Neue frühe Symptome der Alzheimer-Krankheit erkennen und verstehen

Viele Menschen haben Angst vor der Alzheimer-Krankheit, einer der häufigsten Ursachen für Demenz. Die Früherkennung ist entscheidend, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen und den Krankheitsverlauf verlangsamen zu können. Dieser Artikel beleuchtet die frühen Anzeichen der Alzheimer-Krankheit, neue Forschungsergebnisse und diagnostische Fortschritte.

Gedächtnisprobleme und Vergesslichkeit

Eines der Hauptsymptome einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung ist eine Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, die sich auf das tägliche Leben auswirkt. Diese Vergesslichkeit äußert sich beispielsweise darin, dass wichtige Termine vergessen, der Herd nicht ausgeschaltet oder der Alltag nur mit Hilfe von Merkzetteln bewältigt werden kann. Normale altersbedingte Veränderungen äußern sich darin, dass Namen oder Termine kurzfristig vergessen, später aber wieder erinnert werden.

Eine beginnende Demenz zeigt sich häufig zuerst im Kurzzeitgedächtnis: Verabredungen werden doppelt notiert, Namen fallen nicht ein, Gesagtes ist nach wenigen Minuten wieder weg. Später kann auch das Langzeitgedächtnis Lücken bekommen. Dann gehen nicht nur Erinnerungen verloren, sondern auch die Fähigkeiten, die ein Leben lang zuverlässig waren: Routinen, Handgriffe, Orientierung.

Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen

Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf. Normale altersbedingte Veränderungen äußern sich in Zerstreutheit, wenn viele Dinge gleichzeitig zu tun sind.

Probleme mit gewohnten Tätigkeiten

Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden. Wenn Probleme etwa beim Schreiben eines Einkaufszettels, Nachkochen eines altbekannten Rezepts oder dem Regeln der eigenen finanziellen Angelegenheiten auftreten, kann das auf eine Demenzerkrankung hindeuten.

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Schwierigkeiten bei der visuellen Wahrnehmung und räumlichen Orientierung

Viele Menschen mit Alzheimer-Demenz haben große Schwierigkeiten, Bilder zu erkennen und räumliche Dimensionen zu erfassen.

Sprachprobleme

Vielen Menschen mit Demenzerkrankungen fällt es schwer, einem Gespräch zu folgen und sich aktiv daran zu beteiligen. Sie verlieren den Faden, verwenden unpassende Füllwörter oder haben Wortfindungsprobleme. Betroffenen fällt oft nicht das richtige Wort ein, obwohl es sich um Alltagsgegenstände handelt, oder sie benutzen falsche Begriffe (z. B. Schienenbus statt Bahn). Oft brechen Betroffene auch einen Satz in der Mitte ab, weil sie den Faden verloren haben.

Verlegen von Gegenständen

Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, verlieren oft Dinge oder legen sie an ungewöhnliche Orte. Sie können gedanklich nicht mehr zurückverfolgen, wo sie etwas hingelegt haben. Ist der Autoschlüssel ständig weg oder finden Sie verlorene Dinge an sonderbaren Orte wieder, etwa im Kühlschrank oder unter dem Kopfkissen, kann das ein Anzeichen für eine Demenz sein. Natürlich kann das jedem einmal passieren, dass man nicht mehr weiß, wo der Autoschlüssel oder das Handy liegen. Aber die meisten können sich zumindest herleiten, wo sie sein könnten.

Verlust von Initiative und sozialem Rückzug

Viele Menschen mit Alzheimer verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach.

Stimmungsschwankungen

Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein.

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Albträume als Frühwarnzeichen?

