Nervenentzündung in der Hüfte: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Hüftschmerzen können vielfältige Ursachen haben und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Eine Nervenentzündung in der Hüftregion ist eine mögliche Ursache, die oft mit spezifischen Symptomen einhergeht und einer gezielten Behandlung bedarf. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Nervenentzündung in der Hüfte, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den diagnostischen Verfahren und Therapieoptionen.

Was ist eine Nervenentzündung in der Hüfte?

Eine Nervenentzündung, auch Neuritis genannt, kann verschiedene Nerven in der Hüftregion betreffen. Die Entzündung kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden und führt häufig zu Schmerzen, Gefühlsstörungen und Funktionseinschränkungen.

Ursachen einer Nervenentzündung in der Hüfte

Verschiedene Auslöser können Nervenentzündungen in der Hüfte hervorrufen:

  • Viren: Virusinfektionen können Nervenentzündungen verursachen.
  • Bakterien: Bakterielle Infektionen können ebenfalls zu Nervenentzündungen führen.
  • Verletzungen durch Unfälle: Traumatische Ereignisse können Nerven in der Hüftregion schädigen und entzünden.
  • Alkohol und Medikamente: Der Konsum von Alkohol und bestimmten Medikamenten kann Nervenschäden verursachen.
  • Mechanische Kompression: Druck auf Nerven, beispielsweise durch Muskelverspannungen oder Bandscheibenvorfälle, kann zu Entzündungen führen.

Symptome einer Nervenentzündung in der Hüfte

Typische Symptome einer Nervenentzündung in der Hüfte sind vielfältig und können je nach betroffenem Nerv variieren:

  • Gefühlsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Missempfindungen in der Hüftregion und im Bein.
  • Schmerzen: Elektrisierende oder brennende Schmerzen, die in das Bein ausstrahlen können.
  • Muskelschwäche: Schwäche in den Hüft- und Beinmuskeln, die zu Schwierigkeiten beim Gehen oder Stehen führen kann.
  • Einschränkungen in der Feinmotorik: Schwierigkeiten bei präzisen Bewegungen, beispielsweise beim Zugreifen.
  • Lähmungserscheinungen: In schweren Fällen kann es zu Lähmungen in den betroffenen Muskeln kommen.
  • Durchblutungsstörungen: Veränderungen der Hautfarbe oder Temperatur in der Hüftregion und im Bein.
  • Schweißausbruch: Vermehrtes Schwitzen in den betroffenen Bereichen.

Diagnose einer Nervenentzündung in der Hüfte

Die Diagnose einer Nervenentzündung in der Hüfte erfordert eine sorgfältige Untersuchung und Anamnese durch einen Arzt. Verschiedene diagnostische Verfahren können eingesetzt werden, um die Ursache und den Umfang der Entzündung zu bestimmen:

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  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Reflexe, Muskelkraft und Sensibilität, um die betroffenen Nervenbahnen zu lokalisieren.
  • Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, um Nervenschäden zu identifizieren.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen der Nerven und des umliegenden Gewebes liefert.
  • Neurosonografie: Ultraschalluntersuchung der Nerven.
  • Blutuntersuchungen: Analyse von Entzündungswerten und anderen Parametern, um mögliche Ursachen zu identifizieren.

Differenzialdiagnosen

Es ist wichtig, eine Nervenentzündung von anderen Erkrankungen abzugrenzen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören:

  • Hüftarthrose (Coxarthrose): Verschleiß des Hüftgelenks, der zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica): Entzündung des Schleimbeutels an der Außenseite der Hüfte, die Schmerzen bei Belastung und in Ruhe verursacht.
  • Piriformis-Syndrom: Reizung des Ischiasnervs durch den Piriformis-Muskel, die zu Schmerzen im Gesäß und im Bein führen kann.
  • Bandscheibenvorfall: Verlagerung von Bandscheibengewebe, die auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen kann.
  • Hüftdysplasie: Angeborene Fehlstellung des Hüftgelenks, die zu Schmerzen und Arthrose führen kann.
  • Hüftimpingement (Femoroacetabuläres Impingement, FAI): Mechanisches Problem im Hüftgelenk, bei dem Knochen aneinanderreiben und Schmerzen verursachen.
  • Meralgia paraesthetica: Einklemmung eines Hautnervs am Oberschenkel, die zu Missempfindungen und Schmerzen führt.
  • Coxitis: Entzündung des Hüftgelenks, die durch Bakterien oder andere Ursachen ausgelöst werden kann.

