Das HWS-Syndrom: Ursachen, Symptome und osteopathische Behandlungsmöglichkeiten

Das HWS-Syndrom, auch Zervikalsyndrom genannt, fasst verschiedene Beschwerden zusammen, die im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) auftreten. Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln und ist der beweglichste Abschnitt unserer gesamten Wirbelsäule. Sie ermöglicht es uns, den Kopf in viele Richtungen zu drehen und zu neigen, und trägt unser wichtigstes Organ, das Gehirn. Wer schon einmal einen steifen Nacken oder Nackenschmerzen hatte, merkt schnell, wie entscheidend diese Beweglichkeit ist - und was fehlt, wenn sie eingeschränkt ist.

Was ist ein HWS-Syndrom?

Unter dem Begriff HWS-Syndrom (auch Zervikalsyndrom genannt) werden unterschiedliche Beschwerden zusammengefasst, die in der Halswirbelsäule (HWS) auftreten. Typische Symptome sind Verspannungen, Kopfschmerzen und Schwindel, die von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen andauern können. Oft strahlen die Schmerzen sogar in die Arme und Hände aus, da die Halswirbelsäule in enger Verbindung mit wichtigen Nervenstrukturen steht.

Entstehung eines HWS-Syndroms

Die Ursachen für das HWS-Syndrom sind vielfältig und häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar.

  • Fehlhaltungen und Fehlbelastungen: Wer beispielsweise viel am Schreibtisch sitzt oder einseitige Körperhaltungen einnimmt, belastet seine Halswirbelsäule oft dauerhaft falsch. Dies kann zu schmerzhaften Verspannungen führen.
  • Übergewicht und Schwangerschaft: Ein erhöhter Körperumfang oder eine veränderte Körperstatik (z. B. während der Schwangerschaft) können die Wirbelsäule zusätzlich beanspruchen und ein HWS-Syndrom begünstigen.
  • Schleudertrauma nach Unfällen: Durch plötzliche, ruckartige Bewegungen des Kopfes (wie bei einem Auffahrunfall) kann es zu Verletzungen an Muskeln, Bändern oder Bandscheiben der Halswirbelsäule kommen.
  • Stress und nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus): Wer vor allem nachts mit den Zähnen knirscht, überträgt hohe Kräfte auf den Kiefer- und Nackenbereich. Die daraus entstehenden Verspannungen können sich bis in die Halswirbelsäule fortsetzen.
  • Ernährungsbedingte Organstörungen: Aus Sicht der Osteopathie können auch Probleme in anderen Körperregionen ein HWS-Syndrom auslösen. Ein Beispiel ist eine Fettleber, die Spannung auf die Leberkapsel ausüben kann. Diese steht über den Nervus phrenicus, der aus der mittleren Halswirbelsäule entspringt, in Verbindung mit der HWS. So können Störungen an den Organen Reflexverspannungen in Nacken und Schultern hervorrufen.
  • Handynacken (Text-Neck): Durch das dauerhafte Nach-unten-Schauen auf das Smartphone werden Nacken und Schultern übermäßig belastet. Dies führt häufig zu chronischen Verspannungen in der Halswirbelsäule.

Dauer von Nackenschmerzen beim HWS-Syndrom

Die Dauer von Nackenschmerzen beim HWS-Syndrom kann individuell stark variieren. Während manche Betroffene nur wenige Tage Beschwerden verspüren, leiden andere mehrere Wochen oder sogar Monate unter den Schmerzen. Dabei spielen vor allem der Auslöser der Beschwerden, der Schweregrad sowie die Art der Behandlung eine wichtige Rolle. Handelt es sich beispielsweise lediglich um eine muskuläre Verspannung, können Wärmebehandlungen und gezielte Übungen oft schon nach wenigen Tagen spürbare Linderung bringen. Liegen degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule vor, kann sich die Genesung länger hinziehen.

Auch das persönliche Verhalten und der Lebensstil beeinflussen die Heilungsdauer erheblich. Wer einer sitzenden Tätigkeit nachgeht, ohne regelmäßige Ausgleichsbewegung und Dehnübungen, läuft Gefahr, dass sich die Nackenschmerzen hartnäckig halten. Zudem können chronischer Stress oder eine ungünstige Körperhaltung die Beschwerden verstärken oder verlängern. Akute Verspannungen dauern in der Regel bis zu sechs Wochen an. Wenn die Beschwerden aber länger als zwölf Wochen bestehen, spricht man von chronischen Nackenschmerzen.