Ein Bereich, der lange unterschätzt wurde, ist der Schlaf. Eine Studie von Abidemi Otaiku von der University of Birmingham aus dem Jahr 2022, veröffentlicht in „The Lancet“, untersuchte, ob Menschen, die häufig schlecht träumen, später häufiger Probleme mit Denken und Gedächtnis haben. Die Studie ergab, dass Menschen im mittleren Alter (35-64 Jahre), die mindestens einmal pro Woche Albträume hatten, in den folgenden zehn Jahren mit etwa viermal höherer Wahrscheinlichkeit einen spürbaren geistigen Abbau erlebten. Bei den über 79-Jährigen wurde Demenz ungefähr doppelt so häufig diagnostiziert, wenn sie regelmäßig von Albträumen berichteten.

Auffällig war außerdem der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Der Zusammenhang zwischen Albträumen und späterer Demenz war bei Männern deutlich ausgeprägter als bei Frauen. Ältere Männer, die wöchentlich Albträume angaben, erkrankten laut Studie etwa fünfmal häufiger als Männer, die selten oder nie schlecht träumten.

Studienleiter Otaiku nennt zwei mögliche Erklärungen: Entweder sind häufige Albträume ein sehr frühes Warnzeichen, das Gedächtnis- und Denkproblemen „um mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte vorausgehen“ kann, oder sie wirken als Verstärker, vielleicht sogar als Mit-Auslöser von krankhaften Prozessen im Gehirn. Wiederkehrende Albträume sind behandelbar, und die gängige Standardtherapie könnte die Ansammlung bestimmter Eiweiße verringern, die mit Alzheimer in Verbindung stehen.

Biomarker für die Früherkennung

Menschen mit einer erblichen Veranlagung für Alzheimer haben bereits etwa 11 Jahre vor dem erwarteten Ausbruch von Demenzsymptomen auffällige Blutwerte, die auf beschädigte Nervenzellkontakte hinweisen. Maßstab ist die Konzentration des Proteins „Beta-Synuclein“.

Beta-Synuclein ist ein Eiweißmolekül, das vorwiegend in den Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen vorkommt. Diese sogenannten Synapsen, über die Nervenzellen untereinander Signale austauschen, lösen sich im Zuge einer Alzheimer-Erkrankung allmählich auf: Beta-Synuclein wird infolgedessen freigesetzt, gelangt vom Gehirn in den Blutstrom und lässt sich dann per Bluttest nachweisen. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Schädigung der Synapsen sehr früh einsetzt. Sie beginnt, bevor kognitive Beeinträchtigungen auftreten“, so Öckl. „Somit ist Beta-Synuclein ein Marker, der präsymptomatisch anschlägt.

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Der Geruchssinn als Indikator

Ein nachlassender Geruchssinn kann eines der frühesten Anzeichen für eine Alzheimer-Erkrankung sein, noch bevor kognitive Beeinträchtigungen auftreten. Untersuchungen von Forschenden des DZNE und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) geben neue Einblicke in dieses Phänomen. Demnach spielt die Immunantwort des Gehirns eine wichtige Rolle, da sie offenbar Nervenfasern angreift, die für die Geruchswahrnehmung von Bedeutung sind.

Diese Riechstörungen entstehen nach Einschätzung der Forschenden dadurch, dass Immunzellen des Gehirns, sogenannte Mikroglia, Verbindungen zwischen zwei Hirnregionen - dem Riechkolben und dem „Locus Coeruleus“ - entfernen.

Diagnostische Verfahren

Hausärztliche Beratung und Kurztests

Beim Auftreten eines oder mehrerer Symptome sollte man zunächst hausärztlichen Rat einholen. Besteht ein Verdacht auf Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, einer sogenannten kognitiven Störung, stehen Kurztests zur Verfügung. So kann eine gute Ersteinschätzung vorgenommen werden, ob tatsächlich Hinweise auf eine Alzheimer-Demenz vorliegen. Außerdem können mögliche andere Ursachen wie Stoffwechselstörungen oder Vitaminmangel ausgeschlossen werden.

