Nervus frontalis Neuralgie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein drückender oder ziehender Schmerz an der Stirn oder an den Schläfen, der die Konzentration erschwert - wer kennt diese Beschwerden nicht? Kopfschmerzen können sich sehr unterschiedlich anfühlen und verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Nervus frontalis Neuralgie, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Verschiedene Arten von Kopfschmerzen

Es gibt viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen, die in Frage kommen können. Hier eine Übersicht über einige der häufigsten:

  • Spannungskopfschmerzen: Betroffene klagen über leichte bis mittelstarke Schmerzen, die meist an beiden Seiten des Kopfes liegen. Sie strahlen vom Hinterkopf und den Schläfen zur Stirn und oft auch hinter die Augen aus. Typisch ist ein dumpfer Druck am Kopf, der nicht pulsiert. Auslöser sind häufig Stress, Angst oder eine schlechte Körperhaltung.
  • Kopfschmerzen durch Bildschirmarbeit: Wer viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt, kennt das Problem: Nacken und Schultern sind verspannt, die Augen gereizt, trocken oder tränen. Ursachen können eine Überbeanspruchung der Augen, ein falsch eingestellter Bildschirm, Schreibtisch oder Stuhl sowie schlechtes Licht sein.
  • Erkältungskopfschmerzen: Bei einer Erkältung spürt man meist Kopfschmerzen in Schläfen und Stirn, oft auch zwischen den Augenbrauen. Die Nasennebenhöhlen, vor allem die Stirnhöhlen, sind dann oft entzündet, was Druck verursacht.
  • Migräne: Heftige Kopfschmerzen an Schläfen und Stirn, die meist auf einer Seite liegen, sich aber auch auf die andere Seite verlagern können, sind Anzeichen für eine Migräne. Bewegung verschlimmert die Beschwerden, Licht und Lärm ebenfalls. Zu den Symptomen gehören außerdem Kribbeln in den Armen und Beinen sowie Sehstörungen. Bei einer Vestibulären Migräne gehören außerdem Schwindel-Anfälle zu den Symptomen.
  • Clusterkopfschmerzen: Extrem heftige Kopfschmerzen, die sich anfühlen, als würde eine glühende Nadel durchs Auge gestoßen. Die Krankheit tritt episodisch auf, eine Attacke dauert 15 bis 180 Minuten. Die Schmerzen beginnen einseitig im Bereich der Augen und strahlen bis zur Schläfe aus. Die Ursachen sind noch nicht ganz erforscht, aber die Gene spielen eine Rolle.
  • Trigeminusneuralgie: Bei dieser Krankheit tut das Gesicht weh. Das liegt am Drillingsnerv (Nervus trigeminus), der die Empfindungen der beiden Gesichtshälften weiterleitet. Bei der Neuralgie ist meist nur eine Gesichtshälfte betroffen. Die Schmerzen kommen plötzlich und sind zwar kurz, aber sehr heftig, sie fühlen sich an wie elektrische Schläge.
  • Riesenzellenarteriitis (RZA): Wenn ein Patient ständig unter Kopfschmerzen an den Schläfen leidet und schon das Berühren der Schläfen wehtut, könnte das auch eine Riesenzellenarteriitis sein (RZA, früher auch als Morbus Horton bzw. als Arteriitis temporalis bekannt). Das ist eine Entzündung der Schläfenarterien auf beiden Seiten des Kopfes. Der Schmerz ist stark, pochend und brennend, meist liegt er auf einer Seite des Kopfes. Manche Patienten klagen auch über leichtes Fieber, Müdigkeit, Appetit- oder Gewichtsverlust oder eine empfindliche Kopfhaut.

Nervus frontalis Neuralgie

Betroffene können pulsierende, hämmernde und starke Kopfschmerzen an Stirn, Schläfen und sogar den Augenbrauen haben. Das liegt daran, dass hier ein Teil des Trigeminus-Nervs durch den sogenannten Corrugator-Muskel verläuft (er reguliert das Zusammenziehen der Brauen).