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Formen des HWS-Syndroms im Überblick

Das HWS-Syndrom kann nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden:

  • Lage:
    • Oberes HWS-Syndrom: Betroffen sind die oberen Halswirbel (1. und 2. Halswirbel).
    • Mittleres HWS-Syndrom: Betrifft die mittleren Halswirbel (3., 4. und 5. Halswirbel).
    • Unteres HWS-Syndrom: Umfasst die unteren Halswirbel (6. und 7. Halswirbel).
  • Dauer:
    • Akutes HWS-Syndrom: Die Schmerzen und Verspannungen dauern nur wenige Tage bis maximal drei Wochen an.
    • Chronisches HWS-Syndrom: Die Beschwerden sind länger als drei Monate vorhanden.
  • Ursache:
    • Funktionelles HWS-Syndrom: Durch Schonhaltungen, Fehlhaltungen oder Überbelastung kommt es zu schmerzhaften Verspannungen in der Halswirbelsäule.
    • Degeneratives HWS-Syndrom: Verschleiß und Abnutzung der Halswirbel (z. B. bei älteren Menschen oder durch lange einseitige Belastung) können zu dauerhaften Veränderungen führen.
    • Posttraumatisches HWS-Syndrom: Nach einem Unfall oder einem starken Stoß (Trauma) können Beschwerden in der Halswirbelsäule entstehen.
  • Verlauf der Schmerzen:
    • Axiale Nackenschmerzen: Die Schmerzen treten vor allem direkt am Nacken auf und strahlen weniger in andere Bereiche wie Schultern oder Arme aus.
    • Radikuläre Nackenschmerzen: Hier können die Schmerzen auch in Kopf, Schultern oder Arme ausstrahlen. Häufig kommen Kopfschmerzen oder ein Kribbeln beziehungsweise Taubheitsgefühle in den Armen hinzu.

Wann sollte man mit Nackenschmerzen zum Arzt gehen?

In vielen Fällen klingen die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder ab, wenn sich der Körper erholt oder die Belastungssituation geändert wird. Halten die Schmerzen jedoch an oder kommen zusätzliche Symptome wie Schwindel und Taubheitsgefühle hinzu, sollten Sie umgehend ärztlichen Rat einholen. Eine fachkundige Abklärung ist vor allem dann wichtig, wenn neurologische Auffälligkeiten (z. B. Kribbeln in den Fingern oder Schwächegefühle in den Armen) auftreten.

Typische Symptome bei einem HWS-Syndrom

  • Nacken- und Rückenschmerzen, die bis in Arme und Hände ausstrahlen können
  • Kopfschmerzen oder Schmerzen beim Bewegen des Kopfes
  • Schwindel und Übelkeit
  • Muskelverspannungen und Verhärtungen
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Fingern

Dabei können auch Schwindelgefühle oder Tinnitus durch verspannte Nackenmuskeln entstehen: Drücken die verspannten Muskeln auf einen Nerv, sendet das Gehirn möglicherweise fehlerhafte Signale an das Gleichgewichtszentrum. Neben Schwindel und Übelkeit können so auch Ohrgeräusche, Schluckbeschwerden oder Herzrasen ausgelöst werden.

HWS-Prolaps (Bandscheibenvorfall) als Ursache eines HWS-Syndroms

Liegt dem HWS-Syndrom ein Bandscheibenvorfall zugrunde, sind häufig die aus der Halswirbelsäule austretenden Nervenwurzeln betroffen. Dies kann zu Gefühlsstörungen wie Zittern, Kribbeln und Schwäche in den Armen führen. In ausgeprägten Fällen fallen Betroffenen gelegentlich Gegenstände aus der Hand.

Sind keine Nerven bedrängt, äußert sich der Bandscheibenvorfall häufig nur durch eine muskuläre Schutzspannung. Der Körper versucht dadurch, bestimmte Bewegungen zu vermeiden und weitere Schäden abzuwenden. In dieser Situation ist intensives Dehnen keine gute Idee, da die erhöhte Muskelspannung als Schutz für die empfindlichen Nervenstrukturen fungiert.

