Neurochirurgie am AKH Wien: Informationen und Fortschritte

Die Universitätsklinik für Neurochirurgie am AKH Wien ist ein führendes Zentrum für die Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems. Mit einem multidisziplinären Ansatz und modernster Technologie bietet die Klinik ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patienten mit Hirntumoren, Wirbelsäulenerkrankungen, Gefäßerkrankungen des Gehirns und peripheren Nervenleiden.

Innovative Bildgebungstechniken für präzisere Tumorbehandlungen

An der Universitätsklinik für Neurochirurgie von MedUni Wien und AKH Wien wird seit kurzem eine neue laserbasierte Bildgebungstechnik eingesetzt, die eine wesentlich raschere Gewebebefundung während einer Tumor-Operation ermöglicht. Die sogenannte „Stimulated Raman Histology“ (SRH) erlaubt es, direkt im Operationssaal einen digitalen Gewebeschnitt zu erstellen, der nach wenigen Minuten aufgerufen und befundet werden kann. Dieser Prozess, der ohne die neue Technologie mit KI-Funktion wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, verkürzt die Zeit bis zur Diagnose erheblich. Im internationalen Durchschnitt dauert der Transport des Gewebes zur Neuropathologie, die manuelle Anfertigung des Gewebeschnitts und dessen Analyse etwa 30 Minuten.

Die Vorteile der Stimulated Raman Histology (SRH)

Bei der SRH-Technologie werden frische, unbehandelte Gewebeproben auf einen Objektträger platziert und direkt im Operationssaal mit dem SRH-Gerät analysiert. Da das Gewebe in unbehandeltem Zustand analysiert wird, steht es anschließend uneingeschränkt für weitere detaillierte Analysen im Rahmen der Routinediagnostik zur Verfügung. Auch bei Nadelbiopsien kann der Eingriff wesentlich rascher beendet werden, wenn diagnostisches Tumorgewebe mittels SRH nachgewiesen wurde.

Die primär in den USA entwickelte SRH-Technik wurde an der Universitätsklinik für Neurochirurgie von MedUni Wien und AKH Wien unter der Leitung von Georg Widhalm erstmals in Europa eingesetzt und ist Forschungsgegenstand. In einer wissenschaftlichen Studie an der MedUni Wien konnte eine Übereinstimmung der digitalen Histologie mit dem konventionellen Schnellschnitt von 99% gezeigt werden (Wadiura et al; 2022).

KI-gestützte Analyse für genetische Tumormerkmale

In einer aktuellen multizentrischen Studie mit maßgeblicher Beteiligung der Universitätsklinik für Neurochirurgie von MedUni Wien und AKH Wien wurde ein weiteres auf der SRH-Technik basierendes KI-Tool getestet. Die Ergebnisse, die 2023 in „Nature Medicine“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass eine Machine-Learning-Software, die auf spezifische histologische Eigenschaften von über 2 Millionen Bilddatensätzen zurückgreift, zu über 93% bestimmte genetische Tumormerkmale innerhalb weniger Minuten erkennt. Diese genetischen Tumormerkmale spielen bei der Einschätzung und Behandlung von Gehirntumoren heutzutage eine entscheidende Rolle.

Lesen Sie auch: Moderne Behandlungsansätze in der Wirbelsäulenchirurgie

Bedeutung für die operative Strategie und Patientensicherheit

„Die neue Technologie ermöglicht den Chirurginnen und Chirurgen eine raschere Entscheidung bezüglich der optimalen chirurgischen Strategie im OP-Saal, wodurch sich die Zeit im OP für Patientinnen und Patienten deutlich verkürzt. Zusätzlich erhöht sich auch die Sicherheit des Eingriffs“, so Widhalm.

Behandlungsspektrum der Neurochirurgie am AKH Wien

Die Universitätsklinik für Neurochirurgie bietet ein umfassendes Spektrum an Behandlungen für Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems an. Dazu gehören:

  • Hirntumore: Die Klinik ist spezialisiert auf die Behandlung von gutartigen und bösartigen Hirntumoren, einschließlich Gliomen, Meningeomen und Metastasen.
  • Wirbelsäulenerkrankungen: Das Team behandelt Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen, Wirbelgleiten und Tumore der Wirbelsäule.
  • Gefäßerkrankungen des Gehirns: Die Klinik bietet modernste Verfahren zur Behandlung von Aneurysmen, Angiomen, Kavernomen und arteriovenösen Fisteln.
  • Periphere Nervenleiden: Engpasssyndrome wie das Karpaltunnelsyndrom und das Sulcus-Ulnaris-Syndrom werden hier behandelt.
  • Trigeminusneuralgie: Die Klinik ist ein Kompetenzzentrum für die Behandlung der Trigeminusneuralgie, einschließlich mikrovasakulärer Dekompression nach Jannetta.