Ursachen

Die Ursachen der Nervus frontalis Neuralgie sind vielfältig und können folgende Faktoren umfassen:

  • Verspannungen der Gesichtsmuskulatur: Insbesondere der Corrugator-Muskel, der für das Zusammenziehen der Augenbrauen verantwortlich ist, kann bei Verspannungen den Trigeminusnerv reizen und so Schmerzen auslösen.
  • Stress und psychische Belastung: Stress kann zu einer erhöhten Muskelspannung im Gesichtsbereich führen und somit die Entstehung einer Neuralgie begünstigen.
  • Fehlhaltungen: Eine ungünstige Körperhaltung, insbesondere bei Bildschirmarbeit, kann zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich führen, die sich auf die Gesichtsmuskulatur auswirken und Schmerzen verursachen können.
  • Direkte Nervenreizung: In seltenen Fällen kann eine direkte Reizung des Nervus frontalis, beispielsweise durch eine Verletzung oder einen Tumor, die Ursache für die Neuralgie sein.
  • Arteria cerebelli superior: Die Ursache für die klassische Form der Neuralgie ist ein Gefäß-Nerven-Kontakt zwischen dem Nervus trigeminus und einem Blutgefäß, meist der Arteria cerebelli superior. Dieser Kontakt führt wahrscheinlich zu einer Art elektrischem „Kurzschluss“ und löst im Zusammenhang mit weiteren Faktoren (möglicherweise einer Übererregbarkeit im Hirnstamm) die Fehlfunktion aus.
  • Multiple Sklerose oder eine Tumorerkrankung: Die Auslöser der symptomatischen Form sind umfangreich erforscht, die Behandlung ist hingegen meist schwieriger als bei der klassischen Form.

Symptome

Die Symptome der Nervus frontalis Neuralgie können variieren, typisch sind jedoch:

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  • Starke, stechende oder pulsierende Schmerzen: Die Schmerzen treten meist im Bereich der Stirn, Schläfen oder Augenbrauen auf und können sich bis in den Nacken ausstrahlen.
  • Einseitige Schmerzen: Oft sind die Schmerzen auf eine Kopfseite begrenzt.
  • Triggerpunkte: Bestimmte Berührungen oder Bewegungen im Gesichtsbereich können die Schmerzen auslösen oder verstärken.
  • Begleitsymptome: In einigen Fällen können Begleitsymptome wie Lichtempfindlichkeit, Übelkeit oder Schwindel auftreten.

Diagnose

Die Diagnose der Nervus frontalis Neuralgie basiert in erster Linie auf der Beschreibung der Symptome durch den Patienten und einer körperlichen Untersuchung. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Auslöser und Muster der Schmerzen zu erkennen. In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung der Nervus frontalis Neuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung eingesetzt werden können:

  • Medikamentöse Therapie: Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder spezielle Antikonvulsiva können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei chronischen Schmerzen können auch Antidepressiva oder Muskelrelaxantien hilfreich sein.
  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen wie Massagen, Dehnübungen und Wärme- oder Kälteanwendungen können Verspannungen lösen und die Schmerzen reduzieren.
  • Lokale Injektionen: Injektionen von Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden in den Bereich des Nervus frontalis können die Schmerzen vorübergehend lindern.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen, Stress abzubauen und die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes: Eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes mit richtig eingestelltem Schreibtisch, Stuhl und Computer kann Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich vorbeugen und somit auch die Gesichtsmuskulatur entlasten.
  • Operative Eingriffe: In einigen Fällen, insbesondere wenn die Neuralgie durch einen Gefäß-Nerven-Kontakt verursacht wird, kann ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden, um den Nerv zu entlasten.

Hausmittel und Selbsthilfe

Neben den genannten Therapieansätzen können auch einige Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen zur Linderung der Beschwerden beitragen:

  • Pfefferminzöl: Das Auftragen von Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen kann eine kühlende und schmerzlindernde Wirkung haben.
  • Kälteanwendungen: Ein kalter Waschlappen oder eine Kühlkompresse auf der Stirn kann bei akuten Schmerzen Linderung bringen.
  • Wärmeanwendungen: Bei Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich kann eine Wärmflasche oder ein warmes Bad helfen, die Muskeln zu entspannen.
  • Regelmäßige Pausen: Bei Bildschirmarbeit sollten regelmäßige Pausen eingelegt werden, um die Augen zu entlasten und Verspannungen vorzubeugen.
  • Ausreichend Schlaf: Ein gesunder Schlaf ist wichtig für die Regeneration des Körpers und kann helfen, Stress abzubauen und die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren.
  • Vermeidung von Triggern: Wenn bestimmte Faktoren wie Stress, Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel die Schmerzen auslösen, sollten diese möglichst vermieden werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kopfschmerzen an Schläfe oder Stirn sind meist harmlos. Es gibt jedoch Fälle, in denen Sie sofort zum Arzt gehen sollten:

