholung der Sehne fördern und die Beschwerden lindern sollen, gehören zum Beispiel Ultraschallbehandlungen, Massagen oder Elektrotherapie. Für eine begrenzte Zeit können auch Schmerzmedikamente genommen werden. Wenn sich die Beschwerden durch diese Verfahren nicht bessern, kommen auch Spritzen mit Kortison oder eine Operation infrage.
Einfluss einer Sehnenreizung auf den Alltag
Im Alltag ist es oft schwierig, einen Arm oder ein Bein zu schonen. Trotzdem sollten Belastungen möglichst gering gehalten werden. Dabei ist es wichtig und sinnvoll, Prioritäten zu setzen. Anstrengende Tätigkeiten wie Fensterputzen, Unkrautzupfen oder einen Großeinkauf kann man vielleicht verschieben. Alternativ kann man sich von der Familie, Freundinnen und Freunden oder Nachbarn unterstützen lassen. Außerdem ist es wichtig zu wissen, welche Bewegungen genau vermieden werden sollten. Hier kann zum Beispiel eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut unterstützen und erklären, welche Bewegungen die Sehne reizen und welche nicht.
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Nervenentzündung in der Schulter: Ursachen, Symptome und Behandlung
Eine Nervenentzündung in der Schulter - medizinisch auch Neuritis oder Plexopathie genannt - beschreibt eine entzündliche oder irritative Reizung von Nervenfasern im Bereich des Schultergelenks. Sie kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen und betrifft meist die Nerven des Plexus brachialis, dem Geflecht, das Schulter, Arm und Hand versorgt. Im Gegensatz zu strukturellen Gelenkveränderungen wie Arthrose oder einem Sehnenriss liegt hier keine direkte Schädigung des Schultergelenks oder der Muskulatur vor. Vielmehr sind die Nerven selbst oder ihr Umfeld betroffen - häufig durch Kompression, anhaltende mechanische Belastung, oder reaktive Entzündungsprozesse infolge von Verspannungen, Fehlhaltungen oder Überlastung.
Symptome einer Nervenentzündung in der Schulter
Eine Nervenentzündung in der Schulter äußert sich häufig durch stechende, brennende oder ziehende Schmerzen, die sich bei bestimmten Bewegungen verstärken. Besonders belastend sind Tätigkeiten wie das Heben des Arms, das Anziehen oder Drehbewegungen im Schultergelenk. Die Beschwerden strahlen häufig vom Schulterbereich über den Oberarm bis in den Ellenbogen oder die Finger aus. Auch Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das Gefühl eines „eingeschlafenen Arms“ zählen zu den typischen Symptomen. Im Gegensatz zu Erkrankungen wie dem Impingement-Syndrom, bei dem mechanische Reibungsschmerzen dominieren, ist bei einer Nervenentzündung vor allem die Nervenleitung selbst gestört. Das kann zu Muskelschwäche, Bewegungseinschränkungen und einer deutlich reduzierten Beweglichkeit führen. In vielen Fällen entwickeln Betroffene unbewusst eine Schonhaltung, was die Beschwerden langfristig verstärken kann - insbesondere bei beruflicher Überlastung, Fehlhaltungen oder sportlicher Aktivität ohne Regeneration.
Ursachen und Risikofaktoren einer Nervenentzündung in der Schulter
Eine Nervenentzündung in der Schulter entsteht häufig durch mechanische Reizungen, wie sie bei Fehlhaltungen, muskulären Dysbalancen oder Verschleißerscheinungen im Bereich der Halswirbelsäule, des Schulterblatts oder des Gelenks auftreten. Auch Schultersteife, Schleimbeutelentzündungen oder entzündliche Erkrankungen können das umliegende Nervengewebe belasten. Einseitige Belastungen - etwa durch sitzende Arbeit, handwerkliche Tätigkeiten oder intensiven Sport - gehören zu den häufigsten Auslösern. In vielen Fällen führen auch Verspannungen der Schultermuskeln zu chronischem Druck auf die Nervenstrukturen. Verstärkt wird dies durch Bewegungsmangel, Fehlbelastung oder psychische Anspannung. Risikofaktoren wie mangelnde Bewegung, Fehlhaltungen, schwere körperliche Arbeit oder abnutzungsbedingte Veränderungen an Knochen und Gelenken sollten im Rahmen der Behandlung stets mit berücksichtigt werden.
Diagnose einer Nervenentzündung in der Schulter
Die korrekte Diagnose einer Nervenentzündung in der Schulter erfordert einen umfassenden medizinischen Blick auf den gesamten Körper - insbesondere auf die Wirbelsäule, das Schultergelenk und die angrenzenden Muskeln und Nervenbahnen. Da die Beschwerden häufig auch in Arm, Hand oder sogar in die Beine ausstrahlen können, ist eine präzise Darstellung der Symptome entscheidend. Im ersten Schritt erfolgt die klinische Untersuchung durch den Arzt: Dabei werden unter anderem Reflexe, Muskelkraft, Empfindung und Bewegungsumfang überprüft. Zusätzlich helfen bildgebende Verfahren - wie MRT, CT oder Ultraschall - dabei, andere Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle, Arthrose oder Sehnenverletzungen auszuschließen. In vielen Fällen sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen jedoch unauffällig, da sich eine Nervenentzündung nicht immer bildlich darstellen lässt. Hier spielen spezielle neurologische Tests sowie die Erfahrung des behandelnden Spezialisten eine zentrale Rolle. Häufig erfolgt ergänzend eine Elektromyografie (EMG) oder Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG), um die Funktion der betroffenen Nerven zu überprüfen.
