Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die oft mit Mobilitätseinschränkungen einhergeht. Viele Betroffene nutzen Rollstühle, um ihren Alltag selbstständiger gestalten zu können. In diesem Artikel werden verschiedene Aspekte beleuchtet, die für Rollstuhlfahrer mit MS relevant sind, von Sitzheizungen über Mobilitätshilfen bis hin zu finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten.
Komfort und Wohlbefinden im Rollstuhl
Für Rollstuhlfahrer ist ein hoher Sitzkomfort essenziell, besonders bei längerer Nutzung. Eine Sitzheizung kann hier einen wertvollen Beitrag leisten, besonders in der kalten Jahreszeit.
Erfahrungen mit Sitzheizungen im Rollstuhl
Ein Nutzer berichtete von einer elektrischen Sitzheizung aus dem Autozubehör, die er über einen Spannungsumwandler an seinen Rollstuhl angeschlossen hat. Diese Sitzheizung habe ihm im Winter sehr geholfen und sei "weltklasse". Diese Erfahrung zeigt, dass einfache Lösungen aus dem Automobilbereich eine kostengünstige Möglichkeit darstellen können, den Komfort im Rollstuhl zu erhöhen.
Weitere Komfortmerkmale
Neben Sitzheizungen gibt es zahlreiche weitere Ausstattungsmerkmale, die den Komfort im Rollstuhl verbessern können:
- Sitzsysteme: Hochwertige Sitzsysteme, die sich individuell an die Bedürfnisse anpassen lassen, bieten Komfort und Stabilität. Der JAY® Syncra Rücken beispielsweise passt sich der Form der Wirbelsäule an und bietet Rumpfstabilität.
- Rollstuhlkissen: Spezielle Rollstuhlkissen können die Hautoberflächentemperatur senken und das Risiko von Hautverletzungen reduzieren.
- Schlupfsäcke und Beinschutze: Für zusätzlichen Schutz vor Kälte und Nässe gibt es spezielle Rollstuhl-Schlupfsäcke, Wickeldecken oder Beinschutze.
Mobilität und Selbstständigkeit
Ein zentrales Ziel für Menschen mit MS und Mobilitätseinschränkungen ist die Erhaltung und Förderung der Selbstständigkeit. Hier spielen verschiedene Hilfsmittel und Anpassungen eine wichtige Rolle.
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Elektrorollstühle
Elektrorollstühle ermöglichen es, selbstständig mobil zu bleiben, auch wenn längere Strecken nicht mehr zu Fuß bewältigt werden können. Es gibt verschiedene Modelle, die sich für den Innen- und Außenbereich eignen.
- Faltbare Elektrorollstühle: Diese Modelle sind besonders praktisch für aktive Menschen, die viel unterwegs sind oder reisen. Sie lassen sich platzsparend zusammenklappen und im Auto, Zug oder Flugzeug mitnehmen.
- Stehrollstühle: Der Q700-UP F beispielsweise ermöglicht es, die Vorteile des Stehens mit der Wendigkeit eines Elektrorollstuhls zu kombinieren. Die Stehfunktion kann helfen, gesundheitlichen Problemen vorzubeugen, die durch langes Sitzen entstehen können.
Alltagshilfen
Neben Rollstühlen gibt es eine Vielzahl von Alltagshilfen, die das Leben mit MS erleichtern können:
- Rollatoren: Der Rollator Athlon bietet Sicherheit und Mobilität im Alltag.
- Gehhilfen: Eine Überprüfung der Gehhilfen auf Funktionalität und Sicherheit kann helfen, Stürze zu vermeiden.
- Kompressionsstrümpfe: Bei Venenleiden oder Lymphödemen können medizinische Kompressionsstrümpfe die Beine entlasten.
- Anziehhilfen: Spezielle Anziehhilfen erleichtern das Anziehen von Kompressionsstrümpfen.
Wohnumfeldanpassung
Auch die Anpassung des Wohnumfelds kann einen großen Beitrag zur Selbstständigkeit leisten:
- Treppenlifte: Spezielle Lift-Lösungen ermöglichen es, jede Etage sicher und mühelos zu erreichen.
- Pflegesessel: Pflegesessel mit Aufstehhilfe und Rollen verbessern die Mobilität und ermöglichen ein Maximum an Eigenständigkeit.
- Barrierefreies WC: Ein barrierefreies WC erleichtert die Nutzung der Toilette und kann Stürze vermeiden.
Finanzielle Unterstützung
Die Anschaffung von Hilfsmitteln und die Anpassung des Wohnumfelds können mit hohen Kosten verbunden sein. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung.
Krankenkasse
- Hilfsmittel: Faltbare Elektrorollstühle können von der Krankenkasse übernommen werden, wenn sie als medizinisch notwendiges Hilfsmittel anerkannt werden. Voraussetzung ist eine dauerhafte Mobilitätseinschränkung und eine ärztliche Verordnung.
- Zuzahlung: Versicherte zahlen bei Genehmigung eine Zuzahlung von zehn Prozent, mindestens fünf und höchstens zehn Euro, es sei denn, sie sind von der Zuzahlung befreit.
- Pflegegrad: Ein anerkannter Pflegegrad kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Rollstuhl als notwendig anerkannt wird.
Pflegekasse
- Zuschüsse für Wohnumfeldanpassung: Die Pflegekasse kann Zuschüsse von bis zu 4.180 Euro für den Umbau zum barrierefreien WC gewähren.
- Zuschüsse für Notrufsysteme: Mit einem anerkannten Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse Notrufsysteme mit 25,50 Euro im Monat.
KfW-Förderbank
- Kredit 159 "Altersgerecht Umbauen": Die KfW-Förderbank unterstützt barrierereduzierende Maßnahmen mit zinsgünstigen Krediten von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit.
Veranstaltungen und Beratung
Es gibt zahlreiche Veranstaltungen und Beratungsangebote, die sich speziell an Menschen mit MS und ihre Angehörigen richten.
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- MS-Stammtische: Regelmäßige Treffen bieten die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen.
- Schleswig-Holsteinisches Prothesenforum: Auf dieser Veranstaltung werden vielfältige Hilfsmittelprodukte ausgestellt und Expert*innen beraten individuell zu aktuellen Versorgungsmöglichkeiten.
- Beratungstage in Sanitätshäusern: Viele Sanitätshäuser bieten spezielle Beratungstage zu verschiedenen Themen wie Polyneuropathie oder Brustprothetik an.
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