Starke, stechende Schmerzen im Dammbereich, brennende Missempfindungen im Genitalbereich oder ein dauerhaftes Fremdkörpergefühl im After - dies alles können Anzeichen einer Pudendusneuralgie sein. Diese seltene, aber äußerst belastende Nervenstörung betrifft den Pudendusnerv, der für die Sensibilität und Funktion im Beckenboden zuständig ist.
Einführung
Nervenschäden in der Vagina nach Operationen können verschiedene Ursachen haben und sich in unterschiedlichen Symptomen äußern. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Nervenschäden nach vaginalen Operationen, die Diagnosemethoden und die verschiedenen Therapieansätze, um Betroffenen zu helfen, ein schmerzfreieres Leben zu führen.
Ursachen von Nervenschäden nach vaginalen Operationen
Nervenschäden in der Vagina nach Operationen können verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Direkte Nervenverletzung: Während der Operation kann es zu einer direkten Verletzung von Nerven kommen, beispielsweise durch Durchtrennung, Quetschung oder Dehnung.
- Mechanischer Druck: Langes Sitzen oder Radfahren kann mechanischen Druck auf den Pudendusnerv ausüben und zu einer Pudendusneuralgie führen.
- Narbenbildung: Narbenbildung im Operationsgebiet kann Nerven einklemmen oder reizen.
- Entzündungen: Entzündungen im Operationsgebiet können Nerven schädigen.
- Operationen oder Geburten: Diese können ebenfalls zur Entstehung der Erkrankung beitragen.
- Unklare Ursachen: In vielen Fällen bleibt die Ursache unklar (idiopathisch).
Typische Komplikationen nach Operationen im Genitalbereich
Treten nach einer Operation Beschwerden auf, die vor der Operation nicht bestanden haben, sind diese meist durch die Operation bedingt. Diese Beschwerden können typisch und vorübergehend oder Ausdruck einer operationsbedingten Komplikation sein. Um eine zeitnahe Klärung herbeizuführen, sollten umgehend der weiterbehandelnde Arzt bzw. der Operateur konsultiert werden.
Typische Komplikationen sind:
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- Entzündungen des Operationsgebietes
- Schmerzen
- Rötung und Schwellung des Operationsgebietes
- vermehrter, riechender Wundfluss
- Temperatur
- Harn- bzw. Analinkontinenz
- erschwertes und unvollständiges Entleeren von Harnblase und Enddarm
- Nachblutungen
Nach Abschluss der Wundheilung können solche Beschwerden persistieren und auch Schmerzen beim Verkehr (Dyspareunie) auftreten. Kamen Kunststoffnetze bzw. -bänder für die Operation zur Anwendung, muss deren korrekte Lage durch eine gynäkologische Untersuchung geprüft werden.
Pudendusneuralgie: Eine spezielle Form von Nervenschädigung
Starke, stechende Schmerzen im Dammbereich, brennende Missempfindungen im Genitalbereich oder ein dauerhaftes Fremdkörpergefühl im After - all das können Anzeichen einer Pudendusneuralgie sein. Diese seltene, aber äußerst belastende Nervenstörung betrifft den Pudendusnerv, der für die Sensibilität und Funktion im Beckenboden zuständig ist. Typisch ist der einseitige Schmerz, der beim Sitzen zunimmt und beim Liegen nachlässt.
Ursachen der Pudendusneuralgie
Die Erkrankung entsteht häufig durch:
- Mechanischen Druck (z. B. durch langes Sitzen, Radfahren)
- Operationen oder Geburten
- Narbenbildung, Verletzungen, Entzündungen
- In vielen Fällen bleibt die Ursache unklar (idiopathisch)
Diagnose von Nervenschäden nach vaginalen Operationen
Die Diagnose von Nervenschäden nach vaginalen Operationen erfordert eine sorgfältige Anamnese, eine gründliche körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere diagnostische Maßnahmen.
Anamnese
Der Arzt wird Sie ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte befragen. Dabei stellt er Ihnen unter anderem folgende Fragen:
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- Seit wann haben Sie die Beschwerden?
- Sind die Beschwerden auf einer Seite stärker als auf der anderen?
- Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben?
- Sind Sie zuckerkrank oder leiden Sie an Gürtelrose?
Körperliche Untersuchung
Typisch für die Pudendusneuralgie ist es, dass Druck in der Scheide, im Mastdarm (Rektum) oder am Damm Schmerzen auslöst.