Mikrochirurgische und endoskopische Techniken

An der Universitätsklinik für Neurochirurgie werden modernste mikrochirurgische und endoskopische Techniken eingesetzt, um eine schonende und effektive Behandlung zu gewährleisten. Diese Verfahren ermöglichen es, komplexe Eingriffe mit minimalen Gewebeschäden durchzuführen und die Erholungszeit der Patienten zu verkürzen.

Intraoperatives MRT und Neuronavigation

Die Klinik verfügt über ein intraoperatives MRT-System, das es ermöglicht, während der Operation Resttumorgewebe zu erkennen und zu entfernen. In Kombination mit hochspezialisierten Navigationssystemen, die multimodale Bilddaten wie MRT, PET, Magnetresonanzspektroskopie (MRS), funktionelle MRT und „diffusion tensor imaging“ (DTI) nutzen, können die Chirurgen die Operation präzise planen und durchführen.

Wachoperationen und Fluoreszenz-geführte Eingriffe

In bestimmten Fällen werden Wachoperationen durchgeführt, bei denen der Patient während der Operation wach ist und seine Sprach- und Motorfunktionen getestet werden. Dies ermöglicht es, das Risiko von neurologischen Defiziten zu minimieren. Eine weitere Option sind fluoreszenzgeführte Eingriffe mit dem Fluoreszenzmarker 5-ALA, der Tumorgewebe besser sichtbar macht.

Lesen Sie auch: Forschung und Patientenversorgung in der Neurochirurgie

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für optimale Patientenversorgung

Die Universitätsklinik für Neurochirurgie arbeitet eng mit anderen Fachbereichen des AKH Wien und der MedUni Wien zusammen, um eine umfassende und interdisziplinäre Patientenversorgung zu gewährleisten. Dazu gehören die Universitätskliniken für Neurologie, Radioonkologie, Innere Medizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Augenheilkunde und Onkologie.

Comprehensive Centers und Tumorboards

Die enge Zusammenarbeit der einzelnen Disziplinen wird im Rahmen von Comprehensive Centers und Tumorboards koordiniert. Hier werden individuelle Therapiekonzepte für jeden Patienten erarbeitet, die auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Die Etablierung von Comprehensive Centers fördert die Kooperation verschiedener Universitätskliniken und Klinischer Abteilungen rund um eine Patientengruppe mit dem Ziel, dass neue diagnostische und therapeutische Verfahren möglichst rasch angewandt werden. Bei Gehirntumoren besteht zusätzlich eine enge Kooperation mit dem Comprehensive Cancer Center.

Cancer Update: Tumoren des zentralen Nervensystems

Jeden Monat lädt das Comprehensive Cancer Center (CCC) zur hybriden Fortbildung Cancer Update. Im Folgenden eine Zusammenfassung des Cancer Updates zu Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) bei Kindern und Erwachsenen. Schon die Auswahl von neun Vortragenden aus unterschiedlichen Fachbereichen unterstreicht, wie wichtig dabei die inter- und multidisziplinäre Zusammenarbeit in spezialisierten Zentren ist.

Forschung und Innovation

Die Universitätsklinik für Neurochirurgie am AKH Wien ist ein Zentrum für Forschung und Innovation. Hier werden neue diagnostische und therapeutische Verfahren entwickelt und in klinischen Studien erprobt. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Entwicklung von KI-basierten Systemen zur Unterstützung der intraoperativen Entscheidungsfindung.

Lesen Sie auch: Überblick Neurochirurgie Wien

Patientenberichte und Erfahrungen im AKH Wien

Die Erfahrungen von Patienten im AKH Wien sind vielfältig. Einige Patienten berichten von einer kompetenten und freundlichen Behandlung durch Ärzte und Pflegepersonal, während andere lange Wartezeiten und mangelnde Kommunikation bemängeln.

