Mitteldeutsches Kopfschmerzzentrum Jena: Umfassende Versorgung für Kopfschmerzpatienten

Chronische Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitete Volkskrankheiten, von denen in Deutschland rund acht Millionen Menschen betroffen sind. Dies führt jährlich zu etwa einer Million verlorener Arbeitstage. Um die Versorgung dieser Patientengruppe zu verbessern, wurde am Universitätsklinikum Jena (UKJ) das Mitteldeutsche Kopfschmerzzentrum Jena eröffnet. Diese Einrichtung, die in Kooperation mit der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) entstanden ist, bietet eine umfassende und integrierte Gesundheitsversorgung speziell für Menschen mit Kopfschmerzen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für optimale Behandlung

Das Mitteldeutsche Kopfschmerzzentrum Jena zeichnet sich durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen aus. Neurologen, Psychologen und Physiotherapeuten arbeiten Hand in Hand und kooperieren zusätzlich mit niedergelassenen Schmerztherapeuten. "Wir bieten eine Behandlung aus einem Guss an", betont Professor Otto Witte, Leiter der Klinik für Neurologie.

Die Behandlung chronischer Kopfschmerzen erfolgt im Rahmen einer integrierten Gesundheitsversorgung. Das bedeutet, dass die spezialisierten Fachkräfte aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Pflege sowie Physio- und Bewegungstherapie eng zusammenarbeiten, um eine qualitativ hochwertige Behandlung zu gewährleisten. Durch die kontinuierliche Fortbildung der Mitarbeiter wird sichergestellt, dass die Behandlung stets auf dem aktuellen Kenntnisstand der Forschung basiert.

Schwerpunkte der Behandlung

Die Behandlung im Mitteldeutschen Kopfschmerzzentrum Jena umfasst verschiedene Schwerpunkte:

  • Neurobiologische Aspekte: Die ärztlichen Schmerztherapeuten konzentrieren sich auf die neurobiologischen Aspekte der Kopfschmerzerkrankung. Im Vordergrund stehen eine umfassende Befundung sowie die medikamentöse Therapie.
  • Akutmedikation: Ziel der Akutmedikation ist es, das unmittelbare Schmerzerleben und etwaige Begleiterscheinungen effektiv zu reduzieren.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Zusätzlich kann eine medikamentöse Prophylaxe in Betracht gezogen werden, um die Häufigkeit, Intensität und Dauer der Kopfschmerzerkrankung zu verbessern. Die Auswahl der individuell passenden Medikation erfolgt auf Grundlage der Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und dem aktuellen Kenntnisstand der Forschung.
  • Psychologische Unterstützung: Die psychologischen Mitarbeiter vermitteln die Bedeutung psychologischer Behandlungsansätze in der Kopfschmerztherapie. Sie erklären das Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Kopfschmerzsymptomatik. Ein wichtiger Bestandteil ist das Verständnis für die Erkrankung und deren Folgen für den privaten und beruflichen Alltag.
  • Schmerzpsychotherapie: Neben dem Einsatz vielfältiger schmerzpsychotherapeutischer Methoden im Einzel- und Gruppensetting werden die Patienten über kopfschmerzrelevante Faktoren des Erlebens und Verhaltens informiert, um ihnen ein besseres Verständnis ihrer Erkrankung zu ermöglichen. Auch die Erarbeitung von individuellen Stressbewältigungsstrategien spielt eine wichtige Rolle.
  • Physiotherapie: In Fällen, in denen Kopfschmerzen mit Symptomen wie Verspannungen und Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, des Kiefergelenks bzw. der Kaumuskulatur einhergehen, untersuchen die geschulten Physiotherapeuten diese Zusammenhänge und beraten individuell anhand eines vielfältigen Repertoires an aktiven, physiotherapeutischen Methoden.
  • Pflegerisches Schmerzmanagement: Für ein umfassendes pflegerisches Schmerzmanagement erfolgt die Kopfschmerzbehandlung und -versorgung mit der Unterstützung spezialisierter Pflegefachkräfte. Diese verfügen über ein entsprechendes Pflegefachwissen, berücksichtigen patientenbezogene Kontexte des Schmerzes und stehen in enger Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam.
  • Patienteninformation und -beteiligung: Es ist unabdingbar, die Patienten umfassend zu informieren und in jeden Teil des Entscheidungsprozesses miteinzubeziehen.

Zertifizierung und Qualitätsstandards

Das Mitteldeutsche Kopfschmerzzentrum am Universitätsklinikum Jena (UKJ) unter der Leitung von Dr. Peter Storch erhielt als bundesweit erste schmerztherapeutische Einrichtung die Zertifizierung in der Kategorie der höchsten Versorgungsstufe (Level 3). Dieses Zertifikat bescheinigt eine Behandlung auf höchstem Qualitätsniveau.

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Um die Behandlungsqualität von Kopfschmerzpatienten in Deutschland zu verbessern, hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ein strukturiertes Fortbildungsprogramm etabliert und das persönliche Kopf- und Gesichtsschmerzzertifikat eingeführt. Darüber hinaus hat die Fachgesellschaft zusammen mit dem TÜV Rheinland ein unabhängiges Zertifizierungsverfahren entwickelt, das auch die Strukturqualität in Ambulanzen und Kliniken erfasst.

Wichtigstes gemeinsames Merkmal aller drei Versorgungsstufen ist ein multimodales und interdisziplinäres Konzept der Diagnostik und Behandlung. In Zentren der Stufe 2 und 3 besteht auch die Möglichkeit einer stationären Therapie. Dieses System ermöglicht eine umfassende und individuell auf die Erfordernisse des Patienten abgestimmte Schmerztherapie unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Leitlinien.

Die Zertifizierung ermöglicht es Patienten, zuweisenden Ärzten und Krankenkassen, die Qualität der Kopfschmerzversorgung besser zu beurteilen und dafür zu sorgen, dass gerade schwer betroffene Patienten schneller an der richtigen Stelle behandelt werden.

Behandlungsformen und Patientenzahlen

Das Mitteldeutsche Kopfschmerzzentrum der Universitätsklinik Jena entstand 2008 als Modell der integrierten Gesundheitsversorgung. Die Behandlung erfolgt entweder ambulant, teilstationär oder stationär. Pro Jahr werden mehr als 2000 Patienten mit allen Arten von Kopfschmerzen behandelt.

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