Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, sind ein weit verbreitetes Phänomen, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Die Neuralgie zählt sogar, neben Rückenschmerzen und Kopfschmerzen, zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen. Diese Schmerzen äußern sich oft als stechendes oder kribbelndes Gefühl, insbesondere im Rücken oder in den Beinen. Auslöser für Nervenschmerzen ist eine Schädigung im Nervengewebe. Es ist die Grundlage des Nervensystems und besteht aus Nervenzellen/Neuronen und Gliazellen. Nervenschmerzen entstehen durch Erkrankungen, Infektionen oder Verletzungen, die zu Nervenschädigungen und Fehlfunktionen im Nervensystem führen. In diesem Artikel werden die Ursachen und virusbedingten Auslöser von Gesichtsschmerzen, insbesondere der Gesicht Neuralgie, beleuchtet.
Was sind Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen)?
Nervenschmerzen, auch als neuropathische Schmerzen bekannt, entstehen durch eine Schädigung oder Fehlfunktion im Nervensystem. Diese Schädigung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter Erkrankungen, Verletzungen oder Infektionen. Die Schmerzwahrnehmung bei Nervenschmerzen ist typischerweise verändert. Schon harmlose Reize wie leichte Berührung, Wärme, Kälte oder Druck auf der Haut können bei Betroffenen Schmerzen auslösen (Allodynie). Der gesamte Körper wird von Nervensträngen durchzogen. Daher sind neuropathische Schmerzen in fast allen Körperbereichen möglich.
Ursachen von Nervenschmerzen
Nervenschmerzen können vielfältige Ursachen haben:
- Erkrankungen: Diabetes mellitus kann beispielsweise durch überhöhte Zuckerwerte die Nerven schädigen und zu neuropathischen Schmerzen führen (diabetische Polyneuropathie). Auch Multiple Sklerose kann Nervenschmerzen verursachen.
- Infektionen: Bestimmte Virusinfektionen, wie Herpes Zoster (Gürtelrose), können Nervenschäden verursachen und zu langanhaltenden Schmerzen führen.
- Verletzungen: Ein Bandscheibenvorfall im Rücken kann auf einen Nerv drücken und ihn reizen, was zu ausstrahlenden Schmerzen, beispielsweise im Ischiasnerv, führt.
- Neurotoxine: Die Einwirkung von Neurotoxinen (Nervengifte) kann ebenfalls zu Nervenschmerzen führen. Neurotoxine können tierische, chemische oder pflanzliche Gifte sein, wie sie zum Beispiel in einem giftigen Pilz oder beim Kugelfisch zu finden sind.
- Psychische Faktoren: Nervenschmerzen können nicht nur körperliche Auslöser haben. Eine Angststörung, eine Depression oder ständiger Stress kann körperliche Symptome zur Folge haben. Dann ist die Spannung im Körper erhöht, die Schmerzempfindlichkeit steigt. Man nennt diese Form von Schmerzsyndromen somatoforme Störung beziehungsweise somatoforme Schmerzstörung oder auch psychosomatische Erkrankung.
Gesicht Neuralgie: Eine spezielle Form von Nervenschmerzen
Wenn die Symptome der Nervenschmerzen am Kopf oder Gesicht auftreten, handelt es sich in vielen Fällen um eine Trigeminusneuralgie. Die Trigeminusneuralgie ist eine spezielle Form von Gesichtsschmerz, die durch eine Reizung des Trigeminusnervs (Drillingsnerv) verursacht wird. Dieser Nerv ist für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzempfindungen im Gesicht zuständig.
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie unterscheidet man einerseits die Ursachen der Erkrankung und andererseits die Triggerreize (Auslöser) der jeweiligen Schmerzattacken.
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- Klassische Trigeminusneuralgie: Bei 80 bis 90 Prozent der Menschen mit einer Trigeminusneuralgie drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv. Das reizt die schützende Nervenhülle, wodurch der Nerv leichter erregbar wird. Fachleute sprechen hier von der klassischen oder primären Trigeminusneuralgie. Die Symptome der klassischen Trigeminusneuralgie entstehen wahrscheinlich durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen dem Blutgefäß, welches eng am Nervus trigeminus (fünfte Hirnnerv) anliegt, und dem Nerv selbst.
