Arbeitsbedingungen in der Neurologie Pflege: Herausforderungen und Chancen

Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, insbesondere in der Neurologie, sind ein vielschichtiges Thema. Es ist geprägt von Herausforderungen wie dem Pflegenotstand, hoher Arbeitsbelastung und emotionaler Beanspruchung, aber auch von Chancen durch Teamarbeit, Wertschätzung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Arbeitsbedingungen in der Neurologie Pflege, um ein umfassendes Bild der Situation zu vermitteln.

Der Arbeitsalltag einer Pflegekraft in der Neurologie

Der Beruf der Pflegekraft in der Neurologie ist vielseitig und komplex. Ein typischer Arbeitstag ist schwer zu definieren, da die Aufgaben und Herausforderungen stark variieren können. Niklas van Recum, Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Intensivstation der Vitos Klinik für Neurologie Weilmünster, beschreibt seinen Arbeitsalltag wie folgt:

Montags bis freitags beginnt der Tag um 08:15 Uhr mit einer Frühbesprechung mit Kollegen aus der Pflege, der Stationsleitung, den Assistenzärzten, dem Oberarzt, der Physiotherapie und dem Sozialdienst. In stressigen Situationen ruhig zu bleiben und nicht in Hektik zu verfallen, ist eine wichtige Fähigkeit. Auch der Umgang mit Angehörigen kann sehr herausfordernd sein. Pflegekräfte begleiten Patienten teilweise über lange Zeit und erleben ihre Entwicklung mit. Die Dankbarkeit, die viele Patienten und deren Angehörige entgegenbringen, ist ein großer Ansporn. Andererseits sind die verschiedenen Schichten (Früh, Spät, Nacht) eine Herausforderung, um das Privatleben zu organisieren.

Der Pflegenotstand in Deutschland

In Deutschland gibt es einen Pflegenotstand, d.h. es gibt zu wenige Pflegekräfte für immer mehr Patienten. Dies führt zu einer hohen Arbeitsbelastung für die einzelnen Pflegekräfte und kann die Qualität der Patientenversorgung beeinträchtigen. Die Wertschätzung in der Bevölkerung gegenüber dem Pflegeberuf lässt teilweise zu wünschen übrig, was Niklas van Recum besonders schade und unverständlich findet. Seiner Meinung nach sollte dem Beruf in der öffentlichen Wahrnehmung ein viel höherer Stellenwert zukommen, und bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Vergütung sind nötig.

Herausforderungen und Belastungen

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind anspruchsvoll und tragen maßgeblich zum Pflegenotstand bei. Sie beeinflussen nicht nur die physische und psychische Gesundheit der Pflegekräfte, sondern haben auch Auswirkungen auf die Qualität der Pflege und die Attraktivität des Berufs.

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  • Arbeitszeiten: Die Arbeitszeiten in der Pflege sind oft lang und unregelmäßig. Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsdienste gehören zum Alltag der Pflegekräfte.
  • Physische Belastung: Die physische Belastung in der Pflege ist hoch. Das Heben und Bewegen von Patienten, das Arbeiten in gebückter Haltung und das lange Stehen können zu Muskel-Skelett-Erkrankungen führen.
  • Emotionale Belastung: Die emotionale Belastung ist ein weiterer wichtiger Faktor. Pflegekräfte stehen oft in direktem Kontakt mit leidenden oder sterbenden Menschen. Niklas van Recum versucht, die Schicksale der Patienten nicht zu sehr an sich heranzulassen und spricht mit seinen Kollegen über das Erlebte, um diese Dinge nicht mit nach Hause zu nehmen.
  • Mangel an Wertschätzung: Viele Pflegekräfte fühlen sich für ihre Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt. Dies kann zu Frustration und Demotivation führen.

Unterschiede zwischen Neurologischer Klinik Westend und anderen Einrichtungen

Die Neurologische Klinik Westend Wicker GmbH & Co. KG wird von ihren Mitarbeitern positiv bewertet. Auf Kununu erreicht die Klinik einen Score von 4,3. Besonders hervorgehoben werden die Arbeitsbedingungen (4,1 Punkte), das Umwelt- und Sozialbewusstsein (4,4 Punkte) sowie die Gleichberechtigung (4,5 Punkte).

Zu den Benefits, die von den Mitarbeitern am häufigsten genannt werden, gehören:

  • Betriebsarzt (94%)
  • Kantine (88%)
  • Flexible Arbeitszeiten (82%)
  • Gesundheitsmaßnahmen (82%)
  • Betriebliche Altersvorsorge (82%)
  • Mitarbeiter-Events (76%)

Allerdings gibt es auch Verbesserungspotenzial. Kritisiert werden vor allem die Kommunikation (3,7 Punkte) und die starren Hierarchien. Mitarbeiter wünschen sich eine bessere und schnellere Kommunikation, mehr Transparenz und eine Erneuerung der alten Organisationsstrukturen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Es gibt bereits einige Maßnahmen, die ergriffen wurden, um dem Pflegenotstand und den damit verbundenen Belastungen entgegenzuwirken. Dazu gehören:

  • Gesetzesänderungen: Das Pflegeberufegesetz soll die Pflegeausbildung reformieren und die Pflegeberufe attraktiver gestalten. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz sieht u.a. vor, dass Krankenhäuser mehr Personal einstellen müssen, um die Pflegequalität zu verbessern.
  • Förderung von Fort- und Weiterbildungen: Fortbildungen und Weiterbildungen werden gefördert, um die Qualifikation der Pflegefachkräfte zu erhöhen.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Flexiblere Arbeitszeitmodelle können die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern und somit den Beruf für mehr Menschen zugänglich machen.
  • Reduzierung der physischen und emotionalen Belastung: Der Einsatz von modernen Technologien und Entlastungsmaßnahmen könnte die Zufriedenheit der Pflegekräfte steigern.
  • Verbesserung der Kommunikation und Transparenz: Eine offene und transparente Kommunikation kann das Vertrauen der Mitarbeiter stärken und zu einer besseren Arbeitsatmosphäre beitragen.

