Neuralgie, Nervenschmerzen und Vergiftung: Ursachen und Behandlungsansätze

Nervenschmerzen, auch Neuralgien oder neuropathische Schmerzen genannt, sind ein weit verbreitetes und oft sehr belastendes Gesundheitsproblem. Sie entstehen durch Schädigungen oder Fehlfunktionen im Nervensystem und können sich in vielfältiger Weise äußern. Die Ursachen für solche Nervenschädigungen sind ebenso vielfältig und reichen von Stoffwechselerkrankungen über Infektionen bis hin zu Vergiftungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Neuralgien und Nervenschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Vergiftungen, und stellt verschiedene Therapieansätze vor.

Polyneuropathie: Eine häufige Form der Nervenerkrankung

Die Polyneuropathie (PNP) ist eine Nervenkrankheit, bei der viele Nerven gleichzeitig geschädigt werden. Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa 40 von 100.000 Menschen an dieser Erkrankung. Es gibt Hunderte verschiedener Arten von Polyneuropathie, und die Ursachen können vielfältig sein. Oft lässt sich der auslösende Faktor im Nachhinein nicht mehr feststellen.

Mögliche Ursachen der Polyneuropathie

  • Diabetes: Wenn Diabetes die Ursache für eine Polyneuropathie ist, spricht man von einer diabetischen Polyneuropathie. Hohe Blutzuckerwerte schädigen neben den Blutgefäßen auch die Nerven. Etwa die Hälfte der Diabetiker ist von dieser Erkrankung betroffen.
  • Vitaminmangel: Forscher haben Zusammenhänge zwischen Polyneuropathie und Vitamin-D-Mangel gefunden. Vitamin B12 ist wichtig für die Regeneration und Bildung der Myelinscheiden der Nervenfasern, daher kann ein Mangel zu neurologischen Schäden führen. Auch eine langjährige Fehlernährung kann zu einer PNP führen und das Risiko einer Insulinresistenz erhöhen.
  • Vergiftungen: Eine PNP kann die Folge einer Vergiftung sein, beispielsweise durch Chemikalien wie Pflanzenschutzmittel (Glyphosat) oder Quecksilber. Auch der langjährige Einfluss von Chemikalien am Arbeitsplatz kann eine Rolle spielen. Mit einer Haaranalyse oder Nagelanalyse lässt sich die Belastung mit Schwermetallen und Aluminium überprüfen.
  • Medikamente und Drogen: Manche Medikamente, besonders Chemotherapeutika, können eine Polyneuropathie verursachen. Auch einige Antibiotika (Metronidazol, Nitrofurantoin, Linezolid) und bestimmte HIV-Medikamente gelten als mögliche PNP-Ursachen. In seltenen Fällen können Cholesterinsenker (Statine) Nervenschäden fördern. Drogen sind ebenfalls ein möglicher Auslöser.
  • Weitere Krankheiten: Die Polyneuropathie kann eine Begleit- oder Folgeerscheinung vieler anderer Krankheiten sein, wie Borreliose, HIV (durch Virus und Medikamente) sowie Autoimmunerkrankungen. Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine eigene Form der PNP, die meist nach einigen Wochen wieder folgenlos ausheilt.

Symptome der Polyneuropathie

Typisch für die Polyneuropathie sind symmetrische Empfindungsstörungen, besonders an den Füßen. Taubheit, Kribbeln, Brennen, Schmerzen oder eine nachlassende Empfindlichkeit sollten Anlass zu einer genaueren Untersuchung sein. Auch das Gefühl von zu engen Socken kann ein Hinweis sein. Betroffene bemerken oft ein drückendes Steinchen im Schuh nicht, was zu einem Geschwür an der Fußsohle führen kann. Neben den sensiblen Störungen kann sich auch eine motorische Polyneuropathie mit Lähmungen entwickeln. Eine autonome Polyneuropathie kann Funktionsstörungen an den inneren Organen verursachen, wie Hautstörungen, vermindertes Schwitzen, Potenz- und Blasenentleerungsstörungen oder Herzrhythmusstörungen.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose stützt sich auf die Anamnese, neurologische Untersuchungen (Reflexprüfungen, Testen des Berührungs-, Temperatur- und Vibrationsempfindens), Schweißteste, Kipptisch-Untersuchungen und die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität. Eine Elektroneurografie und ggf. die histologische Untersuchung eines Nervs können weitere Aufschlüsse geben.

Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen)

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, treten oft stechend oder kribbelnd in Rücken oder Beinen auf. Sie sind weit verbreitet und beeinträchtigen die Lebensqualität stark. Auslöser ist eine Schädigung im Nervengewebe durch Erkrankungen, Infektionen oder Verletzungen. Auch Neurotoxine (Nervengifte) können Nervenschmerzen verursachen.

