Morton-Neuralgie: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Die Morton-Neuralgie, auch bekannt als Morton-Neurom, Morton-Syndrom oder Metatarsalgie, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die den Vorfuß betrifft. Sie ist durch eine Verdickung des Gewebes um einen der Nerven gekennzeichnet, die zu den Zehen führen, meist zwischen der zweiten und dritten oder der dritten und vierten Zehe. Diese Verdickung, eine gutartige Wucherung des Nervengewebes, entsteht oft durch chronische mechanische Irritationen wie Druck oder Reibung infolge von Fehlstellungen der Zehen oder des Fußgewölbes. Frauen sind etwa viermal häufiger betroffen als Männer.

Was ist die Morton-Neuralgie?

Das Morton-Neurom ist eine schmerzhafte Verdickung des Nervengewebes im Bereich des Vorderfußes. Genauer gesagt sind die Nervenscheiden, also das Hüllgewebe der Nervenfasern, betroffen. Es wird auch als Morton-Neuralgie bezeichnet. Diese Verdickung ist keine bösartige Erkrankung, sodass keine Gefahr der Entartung oder der Metastasierung besteht.

Ursachen der Morton-Neuralgie

Die Ursachen für die Entstehung eines Morton-Neuroms sind vielfältig und können auf einer Kombination mechanischer, anatomischer und genetischer Faktoren beruhen. Zu den Hauptursachen zählen:

  • Hohe Belastung: Enges Schuhwerk, insbesondere Schuhe mit hohen Absätzen, erhöht den Druck auf den Vorfuß und die Mittelfußknochen. Sportarten, die hohe Stoß- und Druckbelastungen auf den Vorfuß ausüben, können ebenfalls zur Entwicklung eines Morton-Neuroms beitragen, da sie den Nerv im Mittelfußbereich wiederholt belasten und irritieren.
  • Fehlstellungen der Zehen: Anomalien wie Hammerzehen oder Spreizfüße verändern die Druckverteilung im Fuß und können einen erhöhten Druck auf die Nerven zwischen den Zehen verursachen. Diese verstärkte Belastung begünstigt die Entstehung eines Neuroms. Ein Spreizfuß ist eine häufige Ursache für ein Morton-Neurom.
  • Verkürzte Wadenmuskeln und Arthrose: Verkürzte Wadenmuskeln, Arthrose im Großzehengrundgelenk oder eine eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk können die Mechanik im Fuß beeinträchtigen und somit indirekt zur Entwicklung eines Morton-Neuroms beitragen.
  • Genetische Veranlagung: Die Neigung zur Entwicklung eines Morton-Neuroms kann genetisch bedingt sein. Menschen mit einer familiären Vorgeschichte dieser Erkrankung zeigen eine höhere Prädisposition.
  • Traumatische Verletzungen: Direkte Traumata am Vorfuß, wie Verstauchungen und Prellungen, können den Nerv schädigen und eine Entzündung hervorrufen, die letztendlich zu einer Neuralgie führt.

Oft ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das zur Entwicklung der Erkrankung führt.

Symptome der Morton-Neuralgie

Die Symptome eines Morton-Neuroms konzentrieren sich hauptsächlich auf Schmerzen und Beschwerden im Vorfußbereich, die je nach Aktivitätsgrad und Schuhwerk variieren können. Typische Symptome sind:

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  • Stechende Schmerzen: Einige Menschen erleben plötzliche scharfe oder stechende Schmerzen, die beim Auftreten oder bei bestimmten Bewegungen intensiver werden.
  • Brennende Schmerzen: Betroffene berichten auch über ein brennendes Gefühl im Ballen des Fußes, das sich bis in die Zehen ausbreiten kann. Dieses Brennen tritt insbesondere beim Gehen oder Stehen auf.
  • Kribbeln und Taubheitsgefühl: Ein pelziges Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Zehen oder auch zwischen den Zehen sind Symptome, die auf ein Morton-Neurom hinweisen können.
  • Gefühl, als ob man auf einem Knoten steht: Dieses Symptom wird von Betroffenen als Gefühl, als wäre etwas im Schuh direkt unter dem Fuß, beschrieben.
  • Schmerzzunahme bei Druck/Schuhen: Enges oder hohes Schuhwerk kann die Schmerzen verschlimmern, da es den Druck auf den betroffenen Bereich erhöht.