  • Kopfschmerzen nach einem Unfall: Lassen Sie sich vom Arzt untersuchen, um festzustellen, ob Sie eine Gehirnerschütterung haben.
  • Schwere Begleiterscheinungen: Wenn die Kopfschmerzen an Schläfen oder Stirn ganz plötzlich kommen und Sie zusätzlich unter Bewusstseinsstörungen, Schwäche, Erbrechen, Schwindel und Übelkeit leiden, besteht die Gefahr einer Gehirnblutung oder eines Schlaganfalls.
  • Anhaltende oder sich verschlimmernde Beschwerden: Wenn die Kopfschmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten oder sich sogar verschlimmern, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Zervikogener Kopfschmerz (CEK)

Zervikogener Kopfschmerz (CEK) ist ein häufig chronifizierendes, sekundäres Kopfschmerzsyndrom. Die Kopfschmerzen entstehen als übertragener Schmerz auf Grundlage der Konvergenz der Afferenzen von C1-C3 und des N. trigeminus im spinalen Trigeminuskern. Pathologien der unteren Halswirbelsäule (HWS) als Ursache für einen CEK bleiben umstritten. Während ein plausibles pathophysiologisches Modell existiert, bestehen in der Praxis häufig Schwierigkeiten in der Diagnosestellung, insbesondere bei der Abgrenzung zu primären Kopfschmerzen.

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Ursachen des CEK

Durch die Konvergenz afferenter sensibler Fasern der Nervenwurzeln C1-C3 und afferenter trigeminaler Fasern im spinalen Anteil des Ncl. N. trigemini entstehen Kopfschmerzen im Sinne eines übertragenen Schmerzes („referred pain“). Die Konvergenz zervikaler Afferenzen mit anderen zervikalen Nerven führt hierbei zur Übertragung des Schmerzes nach aurikulär oder okzipital, jene mit dem N. trigeminus zur Übertragung nach orbital, frontal oder temporoparietal.

Diagnose des CEK

Klinisch präsentieren sich CEK üblicherweise streng einseitig auftretend, mit stark divergierender Dauer von Stunden bis Wochen. Während sie initial episodisch auftreten, chronifizieren sie im Verlauf häufig. Zeichen, die auf eine zervikogene Ursache schließen lassen, sind in der Diagnosestellung essenziell. Dazu gehören eine eingeschränkte Beweglichkeit der HWS, die Möglichkeit, Kopfschmerzen entweder durch manuellen Druck auf die Nackenmuskulatur, durch bestimmte Kopfbewegungen oder durch lang andauernde Fehlhaltung auszulösen sowie eine Schmerzausstrahlung von hinten nach vorne. Weiters können ipsilateral Schulter- und Armschmerzen auftreten. Sowohl CHISG als auch IHS erlauben migränöse Begleitsymptome wie Übelkeit/Erbrechen, Photo- und Phonophobie.

Therapie des CEK

Nach eingehender Anamnese, körperlicher Untersuchung mit neurologischem Status und den oben beschriebenen physischen Tests werden bei CEK die auffälligen muskuloskeletalen Zeichen behandelt. Manuelle Therapie spielt dabei ebenso eine Rolle wie aktives Training der möglicherweise schwachen lokalen Nackenflexoren oder der hypertonen und sensitiven globalen Nackenmuskulatur, wie z. B. des M. trapezius pars descendens.

Kopf- und Augenschmerzen

Kopf- und Augenschmerzen können eng verbunden sein. Unsere Augen sind mit einem komplexen System aus Muskeln, Nerven, Arterien und Venen verbunden. Sie sorgen für die ausreichende Versorgung mit Blut und für die Bewegungen der Augen. Dazu kann Überanstrengung, etwa durch stundenlanges Lesen, gehören, aber auch eine falsch eingestellte Brille oder eine Entzündung.