Positive Erfahrungen

Viele Patienten loben die medizinische und emotionale Kompetenz der Ärzte und das Einfühlungsvermögen der Pflegerinnen und Pfleger, insbesondere auf der Intensivstation der Neurochirurgie. Auch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des gesamten Personals, von der Reinigungskraft bis zum Oberarzt, wird häufig hervorgehoben.

Ein Patient berichtet von einer Kopf-OP in Kroatien und der anschließenden Behandlung im AKH Wien: „Was ich hier erlebt habe, kann man nicht einmal mit einem Lotto-Sechser vergleichen!!!! Aus meiner Sicht, nicht nur die besten Ärzte samt jeglichem Pflegepersonal sondern auch die liebsten und entgegenkommendsten Menschen die ich je in einem Spital erlebt habe. Top Behandlungen und Therapien samt Diagnosen. Ich möchte mich auf diesem Weg nochmal vom ganzen Herzen bedanken!!!“

Ein anderer Patient lobt das OP-Team: "Kompetente und äußerst freundliche Behandlung. Ein hervorragendes, heiteres und professionelles OP-Team mit und um Dr. Mediz. Dann eine angenehme Vorbereitung mit kontinuierlicher Information, wie es weitergeht bzw. Beide Linsen wurden ausgetauscht von Dr. Markus SCHRANZ mit seinem Team ANITA, CHRISTIAN, LUDMILLA, MARIA und MMICHAELA (wunderbaren Kaffee). Die Atmosphäre vor, während und nach der Operation war so heiter und angenehm, bestätigt durch Herrn Christian, der während der Operation feststellte, dass er nur deshalb hier sei, weil die Atmosphäre mit diesem Team so heiter und angenehm ist. Die OP selbst wurde absolut schmerzlos durchgeführt, wobei mir jeweils mitgeteilt wurde, was gerade geschieht, und ich durch die vielen heiteren Gespräche während der OP beruhigt wurde. Außerdem möchte ich mitteilen, dass ich erstaunt bin, wie außerordentlich gut und scharf und farbenfroh schon nach weniger als einem Tag alles erscheint - und ohne Probleme. Ich möchte mich daher bei Dr. Mediz."

Negative Erfahrungen

Einige Patienten berichten von langen Wartezeiten, unfreundlichem Personal und mangelnder Kommunikation. Ein Patientin schildert ihre Erfahrung in der Notaufnahme: "Am 04.09.2025 suchte ich wegen starker Brustschmerzen und einer Schwellung die Notfallaufnahme des AKH auf. Nach über zwei Stunden Wartezeit hatte ich nur ein sehr kurzes Gespräch mit der Ärztin. Am nächsten Tag stellte meine Frauenärztin sofort eine Mastitis fest und leitete die richtige Therapie ein. Ich fühlte mich in der Notaufnahme nicht ernst genommen."

Ein anderer Patient kritisiert die mangelnde Rückmeldung von Ärzten: "Dennoch fehlt es hier an Gefühl und an der Wortwahl des Arztes. Anders ist es des öfteren bei Arztgesprächen, wenn man bespricht wie es weiter geht mit Behandlungen. Man ist eine Nummer im AKH und was mich am meisten stört, wenn es dem Patient nicht gut geht (oder telefonisch etwas fragen möchte) , ist es unmöglich einen Rückruf vom zuständigen Arzt zu bekommen ( Aussage ", er ist nicht verpflichtet zurückzurufen") - ja wenn die linke Zehe zwickt, ruf ich nicht an! Wenn ich 3 mal in der Woche anrufe, weil niemand zurückruft … frag ich mich was mit den Zetteln passiert, wo um Rückruf gebeten wird!"

Wieder andere bemängeln die Nichteinhaltung des Rauchverbots im Krankenhaus: "Was meinen Mann sehr stört, ist die Tatsache, dass man dem Problem des Rauchens nicht Herr wird! Das AKH proklamiert in der Eingangshalle und auch schon davor, ein NICHTRAUCHERKRANKENHAUS zu sein. So weit, so selbstverständlich. Aber auf der Station kann man als Patient kaum eine Toilette besuchen, ohne ärgstem Rauchgestank ausgeliefert zu sein. Das wird vom gesamten Personal einfach toleriert. Es passiert auch, dass sogar in den Zimmern geraucht wird und einmal ist ein Mistkübel in Brand geraten - und dies nach der Katastrophe im Mödlinger Krankenhaus! Bitte UNBEDINGT ändern."