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Sehstörungen als Folge eines HWS-Syndroms

Bei starken Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich kann es zu Durchblutungsstörungen im Bereich der Sehnerven kommen. Dadurch tritt mitunter ein Flimmern vor den Augen auf. Umgekehrt können jedoch auch Sehstörungen selbst zu Verspannungen im Nacken führen - beispielsweise wenn eine fehlerhafte Fokussierung beim Sehen dazu führt, dass man unbewusst den Kopf oder Nacken verkrampft. In diesem Fall ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll, um mögliche Sehfehler zu beheben.

Verspannungen können auch das vegetative Nervensystem reizen, das in einer Kette von Nervenknoten (sogenannten Ganglien) entlang der Wirbelsäule verläuft. Dieser Abschnitt des sympathischen Nervensystems wird als „Grenzstrang“ bezeichnet.

Im Halsbereich nennt man ihn den „zervikalen Sympathikus“. Er besteht aus drei Ganglien (superius, medium und inferius), die unter anderem die Pupillenweite und Teile des Gesichts beeinflussen. Wird dieser sympathische Nerv im Halsbereich gereizt oder geschädigt, kann beispielsweise ein Horner-Syndrom auftreten (Ptosis = hängendes Augenlid, Miosis = verengte Pupille, Anhidrose = fehlendes Schwitzen).

Weitere mögliche Symptome sind Spannungsgefühle, ein allgemeines Druckgefühl hinter dem Auge oder leichte Sehstörungen.

Das HWS-Syndrom aus osteopathischer Sicht

Osteopathen betrachten den Körper ganzheitlich. Bei der Behandlung eines HWS-Syndroms wird somit nicht nur die Halswirbelsäule selbst untersucht, sondern auch andere Körperstrukturen, die möglicherweise Einfluss darauf haben. Beispielsweise können ein Beckenschiefstand oder funktionelle Störungen der Organe im Bauchraum (etwa Leber, Magen oder Darm) zu Fehlhaltungen führen, die sich letztlich in Form von Nacken- und Kopfschmerzen äußern.

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So kann eine Leberverfettung zu Durchblutungsstörungen führen, die zu einem Anschwellen der Leber führen. Dadurch wird die äußere Hülle (die Leberkapsel) gedehnt und gereizt. Diese Hülle ist mit dem Zwerchfellnerv (N. phrenicus) verbunden. Dieser Nerv entspringt der mittleren Halswirbelsäule, wohin er die Schmerzsignale nun nach oben ins Rückenmark weiterleitet. Im Rückenmark wird diese Information verarbeitet und eine Reaktion ausgelöst, die dazu führt, das Muskeln am Hals stärker angespannt (man spricht von Hypertonus) werden. Dadurch kann es zu Verspannungen und Schmerzen kommen.

Diese ganzheitliche Sichtweise hilft, die tatsächlichen Ursachen der Beschwerden aufzuspüren und nicht nur die Symptome zu lindern.

Der Nervus phrenicus und seine Bedeutung

Der Nervus phrenicus ist ein beidseitig angelegter Nerv, der sich aus den Zervikalnerven C3, C4 und C5 zusammensetzt. Er führt sowohl sensible Fasern für den Herzbeutel (Perikard), das Lungenfell (Pleura) und das Bauchfell (Peritoneum), als auch motorische Anteile, die das Zwerchfell versorgen. Nachdem sich auf der rechten, sowie auch auf der linken Seite jeweils die Zervikalnerven C3, C4 und C5 zum Nervus phrenicus zusammengeschlossen haben, verläuft dieser entlang des Musculus scalenus anterior, einem seitlichen Halsmuskel, nach unten. Dabei ist der Verlauf des Nervus phrenicus seitlich des Nervus vagus. Anschließend verläuft der Nervus phrenicus zwischen der Vena und der Arteria subclavia hindurch in den Bereich des Brustkorbs. Der weitere Verlauf ist jeweils seitlich entlang des Mediastinums, einer durch Bindegewebsplatten abgegrenzten Körperhöhle, die zwischen den beiden Lungenflügeln liegt, nach unten in Richtung Zwerchfell. Wichtig ist, dass der Nervus phrenicus bauchwärts zu den zur Lunge ziehenden Blutgefäßen und Bronchien liegt. Am Zwerchfell angekommen passiert der linke Nervus phrenicus dieses zusammen mit der Speiseröhre und der rechte mit der unteren Hohlvene. Nachdem der Nerv das Zwerchfell mit motorischen und sensiblen Fasern versorgt hat, gibt er noch weitere sensible Äste, die sogenannten Rami phrenicoabdominales, zur Innervation des Bauchfells im Oberbauchbereich und endet dann in seinem Verlauf.

