Neuralgie-Symptome im Hals-, Nacken- und Schulterbereich

Nackenschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, von dem Schätzungen zufolge etwa jeder dritte Mensch in Deutschland einmal jährlich betroffen ist. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die Ursachen sind vielfältig, und die Symptome können sich unterschiedlich äußern.

Ursachen von Nackenschmerzen

Nackenschmerzen entstehen meist durch eine verspannte und verkrampfte Halsmuskulatur. Häufigste Ursache ist eine Überlastung der Muskulatur durch Fehlhaltungen, zum Beispiel durch lange Bildschirmarbeit. Generell begünstigt eine ungünstige Haltung des Halses und/oder Kopfes Nackenschmerzen, so auch bei einer schlechten Schlafposition oder einer häufigen Nutzung des Smartphones mit gebeugtem Kopf.

Weitere Ursachen können sein:

  • Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule, z. B. an den Wirbelgelenken oder Bandscheiben
  • Eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) oder ein Bandscheibenvorfall
  • Mikroverletzungen im Muskel- und Bindegewebe durch einen Unfall

Die Nutzung eines Smartphones verlangt unserem Nacken Höchstleistungen ab. Wenn wir auf das Handy schauen, ist unser Kopf um etwa 60 Grad nach unten geneigt. Dieser extreme Winkel lässt die fünffachen Kräfte auf die Halswirbelsäule wirken: Während der Kopf eines durchschnittlichen Erwachsenen bei aufrechter Haltung mit 6 Kilogramm Gewicht auf der Nackenwirbelsäule aufliegt, wirken aufgrund des Winkels nunmehr 30 Kilogramm auf Wirbel und Bandscheiben. Eine häufige und lange Nutzungsdauer des Smartphones bedeutet somit für die Wirbel, Bandscheiben und Muskeln in diesem Bereich eine enorme Belastung. Muskelverspannungen und Schmerzen - umgangssprachlich „Handy-Nacken“- bis hin zum Bandscheibenvorfall können die Folge sein.

Symptome von Nackenschmerzen

Nackenschmerzen können sich mit unterschiedlichen Beschwerden bemerkbar machen. Die Schmerzen können auf den Nacken beschränkt bleiben oder auf die Schulter übergehen und in den Hinterkopf oder die Arme ausstrahlen. Dies ist der Fall, wenn Nervenwurzeln zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall gereizt sind. Dann können auch Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühle, „Ameisenlaufen“ und Kribbeln sowie eine eingeschränkte Muskelkraft in den Händen und Fingern auftreten. In manchen Fällen gehen die Nackenbeschwerden auch mit Ohrensausen (Tinnitus) einher. All diese Beschwerden, die ihren Ursprung in der Halswirbelsäule haben, werden unter dem Begriff HWS-Syndrom (Halswirbelsäulen-Syndrom) zusammengefasst. Andere Begriffe für Nackenschmerzen sind „Zervikalsyndrom“, „Zervikalgie“ oder „steifer Hals“.

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Verspannte und verhärtete Muskeln im Nacken können Nerven im Kopfbereich beeinträchtigen und auf Blutgefäße einwirken, die den Kopf versorgen. Unter Umständen vernehmen Betroffene dadurch ein Rauschen, Pfeifen oder Klingeln im Ohr. Somit ist es nicht ungewöhnlich, wenn zu verspannungsbedingten Nackenschmerzen ein Tinnitus hinzukommt.

Das HWS-Syndrom (Zervikalsyndrom)

Der Begriff Zervikalsyndrom oder „HWS-Syndrom“ (Halswirbelsäulensyndrom) beschreibt zunächst unklare Schmerzzustände, die von der Halswirbelsäule ausgehen oder diesen Bereich betreffen. Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich sein und von Nackenschmerzen und -steifheit über Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Empfindungsstörungen in den Armen und Händen reichen. Die Begriffe „Zervikalsyndrom“ und „Zervikalneuralgie“ werden synonym verwendet und beschreiben im Grunde das gleiche: schmerzhafte Zustände, die von der Halswirbelsäule ausgehen. Der Begriff „cervical“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „den Hals betreffend“.