Ursachen von Kopf- und Augenschmerzen

  • Überanstrengung der Augen: Langes Gucken auf einen Computerbildschirm kann die Augenmuskeln anstrengen.
  • Falsch eingestellte Brille oder nicht korrigierte Fehlsichtigkeit: Beim Versuch, Texte zu lesen, spannen viele Menschen die Augen- und die Muskeln im Gesicht an und riskieren Überanstrengung.
  • Verspannungen der Halsmuskeln oder Veränderungen an den Halswirbeln: Sie können Kopfschmerzen verursachen - oft liegen sie im Bereich der Augen, Stirn und Schläfen.
  • Nebenhöhlenentzündung und Erkältung
  • Migräne
  • Clusterkopfschmerzen
  • Augendruck: Ein erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv belasten und im schlimmsten Fall zu Erblindung führen.
  • Augenflimmern: Der plötzliche Ausfall eines Teils des Gesichtsfeldes, umrahmt von einem flimmernden, zickzackförmigen Rand, wird auch als Flimmerskotom bezeichnet.
  • Augenzucken: Das Zucken der Augenlider ist ein alle paar Sekunden auftretender unwillkürlicher Krampf der Augenlidmuskeln. Ursachen können Schlafmangel, körperliche Anstrengung, Stress oder übermäßiger Alkohol-, Tabak- bzw. Koffeinkonsum sein.
  • Asthenopie: Symptome dieser Sehüberanstrengung sind Kopfschmerzen, die vor allem in oder hinter den Augen liegen. Auch eine verschwommene Sicht und eine Verschlechterung des Sehvermögens können dazugehören.
  • Grüner Star (Glaukom): Ein Symptom des Glaukoms ist ein von außen eingeengtes Sichtfeld, verbunden mit heftigen Schmerzen im Auge und auf der gleichen Seite des Kopfes.
  • Entzündungen des Sehnervs: Auch diese Erkrankung der Augenhöhle ist mit Augenschmerzen, besonders beim Bewegen der Augäpfel, verbunden.
  • Trigeminusneuralgie: Betroffen ist der Drillingsnerv, der Nervus trigenimus, dessen Stränge zur Stirn und zu Ober- und Unterkiefer reichen.
  • Hirnaneurysma: Wenn diese Ausbuchtung reißt, verursacht extrem starke Kopfschmerzen, Augenschmerzen und Nackensteifigkeit.
  • Halswirbelprobleme: Etwa der Atlas-Wirbel. Das ist der erste Halswirbel und Teil der Kopfgelenke, seine Aufgabe ist es, den Kopf zu tragen. Wenn er sich verschiebt, hat das Auswirkungen auf das gesamte Skelett.
  • Verspannte Kiefermuskeln: Sie können ebenfalls Augenschmerzen verursachen.

Was hilft bei Kopf- und Augenschmerzen?

  • Kälteanwendungen: Ein kalter Waschlappen oder etwas Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen lindern Kopfschmerzen, die durch Überanstrengung der Augen ausgelöst wurden.
  • Wärmeanwendungen: Verspannungen an Schultern und Nacken können Sie mit einer Wärmflasche oder mit einer sanften (Selbst-)Massage lösen.
  • Regelmäßige Pausen: Gönnen Sie sich außerdem regelmäßige Pausen und dehnen Sie sich, um Verspannungen am Nacken zu vermeiden.
  • Frische Luft: Ein flotter Gang um den Block regt den Stoffwechsel an und versorgt Sie mit Sauerstoff.
  • Schmerzmittel: Schnelle Linderung bringen rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke. Besonders effektiv sind Kombinationen mit Koffein, das als Wirkverstärker eingesetzt wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Grundsätzlich sollten Sie bei sehr plötzlich auftretenden und sehr starken Kopfschmerzen und Augen-Beschwerden immer zum Arzt gehen - sie können ein Warnsignal sein. Vereinbaren Sie aber auch einen Arzt-Termin, wenn Sie bei der Bildschirmarbeit Kopfschmerzen bekommen, obwohl Ihr Arbeitsplatz korrekt eingestellt ist.

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