Nervenbahnen der Kniescheibe: Anatomie, Funktion und klinische Bedeutung

Einführung

Die Kniescheibe (Patella) ist ein kleiner, flacher, herzförmiger Knochen, der an der Vorderseite des Kniegelenks liegt. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Kniestreckung und schützt das Gelenk vor direkten Traumata. Die Innervation der Kniescheibe und der umliegenden Strukturen ist komplex und umfasst verschiedene Nervenbahnen, die sowohl sensorische als auch motorische Funktionen erfüllen. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie der Nervenbahnen der Kniescheibe, ihre Funktion und ihre klinische Bedeutung bei verschiedenen Knieerkrankungen und -verletzungen.

Anatomie der Kniescheibe

Die Patella ist ein Sesambein, das in die Sehne des Musculus quadriceps femoris eingebettet ist. Ihre Vorderseite (Facies anterior) ist konvex und rau, während die Rückseite (Facies posterior) mit einer dicken Knorpelschicht überzogen ist. Dieser Knorpel ist hyalin und ermöglicht eine reibungslose Bewegung der Kniescheibe im Gleitlager des Oberschenkelknochens (Trochlea femoris). Die Verknöcherung der Kniescheibe beginnt im Alter von drei bis vier Jahren.

Funktion der Kniescheibe

Die Kniescheibe erfüllt mehrere wichtige Funktionen:

  • Kraftübertragung: Sie dient als Ansatzstelle für die Sehne des Musculus quadriceps femoris und ermöglicht die Kraftübertragung auf das Schienbein (Tibia).
  • Hebelwirkung: Sie verbessert die Hebelwirkung des Musculus quadriceps femoris, was die Kniestreckung effizienter macht.
  • Schutz: Sie schützt das Kniegelenk vor direkten Traumata und Stößen.
  • Reibungsminderung: Zusammen mit dem Knorpel und den Schleimbeuteln reduziert sie die Reibung zwischen Sehne und Knochen.

Nervenversorgung der Kniescheibe und des Kniegelenks

Die Nervenversorgung der Kniescheibe und des Kniegelenks ist komplex und wird von verschiedenen Nervenästen gewährleistet.

Nervus femoralis

Der Nervus femoralis ist ein wichtiger Nerv, der aus dem Plexus lumbalis entspringt und die vordere Oberschenkelmuskulatur sowie die Haut an der Vorderseite des Oberschenkels und der Innenseite des Unterschenkels versorgt. Äste des Nervus femoralis innervieren auch das Kniegelenk und tragen zur sensorischen Wahrnehmung bei. Der Musculus quadriceps femoris (= großer Oberschenkelmuskel) verläuft vom Darmbein über den Oberschenkel bis zum Schienbein. Dieser Muskel sorgt also für die Beugung in der Hüfte und die Streckung im Kniegelenk.

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Nervus tibialis

Der Nervus tibialis ist ein Ast des Nervus ischiadicus und verläuft an der Rückseite des Unterschenkels. Er innerviert die hintere Unterschenkelmuskulatur und die Fußsohle. Äste des Nervus tibialis beteiligen sich ebenfalls an der Innervation des Kniegelenks.

Nervus peroneus communis

Der Nervus peroneus communis (gemeinsamer Wadenbeinnerv) ist einer der beiden Äste des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus). Er verläuft an der Außenseite des Knies direkt unter der Haut und ist daher an dieser Stelle anfällig für Läsionen. Sensorisch versorgt der Nervus peroneus communis das Kniegelenk, die äußere Haut der Wade und den Fußrücken. Da der Nerv am Hals des Wadenbeins direkt unter der Hautoberfläche verläuft, ist er an dieser Stelle besonders anfällig für Läsionen, die beispielsweise durch Druck von außen entstehen können. Auch eine Reizung oder Einklemmung der Ischiasnervs wirkt sich auf die Versorgungsgebiete des aus ihm entstehenden Nervus peroneus communis aus. Die Streckung und Einwärtsdrehung des Fußes sowie die Zehenstreckung können bei einer Schädigung des Nervus peroneus communis oder des Ischiasnervs und seiner Nervenwurzeln eingeschränkt sein. Eine häufige Folge ist die Entstehung eines Spitzfußes.