Der Blick über den Tellerrand: Arbeitsbedingungen in den USA

Anna, eine deutsche Krankenpflegerin, die in den USA in der Neurologie und auf der Trauma-Intensivstation arbeitet, stellt fest, dass sich das Schichtsystem in den USA gravierend vom deutschen unterscheidet. Statt drei Acht-Stunden-Schichten würden US-Pflegekräfte in zwei Zwölf-Stunden-Schichten arbeiten, meist drei Schichten pro Person pro Woche. Sie persönlich glaubt nicht, dass die Patientenversorgung davon abhängt, wie viele Stunden man arbeitet, sondern vielmehr davon, wie hoch der Aufwand für eine einzelne Pflegekraft ist und wie viele Patienten sie gleichzeitig betreut. Während ihrer 8-Stunden-Schichten in Deutschland war es für sie normal, weder auf die Toilette gehen noch etwas essen oder trinken zu können. Sie findet die 12-Stunden-Schichten besser, weil sie für die Patienten und auch für die Pflegekräfte einfach effektiver seien. Sie bekommt eine volle Pause von eineinhalb Stunden, in der sie wirklich abschalten und sich um sich kümmern kann. Außerdem hätten die Patienten feste Bezugspersonen, da man meist drei Schichten am Stück arbeite.

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Ein weiterer wichtiger Unterschied ist die höhere Wertschätzung des Pflegeberufs in den USA. Wenn man sage, man sei "Registered Nurse", reagierten die Menschen mit großem Respekt. Anna hat sogar einen Krankenpflege-Rabatt in einem Outlet bekommen - nur, weil sie Krankenschwester ist.

Allerdings lehnt die Gewerkschaft Verdi das US-Modell mit Zwölf-Stunden-Schichten ab, da lange Schichten nachweislich die physische und psychische Belastung erhöhen, die Zeit für Erholung und Familie einschränken und mit einem hohen Fehler- und Gesundheitsrisiko verbunden sind.

Die Auswirkungen des Pflegenotstands auf junge Ärzte und Pflegende

Eine Studie zu „Arbeitsbedingungen und Gesundheitszustand junger Ärzte und professionell Pflegender in deutschen Krankenhäusern“ zeigt, dass bereits junge Angestellte im Krankenhaus unter dem Druck leiden. Mehr als 70 Prozent der jungen Angestellten im Krankenhaus leiden unter Burn-out-Symptomen und jeder Fünfte gab sogar an, aufgrund von arbeitsbedingtem Stress bereits Medikamente eingenommen zu haben. Konkret hätten 15 Prozent der jungen Pflegenden bereits Medikamente wegen Arbeitsstress eingenommen, bei den Ärzten lag dieser Anteil bei 22 Prozent.

Die Studie kristallisiert diverse Belastungsfaktoren heraus, darunter die Arbeitszeiten, verbale und körperliche Aggressionen durch Patienten und eine geringe interprofessionelle Zusammenarbeit.

Die Zukunft der Pflege in der Neurologie

Die Zukunft der Pflege in der Neurologie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es ist wichtig, dass die Arbeitsbedingungen verbessert werden, um den Beruf attraktiver zu gestalten und den Pflegenotstand zu bekämpfen. Dazu gehören eine faire Bezahlung, flexible Arbeitszeitmodelle, eine Reduzierung der physischen und emotionalen Belastung sowie eine größere Wertschätzung für die Arbeit der Pflegekräfte.

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Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Pflegeausbildung reformiert wird, um die Qualifikation der Pflegekräfte zu erhöhen. Auch der Einsatz von modernen Technologien kann dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Pflegequalität zu steigern.

Mögliche Entwicklungen bis 2035

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln könnten bis zum Jahr 2035 in der stationären Versorgung ca. 307.000 Pflegekräfte fehlen. Dies könnte eine Reihe von herausfordernden Entwicklungen mit sich bringen:

  • Ein anhaltender Fachkräftemangel würde wahrscheinlich zu einer weiteren Verschlechterung der Versorgungsqualität führen.
  • Patienten könnten weniger individuelle Betreuung und eine erhöhte Gefahr von Pflegefehlern erleben.
  • Die ohnehin schon belasteten Pflegekräfte würden einer noch größeren Arbeitsbelastung ausgesetzt sein.
  • Einrichtungen wie Pflegeheime oder Krankenhäuser könnten gezwungen sein, bestimmte Stationen oder Dienste zu schließen, da nicht genügend Personal vorhanden ist, um die notwendige Pflege und Betreuung sicherzustellen.
  • Der Pflegenotstand könnte dazu führen, dass bestimmte Leistungen eingeschränkt werden müssen, um die verfügbaren Ressourcen optimal zu nutzen.
  • Angesichts der schlechten Arbeitsbedingungen könnten immer mehr Pflegekräfte den Beruf verlassen oder in Länder mit besseren Arbeitsmöglichkeiten abwandern, was den Mangel in Deutschland weiter verschärfen würde.
  • Ein schlechteres Gesundheitssystem und eine unzureichende Pflege könnten sich auf die soziale Absicherung und das Wohlbefinden der Bevölkerung auswirken.

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