Neurologie am Inselspital Bern: Umfassende Versorgung und innovative Therapien

Die Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern ist die grösste neurologische Klinik der Schweiz und bietet ein breites Spektrum an neurologischer Versorgung, von der Grundversorgung bis hin zu hochspezialisierter Medizin. Jährlich werden hier ambulant über 30'000 und stationär etwa 2'000 Patientinnen und Patienten behandelt. Die Klinik zeichnet sich durch ihre interdisziplinäre Zusammenarbeit und ihr Engagement in Forschung und Lehre aus.

Ambulante Versorgung und Spezialsprechstunden

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der ambulanten Versorgung. Das Neurozentrum bietet verschiedene Spezialsprechstunden an, darunter das interdisziplinäre universitäre Zentrum für Seh- und Wahrnehmungsstörungen (ZSWP) und die Schwindelsprechstunde, die eng mit dem ZSWP zusammenarbeitet. Diese Einrichtungen bieten umfassende Diagnostik und Therapie für Patientinnen und Patienten mit neuro-ophthalmologischen und neuro-otologischen Beschwerden. Die selbstständige Betreuung von ambulanten Patientinnen und Patienten mit Augenbewegungsstörungen, Visusstörungen und Wahrnehmungsstörungen gehört ebenso zum Leistungsspektrum.

Tiefe Hirnstimulation: Ein innovatives Therapieverfahren

Das Inselspital Bern blickt auf eine lange Tradition in der Anwendung der tiefen Hirnstimulation (DBS) zurück. Bereits 1998 wurde hier die erste Patientin mit dieser Technik behandelt. In den letzten Jahren hat sich die DBS insbesondere in der Behandlung von Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson etabliert.

Anwendung bei Depressionen

Erstmals führte ein interdisziplinäres Ärzteteam des Universitären Neurozentrums Bern am Inselspital eine tiefe Hirnstimulation bei einer Patientin mit schwerer therapieresistenter chronischer Depression durch. Bei der DBS werden minimalinvasive Elektroden im Gehirn implantiert, die chronische elektrische Impulse abgeben. Diese Impulse werden über einen Hirnschrittmacher gesteuert, der unter dem Schlüsselbein im Brustbereich implantiert wird. Die Neurologinnen und Neurologen können den Hirnschrittmacher über ein externes Programmiergerät einstellen.

Obwohl das Verfahren vergleichbar ist mit der DBS bei Bewegungsstörungen, steckt die Anwendung bei psychiatrischen Erkrankungen noch in den Kinderschuhen. Weltweit wurden bisher nur etwa 150 Fälle, meist im Rahmen von Studien, publiziert. Die behandelnde Psychiaterin, Prof. Dr. med. Sebastian Walther, betont, dass die Patientin seit zwei Jahrzehnten an einer schweren, therapieresistenten Depression leidet.

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Parkinson-Zentrum und Bewegungsstörungen

Ein weiterer Schwerpunkt der Universitätsklinik für Neurologie ist das Zentrum für Parkinson und Bewegungsstörungen, dessen stellvertretende Leiterin Dr. med. Ines Debove ist. Das Zentrum bietet umfassende Diagnostik und Therapie für Menschen mit Parkinson und anderen Bewegungsstörungen.

Forschung und Innovation

Dr. Debove beschäftigt sich seit über 10 Jahren intensiv mit der Parkinson-Krankheit und hat an der Erstellung des aktuellen Konsensus der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft zur Parkinson-Krankheit mitgewirkt. Sie betont die Vielfältigkeit des Krankheitsbildes und die Notwendigkeit, neuropsychiatrische Symptome mitzubehandeln.

Aktuelle Forschungsschwerpunkte

  • Anti-Alpha-Synuklein-Präparate: Obwohl bisher kein Kandidat erfolgreich war, wird in diese Präparate viel Hoffnung für zukünftige Therapien gesetzt. Studien deuten darauf hin, dass diese Antikörper das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen könnten.
  • Früherkennung: Die Früherkennung der Parkinson-Krankheit ist eine grosse Herausforderung. Neue Arbeiten haben gezeigt, dass sich das Alpha-Synuklein mit dem "alpha synuclein seed amplification assay" aus verschiedenen Gewebearten isolieren lässt. Dies ermöglicht eine Vorhersage, ob eine Person mit hoher Wahrscheinlichkeit Parkinson entwickeln wird, noch bevor die ersten klinischen Symptome auftreten.
  • Bewegungstherapie: Studien haben gezeigt, dass regelmässige sportliche Betätigung den Verlauf der Parkinson-Krankheit verlangsamen und die Lebensqualität verbessern kann.

Meilensteine in der Parkinson-Therapie

  • Levodopa: Die Einführung von Levodopa war der grösste Gamechanger in der Parkinson-Therapie.
  • Tiefe Hirnstimulation: Die Tiefe Hirnstimulation ist eine sehr effiziente Therapie gegen die Symptome der Parkinsonerkrankung in fortgeschrittenen Stadien.
  • Pumpentherapien und MR-gesteuerter fokussierter Ultraschall (MRgFUS): Diese Therapien bieten zusätzliche Optionen zur Behandlung von Parkinson.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Dr. Debove betont, dass die grösste Herausforderung in der Früherkennung der Parkinson-Krankheit liegt. Wenn es gelänge, die Krankheit früher zu erkennen und zu therapieren, könnte man den Krankheitsverlauf grundlegend verändern.

Sie weist auch darauf hin, dass die aktuellen Therapien hauptsächlich symptomorientiert sind. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren krankheitsmodifizierende Therapien entwickelt werden.

Fortbildungsveranstaltungen und Akademische Aktivitäten

Die Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern engagiert sich stark in der Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten. Regelmässig finden Fortbildungsveranstaltungen zu verschiedenen Themen der Neurologie statt.

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Beispiele für Fortbildungsveranstaltungen

  • Tiefe Hirnstimulation für die Therapie der Parkinson-Erkrankung
  • Bewegung als Medizin: Wissenschaftliche Evidenz und Praxis bei Parkinson
  • Neues in der Parkinson-Therapie - ein Blick in die Zukunft
  • Hypothermie während und nach endovaskulärer Schlaganfalltherapie
  • Kognitive Netzwerke in Zusammenhang von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Schlaf
  • Endovaskuläre Behandlung von Schlaganfällen bei Verschlüssen mittlerer oder distaler Gefäße
  • Neue MS-Diagnosekriterien
  • Alzheimer-Krankheit: Chancen und Perspektiven durch neue Tests und neue Therapien
  • Demenz im Fokus der ambulanten und stationären ärztlichen Versorgung
  • Zentralarterienverschluss: Ein Notfall zwischen Neurologie und Ophthalmologie

Das Team

Das Team der Universitätsklinik für Neurologie am Inselspital Bern besteht aus erfahrenen und hochqualifizierten Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen und anderen Spezialistinnen und Spezialisten. Sie arbeiten interdisziplinär zusammen, um den Patientinnen und Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten.

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