Ein deutliches Anzeichen für ein Morton-Neurom ist auch, dass das Ausziehen der Schuhe und das Massieren des Fußes vorübergehend Linderung bringen, da dadurch der Druck auf den Nerv vermindert wird. Die Beschwerden können anfallsartig auftreten und viele Betroffene klagen auch über Krämpfe, ein brennendes Gefühl oder auch stechende Schmerzen in der Nacht. Zudem kann es zu Spreizzehen kommen.

Diagnose der Morton-Neuralgie

Die Diagnose eines Morton-Neuroms basiert auf einer Kombination aus Anamnese, klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren.

  • Anamnese: Zunächst wird die Ärztin/der Arzt eine gründliche Anamnese durchführen, um die Krankengeschichte der betroffenen Person zu erfahren und mögliche Risikofaktoren zu erfassen.
  • Körperliche Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung konzentriert sich das medizinische Fachpersonal auf den Vorfußbereich, insbesondere auf die Stellen zwischen den Mittelfußknochen, um durch Druck oder spezielle Manipulationen Schmerzreaktionen oder die typischen Symptome eines Morton-Neuroms hervorzurufen. Ein wichtiges Zeichen ist das sogenannte Mulder-Zeichen, bei dem durch Druck auf die Stelle, an der die Morton-Neuralgie vermutet wird, ein Klicken oder Schnappen ausgelöst wird.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) können eingesetzt werden, um die Morton-Neurom-Diagnose zu bestätigen und andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Diese Techniken ermöglichen es, die genaue Lage und Größe des Neuroms zu visualisieren und die Behandlung zielgerichtet zu planen. Die MRT-Untersuchung ist vor allem wichtig, um eine Größenbestimmung der Nervenschwellung vorzunehmen.

Behandlung der Morton-Neuralgie

Die Behandlung eines Morton-Neuroms hängt von der Intensität der Symptomatik und der Dauer der Erkrankung ab. Es gibt konservative und operative Ansätze zur Behandlung. In der Regel erfolgen konservative Therapieverfahren zuerst.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Druckentlastung: In der Anfangsphase der Behandlung ist es essenziell, die Belastung auf den Vorderfuß entschieden zu reduzieren. Dies kann durch das Tragen von weiter Schuhe und das Vermeiden von hohen Absätzen erreicht werden. Auch spezielle Vorfußentlastungsschuhe können hilfreich sein.
  • Schmerzmittel: Zur symptomatischen Behandlung der Schmerzen können bedarfsgerecht Schmerzmittel eingenommen werden.
  • Physiotherapie: Die Physiotherapie ist eine Therapiemethode, die durch langfristigen Einsatz zu einer spürbaren Verbesserung der Symptomatik führen kann. Bei der Physiotherapie werden gezielt Übungen durchgeführt, die die Muskulatur des Vorderfußes stärken und eine physiologische Belastung des Fußes antrainieren. Eine intensive Physiotherapie und Fußgymnastik bezieht auch die Wadenmuskulatur ein.
  • Einlagen: Zusätzlich zur Physiotherapie kann auch das Tragen von individuell angepassten Einlagen die Stellung des Fußes im Schuh verbessern und das Quergewölbe unterstützen, wodurch die Nerven entlastet werden.
  • Triggerpunktakupunktur: Die Triggerpunktakupunktur ist eine Behandlungsmethode, die sich dazu anbietet, Verspannungen im Bereich des Fußes zu lösen. Hierfür werden kleine Nadeln gezielt in bestimmte Triggerpunkte der Muskulatur gesetzt, um schmerzhafte Muskelverhärtungen zu lösen.
  • Hydrodissektion: Die Hydrodissektion ist ein minimal-invasives Verfahren, das unter Ultraschallkontrolle durchgeführt wird. Dabei wird eine Zuckerlösung in den Bereich des verdickten Nervs injiziert, um die umliegenden Gewebeschichten sanft voneinander zu trennen. Diese Methode verringert den Druck auf den Nerv und kann so zu einer deutlichen Schmerzlinderung führen.
  • Kortison-Injektionen: Helfen Einlagen und ein verändertes Schuhwerk nichts, werden herkömmlicherweise Kortison-Spritzen empfohlen. Oft werden bei dieser Methode entzündungshemmende Mittel wie Kortison gespritzt, die dafür sorgen sollen, dass der Nervenknoten abschwillt.
  • Stoßwellentherapie: In letzter Zeit zeigt sich, dass auch die extrakorporale Stoßwellentherapie eine echte Alternative zur Injektionsbehandlung oder zur chirurgischen Therapie sein kann. Der Vorteil besteht hier im deutlich verminderten Risiko einer Komplikation.

