Nervenschmerzen bei Mesotheliom: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Dank des medizinischen Fortschritts steigt die Lebenserwartung von Krebspatienten kontinuierlich. Neue Therapien wie die Immunonkologie sowie erweiterte Behandlungsmöglichkeiten selbst für fortgeschrittene Krankheitsstadien führen dazu, dass Patienten mit onkologischen Erkrankungen zunehmend länger und besser überleben. Bei den oft über lange Zeit behandelten Krebspatienten können jedoch auch plötzliche Notfälle auftreten. Es ist wichtig, mögliche Notfallsituationen zu erkennen, um schnell und entschlossen handeln zu können.

Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Nervenschmerzen im Zusammenhang mit Mesotheliomen, einer seltenen und aggressiven Krebsart, die vor allem das Rippenfell betrifft. Neben den Ursachen werden auch Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Was ist ein Mesotheliom?

Als Pleuramesotheliom wird der Rippenfellkrebs bezeichnet. Das maligne Mesotheliom ist eine seltene Krebsform des Rippenfells (Pleura). Als Hauptursache gilt der Asbestkontakt. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen ist das Pleuramesotheliom mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Umso wichtiger ist die Behandlung in einem dafür zertifizierten Zentrum mit der notwendigen Expertise.

Das Brustfell (Pleura) ist eine dünne, von einem Flüssigkeitsfilm bedeckte Membran im Brustkorb. Die Pleura kleidet die gesamte Innenfläche des Brustkorbs aus und überzieht auch die Lungenflügel. Auf ihr können sich gutartige Geschwulste bilden, die häufig dem Bindegewebe entstammen und insgesamt eher selten vorkommen. Es können sich aber auch Metastasen im Brustfell ansiedeln (Pleurakarzinose), ausgehend von verschiedenen bösartigen Ursprungstumoren, wie zum Beispiel Brust-, Lungen-, Magen- und Eierstockkrebs. Relativ selten bilden sich bösartige Primärtumoren im Rippenfell selbst.

Ursachen von Mesotheliomen

Mesotheliome werden fast immer durch Kontakt mit Asbestfasern verursacht. Bei denjenigen, die direkt mit Asbest oder -produkten gearbeitet haben, besteht das größere Risiko der Entwicklung von Mesotheliomen. Das Auftreten der Erkrankung erfolgt meist erst 20 Jahren und später nach Aussetzung mit asbesthaltigen Werkstoffen.

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Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts galt Asbest als „Wunderfaser“. Als zunehmend deutlicher wurde, dass der Umgang mit Asbest zu Krebs führen kann, erfolgte nach und nach das Verbot dieses Werkstoffs. Schon früh stellte sich heraus, dass die mikroskopisch kleinen Fasern, die vom Körper nicht abgebaut werden, Lungenkrebs verursachen können. Jahre später zeigte sich ein weiteres, noch schwerwiegenderes Problem, die Entstehung sogenannter Mesotheliome, einer besonders aggressiven Krebsart, die hauptsächlich das Brustfell betrifft.

Asbestose

Eine Asbestose entsteht, wenn asbesthaltiger Staub eingeatmet wird und sich im Lungengewebe - vornehmlich in den Lungenbläschen (Alveolen) - absetzt. Von dort aus gelangen die Asbestfasern in das Bindegewebe der Lunge und spalten sich in kleinste Fasern auf. Diese Fasern wandern zur Pleura (Brustfell), sammeln sich dort und lösen Entzündungen aus. Risikofaktor Beruf: Asbestfasern werden meistens am Arbeitsplatz inhaliert. Früher gab es dagegen keine Schutzmaßnahmen. Zudem enthielt teilweise die Arbeitsschutzkleidung selbst Asbest.

Symptome eines Mesothelioms

Frühe Mesotheliom-Symptome sind Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und anhaltender Husten.

Die meist fortschreitende Lungenfibrose führt zu Reizhusten mit trockenem Auswurf und Atemnot (Dyspnoe). Zunächst bekommen Betroffene vor allem dann weniger Luft, wenn sie sich körperlich anstrengen (Belastungsdyspnoe). Im späteren Verlauf kann die Atemnot auch in Ruhephasen auftreten (Ruhedyspnoe).

Am häufigsten entartet das Lungenfell (das innere Blatt des Brustfells), was Mediziner dann als Pleura-Mesotheliom bezeichnen. Die Patienten berichten von langsam zunehmenden Schmerzen im Brustkorb (Thorax), die sich in den Hals, die Schulter oder den Arm ausbreiten können. Hinzu kommen trockener Reizhusten und Atemnot. Betroffene fühlen sich abgeschlagen, haben Fieber und verlieren an Gewicht. Manche schwitzen nachts derart stark, dass sie das Nachthemd oder die Bettwäsche wechseln müssen.