Reflexbogen und Kniesehnenreflex

Reflexe sind schnelle, unwillkürliche Reaktionen auf einen Reiz. Die anatomische Grundlage für Reflexe bildet der sogenannte Reflexbogen, der aus sensiblen und motorischen Nerven besteht. Es wird unterschieden nach Eigen- und Fremdreflexen: Beim Eigenreflex liegen Rezeptor und Effektor auf der gleichen Stelle. Beim Fremdreflex liegen Rezeptor und Effektor an unterschiedlichen Stellen. Der Fremdreflex ist polysynaptisch, d.h. es werden mehrere Synapsen angesprochen. Die Fremdreflexe müssen zum großen Teil erlernt werden. Je stärker der Impuls ist, desto stärker fällt die Reaktion aus.

Der Kniesehnenreflex wird über einen Reiz auf die Patellasehne ausgelöst. Durch den Schlag auf die Kniesehne, wird der Quadriceps-Muskel gedehnt. Jeder Muskel enthält Dehnungsrezeptoren, die sogenannten Muskelspindeln. Sie messen die Spannung in der Muskulatur und reagieren auf Längen- und Spannungsänderungen. Ihre Hauptaufgabe ist das Verhindern von Überdehnungen. Die Reizweiterleitung verläuft monosynaptisch, d.h. der Reiz geht nur über eine Synapse und nicht bis zum Gehirn, sondern wird direkt im Rückenmark umgeschaltet.

Der Kniesehnenreflex kann in der neurologischen Prüfung verwendet werden, um die Funktion der Nerven zu untersuchen. Der Kniesehnenreflex kann auch bei der Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, hilfreich sein. Der Kniesehnenreflex ist ein wichtiger Teil der neurologischen Funktion. Er kann bei der Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen hilfreich sein und ist ein wichtiger Teil der neurologischen Prüfung. Wenn der Reflex nicht normal ist, kann dies ein Hinweis auf ein Nerven- oder Muskelschaden sein.

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Klinische Bedeutung der Nervenbahnen der Kniescheibe

Patellofemorales Schmerzsyndrom (FPS)

Schmerzen im vorderen Kniebereich werden oft unter dem Begriff patellofemorales Schmerzsyndrom (FPS) zusammengefasst. Als ihr Auslöser kommen verschiedene Faktoren infrage:

  • Über- oder Fehlbelastung
  • Muskel- oder Bandverkürzungen
  • Trauma oder Sportverletzung
  • Fehlstellung oder eine falsch ausgebildete Kniescheibe
  • gutartige oder bösartige Neubildung

Infolgedessen kann die Kniescheibe schmerzen, springen, sich verschieben oder entzünden. Betroffen von der Entzündung sind dann auch benachbarte Bereiche wie der Schleimbeutel oder Hoffa-Fettkörper (Bursitis praepatellaris, Bursitis infrapatellaris, Hoffa-Kastert-Syndrom).

Kniescheibenluxation

Eine Kniescheibenluxation tritt auf, wenn die Kniescheibe aus ihrer Führung im Gleitlager des Oberschenkelknochens springt. Dies kann traumatisch bedingt sein oder aufgrund von anatomischen Faktoren wie einer Trochleadysplasie oder einer Insuffizienz des medialen patellofemoralen Ligaments (MPFL) auftreten. Hauptstabilisator des Kniegelenks ist das mediale patellofemorale Ligament (MPFL).

Patellaspitzensyndrom (Springerknie)

Das Patellaspitzensyndrom (Synonyme: Springerknie oder Jumpers Knee) ist eine schmerzhafte Knieerkrankung, die vor allem Menschen betrifft, die sich regelmäßig sportlich betätigen. Diese Erkrankung betrifft insbesondere Sportler, die Sportarten mit intensiver Sprungbelastung wie Weitsprung und Hochsprung, Handball, Basketball oder Volleyball betreiben. Die Patella oder Kniescheibe, spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung und Führung des Kniegelenks während der Bewegung. Besonders betroffen ist der Bereich, an dem die Sehne an der Kniescheibe ansetzt. Bei fortgesetzter Überbeanspruchung kann eine Entzündung der Patellasehne (Tendinopathie) auftreten, begleitet von größeren Teilrissen der Sehne.

Die Ursachen für die Entwicklung des Patellaspitzensyndroms können vielfältig sein:

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  • Intensive sportliche Aktivitäten
  • Fehlbelastung und Ungleichgewicht der Muskulatur
  • Anatomische Faktoren

Das Patellaspitzensyndrom ist durch eine Vielzahl charakteristischer Symptome gekennzeichnet, die sich vor allem im Kniescheibenbereich manifestieren:

  • Schmerzen im vorderen Kniebereich
  • Schmerzen bei längerer Inaktivität
  • Schwellungen und Entzündungen
  • Eingeschränkte Beweglichkeit

Nervus peroneus communis Läsion

Da der Nerv am Hals des Wadenbeins direkt unter der Hautoberfläche verläuft, ist er an dieser Stelle besonders anfällig für Läsionen, die beispielsweise durch Druck von außen entstehen können. Auch eine Reizung oder Einklemmung der Ischiasnervs wirkt sich auf die Versorgungsgebiete des aus ihm entstehenden Nervus peroneus communis aus. Die Streckung und Einwärtsdrehung des Fußes sowie die Zehenstreckung können bei einer Schädigung des Nervus peroneus communis oder des Ischiasnervs und seiner Nervenwurzeln eingeschränkt sein. Eine häufige Folge ist die Entstehung eines Spitzfußes.