Fazit

Die Universitätsklinik für Neurochirurgie am AKH Wien bietet modernste Diagnostik und Therapie für ein breites Spektrum an neurochirurgischen Erkrankungen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Anwendung innovativer Technologien ermöglichen eine optimale Patientenversorgung. Obwohl es auch negative Erfahrungen gibt, berichten viele Patienten von einer kompetenten und freundlichen Behandlung.

Prof. Dr. Walter Saringer: Ein Pionier der Wirbelsäulenchirurgie

Prof. Dr. Walter Saringer war seit 1990 an der Universitätsklinik für Neurochirurgie des AKH Wien tätig. Während seiner Ausbildung zum Facharzt verbrachte er mehrere Monate bei Prof. Yasargil in Zürich zur Verbesserung der mikrochirurgischen Techniken in der cerebrovaskulären Neurochirurgie und bei Prof. Samii in Hannover zur Verbesserung seiner Kenntnisse in der Schädelbasischirurgie. Im Jahr 2000 verbrachte er im Rahmen einer Gastprofessur 6 Monate am Presbyterian University Hospital in Pittsburg, USA, bei Prof. Jannetta und Prof. Joh. Hier konnte er seine Kenntnisse der operativen Behandlung der Trigeminusneuralgie und der minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie erweitern.

Von 2000 bis 2003 entwickelte und publizierte er eine weltweit neue Operationstechnik zur Behandlung von Foramenstenosen und Bandscheibenvorfällen der Halswirbelsäule: die „Mikrochirurgische und endoskopische ventrale zervikale Foraminotomie“. Seit 2002 war er Leiter der Arbeitsgruppe für Wirbelsäulenchirurgie an der Universitätsklinik für Neurochirurgie. Im Jahr 2006 absolvierte er einen karitativen Auslandseinsatz als Gastprofessor an der Neurochirurgischen Klinik in Sanaa, Jemen. Seit Beginn seiner klinischen Tätigkeit stand die Chirurgie im Mittelpunkt seiner Interessen.

Konservative und interventionelle Therapieansätze

Sind alle konservativen und interventionellen Therapieansätze ausgeschöpft, zwingen oft bleibende Schmerzen oder neurologische Ausfälle zu einem chirurgischen Eingriff. Bei allen Eingriffen wird ein hochauflösendes Mikroskop oder Endoskop verwendet.

Lendenwirbelsäule

  • Lumbaler Bandscheibenvorfall: Mikrochirurgische Operation (sogenannte „offene“ Operation, durch den Einsatz des Mikroskopes wird der Zugangsweg klein gehalten) oder endoskopische Sequesterektomie (Entfernung eines freien Bandscheibenfragmentes, durch den Einsatz des Endoskopes, hier wird der Zugangsweg noch kleiner gehalten).
  • Synovialzyste: Entstehen durch degenerative Veränderungen an den kleinen Wirbelgelenken. Führen typischerweise zum Druck auf einen oder mehrere Nerven. Therapie der Wahl: mikrochirurgische Entfernung der Zyste.
  • Lumbale Vertebrostenose: Ist eine knöcherne Einengung des Wirbelkanals. Führt zur Claudicatio spinalis, einer belastungsabhängigen Schmerzausstrahlung in eines oder beide Beine. Mikrochirurgische Dekompression der Nerven durch sparsame Knochenresektion unter spezieller Schonung der kleinen Wirbelgelenke.
  • Lumbale Listhese: Das sogenannte „Wirbelgleiten“ entsteht durch die Instabilität von zwei Wirbelsegmenten. Therapie der Wahl: gezielte Versteifung der Segmente. Die Indikation zur Operation erfolgt erst umfangreicher diagnostischer Abklärung und dem Versagen sämtlicher konservativer Verfahren. Die Operationen erfolgen interdisziplinär, gemeinsam mit Kollegen der Orthopädie.