Nicht jede knöcherne oder knorpelige Struktur unserer Wirbelsäule ist gleich anfällig für Erkrankungen. Die ersten sieben Wirbel bilden die Halswirbelsäule. Diese ist im Vergleich zu anderen Abschnitten der Wirbelsäule besonders beweglich. Diese hohe Beweglichkeit macht sie jedoch auch anfälliger für Verletzungen und Verschleißerscheinungen. Die Halswirbelsäule trägt den Kopf und ist somit einer ständigen hohen mechanischen Belastung ausgesetzt.

In den meisten Fällen eines Zervikalsyndroms sind die Nackenschmerzen unspezifisch, das heißt, es lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Das Zervikalsyndrom beschreibt also eine Reihe von Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule. Diese können sowohl akut als auch chronisch auftreten.

Das akute Zervikalsyndrom beschreibt eine plötzliche und meist starke Schmerzsymptomatik im Bereich der Halswirbelsäule. Die Entstehung der Beschwerden erfolgt häufig abrupt und kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, z. B. durch plötzliche Krafteinwirkungen, wie beim Schleudertrauma.

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Das chronische Zervikalsyndrom beschreibt eine Reihe von Beschwerden, die ihren Ursprung in der Halswirbelsäule (HWS) haben. Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule, z. B. Anfangs treten die Symptome häufig nur zeitweise auf und stellen keine große Belastung dar. Schreitet die Erkrankung fort, intensivieren sich die Schmerzen. Sie halten dann länger an, manchmal auch nachts.

  • Oberes Zervikalsyndrom: Schmerzen im Hinterkopf, ggf.
  • Mittleres Zervikalsyndrom: Schmerzen zwischen den Schulterblättern und über die Schulter hinaus.
  • Unteres Zervikalsyndrom: Schmerzen in den Armen und Händen.

Die Ursachen des Zervikalsyndroms sind vielfältig und lassen sich nicht immer eindeutig auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen, die zu einer Reizung der Nerven und/oder zu Verschleißerscheinungen in der Halswirbelsäule führen. Als besonders gefährdet gelten Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, lange Auto fahren oder sich ganz allgemein wenig bewegen. Dies schwächt die Muskulatur, begünstigt Muskelverspannungen oder -verkürzungen und somit die Entstehung eines HWS-Syndroms.

Meist sind Nackenschmerzen harmlos. Muskuläre Verspannungen: Durch Fehlhaltung, Bewegungsmangel oder Stress kann es zu Verspannungen der Nacken- und Schultermuskulatur kommen. Degenerative Veränderungen: Mit zunehmendem Alter kommt es zu Verschleißerscheinungen an den Bandscheiben und Wirbelgelenken der Halswirbelsäule. Diese können zu einer Verengung des Wirbelkanals führen und die Nervenwurzeln beeinträchtigen. Hierzu zählen zervikaler Bandscheibenschaden, z. Fehlstellungen: Angeborene oder erworbene Fehlstellungen der Halswirbelsäule, wie z. B. Angeborene Entwicklungsstörung: z. B. Stoffwechselerkrankungen: z. B.

In vielen Fällen liegen einem Zervikalsyndrom (Zervikalneuralgie) mehrere Ursachen zugrunde oder es treten mehrere Beschwerden in Kombination auf. Weitere Faktoren wie Stress, psychische Krankheiten, Bewegungsmangel oder einseitige Belastungen kommen häufig hinzu. Vor jeder Therapie muss daher eine ausführliche Diagnose stehen, um nachfolgende Schritte gezielt auf den jeweiligen Patienten abstimmen zu können.

Neuralgische Amyotrophie

Bei einer neuralgischen Amyotrophie ist ein bestimmtes Nervengeflecht in der Nähe des Schlüsselbeins entzündet. Die Entzündung verursacht reißende Schmerzen und Lähmungen im Arm und in der Schulter. Eine neuralgische Amyotrophie ist sehr selten. Typisch sind heftige Schmerzen in der Schulter oder im Arm, die sich bis zur Hand ausbreiten. Die Schmerzen treten plötzlich abends oder nachts auf. Zusätzlich kann es zu Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien kommen. Die Ursache für eine neuralgische Amyotrophie ist weitgehend unbekannt. Schmerzmittel und andere Medikamente können die Beschwerden lindern.

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Typisch sind reißende und starke Schmerzen im Schultergelenk, die plötzlich abends oder nachts auftreten. Die Schmerzen dauern Tage bis Wochen an. Mit der Zeit ziehen sie weiter bis in den Nacken, den ganzen Arm und die Hände. Seltener schmerzen auch andere Regionen des Oberkörpers, zum Beispiel die Brustmuskeln oder die Bereiche um das Schulterblatt oder Schlüsselbein.