Fachärztliche Abklärung und Biomarker

Zur Abklärung der Ursache gibt es an der Universitätsmedizin Mainz ein überregionales Expertenzentrum. Die Leiterin der neuropsychiatrischen Gedächtnisambulanz, Isabel Heinrich, hat sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen der frühen Differenzialdiagnostik kognitiver Störungen verschrieben. Noch erfolgt die endgültige Diagnose einer Alzheimer-Demenz über die Bestimmung von Biomarkern, die über das Rückenmark dem Nervenwasser entnommen werden. Schon bald, so hoffen viele Mediziner, dürfen Bluttests aus den USA verwendet werden, mit deren Hilfe die Erkrankung schneller diagnostiziert werden kann.

Kernspintomographie (DTI)

Die Forscher haben die Kernspintomographie so weiterentwickelt, dass sie bereits kleinste, für die Alzheimer-Erkrankung typische Veränderungen des Gehirns entdecken können. Die von ihnen angewendete Untersuchungstechnik, das so genannte Diffusion Tensor Imaging (DTI), macht auf Schnittbildern des Gehirns den Untergang von Nervenfasern sichtbar. DTI registriert die Beweglichkeit von Wassermolekülen im Gewebe. In Hirnregionen mit zugrunde gegangenen Nervenzellen bewegen sich die Moleküle anders als in gesundem Gewebe.

Netzhautscan

Forscher aus Großbritannien vermuten, dass Erkrankungen des Gehirns frühzeitig an der Netzhaut sichtbar werden. Um diese These zu belegen, nahmen sie rund 110.000 Netzhautbilder von mehr als 63.000 Männern und Frauen unter die Lupe. Die Probanden waren zwischen 40 und 69 Jahre alt. Die Forscher betrachteten Unterschiede in der Form und Größe der Blutgefäße im hinteren Teil des Auges. Zuhilfe nahmen die Forschenden eine Künstliche Intelligenz namens „Quartz“. Innerhalb weniger Sekunden erkannte das Tool verschiedene Arten kleiner Blutgefäße, maß ihre Breite, Fläche, Ausdehnung und Wendung.

Therapie und Prävention

Medikamentöse Behandlung

Seit circa 15 Jahren gibt es Medikamente, die symptomatisch wirken. Sie erhöhen die Acetylcholin-Konzentration, die bei Alzheimer in der Regel zu gering ist. Seit Anfang September 2025 ist zudem das erste Medikament auf dem Markt, das die Ursache der Erkrankung behandelt indem es Ablagerungen im Gehirn beseitigt. Dies gelingt allerdings nur in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung und kommt nicht für alle Alzheimer-Patienten infrage.

Nicht-medikamentöse Therapien

Im frühen Stadium zeigen Musik- oder Bewegungstherapien wirkungsvolle Effekte, indem sie den Verlauf bremsen. Daneben ist es wichtig, Risikofaktoren für klassische kardiovaskuläre Erkrankungen zu minimieren, wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen oder einen schlecht eingestellten Blutzucker bei Diabetes.

Lebensstiländerungen und Gedächtnistraining

Wir wissen, dass körperliche Aktivität und Gedächtnistraining die Alzheimer-Erkrankung verlangsamen können, allerdings nur in Frühstadien. Um den Patienten durch Lebensstiländerungen, geistiges Training und Medikamente lange eine gute Lebensqualität zu sichern, muss man die Krankheit also möglichst früh diagnostizieren.

Differenzialdiagnose

Gedächtnisschwierigkeiten können auch Symptom einer Depression sein. In diesem Fall sind mangelnde Konzentrationsfähigkeit oder mangelnder Antrieb die Ursache. Bekannte Merkmale einer Pseudodemenz sind das rasche Einsetzen und die fluktuierende Auswirkung der Symptome. Der Beginn geht häufig mit einer Depression einher, was sich wiederum durch eine Besserung der Symptome unter antidepressiver Therapie zeigt. In der Regel sei die Antriebsstörung stärker ausgeprägt als die kognitive Störung.

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