- Symptomatische Trigeminusneuralgie: Von einer sekundären oder symptomatischen Trigeminusneuralgie ist die Rede, wenn der Nerv durch andere Erkrankungen gereizt ist und die Gesichtsschmerzen verursacht. Dazu gehören:
- Multiple Sklerose
- Tumoren, die Druck ausüben
- Bindegewebserkrankungen
- Angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen
- Idiopathische Trigeminusneuralgie: Wenn sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache erkennen lässt, liegt eine sogenannte idiopathische Trigeminusneuralgie vor.
Triggerreize bei der Trigeminusneuralgie
Während die symptomatische Trigeminusneuralgie meist durch eine Grunderkrankung ausgelöst wird, gibt es bei der klassischen Form sogenannte Triggerreize. Diese beziehen sich nicht auf die Ursache der Erkrankung selbst, sondern auf den Auslöser der jeweiligen Schmerzattacke. Die Trigger können bei der Trigeminusneuralgie sehr unterschiedlich sein. Oft rufen ganz alltägliche Dinge den Schmerz hervor. Dazu gehören:
- Berühren des Gesichtes
- Lächeln beziehungsweise Lachen
- Kauen beziehungsweise Essen kalter oder heißer Speisen
- Trinken
- Zähneputzen
- Waschen des Gesichtes
- Sprechen
- Auftragen von Make-up
- Rasieren
- Zugluft
Unabhängig von Triggerreizen können die stechenden Schmerzen auch spontan auftreten, das heißt ohne Anlass. Sie strahlen meist in eines, selten in mehrere der drei Territorien der Gesichtshälfte aus, die durch die Äste des Nervus trigeminus versorgt werden. Am häufigsten ist der Gesichtsbereich betroffen, der vom Unterkieferast versorgt wird, seltener der Bereich des Oberkieferastes und in sehr seltenen Fällen der Bereich des Augenastes.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Menschen mit einer Trigeminusneuralgie verspüren plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen im Gesicht. Zwischen Zeiten mit häufigen Beschwerden liegen schmerzfreie Phasen. Die Abstände zwischen den Attacken können sich mit der Zeit verkürzen. Es kann sich auch ein dumpfer Dauerschmerz einstellen. Die Schmerzen im Gesicht können von Kopfschmerzen begleitet sein.
Patienten berichten von folgenden Symptomen, die einzeln oder in Kombination auftreten können:
- Schwere blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen
- Spontane starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden
- Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
- Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
- Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein
- Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden, beispielsweise Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch
Während bei der klassischen Trigeminusneuralgie zwischen den bis zu 100 Schmerzattacken am Tag in der Regel Beschwerdefreiheit besteht, sind bei Patient:innen mit der symptomatischen Form die Schmerzen meist dauerhaft. Denkbar sind zudem auch Gefühlstörungen oder motorische Ausfälle im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus. Nicht zuletzt ist der Augenast bei der symptomatischen Form häufiger betroffen, als bei der klassischen Form.
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Virusbedingte Ursachen für Gesicht Neuralgie
Verschiedene Viren können Nervenschäden verursachen und somit Gesichtsschmerzen auslösen. Ein wichtiger Vertreter ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das für Windpocken und Gürtelrose verantwortlich ist.
Herpes Zoster (Gürtelrose) und Post-Zoster-Neuralgie
Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine Nervenerkrankung, die von heftigen Schmerzen begleitet wird und auch chronisch werden kann (beispielsweise als Neuralgie bzw. Trigeminusneuralgie). Die Erreger der Gürtelrose sind die sogenannten Varizella Zoster-Viren (auch Varizellen genannt) aus der Familie der Herpes-Viren, die bei einer ersten Infektion - meist in der Kindheit - die Windpocken verursachen. Dort schlummern sie oft jahrelang oder jahrzehntelang, ohne Beschwerden zu verursachen - bis sie wieder zuschlagen und eine Infektion aufflammt, eben die Gürtelrose (Herpes zoster).