Operative Behandlungsmethoden

Wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Es gibt verschiedene operative Verfahren:

  • Neurolyse/Dekompression: Bei der nervenerhaltenden operativen Behandlung des Morton-Neuroms durch Neurolyse bzw. Dekompression wird dem plantaren Fußnerven mehr Raum verschafft. Dies kann durch eine Weitung des Bandes zwischen den Mittelfußknochen (Ligamentum intermetatarsale) oder durch eine Umstellung der Zehenknochen (Metatarsalknochen) durch eine minimalinvasive Osteotomie erreicht werden.
  • Neurektomie: Bei der Neurektomie wird das Nervengeschwulst über einen Schnitt am Fußrücken entfernt. Dadurch kann die betroffene Person nach der Entfernung schnell wieder laufen, muss aber zur Nachbehandlung in der Regel spezielle Schuhe zur Entlastung des Vorfußes (Vorfußentlastungsschuh) tragen. Die Neurektomie wird immer noch als Standardbehandlung bei einer Morton-Neuralgie angesehen, sollte aber erst nach Prüfung des nervenerhaltenden Vorgehens durchgeführt werden.

Maßnahmen nach der Operation

Nach einer Operation ist es wichtig, den Fuß zu schonen und zu entlasten. In der Regel sollte ein spezieller Schuh getragen werden, der den Vorfuß entlastet. Zudem ist Fußgymnastik zur Stärkung der kleinen Fußmuskeln wichtig. Um die Wundheilung zu unterstützen, sollten Sie Ihren Fuß für etwa 3 Wochen nur teilbelasten.

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Prävention der Morton-Neuralgie

Aus den beschriebenen Ursachen für das Morton-Neurom ergeben sich auch einige wichtige Maßnahmen, die als Prävention dienen können:

  • Richtiges Schuhwerk: Es sollte auf richtiges Schuhwerk geachtet werden. Dieses darf den Fuß nicht dauerhaft komprimieren.
  • Regelmäßige Pausen beim Sport: Beim Sport sollte auf regelmäßige Pausen geachtet werden, damit sich der Vorderfuß immer wieder kurz regenerieren kann. Im Zweifelsfall sollten auch längere Sportpausen eingelegt werden, wenn die Schmerzen oft auftreten.
  • Gewichtsreduktion: Eine Gewichtsreduktion ist bei starkem Übergewicht nicht nur mit Hinblick auf den allgemeinen Gesundheitszustand sinnvoll, sondern kann auch die Belastung auf den Fuß verringern und so die Entstehung einer Morton-Neuralgie unwahrscheinlicher machen.
  • Frühzeitige Laufbandanalyse: Auch eine frühzeitige Laufbandanalyse kann dabei helfen, Fehlbelastungen frühzeitig zu erkennen und anschließend zu korrigieren.

Übungen zur Behandlung der Morton-Neuralgie

Es gibt verschiedene Übungen, die zur Behandlung der Morton-Neuralgie eingesetzt werden können:

  • Übung zur Mobilisation des Quergewölbes: Ausgangsstellung: Sitz auf dem Boden oder einem Stuhl. Übung: Massieren Sie mit dem Daumen der gegenüberliegenden Hand mit einem sanften Druck in der Mitte der Fußsohle aus. Wiederholen Sie diese Bewegung pro betroffenem Fuß 10-mal rhythmisch und leicht.
  • Übung zur Kräftigung der Fußmuskulatur: Ausgangsstellung: Sitz auf dem Boden oder Stuhl. Übung: Versuchen Sie, mit den Fußmuskeln das Quergewölbe aufrecht zu halten.
  • Übung zur Umschließung eines Balls mit den Zehenballen: Ausgangsstellung: Sitz oder Stand. Durchführung: Modellieren Sie Ihren Groß- und Kleinzehenballen sanft um den Ball.
  • Übung zur Aktivierung des Quergewölbes beim Gehen: Aktivieren Sie beim Gehen das Quergewölbe. Fuß schwungvoll nach vorne bringen: Achten Sie darauf, dass die Zehengrundgelenke gebeugt sind, ohne dass die Zehen krallen.

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