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Ursachen von Nervenschmerzen

  • Direkte Nervenschädigung: Verletzungen, Operationen, Bandscheibenvorfälle oder Engstellen an Gelenken können Nerven schädigen und Schmerzen verursachen.
  • Infektionen: Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie), Herpes, Grippe oder Hepatitis können Nervenschäden verursachen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus ist eine häufige Ursache für Nervenschmerzen (diabetische Polyneuropathie).
  • Autoimmunerkrankungen: Multiple Sklerose oder Neurosarkoidose können das Nervensystem angreifen und Schmerzen verursachen.
  • Chemotherapie: Die Behandlung von Krebs kann Nervenzellen schädigen und zu Nervenschmerzen führen.
  • Psychische Faktoren: Angststörungen, Depressionen oder Stress können die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und Nervenschmerzen verstärken.

Symptome von Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen strahlen meist in den ganzen Körperbereich aus, der von einem Nerv versorgt wird. Schon harmlose Reize wie Berührung, Wärme, Kälte oder Druck können Schmerzen auslösen (Allodynie). Die Schmerzen können stechend, brennend, kribbelnd oder elektrisierend sein.

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose basiert auf der Anamnese, einer neurologischen Untersuchung und Sensibilitätsprüfungen. In manchen Fällen werden auch bildgebende Verfahren (MRT) oder Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen durchgeführt.

Vergiftungen als Ursache von Nervenschmerzen und Polyneuropathie

Vergiftungen können eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Nervenschmerzen und Polyneuropathie spielen. Verschiedene Substanzen können das Nervensystem schädigen und zu den genannten Beschwerden führen.

Schwermetalle

Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, Arsen und Cadmium sind bekannte Nervengifte. Sie können sich im Körper anreichern und Nervenzellen schädigen.

  • Blei: Chronische Bleivergiftungen können zu Polyneuropathie, Muskelschwäche, Müdigkeit und neurologischen Störungen führen. Früher waren Tankwarte durch den Kontakt mit verbleitem Benzin gefährdet.
  • Quecksilber: Quecksilber kann Nervenschäden, Zittern, Gedächtnisprobleme und psychische Störungen verursachen. Eine Belastung kann durch Amalgamfüllungen in Zähnen entstehen.
  • Arsen: Arsenvergiftungen können zu Polyneuropathie, Hautveränderungen, Übelkeit, Erbrechen und Herzproblemen führen.
  • Cadmium: Cadmium kann Nierenschäden, Knochenschmerzen und Polyneuropathie verursachen.

Chemikalien und Pestizide

Bestimmte Chemikalien und Pestizide, wie Glyphosat, können das Nervensystem schädigen und zu Nervenschmerzen und Polyneuropathie führen. Auch der langjährige Einfluss von Chemikalien am Arbeitsplatz kann eine Rolle spielen.

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Alkohol

Chronischer Alkoholmissbrauch ist eine häufige Ursache für Polyneuropathie. Ethanol im Alkohol kann Nervenzellen direkt angreifen und schädigen. Zudem führt übermäßiger Alkoholkonsum oft zu einer Mangelernährung mit Vitaminmangel, was die Nervenschäden verstärkt.

Medikamente

Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, Antibiotika (Metronidazol, Nitrofurantoin, Linezolid), HIV-Medikamente und Cholesterinsenker (Statine), können Nervenschäden verursachen.

Umweltgifte

Umweltgifte wie Lösungsmittel, Insektizide und bestimmte Kunststoffe können das Nervensystem schädigen und zu Nervenschmerzen und Polyneuropathie beitragen.

Therapieansätze bei Neuralgie und Nervenschmerzen

Die Therapie von Neuralgien und Nervenschmerzen ist oft komplex und erfordert einen individuellen Behandlungsplan. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Ursache der Nervenschädigung zu behandeln.

Schulmedizinische Behandlung

  • Medikamentöse Therapie:
    • Schmerzmittel: Bei leichten Schmerzen können Paracetamol oder Metamizol helfen. Bei stärkeren Schmerzen werden oft Opioide wie Tramadol eingesetzt.
    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva (z. B. Amitriptylin, Duloxetin) können neuropathische Schmerzen lindern.
    • Antikonvulsiva: Medikamente, die auch bei Epilepsie eingesetzt werden (z. B. Gabapentin, Pregabalin), können Nervenschmerzen reduzieren.
    • Capsaicin-Pflaster: Hochdosierte Capsaicin-Pflaster können bei bestimmten Nervenschmerzen (z. B. Post-Zoster-Neuralgie) eingesetzt werden.
    • Lidocain-Pflaster: Lidocain-Pflaster können lokale Nervenschmerzen lindern.
    • Botulinumtoxin: Injektionen mit Botulinumtoxin können bei bestimmten Nervenschmerzen (z. B. Trigeminusneuralgie) helfen.
  • Nervenblockaden und Infiltrationen: Lokalanästhetika werden in die Nähe des betroffenen Nervs gespritzt, um die Schmerzleitung zu unterbrechen.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Elektrische Impulse werden über die Haut an die Nerven gesendet, um die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
  • Operation: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf einen Nerv zu verringern (z. B. bei einem Bandscheibenvorfall).

