Chronische Schmerzen sind ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Die ambulante neurologische Schmerzbehandlung bietet hier einen wichtigen Anlaufpunkt für Patienten, die unter chronischen oder immer wiederkehrenden Schmerzen leiden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der ambulanten Schmerzbehandlung in der Neurologie, von den Ursachen chronischer Schmerzen über Diagnose- und Therapieansätze bis hin zu spezifischen Schmerzambulanzen und Spezialsprechstunden.
Einführung in die ambulante neurologische Schmerzbehandlung
Die ambulante neurologische Schmerzbehandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen. Sie bietet eine spezialisierte und umfassende Betreuung, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten ist. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und den Patienten zu einem eigenverantwortlichen Umgang mit ihren Schmerzen zu befähigen.
Ursachen chronischer Schmerzen
Es gibt viele unterschiedliche Ursachen für chronische Schmerzen. Chronische Krankheiten wie Rheuma oder Nervenverletzungen, entzündliche oder stoffwechselbedingte Nervenerkrankungen, Verschleißerkrankungen von Gelenken und der Wirbelsäule können chronische Schmerzen verursachen. Bei den primären Kopfschmerzen stellen diese bereits die eigentliche Erkrankung dar. Angst, durch Alltagsbelastungen den Körper weiter zu schädigen, führt bei vielen Patienten dazu, eine Schonhaltung einzunehmen. Die daraus folgende Schwächung von Muskeln, Gelenken und anderen Systemen verstärkt die chronischen Schmerzen. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen können die Schmerzverarbeitung beeinträchtigen und zu chronischen Schmerzen beitragen. Psychische Belastungen können sich auch in körperlich erlebten Schmerzen ausdrücken. Wichtig zu wissen: Chronische Schmerzen sind niemals "eingebildet", sondern eine wirkliche Erfahrung der Betroffenen.
Diagnostik in der Schmerzambulanz
In der Neurologischen Klinik werden die Patienten in der Regel zu Beginn in der Schmerzambulanz untersucht. Hierzu ist die Überweisung von einem niedergelassenen Neurologen oder Schmerztherapeuten erforderlich. Aufgabe ist zunächst, eine differenzierte Diagnostik der möglichen Schmerzursachen durchzuführen. Dabei werden sowohl die somatischen als auch die psychischen und sozialen Belastungen als Folge einer Erkrankung berücksichtigt. Darüber hinaus müssen die Zusammenhänge, die für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Schmerzen verantwortlich sein können, ermittelt werden. Zur ambulanten Erstvorstellung sind bitte sämtliche vorherigen Untersuchungsergebnisse mitzubringen. Erst dann kann über notwendige Zusatzuntersuchungen entschieden werden. Apparative Diagnostikverfahren werden in der Klinik selbst durchgeführt, soweit dies möglich ist. Ansonsten werden fachärztliche Untersuchungen in anderen Praxen durchgeführt.
Therapieansätze in der ambulanten Schmerzbehandlung
Anschließend wird ein auf den Einzelfall zugeschnittener Behandlungsplan erarbeitet. Das kann die regelmäßige Behandlung beim Hausarzt oder in der Schmerzambulanz sein. Für andere Patienten hingegen kann eine stationäre Aufnahme hilfreich sein. Wieder andere Patienten werden aufgrund der Eingangsuntersuchung an andere Spezialisten verwiesen. Um einen eigenverantwortlichen Umgang mit dem Schmerz zu entwickeln, sollen neue Verhaltensstrategien im Alltag etabliert werden, außerdem müssen fundierte Kenntnisse über die somatischen und psychischen Vorgänge bei der Schmerzentstehung vermittelt werden. Dies gelingt in einem stationären Rahmen häufig besser. Auch muss stationär gelegentlich von einem Übergebrauch von Schmerzmitteln entzogen werden. Schmerzfreiheit kann dabei nicht immer erreicht werden. Es wird jedoch mit jedem Patienten ein realistisches Behandlungsziel erarbeitet.
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Das Angebot der Schmerzambulanz
Die Schmerzambulanz steht all denjenigen Patienten offen, die aufgrund ihrer chronischen Schmerzen einer dauerhaften Behandlung bedürfen. Das Angebot der Schmerzambulanz (einige Leistungen sind nur für Selbstzahler abrechenbar) umfasst:
- Differenzialdiagnostik unklarer chronischer Schmerzsyndrome
- Aufklärung über die verschiedenen Formen chronischer Schmerzen
- Differenzielle pharmakologische Behandlung
Spezialsprechstunden und Kompetenzzentren
Viele Kliniken und Zentren bieten spezialisierte Sprechstunden für bestimmte Schmerzarten oder Patientengruppen an. Dazu gehören beispielsweise:
- Kopfschmerzsprechstunden: Für Patienten mit Migräne, Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerz und anderen Kopfschmerzformen. Die Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl.Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie allen Kopfschmerzarten an.