Die für die Gürtelrose typischen brennenden und bohrenden bis schneidenden Schmerzen, die auch Schwankungen in ihrer Stärke aufweisen, können sich bereits Tage vor der Bläschen-Bildung bemerkbar machen. Sie treten normalerweise nur auf einer Körperhälfte auf und betreffen ein bandförmiges, zwei bis drei Finger breites Hautareal, meist im Bereich von Bauch/Taille, Brust oder Rücken. Jucken und Berührungsüberempfindlichkeit sind häufig auch vorhanden. Im Bereich der schmerzenden Hautpartie entwickeln sich zeitgleich mit den ersten Schmerzen oder wenige (bis zu sieben) Tage später rötliche Hautausschläge (Flecken, Papeln), die sich alsbald in flüssigkeitsgefüllte Bläschen (Pusteln) umwandeln.
Grundsätzlich kann die Herpes-zoster-Erkrankung jede Nervenwurzel befallen. Neben dem häufigsten Vorkommen am Rumpf sind Arme, Beine, Hals und Gesicht betroffen. Beim Befall des so genannten Nervus trigeminus (Trigeminusneuralgie) sind Auge, Nase, Stirn und die behaarte Kopfhaut einer Gesichtshälfte angegriffen. Es kann dann zu einer Entzündung der Bindehaut (Conjunctiva) und der Hornhaut (Cornea) des Auges oder, selten auch des Sehnervs mit Sehstörungen kommen. Ist der Gehörgang betroffen, spricht man von Zoster oticus, wobei eine Gesichtslähmung, Schwindel und Hörprobleme auftreten können.
Einige Menschen verspüren noch Monate in dem bereits abgeheilten Hautbereich Schmerzen. Die Beschwerden rühren von einem Nervenschaden her. Es sind wenige oder auch nur ein einzelner so genannter peripherer Nerv angegriffen. Genauer gesagt ist dies der sensible Nerv in dem Hautsegment, das vorher von der Gürtelrose betroffen war. Der Schmerz entwickelt häufig erst nach dem Abheilen der Bläschen größere Intensität und kann mit der Zeit schlimmer werden. Den Schmerz (griech.: „algos“) nach (griech.: „post”) Abklingen des Zosters bezeichnen Ärzte als Post-Zoster-Neuralgie (PZN), also als „Nervenschmerz nach dem Abklingen einer Gürtelrose“. Fast alle PZN-Patienten haben einen hohen Leidensdruck und sind verzweifelt.
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Affenpocken
Affenpocken werden durchs Affenpockenvirus ausgelöst. Typische Symptome sind Fieber, später Hautausschlag mit Pusteln & Bläschen. Anhaltende Schmerzen im Gesichtsbereich können viele Ursachen haben.
Weitere Ursachen für Gesichtsschmerzen
Anhaltende Schmerzen im Gesichtsbereich können viele Ursachen haben. Die häufigsten Erkrankungen sind jedoch Nebenhöhlenentzündungen und Zahnprobleme. Andere, seltenere Ursachen müssen aber ebenso in Betracht gezogen werden.
Häufige Ursachen
- Akute Nebenhöhlenentzündung oder chronische Nebenhöhlenentzündung: Bei einer Dauer von unter 30 Tagen spricht man von einer akuten und danach von einer chronischen Nebenhöhlenentzündung. Diese tritt oft im Anschluss an eine Erkältung auf. Charakteristisch sind eine verstopfte Nase, gelblich verfärbter Schleim, einseitige Schmerzen sowie ein unangenehmer Geruch oder Geschmack
- Karies
- Zahnschmerzen: Klopfen gegen den Zahn verursacht Schmerzen.
- Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Die Erkrankung ist weit verbreitet und verläuft in der Frühphase oft ohne ausgeprägte Symptome. Anfangs dominieren Beschwerden wie Mundgeruch und Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder bei der Verwendung von Zahnseide. Entwickelt sich ein Abszess, kommt es zu Schmerzen und Schwellungen.