Bildgebende Verfahren
Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) macht der Arzt häufig ein Bild des Beckens und des Rückenmarks. Darauf lassen sich in manchen Fällen Strukturen erkennen, die möglicherweise auf den Schamnerv oder das untere Rückenmark drücken wie zum Beispiel Tumoren oder Bandscheibenvorfälle. In den meisten Fällen einer Pudendusneuralgie finden sich aber in der MRT-Aufnahme keine Veränderungen.
Pudendusblockade
Führt sie zur Linderung, ist die Diagnose gesichert. Häufig diagnostizieren die Ärzte eine Pudendus-Neuralgie durch einen Therapieversuch. Dabei spritzt der Arzt dreimal unter Bildkontrolle (meist durch eine Computertomografie, CT) ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) entlang des Schamnerven. Dieser Vorgang heißt Pudendusblockade. Bewirkt die Betäubung eine Besserung der Symptome, bestätigt das in der Regel die Diagnose. Dieser Pudendusblock ist auch eine übliche Methode bei der Geburtshilfe.
Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
Durch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) lassen sich Schädigungen des Nervus pudendus nachweisen, die oft eine Pudendusneuralgie bewirken: Bei der Elektroneurografie (ENG) klebt der Arzt Elektroden auf die Hautbereiche, die durch den Nervus pudendus innerviert sind. Durch Strom reizt man den Nerv. Die Geschwindigkeit, mit der der Nerv die Information weiterleitet, lässt sich messen. Bei einer Pudendusneuralgie ist die Nervenleitgeschwindigkeit verändert.
Ausschluss anderer Krankheiten
Die Diagnosestellung der Pudendusneuralgie ist häufig schwierig und dauert oft einige Monate mit verschiedenen Untersuchungen und eventuell Fachärzten. Grund ist, dass mehrere Krankheiten ein ähnliches Beschwerdebild auslösen. Diese müssen zuerst ausgeschlossen werden. Solche Krankheiten sind zum Beispiel:
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- Hautentzündungen
- Diabetes mellitus
- Tumoren der Nerven und des Rückenmarks (Neurinom, Ependymom)
- Psychologische Erkrankungen
- Nervenschäden durch Strahlentherapie
Therapie von Nervenschäden nach vaginalen Operationen
Die Therapie von Nervenschäden nach vaginalen Operationen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Nervenfunktion wiederherzustellen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Nervenschädigung eingesetzt werden können.
Konservative Therapie
Schmerzmittel: Da die Schmerzen bei einer Pudendusneuralgie meist chronisch sind, sprechen übliche Schmerzmittel (Analgetika) oft nicht an. Dennoch ist es möglich, zu versuchen, akute Schmerzattacken mit einem der folgenden zum Teil rezeptfreien Wirkstoffe zu lindern: Wenn diese nicht helfen, verschreiben Ärzte oft stärkere Schmerzmittel, etwa Opioide wie Tramadol, Dihydrocodein oder Hydromorphon. Diese sind zum Beispiel als Tabletten, Pflaster oder Zäpfchen erhältlich. Da bei diesen Mitteln Abhängigkeit und unerwünschte Wirkungen möglich sind, beobachtet der Arzt den Verlauf mit Kontrolluntersuchungen. Bei der langfristigen Behandlung dieser chronischen Nervenschmerzen haben sich auch Antidepressiva oder Antikonvulsiva als wirksam erwiesen. Antidepressiva (wie Amitriptylin oder Mianserin) und Antikonvulsiva (Krampflöser, Beispiele sind Gabapentin, Pregabalin, Carbamazepin und Lamotrigin) wirken dabei auf der Ebene der Signalweiterleitung in den Nerven, etwa indem sie Nervenbotenstoffe hemmen. Daher lassen sich diese Medikamente nicht nur für die Behandlung von Depressionen und epileptischen Anfällen nutzen, sondern auch zur Blockade der Schmerzweiterleitung. Oft kombinieren Ärzte verschiedene Schmerzmittel zur Therapie. Meist dauert es eine Weile, bis sich eine Besserung zeigt und bis die für jeden Patienten individuell passende Wirkstoff-Kombination gefunden wird.
Physiotherapie: Oft ergänzend zu Medikamenten helfen manchen Patienten bestimmte physiotherapeutische Übungen, die besonders auf die Entspannung im Bereich des Beckenbodens abzielen. Dazu gibt es besondere Patientenschulungen, außerdem hilft vielen Patienten eine psychologische Begleitung bei der Schmerztherapie.