Behandlung einer Nervenentzündung in der Hüfte

Die Behandlung einer Nervenentzündung in der Hüfte richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Ziel ist es, die Entzündung zu reduzieren, die Schmerzen zu lindern und die Funktion des betroffenen Nervs wiederherzustellen.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Schmerzlindernde Medikamente (Analgetika): Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen können die Entzündung reduzieren.
  • Kortikosteroide: Injektionen von Kortison in die Nähe des entzündeten Nervs können die Entzündung und die Schmerzen reduzieren.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Entlastung des Nervs.
  • Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Behandlungsmethode kann bei einigen Patienten Schmerzlinderung bringen.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Je nach Bedarf können Wärme- oder Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei neu aufgetretenen, akuten Beschwerden bringen Kälteanwendungen Erleichterung, z. B. in Form von Kühlpacks oder Eisbeuteln. Diese dürfen jedoch wegen der Gefahr von Erfrierungen nie direkt auf die Haut aufgelegt werden, sondern sind immer in ein Tuch einzuwickeln. Lokale Wärmeanwendungen können hilfreich sein.
  • Schonung und Entlastung: Vermeidung von Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken.
  • Axomera-Therapie: Eine in Düsseldorf entwickelte Therapie, die bei einigen Patienten zu anhaltenden Therapieerfolgen geführt hat.

Operative Behandlungsmethoden

In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Nervenentzündung zu beheben. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Nerv durch eine mechanische Kompression, wie einen Bandscheibenvorfall oder eine Verengung des Wirbelkanals, eingeklemmt wird.

  • Dekompression des Nervs: Operative Entlastung des Nervs, um den Druck zu reduzieren.
  • Entfernung von Tumoren oder Zysten: Wenn ein Tumor oder eine Zyste auf den Nerv drückt, kann eine operative Entfernung erforderlich sein.

Alternative Behandlungsmethoden

Einige Patienten suchen nach alternativen Behandlungsmethoden zur Linderung ihrer Beschwerden. Dazu gehören:

  • Chiropraktik: Manuelle Therapie zur Behandlung von Fehlstellungen der Wirbelsäule und anderer Gelenke.
  • Osteopathie: Ganzheitliche Behandlungsmethode, die darauf abzielt, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
  • Neuraltherapie: Injektion von Lokalanästhetika in Triggerpunkte oder in die Nähe des entzündeten Nervs.

Selbsthilfemaßnahmen

Zusätzlich zu den ärztlichen Behandlungen können Patienten auch selbst Maßnahmen ergreifen, um ihre Beschwerden zu lindern:

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  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes kann helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden. Achten Sie auch auf einen Bürostuhl mit Armlehnen sowie verstellbarer Sitzfläche und Rückenlehne, um ein bequemes Sitzen zu ermöglichen. Die Höhe von Tisch und Stuhl sowie die Position von Arbeitsgeräten sollten Ihrer Sitzposition gut angepasst sein.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßiger gelenkschonender Sport wie Fahrradfahren, Gymnastik, Aquafitness, Schwimmen oder Nordic Walking ist für die Gesundheit der Hüfte in der Regel gut geeignet.
  • Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Hüftgelenke zusätzlich belasten. Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht und bauen Sie eventuelles Übergewicht ab.
  • Dehnübungen: Das Dehnen der Hüftmuskulatur ist sowohl (vorsichtig!) in der akuten Phase als auch vorbeugend hilfreich.
  • Vermeidung von Überlastung: Beim Sport sollte man Übungen meiden, die den Schleimbeutel und die Hüftmuskulatur belasten. Dies bemerkt man an einer Zunahme der Beschwerden nach dem Sport.