- Eingekeilter Weisheitszahn: Weisheitszähne brechen in der Regel im Alter von 18 bis 24 Jahren durch, wobei individuell eine erhebliche Spannbreite besteht. Weisheitszähne gelten dann als verkeilt, wenn die „Zahnpassage“ blockiert ist. Dies kann gelegentlich zu Komplikationen wie Infektionen (Perikoronitis), Schädigung benachbarter Zähne, Zahnfleischentzündung und Zystenbildung führen.
- Schmerzen im und um das Kiefergelenk: Bissprobleme können Schmerzen im Kiefergelenk verursachen. Meist sind hiervon jüngere Frauen betroffen. Nur wenige suchen deswegen ärztlichen Rat. Die Schmerzen sind oft morgens am schlimmsten und Patienten klagen häufig über schmerzende Zähne oder Zähneknirschen. Nicht selten strahlen die Schmerzen zum Ohr, zu den Schläfen, Wangen oder entlang dem Unterkiefer aus. Gelegentlich tritt ein Knacken und Klicken im Kiefergelenk auf. Ein knackendes Kiefergelenk allein ist nicht selten und sollte vorerst keinen Grund zur Besorgnis darstellen.
- Migräne, Kopfschmerzen: Tritt am häufigsten bei jungen Menschen auf. Frauen sind häufiger betroffen und gelegentlich wird eine familiäre Belastung beobachtet. Die Beschwerden äußern sich in Form von Anfällen mit einseitigen Kopfschmerzen. Bei einem Viertel der Betroffenen machen sich Vorzeichen (Prodromi, Aura) bemerkbar. Die Anfälle dauern 4 bis 24 Stunden und treten in unregelmäßigen Abständen auf. Der Schmerz wird oft als pulsierend beschrieben. Als weitere Symptome werden meist Licht- und Geräuschempfindlichkeit und ein vermindertes körperliches Leistungsvermögen genannt.
- Generalisierte Ängste oder Depressionen: Stresszustände können Muskelverspannungen mit chronisch verspannter Kaumuskulatur zur Folge haben, wodurch Schmerzen entstehen können.
- Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit: Aufgrund einer ungünstigen Belastung der Augenmuskulatur können Gesichtsschmerzen auftreten.
Seltene Ursachen
- Steinbildung in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen (Sialolithiasis): Eine Steinbildung wird häufiger in den Ausführungsgängen vor der Speicheldrüse unter der Zunge (Glandula submandibularis) als in den Ausführungsgängen vor der Drüse unterhalb des Kiefergelenks (Glandula parotis) beobachtet. Es kommt im Zusammenhang mit den Mahlzeiten zu einer lokalen Schwellung mit Schmerzen und Pochen. Häufig treten bei den Betroffenen wiederholt Entzündungen der Speicheldrüsen auf.
- Bakterielle Infektion der Speicheldrüse (Sialadenitis): Betroffen sind die Speicheldrüsen unter der Zunge (Glandula submandibularis) oder unterhalb des Kiefergelenks (Glandula parotis). Verursacht eine akute Schwellung der Speicheldrüsen mit Schmerzen und Schwellungen bei den Mahlzeiten und ggf. Fieber.
- Angina pectoris: Tritt vor allem bei Menschen mittleren und fortgeschrittenen Alters auf. Folge einer beeinträchtigten Blutzufuhr in den Herzkranzarterien (Koronararterien). Leitsymptome sind Schmerzen hinter dem Brustbein, die im Anschluss an anstrengende Aktivitäten auftreten. In Ruhe klingen die Schmerzen rasch ab. Manchmal können die Schmerzen bis in den Kiefer ausstrahlen. Dies ist ebenso bei einem Herzinfarkt möglich.
- Entzündung der Schläfenarterie (Arteriitis temporalis): Tritt in erster Linie bei älteren Menschen auf. Am häufigsten klagen Betroffene über Schmerzen und Druckempfindlichkeit im Schläfenbereich und der Kopfhaut. Zudem können Symptome einer Polymyalgia rheumatica auftreten. In seltenen Fällen kommt es zu einem plötzlichen Verlust des Sehvermögens. Hier handelt es sich um einen Notfall.