Halswirbelsäule

  • Zervikaler Bandscheibenvorfall: Hier stehen drei Operationsmethoden zur Auswahl: mikrochirurgische ventrale Diskektomie (Entfernung der Bandscheibe und des Vorfalls von vorne, Ersatz der Bandscheibe durch einen Platzhalter aus Titan oder Kunststoff oder einer Bandscheibenprothese), mikrochirurgische/endoskpische dorsale Foraminotomie und Sequesterextraktion (bei seitlich gelegenen Bandscheibenvorfällen erfolgt der Zugang von hinten an der Nackenmuskulatur vorbei, das Bandscheibenfragment wird entfernt, die Bandscheibe wird nicht beeinträchtigt) oder mikrochirurgische/endoskopische ventrale Foraminotomie und Sequesterextraktion (Entfernung des Bandscheibenfragmentes von vorne ohne die Bandscheibe zu beeinträchtigen, ein Platzhalter oder eine Bandscheibenprothese ist nicht erforderlich).
  • Zervikale Foramenstenose: Einengungen der Nervenkanäle der Halswirbelsäule können zu therapieresistenten Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen führen. Therapie der Wahl: Mikrochirurgische/endoskopische ventrale Foraminotomie.
  • Zervikale Vertebrostenose: Ist eine knöcherne Einengung des Wirbelkanals der Halswirbelsäule mit Kompression des Halsmarkes. Kann zu Sensibilitätsstörungen an Armen, Rumpf und Beinen zur Blasenstörung und zur spastischen Lähmung der Beine führen. Mikrochirurgische Laminektomie (Entlastung des Halsmarks durch Entfernung der Wirbelbögen von hinten) oder Korporektomie (Entfernung eines Wirbelkörpers von vorne zur Entlastung des Halsmarkes und Implantation eines Wirbelkörperersatzes).
  • Spinale Tumore: Tumore im Wirbelkanal außerhalb des Rückenmarks (spinale Meningeome, spinale Neurinome). Mikrochirugische Entfernung von hinten über eine teilweise oder vollständige Entfernung eines oder mehrerer Wirbelbögen.
  • Tumore am oder im Rückenmark: Operationen dieser Tumore haben ein relevant höheres Risiko einer Querschnittslähmung und erfordern deshalb eine technische Ausstattung des Operationssaales auf höchstem Stand (kontinuierliche elektrophysiologische Überwachung, technische Resektionshilfen).

Periphere Nerven

Die Einengung peripherer Nerven kann zu sogenannten Engpasssyndromen führen. Diese verursachen Schmerzen, Gefühlstörungen und eventuell eine Schwäche. Die häufigsten Syndrome sind das Karpaltunnelsyndrom (CTS) und das Sulcus-Ulnaris-Syndrom. Vor der Operation ist ein elektrophysiologischer Befund beizubringen.

Operationen am Schädel

Operationen am Schädel werden ausschließlich an der Universitätsklinik für Neurochirurgie durchgeführt, mit den Schwerpunkten:

  • Trigeminusneuralgien: Ist charakterisiert durch spontane oder getriggerte, blitzartig einschießende, heftige Schmerzen in einer Gesichtshälfte. Bei über 70% der Patienten liegt pathologischer Gefäß-Nervenkontakt vor: Druck einer Hirnartherie auf den Nerven. Therapie der Wahl: nach Versagen der medikamentösen Therapie. Mikrovsakuläre Dekompression (Operation nach Jannetta): Beseitigung des Kontaktes von Arterie und Nerven. Erfolgsquote: sofortige Schmerzfreiheit in 97% der Fälle.
  • Meningeome: Tumore die von den Hirnhäuten ausgehen (Arachnoidea). In 92% der Fälle gutartig. Wachsen langsam und verdrängend. Therapie der Wahl: operative Entfernung, führt meist zur vollständigen Heilung. In komplexen Fällen: operative Entfernung und Bestrahlung (sterotaktische Einzelbestrahlung im Gammaknive oder mehrzeitige Bestrahlung).
  • Tumore der Schädelbasis: Meningeome, Neurinome/Schwannome, Chordome, Sarkome, Metastasen. Die Schädelbasis ist Bereich des Schädels, der an die Unterfläche des Gehirns angrenzt. Da sich hier die Durchtrittsstellen der Hirnnerven und der hirnversorgenden Blutgefäße befinden, gelten Eingriffe in dieser Region als besonders anspruchsvoll, da diese Tumore häufig wichtige Nerven und Gefäße umwachsen. Die Versorgung dieser Tumore erfordert die Verfügbarkeit einer modernen apparativen Ausstattung (präoperative Diagnostik mit CT, MRI und Angiographie, intraoperative Neuronavigation und ein kontinuierliches, intraoperatives, elektrophysiologisches Monitoring) sowie die enge Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen (Neurochirurgie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Augenheilkunde, Strahlentherapie und Onkologie) und von den Operateuren hohe fachliche Kompetenz und Erfahrung.
  • Tumore des Gehirns: Patienten mit Gliomen oder Metastasen werden ebenfalls interdisziplinär (Neurochirurgie, Neurologie, Strahlentherapie und Onkologie) betreut. Durch die enge Zusammenarbeit der einzelnen Disziplinen wird im Rahmen des Tumorboards ein auf den einzelnen Patienten zugeschnittenes Therapiekonzept erarbeitet.
  • Gefäßerkrankungen: Angiome, Aneurysmen, Kavernome, arteriovenöse Fisteln, intrazerebrale Blutungen. In diesem Teilbereich werden die Operation von Aneurysmen (Klippung), die Entleerung von Gehirnblutungen und die Operation von Kavernomen und arteriovenösen Fisteln durchgeführt.