Osteopathie und Akupunktur: Im Bereich der Alternativmedizin gibt es etwa die Osteopathie oder Akupunktur, die manchen Patienten helfen können, die Schmerzen zu lindern. Wissenschaftlich-schulmedizinisch gibt es allerdings bislang keine gesicherten Erkenntnisse über die Wirksamkeit dieser Methoden.
TENS, Reizstromtherapie, SPNS: Die sogenannte TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine Reizstromtherapie. Dabei klebt man Elektroden an den schmerzenden Stellen auf. Die Stromimpulse, die über sie gegeben werden, reizen den Nerven, sind aber für den Patienten nicht schmerzhaft. Sie sollen dazu dienen, die Schmerzweiterleitung ins Gehirn zu verringern. In einigen Studien haben Mediziner auch die SPNS (die subkutane periphere Nervenstimulation) als Therapie angewendet. Dabei implantieren die Ärzte Elektroden unter der Haut und stimulieren die Nerven. Bei einigen ähnlichen Schmerzsyndromen wie etwa dem Postnukleotomiesyndrom überlagert man so Schmerzimpulse und lindert damit die Symptome. Die Konzepte von TENS, Reizstromtherapie oder SPNS und ihre spezifische Wirksamkeit sind durch Studien nicht eindeutig belegt.
Invasive Therapie
Pudendusblockade unter Ultraschall-Kontrolle: Bei der Pudendusblockade wird ein Lokalanästhetikum (ggf. mit Kortison oder Eigenblut) unter Ultraschallkontrolle direkt an den Pudendusnerv gespritzt. Die Injektion kann: die Schmerzen sofort lindern helfen, den Teufelskreis aus Schmerz und Verspannung zu durchbrechen in Serien (mehrere Sitzungen) durchgeführt werden.
Operative Therapie: Laut Studien ist die beste Therapie der Pudendusneuralgie ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Nerv vom Druck entlastet wird oder aus einer Einklemmung befreit. Bei der als Neurolyse bezeichneten Operation wird der Nervus pudendus freigelegt. Auf diese Weise wird jeglicher Druck, der auf ihm lastet (zum Beispiel durch Narbengewebe) genommen. Der Nerv wird entweder von hinten durch die Gesäßmuskulatur (die besterprobte Möglichkeit) freipräpariert oder durch den Damm beziehungsweise durch die Scheide.
Regenerative Medizin: In chronischen Fällen bietet die regenerative Medizin eine spannende Ergänzung: PRP (Platelet-Rich Plasma): körpereigene Wachstumsfaktoren zur Nervenregeneration Stammzelltherapie: autologe mesenchymale Stammzellen aus Fettgewebe oder Knochenmark - fördern Heilung und reduzieren Entzündungen Diese Verfahren zielen auf eine nachhaltige Beruhigung und Reparatur des geschädigten Nervengewebes. Die Injektionen erfolgen unter sterilen Bedingungen, in Lokalanästhesie oder leichter Sedierung - für die Patientinnen gut verträglich.
Neuromodulationsbehandlung: In seltenen sehr schweren Fällen kann auch eine Neuromodulationsbehandlung des Pudendusnerven in Frage kommen. Die pudendale Neuromodulation (PNM) ist ein noch junges Therapie-Verfahren zur neuromodulativen Behandlung chronischer Erkrankungen der Harnblase und des Beckens und wird überwiegend bei dortigen Schmerzsyndromen und v.a. der pudendalen Neuralgie eingesetzt. Hierbei wird eine dauerhafte Schmerzlinderung durch elektrisch herbeigeführte Veränderung und Unterbrechung der Schmerzempfindung und -weiterleitung über den Schamnerven erzielt. Da die Platzierung der Stimulationselektroden am Schamnerv operationstechnisch anspruchsvoll ist und hohe operative Erfahrung erfordert wird die PNM bislang in Deutschland nur in wenigen spezialisierten Zentren angewandt.
Verlauf und Prognose
Eine Prognose bezüglich der Pudendusneuralgie abzugeben ist schwierig, weil es viele verschiedene Ursachen gibt. Wichtig ist, die Schmerzen einer Pudendusneuralgie möglichst frühzeitig zu behandeln, damit sie nicht chronisch werden.