- Cluster-Kopfschmerz, Bing-Horton-Syndrom: Seltene Erkrankung, von der Männer fünf- bis sechsmal häufiger betroffen sind als Frauen. Es kommt zu regelmäßig wiederkehrenden, in schwerwiegenden Fällen täglichen, Kopfschmerzattacken. Diese halten 15 bis 180 Minuten an und treten vorwiegend in der Nacht auf. Starke einseitige Schmerzen hinter einem Auge sind typisch. Bei erneuten Anfällen ist fast immer die gleiche Seite betroffen. Neben einem Tränen des Auges wird oft eine verstopfte oder laufende Nase und ein Schweißausbruch im Gesicht auf der betroffenen Seite beobachtet.
- Entzündung der Regenbogenhaut, Entzündung des Sehnervs und akuter Augenüberdruck: Erkrankungen des Auges können Gesichtsschmerzen verursachen.
- Andere seltene Erkrankungen: Lokale Tumoren, Streuung von Tumoren oder Ausbuchtungen von Blutgefäßen im Gehirn können in seltenen Fällen zu Schmerzen im Gesicht führen.
Diagnose von Gesichtsschmerzen
Die Diagnose von Gesichtsschmerzen erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung.
Anamnese
Der Arzt kann Ihnen folgende Fragen stellen:
- Seit wann bestehen die Beschwerden?
- Wo genau tut es weh?
- Ist der Schmerz konstant oder treten Schmerzattacken auf?
- Können Sie den Schmerz beschreiben?
- Gibt es auslösende Faktoren?
- Bestehen andere Krankheitszeichen?
Ärztliche Untersuchung
Unter Umständen wird eine sorgfältige Untersuchung des Kopfes durchgeführt: Gesicht, Kopfhaut, Nacken, Lymphknoten, vergrößerte Speicheldrüsen. Beurteilung von Druckempfindlichkeit oder Schmerzen im Kiefergelenk. Beurteilung von allgemeinen Muskelschmerzen und etwaiger lokaler Schmerzempfindlichkeit. Nase, Mund und Rachen sowie der Zahnstatus werden beurteilt. Bei Verdacht auf Zahnwurzelentzündung kann ein vorsichtiges Klopfen auf die Zahnkrone starke Schmerzen verursachen.
Weitere Untersuchungen
In einigen Fällen können einfache Blutuntersuchungen Aufschluss geben. Abhängig von der verdächtigten Ursache der Gesichtsschmerzen werden eventuell bildgebende Untersuchungen, wie z. B. MRT, durchgeführt.
Behandlung von Gesichtsschmerzen
Die Therapie von Nervenschmerzen, insbesondere der Gesicht Neuralgie, ist oft komplex und erfordert einen individuellen Ansatz.
Medikamentöse Therapie
- Trigeminusneuralgie: Mittel der Wahl sind Medikamente, die normalerweise bei epileptischen Anfällen verschrieben werden. Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Sie verringern die Anzahl der Schmerzepisoden. Die Dosis der Mittel wird langsam gesteigert, bis sie gut wirken und möglichst wenige Nebenwirkungen verursachen. Akute Linderung bei Exazerbation: Lidocain 8% Nasenspray 1-2 Hub (ipsilateral zum Schmerzort); bei ggf. intraoral bei oral betonten Schmerzen (bis zu 30 Sprühstöße / Tag) Schwere Exazerbation/fehlende Wirkung von Carbamazepin: Phenytoin 250mg iv. (unter Monitorüberwachung)
- Post-Zoster-Neuralgie: Bei der Post-Zoster-Neuralgie kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, darunter Antidepressiva, Antikonvulsiva und Opioide.