Behandlung einer Nervenentzündung in der Schulter
Bei einer Nervenentzündung in der Schulter richtet sich die Therapie nach der Ursache, dem Schweregrad der Beschwerden und der individuellen körperlichen Verfassung der Patienten. In den meisten Fällen wird zunächst ein konservativer Therapieansatz gewählt, der auf Entzündungslinderung, Schmerzkontrolle und funktionelle Stabilisierung zielt. Zentral ist dabei die Entlastung der betroffenen Nervenstrukturen - entweder durch physikalische Maßnahmen, gezielte Übungen oder entzündungshemmende Medikamente. Nur in seltenen Fällen ist ein operativer Eingriff erforderlich.
Was Sie selbst tun können
Bei einer Nervenentzündung in der Schulter ist es wichtig, die gereizten Strukturen nicht weiter zu belasten - aber auch nicht vollständig ruhigzustellen. Das Ziel: gezielte Entlastung, aktive Mobilisierung und schrittweise Rückkehr in eine gesunde Bewegung. Schon kleine Veränderungen im Alltag können dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern und den Heilungsverlauf positiv zu beeinflussen. Vermeiden Sie belastende Überkopfbewegungen, wie z. B. Fensterputzen oder schweres Heben. Schlafen Sie in einer neutralen Seitenlage, eventuell mit einem Kissen unter dem Arm zur Entspannung der Schulter. Pausen im Arbeitsalltag sind essenziell: Wechseln Sie regelmäßig die Position, besonders bei Schreibtischarbeit. Achten Sie auf Ihre Körperhaltung, sowohl beim Sitzen als auch beim Stehen. Eine aufrechte Haltung reduziert den Druck auf Nerven und Muskulatur. Vermeiden Sie Stress, da Anspannung direkt in die Schultermuskulatur wirkt. Leichte Bewegungen fördern die Durchblutung und helfen, verspannte Muskelbereiche rund um das Schulterblatt zu lockern. Wichtig: Die Übungen sollten schmerzfrei ausführbar sein und nicht gegen Widerstand erfolgen.
Weitere Nervenerkrankungen
- Neuropathien: Neuropathien beschreiben Erkrankungen des Nervensystems, die sich bei den Betroffenen entweder durch fehlende Empfindungen oder Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen äußern. Unwillkürliche Reflexe oder das Kalt-Warm-Empfinden können gestört sein. Wenn mehrere Nerven betroffen sind, spricht man von einer Polyneuropathie. Neuropathien sind häufige Spätfolgen von Erkrankungen des Stoffwechsels (zum Beispiel Diabetes mellitus), neurotoxischen Vergiftungen (zum Beispiel mit Alkohol, Chemotherapeutika, Schwermetallen), Entzündungen (zum Beispiel Infektion mit Windpockenviren) und Autoimmunerkrankungen.
- Morton Neurom: Das Morton Neurom ist eine schmerzhafte, entzündliche Verdickung eines Mittelfußnerven. Das sog. Mulder-Zeichen, das sich beim Ertasten der Fußsohle durch ein Klicken äußert, hilft dem Arzt bei der Diagnose des Morton Neuroms. Hauptauslöser von chronischen Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie) ist das sogenannte Morton Neurom oder die Morton Neuralgie. Das Morton Neurom ist die häufigste Mittelfußerkrankung bei Frauen. Aber auch Männer - vor allem Laufsportler - sind häufig von einer Metatarsalgie betroffen. Viele Patienten mit Morton Neurom können sich durch eine Änderung ihrer Gewohnheiten und spezielle physiotherapeutische Übungen selbst helfen.
- Mausarm (RSI-Syndrom): Der Mausarm kann die Hand-, Arm-, Schulter- und Nackenregion betreffen. Jede dauerhafte Überanstrengung oder einseitige Belastung der Muskulatur begünstigt die Entstehung dieses sogenannten RSI-Syndroms. Millionen Büroangestellte arbeiten täglich am Computer. Weitere Arbeitnehmer gehen am Fließband oder in der Produktion körperlich anstrengenden, aber sehr einseitigen Tätigkeiten nach. Die gesundheitlichen Folgen dieser einseitigen Bewegungsmuster sind dauerhafte Schulterschmerzen, Rückenschmerzen und Ellenbogenschmerzen. Vor allem für Hände, Handgelenke und Unterarme beobachten Orthopäden einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Dauer der täglichen Arbeit am Schreibtisch und der Häufigkeit von Schmerzzuständen. Solche Beschwerdebilder geraten immer stärker in den Fokus orthopädischer Untersuchungen.
