Nach Katheterbehandlungen können Nervenschmerzen auftreten, die verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Therapieansätze erfordern. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe von Nervenschmerzen nach Katheteranwendungen und stellt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vor.
Katheterbehandlungen: Ein Überblick
Katheterbehandlungen haben sich in vielen medizinischen Bereichen als schonende Alternative zu offenen Operationen etabliert. Sie ermöglichen die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Herzens und der Gefäße. Besonders bedeutsam sind sie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit. Hier können verengte Herzkranzgefäße mit einem Ballon geweitet und mit einem Stent offen gehalten werden. Auch bei ischämischen Schlaganfällen, Gefäßerkrankungen außerhalb des Herzens (z.B. periphere arterielle Verschlusskrankheit) und Herzrhythmusstörungen finden Katheteranwendungen ihren Einsatz. Die Koronarangiografie ermöglicht die Sichtbarmachung von Engstellen in den Herzkranzgefäßen.
Was ist ein Schmerzkatheter?
Ein Schmerzkatheter ist ein dünner, flexibler Plastikschlauch, der zur Verabreichung von Schmerzmitteln verwendet wird. Er kann entweder in der Nähe des Rückenmarks (rückenmarksnaher Katheter) oder in der Nähe eines peripheren Nervs (rückenmarksferner Katheter) platziert werden.
Formen rückenmarksnaher Schmerzkatheter
- Periduralkatheter: Dieser Katheter liegt im Periduralraum, einem Raum, der die Rückenmarkshäute umgibt. Das Betäubungsmittel muss sich erst zu den Nervenwurzeln ausbreiten.
- Spinaler Katheter: Hier wird das Betäubungsmittel direkt in den Liquorraum gespritzt, wodurch die schmerzstillende Wirkung schneller einsetzt.
Anwendungsbereiche von Schmerzkathetern
- Rückenmarksnahe Katheter: Ergänzung zur Allgemeinanästhesie bei Operationen im Brust- oder Bauchraum, an der Hauptschlagader, am Darm, bei gynäkologischen Eingriffen, Geburten und unfallchirurgischen Eingriffen.
- Rückenmarksferne Katheter: Häufig nach unfallchirurgischen Operationen eingesetzt, um starke Schmerzen zu lindern und eine rasche Mobilisation zu ermöglichen. Kann auch Phantomschmerzen nach Amputationen entgegenwirken.
Ursachen von Nervenschmerzen nach Katheterbehandlungen
Rund 20 % aller operierten Patienten entwickeln Nervenschmerzen, sogenannte postoperative neuropathische Schmerzen oder postoperative Neuropathie. Die Ursachen für Nervenschmerzen nach Katheterbehandlungen sind vielfältig:
- Direkte Nervschädigung: Während des Eingriffs kann es zu direkten Schädigungen von Nerven kommen, beispielsweise durch Kompression, Dehnung oder Trauma.
- Entzündungsprozesse: Entzündungen im Operationsgebiet können die peripheren Nerven schädigen.
- Vorerkrankungen: Vorerkrankungen der peripheren Nerven, Diabetes, Gefäßerkrankungen, Alkoholabhängigkeit oder Arthritis können das Risiko für Nervenschäden erhöhen.
- Individuelle Faktoren: Eine niedrige Schmerzschwelle oder eine pessimistische Einstellung können die Schmerzwahrnehmung verstärken.
Symptome neuropathischer Schmerzen
Neuropathische Schmerzen zeichnen sich durch eine veränderte Hautsensibilität aus. Betroffene reagieren überempfindlich oder unempfindlich auf Reize wie Kälte, Wärme, Berührung oder Druck. Typische Symptome sind:
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- Taubheitsgefühle
- Kribbeln
- Brennende Schmerzen
- Stechende Schmerzen
- Einschießende oder elektrisierende Schmerzen
Diagnose von Nervenschmerzen
Eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung sind entscheidend für die Diagnose neuropathischer Schmerzen. Der Arzt wird Fragen stellen wie:
- Wie stark sind die Schmerzen in Ruhe und bei Belastung?
- Wo genau treten die Schmerzen auf?