Eine Ursache, die zu einer Reizung des Nervus phrenicus führen kann, ist ein erhöhter Druck im Bauchraum, welcher sich gleichwohl auch auf das Zwerchfell auswirkt. Dies kann bei einer Bauchspiegelung mit Schlüssellochtechnik oder selbstverschuldet durch eine zu rasche und üppige Nahrungsaufnahme oder ähnliches auftreten. Hinter einer Schädigung des Nervus phrenicus, die mit einer Lähmung des Zwerchfells einhergehen kann, kann zum einen die direkte Schädigung des Nervs zum Beispiel durch einen chirurgischen Eingriff im Brustkorb kommen, bei welchem der Nerv geschädigt oder durchtrennt wird. Zum anderen kann der Nervus phrenicus durch eine Entzündung seine Funktion verlieren. Hier wären das Guillain-Barré-Syndrom, Multiple Sklerose und Erreger, wie Borrelien, zu erwähnen. Bei einer Entzündung können die Beschwerden durch die Behandlung der Ursache wieder rückläufig werden.

Zu den Symptomen, die durch Reizung des Nervus phrenicus auftreten können, zählt unter anderem der Schluckauf, der in den meisten Fällen als harmlos zu betrachten ist, manchmal aber auch einen krankhaften Wert erlangen kann. Durch das ruckartige Zusammenziehen des Zwerchfells beim Schluckauf kann es, vor allem wenn er länger andauert, zu Schmerzen kommen und vom Betroffenen als äußerst unangenehm empfunden werden. Außerdem kann man sich dabei gerne mal verschlucken. Weitere Symptome, die auf den Nervus phrenicus zurückzuführen sind, sind Atembeschwerden, bedingt durch eine teilweise oder komplette Lähmung des Zwerchfells. Vor allem das Einatmen ist erschwert, weil das Zusammenziehen des Zwerchfells genau diesen Vorgang unterstützt und der Lunge Platz zum Entfalten schafft. Auch im Liegen können die Bauchorgane bei der Lähmung des Zwerchfells nun mehr Druck auf die Lunge ausüben und Atemnot hervorrufen. Die Betroffenen fühlen sich sehr kurzatmig, was durch Anstrengung noch verstärkt wird.

Reizung des Nervus phrenicus

Eine Reizung des Nervus phrenicus wird häufig durch einen erhöhten Druck im Bauchraum, der auf das Zwerchfell wirkt, ausgelöst. Dies kann zum Beispiel nach einer Bauchspiegelung, bei welcher die Untersuchungsinstrumente mittels Schlüssellochtechnik in den Bauchraum eingeführt werden und der Bauch zur besseren Sicht mit Gas aufgebläht wird, auftreten. Aber auch der hastige Verzehr einer üppigen Mahlzeit kann zu den Symptomen führen.

Der Schluckauf entsteht durch das plötzliche, reflexartige und nicht willentlich beeinflussbare Zusammenziehen des Zwerchfells, was zur Einatmung führt und dem abrupten Schluss der Stimmlippen, der den Vorgang beendet. Meist tritt der Schluckauf mehrfach hintereinander auf und kann dementsprechend eine gewisse Zeit andauern. Als Ursache wird eine Reizung des Nervus phrenicus, welcher das Zwerchfell motorisch versorgt, vermutet. Die vorübergehende Reizung wird als harmlos eingestuft. Eine krankheitsbedingte, chronische Reizung muss hingegen abgeklärt werden und kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Schluckauf durch vorübergehende Reizung kann zum Beispiel durch eine verstärkte Dehnung des Magens nach Nahrungsaufnahme oder durch den Verzehr von scharfem Essen ausgelöst werden. Auch Aufregung oder heftiges Lachen können einen Schluckauf bedingen, da der Nervus phrenicus dadurch gereizt werden kann. Wird der Nerv in seinem Verlauf durch einen krankhaften Vorgang gereizt, etwa durch eine Entzündung im Bauchraum oder etwa des Magens und der Speiseröhre, kann der Schluckauf chronischer Natur sein.