- Seitliche Fersenschmerzen: An der Außenseite der Ferse verlaufen Nerven, die den Fuß versorgen. Eine Einengung oder Reizung dieser Nerven führt zu seitlichen Fersenschmerzen. Zwei Erkrankungen, welche die nervöse Versorgung des Fußes mit sensiblen Reizen betreffen, können zu seitlichen Fersenschmerzen führen: die Einengung (Kompression) des Schienbeinnervs (Tarsaltunnelsyndrom) und die Baxter-Neuropathie. Beide zählen zu den Nervenkompressionssyndromen und werden nicht selten bei Laufsportlern beobachtet.
- Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung: Eine häufig auftretende Fußfehlstellung bei Patienten mit Charcot-Marie-Tooth ist der Hohlfuß. Die Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (auch hereditäre motorisch-sensible Neuropathie Typ 2) ist eine seltene genetisch bedingte Erkrankung des peripheren Nervensystems. Sie führt dazu, dass Nervenimpulse aus dem Gehirn nicht mehr bei den entsprechenden Muskeln ankommen. Die Folge ist ein Abbau der Muskulatur. Erste Symptome können bereits im Kindesalter auftreten. Die Muskelschwäche beginnt in den Händen und Füßen und breitet sich dann zum Körper hin aus. Die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen nimmt immer weiter ab. Zudem kann es zu Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Muskelkrämpfen kommen. Eine Heilung der Krankheit ist bis heute nicht möglich. Die Therapie zielt einerseits auf Beseitigung der Ursache, andererseits auf eine symptomatische Symptomlinderung, zum Beispiel die effektive Beseitigung der Nervenschmerzen.
- Karpaltunnelsyndrom: Von einem Karpaltunnelsyndrom ist die Rede, wenn der Mittelhandnerv im Karpalkanal eingeengt ist. Im Karpalkanal verläuft der Mittelhandnerv zusammen mit neun Beugesehnen auf Höhe der Handwurzelknochen. Dieser Kanal wird auf der Beugeseite der Hand durch ein Bindegewebsband, dem sogenannten Karpalband begrenzt. Sollte die konservative Therapie nicht zielführend sein oder bestehen deutliche Funktionseinschränkungen der Hand, Lähmungen oder sogar schon Muskelschwund, empfehlen unsere Expert:innen das operative Vorgehen. Meistens führt die Operation zu einer kompletten Erholung des Nerven.
- Kubitaltunnelsyndrom: Von einem Kubitaltunnelsyndrom wird gesprochen, wenn der Ellennerv in der Ellenrinne (umgangssprachlich bekannt als Musikantenknochen, Mäuschen etc.) eingeengt ist und zu den typischen Beschwerden führt, wie meist nächtliche Missempfindungen und Schmerzen insbesondere in Klein- und Ringfinger und angrenzendem Handteller. Auch Symptome wie Taubheit sowie Kraftmangel und Muskelschwund in der Hand können auftreten. Der Nerv ist an dieser Stelle so ungeschützt, dass er anfällig für Verletzungen durch Druck und Zug ist. Ein operativer Eingriff erfolgt in Kurznarkose. Dieser ist prinzipiell aber auch in örtlicher oder regionaler Betäubung möglich. Über einen bogenförmigen Hautschnitt (5 bis10 Zentimeter) in Höhe der Ellenrinne wird die meist bindegewebige Narbenplatte über dem Nerven durchtrennt. Gegebenenfalls sind nach der Operation physiotherapeutische Maßnahmen notwendig.
- Eingeklemmter Nerv: Ein eingeklemmter Nerv macht sich oft plötzlich bemerkbar. Es fühlt sich an, als wäre ein Arm oder Bein „eingeschlafen“. Die Beschwerden entstehen oft durch wiederholte Bewegungen, einseitige Belastungen oder langanhaltende Fehlhaltungen. Bei kurzzeitigem Druck kann sich der Nerv vollständig regenerieren - oft innerhalb weniger Wochen. Je länger der Druck andauert, desto größer ist die Gefahr bleibender Schäden. Umso wichtiger ist es, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation nicht zu verpassen.
Behandlung von Nervenerkrankungen im Allgemeinen
Die Behandlung einer Nervenerkrankung richtet sich nach der Ursache und der speziellen Art der Erkrankung. Um die Ursache zu klären sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Maßgebend ist vor allem das Ausmaß der Entzündung. Um die betroffenen Nervenbahnen zu lokalisieren stehen verschiedene neurologische bzw. physiologische Analyseverfahren im Vordergrund. Neben Blutuntersuchungen, MRT, Neurosonografie kann hierbei vor allem das EMG - eine Methode zur Messung der elektrischen Muskelaktivität - bei der Ursachenforschung helfen. Im Frühstadium der Erkrankung können konservative Behandlungen, wie Ruhigstellung in einer Schiene oder entzündungshemmende Medikamente, etwa Kortisoneinspritzungen, eingesetzt werden. Meistens führt die Operation zu einer kompletten Erholung des Nervs.