Es gibt zwei Formen der neuralgischen Amyotrophie: die erbliche (hereditäre) und die mit unbekannter Ursache (idiopathisch). Bei der erblich bedingten neuralgischen Amyotrophie vererben Eltern eine bestimmte Genmutation an ihre Kinder, die sie anfälliger für die Erkrankung macht. Bei den meisten Menschen mit neuralgischer Amyotrophie ist die Ursache unklar. Bekannt ist nur, dass die Störung von einer Entzündung des Plexus brachialis - einem Nervengeflecht am Schlüsselbein - begleitet wird. Ärztinnen und Ärzte vermuten, dass sich die Entzündung im Zusammenhang mit einer Immunreaktion entwickeln könnte.

Wenn sie auftritt, sind die allermeisten Menschen zwischen 20 und 60 Jahre alt. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen - Kinder nur sehr selten. Die typischen Schmerzen treten üblicherweise zuerst im Schultergelenk auf und breiten sich dann in den Nacken und den gesamten Arm aus. Binnen Stunden können Lähmungen einzelner Muskelpartien entstehen. Zu besonders starken Schmerzen kommt es in der Regel in den ersten Tagen bis Wochen. Viele Menschen haben Monate bis Jahre mit Schmerzen, Muskelschwäche oder Bewegungseinschränkungen zu tun. Bei den meisten Menschen mit neuralgischer Amyotrophie klingen die Beschwerden innerhalb von etwa 1 bis 3 Jahren ab.

Schulter-Arm-Syndrom

Das Schulter-Arm-Syndrom beschreibt einen ausstrahlenden Schmerz, welcher meist vom Nacken ausgeht und über die Schulter und den Ellenbogen teilweise bis zur Hand und in die Finger ausstrahlt. Die Ursache der Schmerzen kann unterschiedliche Gründe haben. Neben Verschleißerscheinungen in den Gelenken der oberen Extremität kommen meist muskuläre Verspannungen als Hauptursache der Beschwerden in Betracht. Diese können durch ungewöhnlich starke körperliche Belastungen auftreten. Viel häufiger beobachtet wird diese Erkrankung allerdings bei einseitigen und langen statischen Belastungen, wie zum Beispiel die sitzende Tätigkeit am Computer.

Kommt es gleichzeitig zu Taubheitsgefühlen oder gar zu einer Schwäche des Armes muss differentialdiagnostisch auch an einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule mit Druck auf den Nerven (Radikulär-Syndrom) gedacht werden. Da die Leiden sehr stark sind und die Ursache festgestellt werden sollte, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung der Beschwerden, ggf. mit einer bildgebenden Diagnostik (Röntgen, MRT).

Diagnose von Nackenschmerzen

Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie zunächst zu Ihren akuten Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte befragen. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Nacken abgetastet und die Beweglichkeit von Kopf, Hals und Schultern geprüft. Zudem werden Muskelkraft, Sensibilität sowie Reflexe geprüft. Nackenschmerzen sind häufig unspezifisch, das heißt, es lassen sich keine genauen Ursachen erkennen. Meist beruhen sie auf Überlastungen und Verspannungen der Nackenmuskulatur.

Bei der Diagnose eines Zervikalsyndroms spielen das ausführliche Patientengespräch und die Anamnese eine große Rolle. Aufgrund der meist verschiedenen Einflussfaktoren bietet ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch in Verbindung mit einem standardisierten Schmerzfragebogen eine gute Hilfestellung für die anschließende Therapie des Zervikalsyndroms. Im Gespräch lassen sich Einflüsse wie psychische Faktoren oder schwere körperliche Tätigkeiten ermitteln. Durch die sogenannte Schmerzanamnese macht sich der Arzt ein Bild vom bisherigen Krankheitsverlauf. Zeigen sich Probleme im Alltag, unterstützt in einigen Fällen auch ein Schmerztagebuch die Diagnose, in dem Patienten über einen bestimmten Zeitraum hinweg festhalten, wann und wie stark ihre Beschwerden auftreten. Auch die verspannte oder verhärtete Muskulatur wird genauestens untersucht. Röntgenuntersuchungen zeigen weiterhin den Zustand der Halswirbelsäule und eventuelle Verschleißerscheinungen. Lassen Symptome auf einen Bandscheibenvorfall schließen, wird in der Regel noch eine Computertomografie durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen. Des Weiteren setzen immer mehr Mediziner auf eine enge, fachübergreifende Zusammenarbeit in einem Team aus Orthopäden, Psychologen, Neurologen, Neurochirurgen, Physiotherapeuten und Allgemeinmedizinern.

