Neurologische Ursachen kalter Füße: Ein umfassender Überblick

Kalte Füße sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft, insbesondere in den Wintermonaten. Während sie oft als bloße Unannehmlichkeit abgetan werden, können kalte Füße in einigen Fällen ein Symptom für zugrunde liegende medizinische Probleme sein, insbesondere neurologischer Natur. Dieser Artikel untersucht die verschiedenen neurologischen Ursachen kalter Füße, ihre Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

Kalte Füße entstehen, wenn die Blutgefäße in den Füßen sich verengen, wodurch die Durchblutung reduziert wird. Dies kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter niedrige Temperaturen, Stress und bestimmte medizinische Erkrankungen. In vielen Fällen sind kalte Füße harmlos und können durch einfache Maßnahmen wie das Tragen warmer Socken oder das Bewegen der Füße gelindert werden. In einigen Fällen können kalte Füße jedoch ein Zeichen für ein ernsteres Problem sein, das eine medizinische Behandlung erfordert.

Polyneuropathie als Ursache kalter Füße

Eine der häufigsten neurologischen Ursachen kalter Füße ist die Polyneuropathie. Der Begriff "Polyneuropathie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "Erkrankung mehrerer Nerven". Es handelt sich um eine Erkrankung, die die peripheren Nerven betrifft, d.h. die Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Die Polyneuropathie kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Vitaminmangel, Infektionen und Autoimmunerkrankungen.

Symptome der Polyneuropathie

Die Symptome der Polyneuropathie können je nach den betroffenen Nerven variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle in den Füßen und Händen
  • Schmerzen in den Füßen und Beinen, die sich nachts verschlimmern können
  • Muskelschwäche oder -schwund
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Kalte Füße
  • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen
  • Verlust des Temperaturempfindens

Einige Patienten klagen über ein Kältegefühl, Kribbelmissempfindungen und brennende Sensationen bzw. stechende Schmerzen in den Füßen. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann.

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Im Verlauf von mehreren Monaten bis Jahren kommt es zur Ausweitung der Symptome auf die Füße und Unterschenkel mit Socken-förmiger oder Kniestrumpf-förmiger Begrenzung. Die Oberschenkel können im Verlauf einer weiteren Verschlechterung oder bei einigen Patienten auch primär betroffen sein. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit Handschuh-förmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein. Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Viele Patienten klagen über kalte Füße. Auch das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen. Das Schmerzempfinden wird allmählich herabgesetzt, so dass Verletzungen am Fuß nicht oder nur zu spät wahrgenommen werden.

Ursachen der Polyneuropathie

Es gibt über 300 bekannte Ursachen von Polyneuropathie. Ca. 35 % der Polyneuropathien sind in Deutschland auf den Diabetes mellitus (Zuckererkrankung) zurückzuführen und etwa 20 % auf Alkoholkonsum. Die Ursache von etwa 1/4 aller Polyneuropathien bleibt auch nach ausführlicher Abklärung ungeklärt.

Häufige Ursachen:

  • Diabetes mellitus: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann die Nerven schädigen.
  • Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen.
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, insbesondere B12, kann die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie Borreliose oder HIV, können die Nerven schädigen.
  • Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Lupus oder rheumatoide Arthritis können die Nerven angreifen.
  • Medikamente: Gewisse Chemotherapeutika, Interferone, Virustherapeutika bei HIV und viele weitere Einzelsubstanzen.
  • Nierenerkrankungen: Nierenversagen kann zu einer Ansammlung von Giftstoffen im Körper führen, die die Nerven schädigen können.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse können die Nervenfunktion beeinträchtigen.
  • Genetische Faktoren: Es gibt mehrere genetisch bedingte Polyneuropathien.

Weitere Ursachen:

  • Gewisse Lebererkrankungen
  • Gewisse Krebserkrankungen
  • Bluteiweißerkrankungen
  • Nach lebensbedrohlichen Erkrankungen mit Intensivbehandlung
  • HIV/AIDS
  • Porphyrie
  • Amyloidose
  • Borreliose (Zeckenbisserkrankung)
  • Gefäßentzündungen (Vasculitis)
  • Vitaminmangel von B1, B2, B6, E
  • Schwermetallvergiftung (Blei, Arsen, Thallium, Quecksilber, Gold)

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnose der Polyneuropathie umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine neurologische Untersuchung und verschiedene Tests, um die Nervenfunktion zu beurteilen. Zu den gängigen Tests gehören:

  • Nervenleitgeschwindigkeitstest (NLG): Dieser Test misst, wie schnell elektrische Signale durch die Nerven wandern.
  • Elektromyographie (EMG): Dieser Test misst die elektrische Aktivität der Muskeln.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Nierenerkrankungen zu identifizieren.
  • Nervenbiopsie: In einigen Fällen kann eine Nervenbiopsie erforderlich sein, um die Ursache der Polyneuropathie zu bestimmen.