- Wie fühlen sich die Schmerzen an (dumpf, stechend, brennend)?
Zusätzlich kann die sogenannte numerische Rating-Skala (NRS) verwendet werden, bei der der Patient den Schmerz auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz) einordnet.
Behandlung von Nervenschmerzen nach Katheterbehandlungen
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach Katheterbehandlungen zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die oft kombiniert werden:
Medikamentöse Therapie
- Nicht-Opioide: Bei leichten Schmerzen können Schmerzmittel wie Metamizol, Paracetamol oder nicht-steroidale Antirheumatika (Ibuprofen) eingesetzt werden.
- Opioide: Bei stärkeren Schmerzen kommen schwache oder starke Opioide zum Einsatz.
- Antikonvulsiva: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) können ebenfalls schmerzlindernd wirken.
- Lokale Therapie: Lidocain-Pflaster können zur lokalen Schmerzlinderung eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Physiotherapie: Bewegungstherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapeutische Maßnahmen können den Patienten helfen, ihren Alltag trotz der Schmerzen besser zu bewältigen.
- Psychotherapie: Psychologische Unterstützung kann helfen, die Schmerzakzeptanz zu verbessern und Strategien zur Schmerzbewältigung zu entwickeln.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Alternative Therapien: Akupunktur, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Wärme- oder Kälteanwendungen können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.
Invasive Therapie
- Nervenblockaden: Durch Injektionen von Lokalanästhetika können bestimmte Nerven gezielt blockiert werden, um die Schmerzen zu lindern.
- Neuromodulation: Verfahren wie die Spinal Cord Stimulation (SCS) können die Schmerzsignale im Rückenmark unterdrücken.
- Racz-Katheter: Eine minimalinvasive Methode, bei der ein Katheter in den Epiduralraum eingeführt wird, um Medikamente direkt an die Nervenwurzel zu bringen.
Spezielle Verfahren
- Racz-Katheter-Technik: Hierbei wird ein biegsamer Katheter über einen kleinen Stichkanal in der Haut bis zur gewünschten Stelle im Rückenmarkskanal vorgeschoben, um dort Betäubungsmittel, schmerzstillende oder regenerierende Medikamente zu verabreichen.
- Epidurale Kathetertechnik nach Racz: Hierbei wird über eine dünne Nadel ein lenk- und steuerbarer Katheter in den Epiduralraum eingeführt, um störendes Narben- oder Weichteilgewebe zu mobilisieren und Medikamente zu injizieren.
- Periphere Nervenfeld-Stimulation (PNFS): Bei dieser Methode werden Elektroden unter die Haut gelegt, um ein elektrisches Feld aufzubauen, das das schmerzhafte Areal am Rücken abdeckt.
- Gepulste Hochfrequenz-Radiotherapie Katheter (Pasha Katheter): Hierbei wird ein spezieller Katheter an den zu behandelnden Nerven geführt, um eine Art "Reset" am Nerven durchzuführen.
- Spinal Cord Stimulation (SCS): Hierbei wird eine Elektrode auf das Rückenmark gelegt und an einen Schrittmacher unter der Haut angeschlossen, um die Schmerzsignale zu unterdrücken.
Multimodales Therapiemanagement
Die optimale Behandlung von Nervenschmerzen erfordert ein multimodales Therapiemanagement, das medizinische, medikamentöse, psychologisch-therapeutische und bewegungstherapeutische Maßnahmen kombiniert. Patienten sollten sich idealerweise in spezialisierten Schmerzzentren behandeln lassen.
Wichtiges für Patienten mit Schmerzkatheter
- Schutz der Einstichstelle: Die Einstichstelle sollte vor Verschmutzungen geschützt werden. Beim Waschen sollte darauf geachtet werden, dass weder Seife noch Wasser in die Wunde gelangt.
- Ärztliche Kontrolle: Bei Schmerzen, Rötung oder anderen ungewöhnlichen Erscheinungen im Bereich der Punktionsstelle sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.
- Regelmäßige Kontrollen: Die Einstichstelle des Schmerzkatheters wird täglich von einer Pflegekraft oder dem Arzt kontrolliert.
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