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Seltener als das Pleuramesotheliom ist das Peritoneal-Mesotheliom - eine bösartige Wucherung des Bauchfells. Die Betroffenen leiden an Bauchschmerzen und Bauchwasser (Aszites). Das Perikard-Mesotheliom ist sehr selten. Die Patienten zeigen das Krankheitsbild einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis) mit Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikarderguss). Manchmal treten auch Herzrhythmusstörungen auf.

Nervenschmerzen als Folge des Mesothelioms

Tumorbedingte Schmerzen entstehen durch den wachsenden Tumor oder tumorbedingte Metastasen. 30 Prozent der Patienten, die jedes Jahr an einem Tumor erkranken, leiden bereits in einem frühen Erkrankungsstadium an Schmerzen. Im weiteren Verlauf sind circa 90 Prozent der Patienten schmerzbedingt beeinträchtigt.

Die Schmerzen können verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Nervenkompression: Der Tumor kann direkt auf Nerven drücken, was zu Nervenschmerzen führt.
  • Entzündung: Entzündungen im Bereich des Tumors können ebenfalls Nervenschmerzen verursachen.
  • Metastasen: Metastasen in Knochen oder anderen Geweben können Nerven schädigen und Schmerzen verursachen.

Diagnose von Mesotheliomen

Der Verdacht auf ein Mesotheliom wird durch bildgebende Verfahren, wie z.B. durch Röntgen- und CT-Untersuchungen des Brustkorbs oder durch eine Kernspintomographie gestellt. Auch zytologische/ histologische Untersuchungen, also feingewebliche Untersuchungen der Tumorzellen/-gewebes, kommen zum Einsatz. In den meisten Fällen ergibt eine Nadel- oder eine operative Biopsie die richtige Diagnose. Die operative Gewebeentfernung wird meist durch Videothorakoskopie („Schlüssellochchirurgie”) durchgeführt.

Zu Diagnostik gehört auch die Suche nach eventuellen Tochtergeschwülsten in anderen Organen und Lymphknoten, so genannte Metastasen. Dazu dient z.B. die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Die Spiegelung des Mittelfelds (Mediastinoskopie) ist ein operatives Verfahren, bei dem die Lymphknoten neben der Luftröhre feingeweblich untersucht werden.

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Weitere diagnostische Maßnahmen

Lungenfachärzte oder Arbeitsmediziner sind Fachleute für asbestbedingte Erkrankungen. Der erste Schritt zur Diagnose einer Asbestose ist ein ausführliches Arzt-Patient-Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Der Arzt befragt den Betroffenen zu seinen Symptomen, zur beruflichen Vergangenheit und aktuellen Arbeitssituation. Nach dem Arztgespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Im Fokus stehen dabei das Abhören und Abklopfen der Lunge.

Für eine Bildgebung des Brustkorbs wird eine Röntgenuntersuchung (Röntgen-Thorax) oder Computertomografie (Thorax-CT) durchgeführt. Charakteristische Veränderungen auf den Aufnahmen können den Verdacht auf eine Asbestose erhärten - so etwa der Nachweis von sogenannten Asbestkörperchen.

Gegebenenfalls folgen weitere Untersuchungen wie:

  • Lungenfunktionstest
  • Blutgasanalyse
  • Lungenbiopsie
  • Lungenspülung (Bronchoalveoläre Lavage)
  • Ergusszytologie (Probeentnahme aus einer Flüssigkeitsansammlung im Lungenfell)

Behandlung von Mesotheliomen und Nervenschmerzen

Die Behandlung von Mesotheliomen ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Ziel der Behandlung ist es, das Tumorwachstum zu verlangsamen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Je nach allgemeinem Gesundheitszustand des Patienten werden verschiedene Operationsverfahren eingesetzt. Die Operation beinhaltet die Entfernung des tumortragenden Rippenfells. In Abhängigkeit vom Ausmaß des Tumorwachstums werden auch Resektionen an Herzbeutel und Zwerchfell durchgeführt. Herzbeutel und Zwerchfell werden mit einem Kunststoffnetz ersetzt. Bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) wird bei gutem Allgemeinzustand und ungünstigem Tumorwachstum auch der betreffende Lungenflügel entfernt. Bei Patienten, die für umfangreiche Resektionsverfahren nicht in Frage kommen, wird zur Linderung der Atemnot eine Verödung des Rippenfellraums durchgeführt. Dies erfolgt durch die Gabe von Talkpulver in den Brustkorb.