Gamma-Knife Radiochirurgie

Die Radiochirurgie mit dem Gamma-Knife hat die Therapie von Hirntumoren und -metastasen verbessert. Das Verfahren erlaubt eine sehr präzise Hochdosisbestrahlung intrakranieller Läsionen. Vorteile gegenüber der Chirurgie sind, dass kein langer stationärer Aufenthalt nötig ist und die Rekonvaleszenz kurz ist. Patient:innen werden für zwei Tage und eine Nacht stationär aufgenommen und dürfen wenige Stunden nach der Behandlung wieder nach Hause. Hauptindikation für das Gamma-Knife sind Hirnmetastasen, aber auch benigne Tumoren wie Meningeome und Schwannome. Es kann aber auch bei zahlreichen anderen intrakraniellen Veränderungen eingesetzt werden, unter anderem bei vaskulären Pathologien, Trigeminusneuralgie und funktionellen Störungen.

Inzwischen könnten sogar multiple Hirnmetastasen mit dem Gamma-Knife in Kombination mit Immuntherapien behandelt werden, denn in hohen Dosen verursacht die Radiochirurgie direkte Gefäßschäden, die Apoptose von Endothelien und Zerstörung von Tumorzellen. Dies führt einerseits dazu, dass die Blut-Hirn-Schranke im Bestrahlungsgebiet geöffnet wird. Andererseits ändert sich die Tumormikroumgebung, es werden Entzündungen ausgelöst und die lokale Immunantwort stimuliert. Akut (1-4 Tage) können Übelkeit, transiente neurologische Symptome und Anfälle auftreten. Subakut (1-6 Monate) kann es zu Hirnödemen, neurologischen Beschwerden und Anfällen kommen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine wichtige Säule in der Behandlung von Hirntumoren und wird immer in multimodalen Konzepten eingesetzt, die interdisziplinär abgesprochen werden. Ein Beispiel ist die Behandlung des Glioblastoms: Hier erfolgt zuerst die Operation, dann eine sechswöchige Strahlen- ± Chemotherapie und anschließend eine alleinige Chemotherapie. Das Glioblastom zählt auch zu den Hauptindikationen für eine Bestrahlung. Diese kann entweder über sechs Wochen mit 60 Gray (Gy) in 30 Fraktionen oder bei älteren Menschen bzw. bei reduziertem Allgemeinzustand über drei Wochen mit reduzierter Intensität in 15 Fraktionen erfolgen. Dabei muss die genaue Strahlendosis individuell bestimmt werden.

Weitere Indikationen sind IDH-mutierte Tumoren in Risikokonstellationen (eindeutiger Grad 3, großer Resttumor, eloquente Lage), seltene Entitäten wie Medulloblastome oder Ependymome sowie die Rebestrahlung bei lokalem Tumorprogress, sofern dieser mehr als sechs Monate nach der Erstbestrahlung auftritt.

tags: #neurochirurgie #akh #wien