- Neuropathische Schmerzsprechstunden: Für Patienten mit Nervenschmerzen, die beispielsweise durch Diabetes, Gürtelrose oder Operationen verursacht werden.
- Rückenschmerzsprechstunden: Für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die durch Bandscheibenvorfälle, Arthrose oder andere Ursachen verursacht werden.
- Spezialambulanzen für Bewegungsstörungen: Diese Ambulanzen bieten eine umfassende Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen, die oft mit Schmerzen verbunden sind.
- Ambulanz für Musikermedizin: Diese Ambulanz ist auf die speziellen körperlichen und psychischen Belastungen von Musikern spezialisiert und bietet ein interdisziplinäres Präventions-, Diagnose- und Therapieangebot.
- Neurovaskuläre Ambulanz: Hier werden Patienten mit komplexen neurovaskulären Erkrankungen (Erkrankungen der Hirn- und Rückenmarksgefäße) betreut.
- Ambulanz für erbliche neurologische Erkrankungen: Diese Ambulanz arbeitet eng mit anderen Spezialambulanzen zusammen, um erbliche Ursachen von Schmerzen und anderen neurologischen Erkrankungen zu diagnostizieren und zu behandeln.
Multimodale Schmerztherapie
Chronischer Schmerz ist ein bio-psycho-soziales Geschehen, das biologische ebenso wie psychologische, soziale und kulturelle Komponenten hat. Da eine Schmerzkrankheit sehr vielschichtig ist, sollte deshalb auch eine ganzheitliche Therapie erfolgen. Genau hier setzt das ZIS an: Ziel ist es, alle Aspekte der Schmerzkrankheit zu erfassen. Die Einbindung verschiedener Fachdisziplinen ermöglicht im interdisziplinären Team eine optimale Behandlung. Dabei bauen wir auf unser multimodales Konzept und eine auf unsere Patientinnen und Patienten individuell zugeschnittene Therapie.
Aufnahmeformalitäten und Kostenübernahme
Die Aufnahmeformalitäten für eine ambulante Schmerzbehandlung können je nach Klinik und Krankenkasse variieren. In der Regel ist eine Überweisung von einem niedergelassenen Arzt erforderlich. Einige Kliniken verlangen auch das Ausfüllen eines Schmerzkalenders und eines Schmerzfragebogens. Die Kostenübernahme durch die Krankenkasse hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art der Behandlung, der Diagnose und den individuellen Vereinbarungen zwischen der Klinik und der Krankenkasse. Zahlreiche Krankenkassen haben eine integrierte Versorgung ihrer Versicherten mit Behandlungsnetzen vertraglich geregelt. Für Versicherte bestimmter Krankenkassen erfolgt die Kostenübernahme bei Vorliegen der Aufnahmebedingungen.
Beispiele für Schmerzkliniken und -zentren
- Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Diese Klinik bietet eine spezielle Therapie von Migräne und anderen Kopfschmerzformen sowie von Nervenschmerzen und Rückenschmerzen an.
- Asklepios Fachklinikum Stadtroda, Klinik für Neurologie und Schmerztherapie: Diese Klinik verfügt über eine Spezialambulanz für Schmerztherapie, in der Patienten mit chronischen Schmerzen oder Kopfschmerzen ambulant betreut werden können.
- DRK Schmerz-Zentrum Mainz: Diese Spezialklinik bietet das komplette Behandlungsspektrum der Schmerztherapie an, sowohl konservativ-interventionell als auch operativ-neurochirurgisch.
- Universitätsklinikum rechts der Isar, München: Hier gibt es verschiedene Spezialambulanzen für Schmerzpatienten, darunter eine Schmerzsprechstunde, eine Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation und eine Ambulanz für Musikermedizin.
Forschung und Innovation in der Schmerztherapie
Viele Kliniken und Forschungseinrichtungen arbeiten kontinuierlich an der Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieverfahren für Schmerzpatienten. So umfassen Forschungsaktivitäten sowohl Projekte im neurobiologischen Grundlagenlabor, auf dem Gebiet der Biomarkerforschung, im Bereich der Bildgebung als auch im Bereich klinischer Studien, in denen neue Therapieansätze geprüft werden. Im Rahmen von Kompetenznetzwerken und Forschungsverbünden werden die Erkenntnisse und Erfahrungen verschiedener Zentren gebündelt, um die Versorgung von Schmerzpatienten weiter zu verbessern.
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