Schädigung des Nervus phrenicus

Die Schädigung des Nervus phrenicus kann verschiedene Ursachen haben und zum Verlust seiner Funktion führen. Folglich kann es bei einer einseitigen Schädigung des Nervs zum Hochstand des Zwerchfells auf der betroffenen Seite kommen. Bei einer Schädigung vom Nervus phrenicus auf beiden Seiten ist meist das gesamte Zwerchfell von der Lähmung betroffen. Die Schädigung kann schon im Rückenmark oder in der entsprechenden Nervenwurzeln beim Austritt aus dem Spinalkanal erfolgen.

Der Nervus phrenicus kann zum einen direkt geschädigt werden, das bedeutet zum Beispiel durch einen durchtrennenden Schnitt im Rahmen einer Operation im Brustkorb oder am Hals, oder zum Beispiel durch einen Riss bedingt durch eine Unfallverletzung. Des Weiteren kann ein Tumor oder ähnliches auf den Nerven drücken und diesen dadurch auf Dauer in Mitleidenschaft ziehen. Auch ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule oder ein ähnlich raumfordernder Prozess im Bereich der Halswirbelsäule können eine Schädigung des Nervus phrenicus hervorrufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Nervus phrenicus sich nach einer Beeinträchtigung von selbst wieder erholt kommt natürlich immer auf das Ausmaß der Verletzung an.

Entzündung des Nervus phrenicus

Eine Entzündung des Nervus phrenicus kann zur schlaffen Lähmung des Zwerchfells führen, insbesondere wenn der Nerv beidseits betroffen ist.

Parese des Nervus phrenicus

Eine Parese, also eine Lähmung, des Nervus phrenicus kann entweder einseitig oder beidseits auftreten, je nachdem welche Ursache dahinter steckt. Da der Zwerchfellmuskel auch motorisch von dem Nervus phrenicus versorgt wird und sich dank diesem zur Einatmung zusammenziehen kann, ist diese Funktion bei einer Nervenschädigung teilweise oder gar komplett erloschen. Bei einer einseitigen Parese ist der Hochstand des Zwerchfells somit auch nur auf der betroffenen Seite zu beobachten, macht aber bereits Probleme bei der Atmung. Mit speziellen Atemübungen im Rahmen einer Physiotherapie kann die Problematik der Einatmung durch eine Nervus phrenicus Parese angegangen werden und zu einer Besserung führen. Ist der Nervus phrenicus allerdings beidseits vor der Versorgung des Zwerchfells geschädigt und fällt aus, so kann es zu einer vollständigen Parese des Zwerchfells, also einem Unvermögen sich bei der Einatmung zusammen zu ziehen, um der Lunge Platz zu machen, und zu damit einhergehenden lebensgefährlichen Problemen der Atmung kommen. Bei einer Zwerchfellparese können die Bauchorgane vor allem im Liegen zusätzlich nach oben in Richtung Herz und Lunge drücken, was die Problematik verschärft.

Der Nervus phrenicus kann in seinem Verlauf vom Hals bis zum Zwerchfell geschädigt werden, entweder durch eine Verletzung oder die Kompression des Nervs durch beispielsweise einen Tumor. Darüber hinaus kann das Rückenmark selbst oder die Nervenwurzeln der Zervikalnerven drei bis fünf so beschädigt werden, dass der Nervus phrenicus seine Funktion verliert.

Diagnostik bei Problemen mit dem Nervus phrenicus

Zur Diagnostik einer Parese des Nervus phrenicus kann man sich einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs bedienen, bei welcher der Hochstand des Zwerchfells gut zu beurteilen ist. Außerdem kann man bei der körperlichen Untersuchung anhand der erschwerten Atmung die gesteigerte Aktivität der Atemhilfsmuskulatur zwischen den Rippen erkennen.

Theoretisch kann man zusätzlich mittels Elektroneurographie und Elektromyographie die Funktion des Nervus phrenicus testen, praktisch ist diese Untersuchung jedoch schwierig umzusetzen.