Nach einer ausführlichen Befragung durch die Ärztin oder den Arzt schließt sich bei einer neuralgischen Amyotrophie eine körperliche und neurologische Untersuchung an. Hilfreich sind außerdem eine Elektroneurographie und eine Elektromyographie, um eine neuralgische Amyotrophie zu erkennen. Mit diesen Methoden lässt sich die Funktion bestimmter Nerven und die Muskelaktivität prüfen, die bei der Erkrankung häufig beeinträchtigt sind.

Behandlung von Nackenschmerzen

Oftmals ist bei Nackenschmerzen keine spezielle Behandlung erforderlich und die Schmerzen verschwinden nach einigen Tagen von selbst wieder. Eine Schonung ist in der Regel nicht angebracht, vielmehr hilft leichte Bewegung, um Verspannungen zu lösen und die Schmerzen zu reduzieren. Viele Betroffene profitieren von Wärmeanwendungen (z. B. Wärmekissen, Rotlicht, Wärmesalbe). Oft kann schon ein warmes Bad oder eine heiße Dusche gegen die Beschwerden helfen. Salben mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Arnika können ebenfalls schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Besonders in der Akutphase können Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac Entlastung bringen. In hartnäckigen Fällen kann auch ein Schmerzmittel in die Umgebung der gereizten Nerven injiziert werden.

Neben Hausmitteln und Medikamenten können als Therapie auch physiotherapeutische Maßnahmen, Akupunktur oder Manuelle Therapie zum Einsatz kommen. Wenn psychische Belastungen die Ursache der Nackenschmerzen sind, können Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung sowie eine Psychotherapie angebracht sein. Je nach Ursache der Nackenschmerzen werden in einigen Fällen auch operative Eingriffe durchgeführt.

Zur Behandlung eines HWS-Syndroms kommen zunächst konservative Methoden zum Einsatz. Hier erfolgt häufig eine Schmerzreduktion mit Schmerzmitteln oder Injektionen. Massagen (mind. Diese Maßnahmen helfen, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit der Wirbelgelenke zu verbessern, die beteiligten Muskeln zu stärken und Verspannungen zu lösen.

Auch die Psyche und Stress sind wichtige Einflussfaktoren bei der Entstehung eines Zervikalsyndroms. Auf der einen Seite verstärken körperliche Beschwerden die negative Wahrnehmung alltäglicher Situationen. Auf der anderen Seite erhöht Stress den sogenannten Muskeltonus, was wiederum zu schmerzhaften Verspannungen führt. Mit der Zeit kann es also passieren, dass Betroffene regelrecht auf Schmerz programmiert sind und auch Beschwerden spüren, wenn die eigentliche Ursache nicht mehr vorliegt. Bei stressbedingten Beschwerden können verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga helfen.

Erzielen diese Behandlungen keine Verbesserung, kommen bei einem Zervikalsyndrom auch minimalinvasive Methoden zum Einsatz. Neben der Hitzesondentherapie zählt auch die Mikrolaserbehandlung zu den häufig eingesetzten Verfahren. Bei der Mikrolasertherapie wird über eine Kanüle und eine nur 0,2 Millimeter dünne Mikronadel Laserenergie gezielt in das Bandscheibengewebe eingebracht. Die Laserenergie lässt das Gewebe schrumpfen, verschweißt kleine Einrisse, unterbricht Schmerzfasern und stoppt so die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn. Haben Schmerzen ihre Ursachen an den Wirbelgelenken, kann eine Behandlung mit der Hitzesonde Linderung bringen.

Da die Ursache der neuralgischen Amyotrophie nicht bekannt ist, können Ärztinnen und Ärzte bislang nur die Symptome behandeln. Um die Schmerzen und Lähmungen zu lindern, lassen sich verschiedene Schmerzmittel und entzündungshemmend wirkende Medikamente wie Kortikosteroide einsetzen. Kortikosteroide verkürzen die Heilungsdauer und vermindern das Risiko neuer Schmerzattacken.

