Im Rahmen einer Gürtelrose (Herpes Zoster) können Nervenschmerzen auftreten, die sowohl in der akuten Phase der Erkrankung als auch als Post-Zoster-Neuralgie (PZN) Monate bis Jahre nach Abheilung des Hautausschlags fortbestehen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Nervenschmerzen nach Herpes Zoster.
Was ist Gürtelrose?
Die Gürtelrose ist ein schmerzhafter Hautausschlag, der sich im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven ausbreitet. Sie ist eine Folgeerkrankung der Windpocken, die durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird.
Ursachen
Nach einer überstandenen Windpockeninfektion verbleibt das Varicella-Zoster-Virus lebenslang im Körper und nistet sich in den Nervenknoten von Gehirn oder Rückenmark ein. Bei einer Schwächung des Immunsystems, beispielsweise durch Erkrankungen, Medikamente oder zunehmendes Alter, können die Viren reaktiviert werden. Sie wandern dann entlang der Nervenbahnen in die Haut und verursachen dort den charakteristischen Hautausschlag. Die Nervenschädigungen, die durch das Virus hervorgerufen werden, können Nervenschmerzen und Empfindungsstörungen nach sich ziehen.
Zu den Risikofaktoren für eine Reaktivierung des Virus zählen:
- Maligne Erkrankungen und Stammzelltransplantationen
- Erkrankungen des Immunsystems wie HIV-Infektion/AIDS und angeborene Immundefekte
- Erkrankungen mit indirekter Schwächung des Immunsystems wie rheumatoide Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma, chronische Niereninsuffizienz und Diabetes Typ I
- Einnahme immunsuppressiver Medikamente (zum Beispiel orale Kortikoide, Januskinase-Inhibitoren und andere Immunsuppressiva)
- Höheres Lebensalter
- Schlafstörungen, Depressionen und Stress
- Selten auch UV-Licht
Symptome
Die Symptome einer Gürtelrose können vielfältig sein und variieren je nach betroffenem Nervenbereich. Typischerweise treten folgende Beschwerden auf:
Lesen Sie auch: Behandlung von Nervenschmerzen nach Herpes
- Schmerzhafter Hautausschlag: Der Ausschlag tritt häufig gürtel- oder streifenförmig am Rumpf auf, kann sich aber grundsätzlich in allen Körperregionen ausbreiten. Zunächst entstehen rötliche Flecken und Papeln, die sich innerhalb von 24 bis 72 Stunden in Vesikel und Pusteln umwandeln. Nach etwa fünf bis sieben Tagen verkrusten die Bläschen.
- Nervenschmerzen: Die Schmerzen werden oft als brennend, stechend, pulsierend oder bohrend beschrieben. Sie können bereits vor dem Auftreten des Hautausschlags beginnen und nach dessen Abheilen fortbestehen.
- Empfindungsstörungen: Im betroffenen Hautbereich können Missempfindungen wie Juckreiz, Taubheitsgefühle oder eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit auftreten.
Die Post-Zoster-Neuralgie (PZN)
Bestehen die Nervenschmerzen länger als drei Monate nach Abheilung des Hautausschlags, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Die PZN ist die häufigste Komplikation einer Gürtelrose und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Symptome der PZN:
Die Symptome der Post-Zoster-Neuralgie variieren je nach betroffener Nervenregion:
- Anhaltende brennende oder bohrende Schmerzen
- Plötzlich einschießende Schmerzen
- Heftige Schmerzen bei Berührung
- Missempfindungen wie Juckreiz oder Taubheitsgefühle
- Schmerzen und Missempfindungen treten im Bereich der vorangegangenen Gürtelrose auf: am Rumpf, manchmal auch an einem Arm oder im Gesicht. Der Schmerz kann intensiver werden und sich über die Stellen des ursprünglichen Ausschlags ausbreiten.
- Die Haut ist an diesen Stellen überempfindlich und jede Berührung schmerzhaft. Menschen mit einer Post-Zoster-Neuralgie haben häufig Probleme, diese Hautregionen zu waschen, sich im Bett zu drehen oder sich zu umarmen.
- Heftigste Berührungsschmerzen. Die Schmerzen breiten sich häufig in benachbarte Hautregionen aus, die nicht von der Gürtelrose befallen waren.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer PZN:
- Höheres Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Während das Risiko bei den 55- bis 59-Jährigen bei 30 Prozent der Herpes-Zoster-Fälle liegt, bleiben die Schmerzen bei der Hälfte der Betroffenen über 60 Jahren länger bestehen und sogar bei zwei Dritteln der über 70-Jährigen.
- Weibliches Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Starke Schmerzen zu Beginn der Gürtelrose, teilweise noch vor dem Ausschlag
- Betroffene Körperstelle oder Nervenbahn: So ist das Risiko für eine PZN nach einer Gürtelrose im Gesicht und an den Augen sowie am Steißbein erhöht.
- Zoster ophthalmicus mit Keratitis oder intraokulärer Entzündung
- Entwicklung von > 50 Effloreszenzen
- Hämorrhagische Läsionen
- Kraniale/sakrale Lokalisation
Diagnose
Die Diagnose von Nervenschmerzen nach Herpes Zoster, einschließlich der Post-Zoster-Neuralgie, basiert in der Regel auf der Anamnese des Patienten, der klinischen Untersuchung und gegebenenfalls zusätzlichen Tests.
Anamnese
Der Arzt wird Fragen stellen zu:
- Vorheriger Windpockenerkrankung
- Aktueller oder kürzlich überstandener Gürtelrose
- Art, Stärke und Lokalisation der Schmerzen
- Begleitenden Symptomen wie Juckreiz, Taubheitsgefühlen oder Berührungsempfindlichkeit
- Impfstatus
- Einnahme von Medikamenten
- Vorerkrankungen
Eventuell erhalten Sie einen standardisierten Fragebogen, in dem Sie die Schmerzen mittels einer Skala einschätzen.
Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen
Klinische Untersuchung
Die medizinische Fachperson untersucht das betroffene Hautareal nach Rötungen, Pusteln oder Narben und prüft, wie berührungsempfindlich die Haut ist.
Zusätzliche Tests
In unklaren Fällen kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um die Entzündungswerte und eventuell spezielle Antikörper gegen das Varicella-Zoster-Virus zu ermitteln. Wenn noch andere Ursachen für die Nervenschmerzen in Frage kommen, kann eine Überweisung in eine Fachpraxis für Neurologie erfolgen. Feststellen lässt sich die Gürtelrose sehr gut über eine Laboruntersuchung der Hautveränderungen.
Behandlung
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach Herpes Zoster zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen zu vermeiden.
Akute Phase der Gürtelrose
In der akuten Phase der Gürtelrose ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, die Schmerzen zu lindern und das Risiko einer PZN zu verringern.
Antivirale Medikamente:
- Aciclovir, Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir: Diese Medikamente hemmen die Vermehrung des Varicella-Zoster-Virus und können die Dauer und Schwere der Erkrankung verkürzen. Sie sollten möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Hautausschlags eingenommen werden.
Schmerzmittel:
- Nicht-opioid-Analgetika: Bei leichten Schmerzen kommen gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure zum Einsatz.
- Opioide: Bei stärkeren Schmerzen kann der Arzt Opioide verschreiben.
- Zusätzlich Medikamente gegen Nervenschmerzen (z.B.
Lokale Behandlung:
- Sorgfältige Hautpflege: Eine sorgfältige Hautpflege, zum Beispiel mit einem desinfizierenden Pulver, ist wichtig, um bakterielle Superinfektionen zu vermeiden.
Post-Zoster-Neuralgie (PZN)
Die Behandlung der PZN ist oft langwierig und erfordert Geduld. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die einzeln oder in Kombination eingesetzt werden können.
Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie
Medikamente:
- Antikonvulsiva (Antiepileptika): Substanzen wie Pregabalin oder Gabapentin dämpfen die Erregbarkeit von Nervenzellen und wirken daher auch bei Nervenschmerzen. Sie werden anfangs mit Schmerzmitteln kombiniert, da es etwas dauert, bis sie wirken. Dann können die Schmerzmittel wieder abgesetzt werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) können die Schmerzweiterleitung zum Gehirn hemmen und die Erregbarkeit der betroffenen Nerven dämpfen.
- Opioide: Starke Schmerzmittel, die nur bei sehr starken Schmerzen und unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden sollten.
- Lokalanästhetika: Lidocain kann als Salbe oder Pflaster auf den schmerzenden Bereich aufgetragen werden.
- Capsaicin-Pflaster: Hochdosierte Capsaicin-Pflaster können die Nervenschmerzen verringern.
Weitere Maßnahmen:
- Nervenblockaden: Bei dieser Therapie werden bestimmte Nerven mit lokal angewendeten Betäubungsmitteln oder Steroiden „abgeschaltet“. Diese Therapie einer Post-Zoster-Neuralgie führen ausschließlich spezialisierte Schmerzärzte und -ärztinnen durch.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden mithilfe von Elektroden auf der Haut die Nerven mit Stromimpulsen angesprochen.
- Psychologische Schmerztherapie: Psychologische Verfahren können helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können die Beweglichkeit verbessern und Verspannungen lösen.
- Komplementärmedizinische Behandlungen: Einige Betroffene profitieren von Akupunktur oder anderen komplementärmedizinischen Behandlungen.
Wichtig: Es kann sein, dass Sie nach ärztlicher Rücksprache mehrere Wirkstoffe und Dosierungen ausprobieren müssen, bis Sie die passende Post-Zoster-Neuralgie-Therapie finden. Es ist sehr wichtig, der Ärztin oder dem Arzt möglichst genau zu beschreiben, wie stark die Schmerzen sind, wie die Mittel wirken und ob es Nebenwirkungen gibt.
Prävention
Die beste Möglichkeit, Nervenschmerzen nach Herpes Zoster vorzubeugen, ist die Vermeidung einer Gürtelrose-Erkrankung.
Impfung
- Windpocken-Impfung: Eine Impfung gegen Windpocken reduziert auch das Risiko, später an Gürtelrose zu erkranken und eine Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln. Impfungen gegen die Windpocken gehören seit dem Jahr 2004 zu den empfohlenen Impfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Säuglinge und Kleinkinder. Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten Frauen, die in ihrem Leben noch keine Windpocken hatten, ebenfalls gegen Windpocken geimpft werden.
- Herpes-Zoster-Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die „Herpes-Zoster-Impfung“ allen Personen ab einem Alter von 60 Jahren als Standardimpfung. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetes, Rheuma) wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Die Impfung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Für einen vollständigen Impfschutz sind zwei Impfungen im Abstand von 2 bis 6 Monaten notwendig. Der empfohlene Impfstoff ist ein Totimpfstoff.
Weitere Maßnahmen
- Stärkung des Immunsystems: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßiger Bewegung kann das Immunsystem stärken und das Risiko einer Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus verringern.
- Stressreduktion: Chronischer Stress kann das Immunsystem schwächen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
- Frühzeitige Behandlung der Gürtelrose: Eine frühzeitige Behandlung der Gürtelrose mit antiviralen Medikamenten kann das Risiko einer PZN verringern.
tags: #nervenschmerzen #nach #herpes