Liegt eine Parese des Nervus phrenicus vor, so können als Therapie gegen die Atembeschwerden bestimmte Atemübungen gemacht werden, in schlimmeren Fällen ist eine künstliche Beatmung notwendig. Wenn ein entzündlicher Prozess hinter der Parese steckt, kann die Therapie der Entzündung, beispielsweise mit Antibiotikum, antiviralen Mitteln, Cortison oder einer Plasmaseparation, erfolgen. Um einer Reizung des Nervus phrenicus durch zu hastiges Essen entgegenzuwirken, kann zunächst versucht werden langsamer zu essen. Bei den restlichen Schädigungen des Nervus phrenicus ist eine Prophylaxe schwierig umzusetzen, da die Folgen im Voraus nicht immer auszumachen sind, zum Beispiel bei einer OP.

Die Rolle des Zwerchfells

Das Zwerchfell ist ein Muskel, der Brust- und Bauchraum trennt und eine zentrale Rolle bei der Atmung spielt. Es wird vom Nervus phrenicus innerviert, der seinen Ursprung im Halsbereich des Rückenmarks hat (C3-C5).

Zwerchfelldysfunktion

Eine Zwerchfelldysfunktion kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Neurologische Ursachen: Schädigung des Nervus phrenicus (z.B. durch Operationen, Tumore, Entzündungen)
  • Muskuläre Ursachen: Muskelschwäche, Muskeldystrophie
  • Mechanische Ursachen: Verwachsungen, Narben
  • Idiopathische Ursachen: Ursache unbekannt

Die Symptome einer Zwerchfelldysfunktion können vielfältig sein und reichen von Atemnot und Kurzatmigkeit bis hin zu Müdigkeit und eingeschränkter Belastbarkeit.

Diagnostik der Zwerchfelldysfunktion

Die Diagnose einer Zwerchfelldysfunktion umfasst in der Regel:

  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Atembewegung und der Funktion der Atemhilfsmuskulatur
  • Bildgebende Verfahren: Röntgen, Ultraschall oder MRT zur Beurteilung der Zwerchfellbewegung
  • Lungenfunktionstests: Messung der Atemvolumina und Atemflussgeschwindigkeiten
  • Neurologische Untersuchungen: Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache

Therapie der Zwerchfelldysfunktion

Die Therapie der Zwerchfelldysfunktion richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Mögliche Therapieansätze sind:

  • Atemtherapie: Erlernen von Atemtechniken zur Verbesserung der Zwerchfellfunktion
  • Kräftigung der Atemmuskulatur: Durch spezielle Übungen
  • Operative Maßnahmen: Zwerchfellraffung bei Zwerchfelllähmung
  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei neurologischen oder muskulären Ursachen

Zusammenhang zwischen HWS-Syndrom und anderen Nervenläsionen

Neben dem Nervus phrenicus können auch andere Nerven im Bereich der Schulter und des Armes betroffen sein und Beschwerden verursachen, die mit einem HWS-Syndrom verwechselt werden können.

Läsion des N. suprascapularis

Der Nervus suprascapularis innerviert motorisch den Musculus supraspinatus und den Musculus infraspinatus, wichtige Muskeln für die Außenrotation und Abduktion des Armes. Eine Läsion dieses Nervs kann zu Schwäche und Schmerzen in der Schulter führen.

Läsion des N. dorsalis scapulae

Der Nervus dorsalis scapulae innerviert die Musculi rhomboidei und den Musculus levator scapulae, die für die Stabilisierung und Bewegung des Schulterblattes verantwortlich sind. Eine Läsion dieses Nervs kann zu Schmerzen zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule sowie zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Schulterblattes führen (Scapula alata).

Läsion des N. thoracicus longus

Der Nervus thoracicus longus innerviert den Musculus serratus anterior, der das Schulterblatt am Brustkorb fixiert und für die Armhebung über Kopf verantwortlich ist. Eine Läsion dieses Nervs führt zu einer deutlichen Scapula alata und einer Schwäche bei der Armhebung.

Neuralgische Schulteramyotrophie (Neuralgic Amyotrophy, NA)

Die Neuralgische Schulteramyotrophie (NA), auch bekannt als Parsonage-Aldren-Syndrom, ist eine seltene neurologische Erkrankung, die durch plötzliche, starke Schmerzen im Schulter- und Armbereich gekennzeichnet ist, gefolgt von Muskelschwäche und Atrophie. In etwa 7% der Fälle ist auch der Nervus phrenicus betroffen, was zu einer Zwerchfelllähmung führen kann. Die Ursache der NA ist nicht vollständig geklärt, wird aber auf eine Entzündung oder Autoimmunreaktion der Nerven des Plexus brachialis zurückgeführt.

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