Einführung
Die Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Greifswald bietet ein breites Spektrum an Leistungen zur umfassenden und individuellen Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der elektrophysiologischen Diagnostik, insbesondere der Elektromyographie (EMG), sowie der Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. Die Klinik engagiert sich zudem in der Forschung, insbesondere in den Bereichen Schlaganfall, Epilepsie, Demenz und Multiple Sklerose.
Elektrophysiologische Diagnostik: EMG im Fokus
Das neurophysiologische Labor der Universitätsmedizin Greifswald ist modern ausgestattet und dient der Diagnostik von Erkrankungen des peripheren Nervensystems und neuromuskulären Erkrankungen. Untersucht werden sowohl stationäre als auch ambulante Patientinnen, wobei ambulante Untersuchungen nur auf Überweisung durch Fachärztinnen für Neurologie oder Nervenheilkunde erfolgen können.
Indikationen für eine neurophysiologische Untersuchung sind:
- Abklärung von Erkrankungen oder Verletzungen peripherer Nerven
- Abklärung von neuromuskulären Erkrankungen
Die elektrophysiologische Diagnostik dient der Klärung der Ursachen von Erkrankungen oder Verletzungen peripherer Nerven oder von neuromuskulären Erkrankungen.
EMG-gesteuerte Botulinumtoxin-Therapie
Ein Spezialgebiet ist die EMG-gezielte Behandlung mit Botulinumtoxin. Diese Therapie ist hochwirksam bei zervikalen Dystonien mit überwiegend rotatorischer Bewegungskomponente („Torticollis spasmodicus“) und bei fokaler Spastik der Hand, wenn nur einzelne Muskeln betroffen sind. Durch die elektromyographische (EMG-) Kontrolle unter Verwendung speziell präparierter Hohlnadeln gelingt eine gezielte Injektion von Botulinumtoxin in diejenigen Muskeln, in denen es seine Wirkung optimal entfalten kann.
Neuromuskuläre Erkrankungen: Diagnostik und Therapie im Zentrum Greifswald
Neuromuskuläre Erkrankungen sind gekennzeichnet durch eine Abnahme der Muskelmasse (Muskelschwund, Atrophie) oder durch eine Muskelschwäche (Parese). Dabei können entweder nur einzelne Muskelgruppen oder auch die gesamte Muskulatur des Körpers betroffen sein. Muskelschmerzen können zusätzlich auftreten, sind aber als alleiniges Symptom selten Ausdruck einer neuromuskulären Erkrankung.
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Insgesamt gibt es ca. 800 unterschiedliche neuromuskuläre Erkrankungen (Klassifikation nach Walton). Jede einzelne davon zählt zu den seltenen Krankheiten (Orphan Diseases), bei denen weniger als 5 Menschen pro 10.000 Einwohnern betroffen sind. Es gibt sowohl erbliche (genetisch bedingte) als auch erworbene Formen neuromuskulärer Erkrankungen.
Man unterteilt dabei in:
- Erkrankungen der motorischen Nerven:
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Spinale Muskelatrophie (SMA)
- Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung:
- Myasthenia gravis
- Erkrankungen der Muskulatur:
- Progressive Muskeldystrophien
- Kongenitale Myopathien und Strukturmyopathien
- Myotonien und muskuläre Ionenkanal-Erkrankungen
- Mitochondriale Erkrankungen
- Stoffwechselbedingte Myopathien und Speichererkrankungen
- Entzündliche Muskelerkrankungen (Myositis)
Sprechstunde für Neuromuskuläre Erkrankungen, ALS und Myasthenie
Die Sprechstunde für Neuromuskuläre Erkrankungen, ALS und Myasthenie ist Teil des neuromuskulären Zentrums Greifswald, das mit dem Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM) zertifiziert ist. In diesem Zentrum arbeiten unterschiedliche Fachrichtungen interdisziplinär zusammen.
Leistungsspektrum der Sprechstunde:
- Umfassende Diagnostik aller neuromuskulären Erkrankungen des Erwachsenenalters inklusive:
- Elektromyograophie (EMG) und -neurographie (ENG)
- Muskel- und Nervensonographie
- Labor- und Antikörperdiagnostik
- Ausführliche Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen
- Leitlinien-gerechte Therapie und Hilfsmittelversorgung inklusive Therapien mit Nursinersen und Risdiplam bei der SMA
Es besteht außerdem eine enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Humangenetik (molekulargenetische Diagnostik), der Klinik für Neurochirurgie (Nerven- und Muskelbiopsien) und dem Institut für Pathologie (histologische Untersuchung von Gewebeproben) sowie der Beatmungssprechstunde der Klinik für Innere Medizin B und der rheumatologischen Sprechstunde der Klinik für Innere Medizin A. Für komplexere Fälle stehen auch stationäre Betten zur Verfügung. Hier kann auch eine Eskalationstherapie (Immunglobulinie, Plasmapherese, Antikörpertherapie) bei krisenhafter Verschlechterung einer Myasthenia gravis erfolgen.
Forschungsschwerpunkte der Klinik
Die Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald widmet sich in der Forschung insbesondere folgenden Schwerpunkten:
- Schlaganfall
- Epilepsie
- Demenz
- Multiple Sklerose
Akademische Ausbildung und Weiterbildung
Die Klinik vermittelt ihr vielfältiges Profil auch in der akademischen Ausbildung und der klinischen Weiterbildung und trägt damit maßgeblich zur ärztlichen Versorgung der Region bei.
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Personal und Expertise
Die Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald verfügt über ein hochqualifiziertes Team, das sich durch Expertise und Engagement auszeichnet.
Einige herausragende Persönlichkeiten:
Prof. Dr. Berufung auf eine ordentliche W2-Professur für Klinische Neurophysiologie an der Universitätsmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Leitender Oberarzt und Stellvertreter des Klinikdirektors der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Greifswald. Zuvor Chefarzt der Abteilung für Neurologie an den Kliniken des Landkreises Sigmaringen. Venia legendi für das Fach Neurologie an der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität mit der Habilitationsschrift: "Stellenwert der dreidimensionalen Ultrasonographie für die Untersuchung der extra-und intrakraniellen hirnversorgenden Gefäße". Forschungsaufenthalt am Stroke Research Center der Wake Forest University in Winston Salem, North Carolina, USA, als Stipendiat der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung. Facharzt für Neurologie und Promotion zum Dr. med. an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Assistenzarzt an den Universitätsklinika in Frankfurt/Main, Mannheim und Greifswald.
Priv.-Doz. Dr. med. Venia legendi für das Fach Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald mit der Habilitationsschrift: „Der Einfluss der Schädigung der grauen Substanz auf die klinische Beeinträchtigung bei Patient*innen mit Multipler Sklerose“. Oberarzt seit 2017, Facharzt für Neurologie und Funktionsoberarzt. Research Fellowship, University Auckland, Department for sports and exercise science. Stipendiat Gerhard-Domagk Forschungsförderung für Nachwuchswissenschaftler. Assistenzarzt an der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.
Veranstaltungen und Kooperationen
Die Klinik für Neurologie engagiert sich in der Organisation von Fachveranstaltungen und pflegt Kooperationen mit anderen Institutionen.
Beispiele:
- Sommertagung des Arbeitskreises vaskulärer Ultraschall und der Sektion Neurologie der Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in Greifswald.
- Joint Meeting ‘Emerging Atherosclerosis Endpoints in Clinical Trials’ Ausrichter: Ernst-Moritz-Arndt-Universität und Stroke Research Center der Wake Forest University (Winston-Salem) in Greifswald.
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