Die Rolle der Physiotherapie

Die Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Nervenentzündungen in der Hüfte. Durch gezielte Übungen können die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und der Nerv entlastet werden. In der akuten Phase sind vor allem Dehnübungen der Hüfte empfehlenswert. Hier muss darauf geachtet werden, diese nur sehr vorsichtig durchzuführen. Dazu lässt man sich am besten von der Physiotherapeut*in anleiten. Eine Gangschule kann bei asymmetrischem Gangbild oder Fehlhaltung helfen.

Axomera-Therapie: Ein neuer Ansatz

Die Axomera-Therapie ist eine relativ neue Behandlungsmethode, die in Düsseldorf entwickelt wurde. Sie zielt darauf ab, die Nervenfunktion zu verbessern und die Schmerzen zu reduzieren. Einige Patienten berichten von anhaltenden Therapieerfolgen nach wenigen Behandlungen. Die Ergebnisse der Axomera-Therapie wurden von Prof. A. vorgestellt.

Fallbeispiele zur Axomera-Therapie

  • Weiblich, 60 Jahre: Seit zwei Jahren Schleimbeutelentzündungen an beiden Hüftgelenken. Nach Axomera-Therapie deutliche Besserung.
  • Weiblich, 35 Jahre: Seit sechs Jahren Schmerzen an der linken Hüfte beim Liegen. Nach Axomera-Therapie erhebliche Besserung.
  • D, H, 70 Jahre: Seit sechs Monaten Hüftschmerzen und Schmerzen im linken Bein. Nach Axomera-Therapie Beseitigung der Schmerzen.
  • O,R 67 Jahre: Seit einem Jahr Trochanterschmerz rechts. Nach Axomera-Therapie deutliche Besserung und Beschwerdefreiheit.

Trochantertendinose: Eine häufige Begleiterkrankung

Die Trochantertendinose ist eine Entzündung der Sehnen am großen Rollhügel des Oberschenkels. Sie tritt häufig in Verbindung mit einer Nervenentzündung in der Hüfte auf und kann die Symptome verstärken. Die großen Hüftmuskeln setzen am sogenannten Rollhügel (Trochanter) des Oberschenkels an. Sie dienen dazu, das Bein im Hüftgelenk abzuspreizen und zu stabilisieren. Hierbei werden große Kräfte freigesetzt. Diese müssen durch Schleimbeutel, die zwischen Muskulatur und Knochen platziert sind, abgefedert werden. Hierbei können sich der Ansatz der Muskulatur am Oberschenkelknochen wie auch die darunterliegenden Schleimbeutel entzünden. Ursache sind meist eine altersbedingte Abnahme der Belastbarkeit der Gewebe wie auch sportliche Überlastungen. Wichtigstes Symptom sind eng umschriebene, gut lokalisierbare Schmerzen im hüftnahen Bereich des seitlichen Oberschenkels, genau dort, wo der Knochen am weitesten nach außen absteht. Dies Stelle wird bei einer Tendinose des Trochanters druckempfindlich. Die Patienten klagen über einen nächtlichen Hüftschmerz, wenn sie auf der betroffenen Seite liegen. Weiterhin werden die stechenden, drückenden Schmerzen durch Belastung, zum Beispiel durch längeres Gehen, Treppensteigen oder Fitnessübungen ausgelöst. Ruhe lindert oft die Beschwerden. Meistens wird die Trochantertendinose zuerst durch schmerzlindernde Mittel (Analgetika) und mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Dazu kommen lokale Injektionen, meist Kortisoninjektionen. Daneben wird auch die Stoßwellenbehandlung eingesetzt. Fast alle Patienten erhalten zusätzlich Physiotherapie zur Mobilisierung und Dehnung der betroffenen Muskulatur. Insgesamt eignen sich diese Therapien sicherlich als kurzfristige Schmerztherapie, ein dauerhafter Erfolg wird aber meist nicht erzielt. Nach wenigen Wochen oder Monaten stellt sich der Trochanterschmerz wieder ein. Operationen werden sehr zurückhaltend eingesetzt, da sie häufiger erfolglos sind und Patienten danach möglicherweise mehr Beschwerden haben als präoperativ. Zu den operativen Maßnahmen gehören die Entfernung des Schleimbeutels (Bursektomie), die Verlängerung der Hüft-Gesäßmuskulatur und die Durchschneidung der Nerven der empfindlichen Knochenhaut.

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