Behandlung der Polyneuropathie

Das primäre Ziel der Behandlung ist die Ausschaltung der Ursache der Polyneuropathie. Die bedeutet z.B. einen Diabetes mellitus optimal mit Medikamenten einzustellen. Medikamente, die eine Polyneuropathie verursachen, müssen abgesetzt oder ausgetauscht werden, insofern sie nicht aus anderem Grund unabdingbar notwendig sind. Eine toxische Exposition, beispielsweise durch Schwermetalle oder Umweltgifte, muss beendet werden. Ist Alkohol die Ursache der Polyneuropathie, so muss vollständige, lebenslange Abstinenz eingehalten werden. Auch kleinere Mengen Alkohol können eine Verschlechterung herbeiführen oder eine Ausheilung verhindern, da das Nervensystem bereits vorgeschädigt ist. Alkoholabstinenz ist immer eine Voraussetzung für eine Verbesserung oder Ausheilung der Symptomatik.

Für die Behandlung der Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen stehen mehrere Medikamente zur Verfügung.Liegt eine entzündliche Ursache der Polyneuropathie vor, so können Cortison-Infusionen, Plasmapherese (umgangssprachlich - Blutwäsche) oder die Gabe von Immunglobulinen zu einer Linderung oder gar Ausheilung führen. Die Notwendigkeit der Anwendung dieser Medikamente oder Verfahren zu beurteilen ist Sache des neurologischen Experten.

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  • Schmerzlinderung: Medikamente wie Antidepressiva und Antikonvulsiva können helfen, neuropathische Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die täglichen Aktivitäten zu erleichtern.
  • Neural-Akupunktur: Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden.

Andere neurologische Ursachen kalter Füße

Neben der Polyneuropathie gibt es noch andere neurologische Ursachen für kalte Füße, darunter:

  • Raynaud-Syndrom: Das Raynaud-Syndrom ist eine Erkrankung, die dazu führt, dass sich die Blutgefäße in den Fingern und Zehen als Reaktion auf Kälte oder Stress verengen.
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Die pAVK ist eine Erkrankung, die durch eine Verengung der Arterien in den Beinen verursacht wird. Dies kann zu einer verminderten Durchblutung der Füße und damit zu kalten Füßen führen.
  • Multiple Sklerose (MS): MS ist eine Autoimmunerkrankung, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. MS kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch kalte Füße.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): RLS ist eine neurologische Erkrankung, die einen unkontrollierbaren Drang verursacht, die Beine zu bewegen. RLS kann auch zu kalten Füßen führen.

Nicht-neurologische Ursachen kalter Füße

Es ist wichtig zu beachten, dass kalte Füße auch durch nicht-neurologische Faktoren verursacht werden können, wie z. B.:

  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Ein niedriger Blutdruck kann die Durchblutung der Extremitäten verringern.
  • Schilddrüsenunterfunktion: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann den Stoffwechsel verlangsamen und zu kalten Füßen führen.
  • Eisenmangel: Eisenmangel kann zu Blutarmut führen, was die Sauerstoffversorgung der Gewebe beeinträchtigen und kalte Füße verursachen kann.
  • Enge Schuhe und Socken: Enge Schuhe und Socken können die Durchblutung der Füße einschränken.
  • Schweißfüße: Nässebildung bei Schweißfüßen kann zu Verdunstungskälte führen.
  • Stress: Stress kann die Blutgefäße verengen und die Durchblutung der Füße verringern.
  • Gestörte Wärmeregulation: Frauen sind häufiger betroffen, da sie weniger Muskelmasse, dünnere Haut und hormonelle Schwankungen haben.

Was kann man gegen kalte Füße tun?

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man gegen kalte Füße tun kann:

  • Warme Socken und Schuhe tragen: Warme, lockere Socken und gefütterte Schuhe können helfen, die Füße warm zu halten.
  • Fußbäder nehmen: Heiße Fußbäder mit Zusätzen wie Holzasche, Salz oder ätherischen Ölen können die Durchblutung fördern.
  • Füße massieren: Eine Massage der Füße kann die Durchblutung anregen.
  • Barfußlaufen: Regelmäßiges Barfußlaufen kann die Füße abhärten und die Durchblutung anregen.
  • Wärmflasche oder Kirschkernkissen verwenden: Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen kann die Füße im Bett warmhalten.
  • Wechselduschen: Wechselduschen können die Durchblutung anregen und den Kreislauf in Schwung bringen.
  • Stress vermeiden: Stress kann die Blutgefäße verengen und die Durchblutung der Füße verringern.
  • Scharfe Speisen essen: Scharfe Speisen können die Durchblutung anregen.
  • Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung verbessern die Durchblutung in Muskeln und Haut.
  • Nicht rauchen: Rauchen kann die Blutgefäße verengen und die Durchblutung der Füße verringern.
  • Beine nicht übereinanderschlagen: Wer lange am Schreibtisch sitzt, sollte vermeiden, die Beine übereinander zu schlagen, um die Durchblutung nicht zu stören.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind kalte Füße harmlos. Es gibt aber auch Situationen, in denen sie Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung sind. Dann ist ein Arztbesuch ratsam. Nicht ignorieren sollten Sie es beispielsweise, wenn die Füße selbst bei warmen Temperaturen oder in dicken Socken kalt bleiben. Auch wenn weitere Symptome die kalten Füße begleiten, wie Kribbeln, Schwindel, Schmerzen oder Fieber, gehen Sie besser zum Arzt. Ebenfalls notwendig ist ein Besuch in der Praxis, wenn ein Fuß warm, der andere kalt ist. Das deutet eventuell auf eine Gefäßerkrankung hin.

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