Im Vordergrund der Therapie des Schulter-Arm-Syndroms steht die Schmerzlinderung durch Lockerung der Muskulatur. Hier hilft die Wärmetherapie, das Kinesiotaping und die manuelle Medizin (Chirotherapie). Bei starken Schmerzen können kurzfristig auch Schmerzmedikamente eingenommen werden. Sollten Verschleißerscheinungen oder ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule verantwortlich für die Schmerzausstrahlung in den Arm bis in die Finger sein, können gezielte Einspritzungen mittels bildgebender Verfahren an der Halswirbelsäule, bzw. dem in seiner Funktion eingeschränkten Nerv die Beschwerden lindern. In schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen und neurologischen Ausfällender oberen Extremität besteht die Möglichkeit einer OP mit Freilegung des eingeklemmten Nervs (Foraminotomie) oder des Ersatzes der betroffenen Bandscheibe (Implantation einer Bandscheibenprothese). Im schmerzgelinderten Intervall stabilisiert sich die Genesung idealerweise durch die Verbesserung der Körperhaltung und der Kraftausdauer. Krankengymnastische Übungen und regelmäßige sportliche Aktivität (Yoga, Pilates, Schwimmen, Nordic Walking, Qigong, uvm.) werden empfohlen. Hierbei gilt die Regel, den Sport zu betreiben, welcher Spaß macht und welcher von den Beschwerden her möglich ist.

Übungen zur Selbsthilfe bei HWS-Syndrom

Das eigentliche Problem hinter deinem HWS-Syndrom können muskulär-fasziale Überspannungen sein, die in deinem Oberkörper eine unnatürlich hohe Zugkraft nach vorne entfachen. Wenn du das Ziel verfolgst, diese Zugkraft zu senken, „[…] müssen die Rückenstrecker weniger ziehen und die Belastung der Wirbelsäule unter die Intensität, bei der etwas kaputtgehen könnte“ abnehmen. Mit unseren Übungen kannst du dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren, indem du Sehnen, Bänder und Muskeln versuchst, zu flexibilisieren.

Genau wie überspannte Muskeln tragen auch verfilzte und verklebte Faszien entscheidend zu deinen Beschwerden bei einem HWS-Syndrom bei. Daher ist die Faszien-Rollmassage zur Lösung der Verklebungen ein wichtiger Bestandteil deiner Selbsthilfe.

  • Übung 1: Setze dich auf einen Stuhl und mache den Rücken ganz gerade. Greife jetzt mit deiner rechten Hand bis zum linken Ohr über den Kopf. Diesen ziehst du nun nach vorne und unten rechts in die Dehnung, wobei du deine linke Faust im Blick behältst. Bleibe in dieser Dehnung für zwei bis zweieinhalb Minuten. Das heißt diesmal: Du drehst deinen Kopf um 45 Grad nach rechts, winkelst den rechten Arm an, ballst die Faust und drückst deine rechte Schulter nach unten. Greife jetzt mit deiner linken Hand bis zum rechten Ohr über den Kopf. Ziehe den Kopf nun nach vorne und unten links in die Dehnung, wobei du deine rechte Faust im Blick behältst.
  • Übung 2: Setze dich für die zweite Übung zur Lösung der Nackenverspannungen wieder aufrecht hin und greife mit beiden Händen an deinen Hinterkopf. Dein Kinn ziehst du nun mit Hilfe deiner Arme möglichst weit in Richtung Brust. Im verkürzten Bereich rund um deine Halswirbelsäule solltest du jetzt eine kräftige Dehnung spüren, vielleicht auch ein Brennen. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern ein Indiz für dich, dass du den Verspannungen genau an der richtigen Stelle entgegenwirkst. Zum Abschluss richtest du dich auf deinem Stuhl wieder gerade aus. Deinem Kopf gönnst du nun die Gegenbewegung zu Schritt eins dieser Übung. Wir empfehlen dir dabei, deinen Kopf mit einer Hand sanft nach hinten zu drücken.