- Allgemeine Nervenschmerzen: Rezeptfreie Schmerzmittel wirken in der Regel nicht bei den Patienten. Diese Medikamente modulieren die Nervenaktivität und blockieren Schmerzsignale. Ob die medikamentöse Schmerztherapie hilft und die Intensität der Schmerzen nachlässt, zeigt sich meist erst nach zwei bis vier Wochen. Auch Pflaster mit Capsaicin oder Spritzen mit Botulinumtoxin werden zur Therapie von Nervenschmerzen eingesetzt.
Nicht-medikamentöse Therapie
In der Schmerztherapie werden häufig Medikamente mit Physiotherapie oder Psychotherapie kombiniert. Weitere Ansätze für die Therapie sind Nervenblockaden, Infiltrationen, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und Entspannungstechniken. Hausmittel können Nervenschmerzen nicht beseitigen, aber tun bisweilen gut. Dazu zählen kühle Kompressen, warme Auflagen oder Bäder. Patienten erlernen Verfahren zur Entspannung und Schmerzbewältigung.
Operative Verfahren
Bei der Trigeminusneuralgie gibt es verschiedene operative Verfahren, die in Erwägung gezogen werden können, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist.
- Unterbrechung des Kontakts zwischen Nerv und Gefäß (mikrovaskuläre Dekompression): Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn zuvor alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft wurden oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind. Die mikrovaskuläre Dekompression gilt als wirksame Wahl, wenn ein Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäß besteht. Der Eingriff soll diesen Kontakt unterbrechen und den Druck auf den Nerv lösen.
- Zerstörung des Nervs (Neuroablation): Bei der sogenannten Neuroablation zerstört die Ärztin oder der Arzt Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung. Bei diesen Verfahren wird ein Nervenknoten an der Schädelbasis (das sog. Ganglion Gasseri) mit einer Kanüle, die neben dem Mundwinkel eingestochen wird, aufgesucht (vgl. Abbildung). Anschließend versucht man mit einer gezielten Hitzeläsion (Thermokoagulation) oder Alkoholinjektion (Glyzerolinstillation) einen oder mehrere Äste des Trigeminusnerven kontrolliert zu schädigen, um die Schmerzentstehung und -weiterleitung zu unterbinden. Bei diesen Verfahren handelt es sich um neurochirurgische Routineeingriffe, die weltweit bei mehreren Tausend Patienten mit anhaltend gutem Erfolg eingesetzt wurden.
- Bestrahlung mit dem sogenannten GammaKnife: Eine andere Möglichkeit ist, den Trigeminusnerv mit radioaktiven Strahlen (GammaKnife) zu behandeln.
Impfung gegen Gürtelrose
Für Menschen ab 50 Jahre gibt es seit etwa zehn Jahren zudem einen Lebendimpfstoff gegen Herpes zoster. Dieser enthält das abgeschwächte Varizella zoster-Virus der Windpockenimpfung in hoher Dosis und ergab bei 50 bis 70-Jährigen einen Schutz von 60 bis 70 Prozent über einen Nachbeobachtungs-Zeitraum von 1 - 3 Jahren. Seit Mai 2018 gibt es darüber hinaus eine weitere Gürtelrose Impfung für Menschen ab 50 Jahre. Sie ist altersunabhängig effektiv, bei über 50-Jährigen hat sie noch eine Wirksamkeit von über 90 Prozent. Der Wirkstoff funktioniert selbst bei über 80-Jährigen. Anders als bei dem ersten zugelassenen Erwachsenen-Wirkstoff können mit diesem Präparat auch Menschen mit einer Immunschwäche geimpft werden. Abgeschwächte Lebendimpfstoffe, wie beispielsweise der Windpockenimpfstoff, sind bei Patienten, die zum Beispiel Immunsuppressiva nehmen müssen, hingegen kontraindiziert. Der Arzt oder die Ärztin spritzt die Impfung im Abstand von zwei Monaten.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie Symptome einer Trigeminusneuralgie verspüren, sollten Sie Ihre hausärztliche Praxis aufsuchen. Bei Schmerzen unklarer Ursache, sehr starken Schmerzen oder lange anhaltenden Schmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Verdacht auf Karies oder Zahnfleischentzündung sollte eine zahnärztliche Untersuchung erfolgen.
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