Naturheilkundliche Therapieansätze

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist wichtig für die Nervengesundheit. Meiden Sie Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel. Eine basische Ernährung kann sich positiv auswirken.
  • Vitamine und Mineralstoffe:
    • Vitamin B12: Bei einem Mangel sollte Vitamin B12 supplementiert werden (1000 µg täglich oder B12-Spritzen).
    • Vitamin D: Vitamin D gilt als wirksame Substanz für die Behandlung neuropathischer Symptome (1.800 bis 4.000 IE täglich).
    • Alpha-Liponsäure: Die Einnahme von Alpha-Liponsäure kann bei Sensibilitätsstörungen helfen.
    • Magnesium: Magnesium beruhigt das Nervensystem.
    • Vitamin B1: Die Gabe von Benfotiamin kann bei diabetischer Polyneuropathie sinnvoll sein.
  • Heilpflanzen: Kalmus, Estragon, Salbei, Kurkuma und Capsaicin können bei Polyneuropathie hilfreich sein. Auch Helmkraut beruhigt das Nervensystem.
  • Äußerliche Anwendungen: Rizinusöl-Packungen können die Symptome der Polyneuropathie lindern. Auch Aconit-Nervenöl, Nelken-, Rosmarin- oder Minzöl können eingesetzt werden. Johanniskraut-Rotöl und Einreibungen mit capsaicinhaltiger Salbe werden ebenfalls empfohlen.
  • Hydro- und Thermotherapie: Trockenbürsten, Igelballmassagen, Sandbäder, Wassertreten nach Kneipp, kalte Unterschenkelgüsse, ansteigende Teilbäder, Vollbäder mit Fichtennadeln oder Heublumen und Lehmpackungen können die Durchblutung anregen und Schmerzen lindern.
  • Bewegungstherapie und Krankengymnastik: Gezieltes Training geschwächter Muskelgruppen, propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation (PNF) und Gangschulung können helfen, die Beweglichkeit und Koordination zu verbessern.
  • Entspannungstechniken: Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung und autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen.
  • Akupunktur: In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist Akupunktur eine wichtige Therapieoption bei Nervenschmerzen. Sie kann die Nerven stimulieren und die Durchblutung fördern.

Weitere Therapieansätze

  • Rotlicht-Therapie: Die Rotlicht-Therapie (Low-Level Light Therapy, LLLT) kann bei vielen Beschwerden hilfreich sein, auch bei Polyneuropathie.
  • Uridinmonophosphat (UMP): UMP ist ein wichtiger Baustein für Nervenzellen und kann die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen. In Kombination mit Folsäure und Vitamin B12 konnte UMP in einer Studie Nervenschmerzen signifikant reduzieren.
  • Psychotherapie: Bei chronischen Schmerzen kann eine Psychotherapie helfen, die Schmerzwahrnehmung zu verändern und Coping-Strategien zu entwickeln.

Maßnahmen zur Vorbeugung von Nervenschäden

  • Diabetes gut einstellen: Eine gute Blutzuckereinstellung ist entscheidend, um Nervenschäden bei Diabetes zu verhindern.
  • Alkohol meiden: Vermeiden Sie übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Nerven.
  • Schadstoffe meiden: Vermeiden Sie den Kontakt mit Schwermetallen, Pestiziden und anderen Umweltgiften. Verwenden Sie in Haus, Hof und Garten keine Unkraut- oder Insektenvernichter.
  • Stress reduzieren: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Stressabbau.
  • Regelmäßige Kontrollen: Lassen Sie Ihre neurologischen Funktionen regelmäßig überprüfen, besonders wenn Sie Risikofaktoren wie Diabetes haben.

Chinesische Medizin (TCM) bei Nervenerkrankungen

In der chinesischen Medizin gehören Nervenerkrankungen zum Nieren-Blasen-Organsystem. Das aus dem Gleichgewicht geratene Element ist das Wasserelement. Die Niere speichert und erzeugt die Erb- und Grundenergie, reguliert das Knochenwachstum, die Fortpflanzung, den Wasserhaushalt, das Nervengewebe und ernährt die Kopfbehaarung. Die emotionale Störung bei Nierenschwäche ist die Angst, der störende klimatische Faktor ist die Kälte, und das zugehörige Hohlorgan ist die Blase.

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Eine Nervenerkrankung setzt eine Störung und Erschöpfung des Energiehaushaltes und eine toxische Belastung (Quecksilber, Aluminium, Kunststoffe) und Übersäuerung des Bindegewebes voraus. Mitursächlich für eine Störung des Energieflusses kann ein psychisches Trauma sein.

Therapie in der TCM

  • Akupunktur und Schröpfen: Die Nerven werden durch die Nadeln wieder angeregt und eine ungehinderte Durchleitung im Körper wieder hergestellt. Das Schröpfen fördert Durchblutung und Stoffwechsel, gleichzeitig dient es zur Entspannung der Muskulatur in der Umgebung der Nerven.
  • Kräutertherapie: Kräuter wirken von innen her erfolgreich gegen den Juckreiz, fördern die Stoffwechselprozesse und stärken somit das Immunsystem.

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