Wichtige Hinweise zu den Übungen:

  • Übe immer in der richtigen Intensität und im Zweifelsfall lieber mit etwas geringerer Intensität. Du spürst dabei einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Dehnung noch ruhig atmen.
  • Bewege dich bei den Übungen so, dass du deinen Körper zu jedem Zeitpunkt beobachten und einschätzen kannst. Sei beispielsweise sehr achtsam, wenn du abrutschen oder das Gleichgewicht verlieren könntest.
  • Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln.
  • Führe an 6 Tagen pro Woche die Übung mindestens einmal täglich aus. Für jeden Übungsschritt solltest du 2 bis 2,5 Minuten investieren. Bist du schon geübter, baue nach und nach auch das Gegenspannen und das aktive Dehnen ein.

Vorbeugung von Nackenschmerzen

Um unspezifische Nackenschmerzen zu verhindern, ist es wichtig, einseitige Belastungen und Fehlhaltungen zu vermeiden. Zudem wird empfohlen, die Nacken- und Rückenmuskulatur durch Bewegung und gezieltes Training zu kräftigen.

Achten Sie bei Ihrem Büro-Arbeitsplatz auf ergonomisches Arbeiten: Die Position von Stuhl, Tisch, Monitor, Tastatur und Maus sollten ein rückengesundes Arbeiten ermöglichen. Beispielsweise sollte der Monitor auf Augenhöhe oder leicht darunter sein. Vergessen Sie regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen nicht. Wenn Sie viel telefonieren müssen, sollten Sie besser ein Headset statt Telefon benutzen. So können Sie den Kopf aufrecht halten und haben außerdem die Hände frei. Lassen Sie sich ggf. im Rahmen einer Physiotherapie Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Nacken- und Rückenmuskulatur zeigen. Achten Sie auf eine für Sie geeignete Matratze und ergonomisch geformte Nackenkissen oder Nackenrollen.

Beim Schlafen sollte der Kopf etwas tiefer liegen als der Nacken. Im Idealfall bildet die Halswirbelsäule mit dem restlichen Teil der Wirbelsäule eine gerade Linie. Rücken- und Seitenschläfern wird daher ein Kopfkissen empfohlen, das Kopf und Nacken stützt und die Wirbelsäule entlastet, z. B. ein Kissen aus Memory-Schaum. Bauchschläfer schlafen am besten ohne Kissen. Grundsätzlich ist die Bauchlage allerdings weniger zu empfehlen. Sie kann dazu führen, dass die Nackenmuskulatur überstreckt wird und so weitere Verspannungen entstehen.

Weitere vorbeugende Maßnahmen:

  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit der Halswirbelsäule zu erhalten. Eine kräftige Muskulatur ist der beste Schutz vor Nackenschmerzen.
  • Ergonomie: Achten Sie auf eine ergonomische Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes und Ihrer Freizeitaktivitäten. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe sein, und die Tastatur und Maus sollten so positioniert sein, dass Ihre Hände und Arme entspannt sind. Entsprechende Stühle und Schreibtische helfen Ihnen, eine gute Haltung anzunehmen. Der Kopf sollte immer gerade sein.
  • Pausen: Vermeiden Sie es, lange Zeit in derselben Position zu verharren.
  • Stress vermeiden: Stress kann die Symptome eines Zervikalsyndroms verschlimmern.
  • Wärme und Kälte: können bei akuten Schmerzen helfen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Bitte begeben Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung, wenn Sie vor dem Auftreten der Nackenschmerzen eine Verletzung oder einen Unfall hatten, die Schmerzen in die Schulter oder den Arm ausstrahlen, Sie „Ameisenlaufen“, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Händen spüren, Ihre Arme oder Beine plötzlich kraftlos sind, wenn Sie z. B. Gegenstände auf einmal schlecht greifen können oder fallen lassen, Sie plötzlich Lähmungserscheinungen haben oder beim Gehen hinken, Sie Ihre Blase oder den Darm nicht mehr kontrollieren können (Inkontinenz oder auch Harnverhalt, d. h. Verkrampfungen, Verspannungen und schmerzhafte Beschwerden im Nackenbereich.

Plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen unterscheiden sich deutlich vom üblichen Verlauf beim HWS-Syndrom. Fieber in Kombination mit Nackenschmerzen sollten Sie ebenfalls zeitnah medizinisch abklären lassen. Selbiges gilt bei neu auftretenden, neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen oder Kribbeln. Diese können auf eine Beteiligung von Nervenstrukturen hinweisen. Die Hausarztpraxis ist dabei meist die erste Anlaufstelle. Bei Bedarf erfolgt eine Überweisung zu Fachärzten für Orthopädie oder Neurologie.

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