Operative Verfahren

Es gibt zwei operative Methoden zur Behandlung des Mesothelioms, die Pleurektomie/Dekortikation (PD) und die extrapleurale Pneumonektomie (EPP), auch Pleuropneumonektomie genannt. Dies sind äußerst spezielle Operationen, die nicht in allen Krankenhäusern angeboten werden. Das ultimative Ziel dieser Eingriffe ist die Entfernung sämtlichen Tumorgewebes, mit dem Wissen, dass restliche (residuale), mikroskopische Tumorgewebsteilchen wahrscheinlich im Körper verbleiben. Eine zusätzliche Therapie (Chemotherapie und/oder Bestrahlung) hat normalerweise das Ziel, diese verbliebenen Tumorgewebsteilchen zu beseitigen.

Die PD ist die weniger radikale Methode, da sie nur die Entfernung der Lungenauskleidung (Pleura) beinhaltet und nicht die Resektion der darunter liegenden Lunge. In einigen Fällen könnten der Herzbeutel (Perikard) und das Zwerchfell mit entfernt werden; dies hängt von der Größe des Tumors ab. Der Vorteil dieses Verfahrens ist eine im Allgemeinen schnellere Erholungszeit. Die extrapleurale Pneumonektomie ist ein radikaleres Verfahren, das die Entfernung von Lunge, Pleura (Lungenauskleidung), Perikard (Herzbeutel) und Zwerchfell auf der befallenen Seite beinhaltet. Perikard und Zwerchfell werden am Schluss der Operation mit einem Kunststoffnetz oder ähnliche Ersatzmaterialien wiederhergestellt.

Ist die Erkrankung fortgeschritten und/oder der Allgemeinzustand des Patienten schlecht, kommen radikale operative Verfahren bei der Behandlung nicht in Frage. Um die Ausdehnung und Sicherung der Diagnose Pleuramesotheliom zu ermöglichen ist häufig eine Thorakoskopie (Brustspiegelung) notwendig, bei dieser Gelegenheit kann eine Talkpleurodese ebenfalls durchgeführt werden.

Chemotherapie und Strahlentherapie

Beide Therapieformen werden in Verbindung mit einer Operation verwendet, um mikroskopisch gestreutes Tumorgewebe zu entfernen. Vor der Operation wird die Chemotherapie genutzt, um den Tumor schrumpfen zu lassen. Die Strahlentherapie hat sich auch als wirksam zur Prävention der Streuung des Tumors an den Biopsiestellen oder an der Einführungsstelle der Brustkorbdrainage erwiesen.

Schmerztherapie

Die Schmerzen können durch verschiedene Behandlungen gelindert werden. In der Regel kommen medikamentöse Behandlungsformen zum Einsatz: Nicht-Opioid-Analgetika (z. B. Ibuprofen und Metamizol), niedrigpotente Opioide (z. B. Tramadol und Tilidin), hochpotente Opioide (z. B. Morphin und Oxycodon) sowie Co-Analgetika (z.B. Pregabalin, Gabapentin und Amitriptylin). Nichtmedikamentöse Verfahren wie z. B. menschliche Zuwendung, ambulante Psychotherapie und Physiotherapie können ebenfalls zu einer deutlichen Beschwerdelinderung führen.

Komplementärmedizinische Behandlungen (z. B. transkutane elektrische Nervenstimulation, Akupunktur) und medikamentöse Behandlungen (systemische Schmerztherapie/ Infusionsbehandlungen, intravenöse Schmerztherapie mit einer tragbaren Schmerzpumpe) sowie psychologische Schmerztherapieverfahren können ebenfalls eingesetzt werden.

Palliativmedizin

Da eine Heilung des Mesothelioms oft nicht möglich ist, spielt die Palliativmedizin eine wichtige Rolle. Ziel der Palliativmedizin ist es, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und die Symptome zu lindern.

Onkologische Notfälle

Bei Krebspatienten können verschiedene onkologische Notfälle auftreten, die ein schnelles Handeln erfordern. Hierzu gehören:

  • Metabolische Notfälle: Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), Hyperkalzämie, Diabetische Ketoazidose (DKA)
  • Hämatologische Notfälle: Leukostase, Tumorlyse, Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), Thrombosen und Embolien, Obere Einflussstauung
  • Infektiologische Notfälle: Neutropenie/neutropenisches Fieber, Sepsis/septischer Schock

Es ist wichtig, diese Notfallsituationen rasch zu erkennen, den zuständigen Arzt oder die zuständige Ärztin unverzüglich zu informieren und schnell und richtig zu handeln.

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