Kniearthrose (Gonarthrose)

Die Symptome der Kniearthrose (Gonarthrose) sind vielfältig und umfassen nicht nur Knieschmerzen. Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach dem Stadium der Arthrose des Knies. Die Gelenkflächen des Ober- und Unterschenkelknochens sind überzogen mit einem hyalinen Knorpel, dem sogenannten Gelenkknorpel, welcher etwa 3 bis 5 Millimeter dick ist als Pufferschicht dient.

Diagnostik

Die Diagnose von Erkrankungen und Verletzungen der Kniescheibe und des Kniegelenks umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren und neurologische Tests.

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Knie auf Schwellungen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Instabilität.
  • Röntgen: Beim Röntgen stellt man Knochenbrüche sowie abweichende Stellungen der Gelenke fest.
  • Kernspintomographie (MRT): Um noch mehr über das Innere des Kniegelenks erkennen zu können, hilft eine Kernspintomographie mithilfe starker Magnetfelder.
  • Szintigrafie: Bei der Szintigrafie handelt es sich um eine Untersuchung der Nuklearmedizin, bei der die Stoffwechselaktivität verschiedener Gewebe mit radioaktiven Stoffen sichtbar gemacht wird.
  • Arthroskopie: Eine Arthroskopie wird umgangssprachlich auch Gelenkspiegelung genannt und hilft dabei, spezielle Schäden am Kniegelenk genauer beurteilen zu können.
  • Neurologische Untersuchung: Der Kniesehnenreflex wird getestet, um die Funktion der Nervenbahnen zu überprüfen.

Therapie

Die Therapie von Erkrankungen und Verletzungen der Kniescheibe und des Kniegelenks hängt von der spezifischen Diagnose und dem Schweregrad der Erkrankung ab. Konservative Behandlungen umfassen:

  • Ruhe und Schonung: In den meisten Fällen ist es wichtig, das betroffene Knie zu entlasten und aktivitätsbezogene Belastungen zu reduzieren.
  • Physiotherapie: Gezielte physiotherapeutische Übungen spielen eine wichtige Rolle bei der Rehabilitation.
  • Eisbehandlung: Kühlung des betroffenen Bereichs kann helfen, Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren.
  • Medikamentöse Therapie: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen, können dabei helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.
  • Anpassung des Trainings: Die Modifikation des Trainingsprogramms ist entscheidend, um die Belastung auf das Knie zu reduzieren.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel helfen dabei, die Schmerzen erträglicher zu machen und haben ebenfalls eine entzündungshemmende Wirkung.
  • Pflanzliche Mittel: Pflanzenauszüge aus Rosmarin, Thymian, Fichtennadel und Latschenkiefer wirken antientzündlich und schmerzlindern.

Chirurgische Behandlungen können erforderlich sein bei:

  • Kniescheibenluxation
  • Kreuzbandriss
  • Meniskusriss
  • Knorpelschäden

Prävention

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Knieproblemen vorzubeugen:

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung hilft dabei, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern. Kniefreundlicher Sport in Form von Gymnastikübungen, Wassergymnastik, Nordic Walking, Schwimmen und Radfahren.
  • Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur kann die Flexibilität erhöhen und muskuläre Dysbalancen verhindern.
  • Aufwärmen vor dem Training: Ein gründliches Aufwärmprogramm vor sportlichen Aktivitäten kann dazu beitragen, die Muskulatur aufzuwärmen, die Gelenke zu mobilisieren und die Durchblutung zu fördern.
  • Vermeidung von Überlastung: Starkes Beugen und Verdrehen der Kniee vermeiden. Schweres Tragen vermeiden. Vermeiden Sie es pausenlos zu Stehen und zu Gehen
  • Geeignetes Schuhwerk: Hohe Absätze vermeiden, da diese eine Verlagerung des Körperschwerpunktes auslösen und das Kreuz sowie die Kniee versuchen diese neue Haltung auszugleichen.

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